Time to say goodbye

12. März 2010

Mit diesem Lied von Andrea Bocelli und Sarah Brightman aus dem Jahr 1996 schließt sich die Akte Anästhesie. Die Woche hatte noch einige Überaschungen parat, aus der Schattenseite (siehe letzter Eintrag) ist noch einiges ins Licht gerückt: Plötzlich, am Mittwoch Nachmittag stand Sie vor mir, ganz deutlich konnte ich Sie sehen. Ihr Anblick weckte das Verlangen in mir. Ihre drei Buchstaben leuchteten in meinen Augen, vielleicht war aber auch der Monitor auf dem ich das OP-Programm für den nächsten Tag lesen konnte, sehr hell eingestellt. SPA, die Abkürzung für Spinalanästhesie! Also schnell zum Oberarzt und das Ding klarmachen. Am nächsten Tag durfte ich das dann tatsächlich machen, was auch auf Anhieb geklappt hat. Die Anleitung war sehr gut, ich hab die Stelle markiert an der ich reinstechen würde, Oberarzt war einverstanden und schon gings los. Ehrlich gesagt war ich ziemlich froh, als ich am Ende der Sprotte (eine der verschiedenen Nadelarten) Liqour sehen konnte, ein Zeichen für die intrathekale Lage der Nadel.

Weniger gut etwas spätger der Versuch einen ZVK in die V. Jugularis interna zu legen. Nach Punktion kam Blut, beim Abziehen der Spritze pulsierte nix, aber trotzdem konnte man den Seldinger-Draht schlecht vorschieben. Eine BGA brachte dann Klarheit: Arterielle Fehlpunktion, hat wohl nur nicht pulsatil gespritzt wegen des niedrigen Blutdrucks nach der Einleitung. Der zweite Versuch gehörte dann dem OA, der aber auch nix gefunden hat und deshalb die gleichseitige V. suvblacia punktierte. Wen man so zuguckt, kann das so einfach aussehen. Stich – Treffer – Draht rein. Zack.

Heute hab ich das dann immerhin noch nachholen können und es hat funktioniert. Logischerweise ist es am Ende besser fürs Gefühl, wenn nicht alles inne dutten geht, sondern unproblematisch klappt. Abgesehen von einem ZVK hab ich heute zusätzlich noch 2 Interskalenuskatheter gelegt, was bei ersten gut und bei dem zweiten mit etwas Hilfe ging.

Das hier muss ich noch loswerden: Wie immer gibt es natürlich in jedem Team Leute mit denen man nicht klarkommt. Seitens der Pflege gibt es total viele liebe Menschen, aber einer, mit dem ist man nicht per Du. Nein, nein. Da ich vorgewarnt wurde, das selbst das Vorstellen nur mit dem eigenen Vornamen schon als Respektlosigkeit empfunden wird, hatte ich schon einiges befürchtet. Zwichendurch war ich schon zweimal mit dem netten Mann von nebenan aneinander gerasselt, einmal wegen einer Braunüle, die seiner Meinung nach auf der falschen Seite platziert war, an die zweite Situation erinnere ich mich gar nicht mehr. Burn out? Wandelnde berufliche Gratifikationskrise? Keine Ahnung, der Typ macht die Nummer schon so lange wie ich lebe, der wird auch schon genug studentische Spezialagenten in seinem Leben gesehen haben. Die kommen alle an und können nicht viel, aber im Laufe der Zeit überholen sie ihn unweigerlich. Egal, von mir kriegt er das Prädikat Mokel.

Umschreiber einer Person welche a.) einfache Tätigkeiten verrichtet b.) deren Tätigkeiten unklar und nicht weiter bekannt sind c.) Zivilangestellter bei der BW (Stovmokel – Mitarbeiter der Standortverwaltung) Auch in Verbform bekannt— “rummokeln”. Quelle: Mundmische.de

Heute hatte ich IHN dann jedenfalls als Anästhesie-Pfleger. Den ersten Skalenuskatheter den ich machen sollte hab ich wie immer angefangen, allerdings war es schon bei dem ersten Medikament was er spritzen sollte vorbei. Zitat: “Sie sind hier nicht der Chef”. Echt? Und ich dachte die überweisen mir am Ende des Monats nur zu wenig Geld! Und auch über meinen Parkplatz müssen wir dann nochmal nachverhandeln glaub ich! Noch absurder ist, dass ich beim nächsten Katheter auf die Frage ob er das schon gespritzt hat die maulige Antwort “Natürlich, wie immer” bekommen habe, wobei es natürlich gar kein wie immer gibt. Ich sag ja: MOKEL !!!

Sonst war aber alles Wölkchen inkl. der Verabschiedungsrunde nach der letzten OP werd ich jetzt noch ne Stunde schlafen. Um halb acht geht es dann mit ein paar von den PJ´s essen und den Abschluß hier feiern.
Über den vermutlich dramatischen Verlauf berichte ich die Tage.

Counting the days…

9. März 2010

Es neigt sich dem Ende entgegen. Und das ist auch gut so, schließlich sollte man gehen wenn es am schönsten ist, man könnte auch sagen: Irgendwann übersteigt es den Zenith und geht nicht weiter aufwärts, man ist und bleibt ja Student. Rückblickend kann ich sagen das ich während meiner OP-Zeit doch einiges mache konnte. Die Anzahl der Intubationen ist mittlerweile sicher im dreistelligen Bereich. Ich habe EInleitungen und Ausleitungen genau wie einfache Narkosen alleine gemacht, ebenso einige regionale Anästhesieverfahren (Interskalenusblocks, Ischiadikus- u. Femoraliskatheter) und ein paar arterielle Kanülen gelegt. Soviel zur Sonnenseite – auf der Schattenseite liegen irgendwo im dunklen grau leider nur 3 ZVK´s (jeweils einmal V. jugularis interna, V. subclavia, V. femoralis) und sage und schreibe KEINE Spinalanästhesie.

Heute war der Tag sehr gemischt, den Vormittag über war ich mit einer recht jungen Weiterbildungsassistentin unterwegs die sehr nett ist, aber die meisten Sachen einfach noch gern selber machen mag. Also Intubieren ist schon drin, aber Narkoseführung und so eher nicht. Das es einem lieber ist, wenn jemand mit Erfahrung einem zuguckt als umgedreht ist wahrscheinlich einleuchtend. Da gerade Semesterferien sind und somit noch einige Famulanten angespült wurden, ist auch fast jeder Saal bereits studentisch belegt, damit entfällt das flexible hin-u. herspringen wenn´s was interessantes zu sehen gibt leider. Trotzdem hat es sich dann am frühen Nachmittag noch entwickelt: Eine Schulter-OP stand an und der Patientenwunsch eines Plexuskatheters war auf der OP-Übersicht irgendwie untergegangen. Den durfte ich dann netterweise alleine machen, genau wie die folgende Einleitung. Dabei zugeschaut hat mir meine Lieblings-Assistentin Beata. Sie ist schon fortgeschritten und lässt einen echt machen, von der Vorstellung beim Patienten bis zur Übergabe an den Aufwachrum. Sie sitzt quasi nur als Deko (so sagt sie immer) mit im OP-Saal. Außerdem ist sie total lieb. Ausgeleitet hätte ich das Ganze natürlich gern auch noch, aber von gestern wurde eine Anästhesie-Fortbildung nachgeholt, die gestern an einem fehlenden Anschlusskabel für den Beamer scheiterte.

Heute Abend dann noch ab in die Muckibutz und jetzt die Äuglein zu, denn morgen geht es weiter. Soundtrack des Tages: Hast du Sehnsucht nach der Nadel von den Onkelz. Sweat home Anaesthesia…

Kann nicht mehr liegen

6. März 2010

Nach so viel Zeit im Bett war ich Freitag morgen noch ziemlich müde, was mich aufgrund der späten Einschlafzeit auch nicht weiter verwundert hat. So spät hatte ich unter der Woche schon ewig kein TV mehr geguckt, weshalb bis dato auch an mir vorbei gegangen war das der Großmeister Harald Schmidt im Zustand nach Oliver Pocher wieder allein sendet. War jedenfalls amüsant zu sehen, aber wenn nächsten morgen aufstehen um 06:15 Uhr angesagt ist, leider viel viel zu spät.

Den Tag über bin ich dann mit dem Kollegen mitgegangen, den ich auch schon auf Notarzt-Tour begleitet hatte. Sehr nett, fünf HNO-Eingriffe, bei denen er sich fast komplett rausgehalten hat, inkl. einer 5 Jahre alten Patientin, die in den Genuß einer Tonsill- und Adenektomie kam. Zwischendurch mal schnell auf Intensivstation vorbei und da noch ein paar Sußigkeiten abgegeben und für die Aufnahme (nicht die schöne Zeit) da bedankt. Antwort: Ja, Montag warst du ja einfach weg. Ich hab das dann mal dezent überhört, zumal es ja auch kein Problem der Pflege da war – auch wenn das Klima unter denen auch seh Hart aber herzlich ist. Sagt zumindest die Stationsleitung. Viele Frauen auf einem Haufen neigen einfach zum rumzicken…

Jetzt ist erstmal Wochenende und ich bin gleich auf einen Geburtstagsbrunch eingeladen, und die brauchen da dringend noch ne Knoblauch-Creme zum Frühstück, die ich jetzt mal machen werden.

Liebe Grüße

Göbelsolo

4. März 2010

Ob es die Apfelschorle beim Frühstück war die ziemlich nach Essig geschmeckt hat? Ich weiss es nicht, jedenfalls hab ich mir gestern im Lauf des Tages während einer Narkose schon mal den Mülleimer etwas näher geholt weil ich dachte gleich kommt alles raus. Um halb drei hab ich dann die Chance genutzt Essen kurz Essen zu gehen, was allerdings die letzte Handlung des gestrigen Tages war – zumindest im Krankenhaus.

Vorm Essen ging es noch irgendwie, nach den Eiern mit Senfsauce war es definitiv aus. Glücklicherweise ist meine Wohnung nicht allzuweit vom Krankenhaus weg. Hier angekommen habe ich den erstmal die Toilette entweiht, mit obenrum, oder besser oben raus. Die Nacht war dann noch mit weiteren Besuchen auf der Toilette verbunden. Der arme Hamster, der da residiert hatte bestimmt auch schon keinen Bock mehr auf mich. Pablo – so heißt das kleine Stück Fleisch – gehört übrigens meiner Mitbewohnerin. Da der Gute des Nachts aber etwas laut ist, campt er auf unserer Toilette.

Der heutige Tag ging dann mit ausschlafen und lesen so dahin, bis dann um 14:00 Uhr der Handwerker klingelte, auf den wir schon seit Mitte Dezember warten. In der Dusche schimmelt es nämlich geringfügig, nachdem aber im Dezember keiner aufgetaucht ist um diesen Zustand zu beheben hab ich das Problem Anfang Januar mit Schimmelex und ner Bürste selber an Angriff genommen. Nächste Woche wollte er dann gern neu fliesen, der Gute. Glücklicherweise konnte ich ihm das ausreden, wir ziehen hier Ende März aus und bis dahin lebe ich auch noch mit der leicht schimmeligen Wand. Wer danach hier einzieht kann während der Aktion gern 5 Tage ohne Dusche leben und hat es danach schön.

Drückt mir mal die Daumen, wenn heute Nacht alles drin bleibt, geh ich morgen früh noch mal los… Bis denn

The boys are back in town

2. März 2010

Im Sinne von zurück im OP. Das Praktische Jahr ist wieder praktisch. Die letzten beiden Tage war ich mit dem Chef unterwegs, was bedeutet man ist nicht den ganzen Tag in einem Saal, sondern springt zwischen den Sälen zu den einzelnen Privatpatienten – was natürlich auch interessant sein kann, weil man so Kontakt mit vielen Leuten aus dem OP hat. Manchmal ist es auch gut, weil man weiss das die Zeit im Saal begrenzt ist ;-)

Heute Nachmittag war dann um 15:00 Uhr Bedsideteaching Dermatologie. Zwei Fälle, einer mit Zoster im Bereich N. V2 und einmal “Lues, bist du es?”. Spannend und gut gemacht. Dann schnell weiter in die Radiologie, wo es um 16:00 Uhr losgehen sollte. Bis 16:10 waren aber die Allgemeinchirurgen im Demoraum, dann kam der Chef der Rad als letzter raus und ging mit Telefon am Ohr zielstrebig und zügig an uns vorbei. Nach 10 Minuten und Achselzuckenden MTA´s hab ich dann mal Feierabend gemacht. Die, die noch gewartet haben, sind mir dann begegnet als ich mich umgezogen hatte. Zwischenzeitlich hatte mal irgendwer da gesagt das heute leider ausfällt. Mokel.

Heute Abend stand dann ein Besuch in der Muckibutze an, inkl. Zirkeltraining-Kurs. Erstaunlich, wie fertig einen schon Übungen mit Thera-Bändern machen können. Bis die Tage !

Die Bahn kommt…

26. Februar 2010

… hoffentlich pünktlich denn ich will hier weg. Heute im Frühdienst war wieder alles wie immer, zu allem Glück kommen nächste Woche auch die chirurgischen Ellenbogen aus dem Urlaub zurück und es wird ein neuer Arzt auf Intensiv eingearbeitet. Unterm Strich ist für den PJ damit vermutlich gar keine Zeit mehr, aber auch nur weil man Zeit nicht negativ bilanzieren kann.

Mit diesen Aussichten bin ich dann ab zum Chef. Ergebnis: Ab Montag wieder ab in den OP. Und jetzt schönes WE!

Geht doch

25. Februar 2010

Da der Dienstag genau so weiter lief wie Montag hab ich mr überlegt einfach mal den Spätdienst auszuprobieren, ist zwar knapp ne Stunde mehr Arbeitszeit, dafür kann man ausschlafen und muss nicht den ganzen Tag Visite machen. Kurzer Blick auf den Dienstplan, natürlich Mittwoch wer anderes als Donnerstag, aber beide schon länger im Betäuber-Business. Glücklicherweise hatten beide nix dagegen und auch der Oberarzt nicht. Dienstag tagsüber war ein ZVK liegen geblieben und an den Spätdienst übergeben worden, den durfte ich dann netterweise auch machen. Erste Subclavia-Punktion: Auf Anhieb geklappt, schön auch mal wieder mit nem positiven Gefühl aus dem Bunker zu gehen.

Mittwoch also erstmal ausschlafen. Dann in der Muckibutze ne moderate Runde Gerätetraining und noch 45 Minuten auf den Crosstrainer. Den Dienst hatte ich mit einer sehr netten und quirrligen Ärztin, die mich gleich mit “Hallo Bunny” begrüßte. War soweit auch sehr kurzweilig, allerdings war gegen 20 Uhr nix mehr zu tun, da der Bereitschaftsdienst Anästhesie noch im OP tätig war bin ich also mal in den OP gesprungen und hab da noch ein wenig Narkose mit gemacht, bisschen Intubiert und ne 14G-Braunüle in eine V. jugularis externa gesteckt.

Procedere heute wie gestern, dann um 13:30 ab Richtung Krankenhaus. Diesmal Spätdienst mit Carsten, nach der Übergabe war noch eine Viggo zu legen (bei einem Gefäßwrack, in das ich gestern schon nur ne Rosanüle gelegt bekommen hatte, die anscheinend nicht doll gehalten hat – trotzdem wieder nur rosa…) eine Arterienkanüle und ein PiCCo durchmessen. Zwischendurch noch ne Stunde PJ-Fortbildung. Allerdings hat mir Carsten gleich offenbart, dass er möchte das ich mich um 2 Patienten kümmere und die dann auch an den Nachtdienst übergebe. Der eine hat im Lauf des Abends dann von den Unfallchirurgics noch ne Thoraxdrainage bekommen und brauchte daher etwas Analgosedierung, was ich dann auch alleine machen durfte. Ich schätze meine Übergabe an den Nachtdienst war etwas unkoordiniert, aber das Gefühl sich um 2 Leute selber kümmern zu müssen bei Problemen trotzdem jemand zu haben, der sich die Zeit nimmt und etwas erklärt war mir bis jetzt auf dieser Station neu. So macht Intensivmedizin dann auch Spaß.

Da es morgen nach dem Dienst ins Wochenende nach Hause geht, fällt Spätdienst aus und ich muss in knapp 6 Stunden wieder in den Visitenmarathon starten. —> Gute Nacht ! ;-)

Bad to be back

22. Februar 2010

Nach einer kurzweiligen letzten Woche bin ich nun zurück in der Intensivrealität. Obwohl es heute einige kritisch kranke Patienten gab, ging die Zeit nicht wirklich schnell rum. Für mich immer ein Indikator wie viel Spaß und Lernzuwachs mir so ein Tag bringt: Beobachtet man, wie sich der Minutenzeiger im 15 Minuten-Takt übers Ziffernblatt quält, läuft irgendwas schief.

Bei der eigenen 10 Uhr Visite gabs seitens des Oberarztes zwar auf Nachfrage mal die ein oder andere kurze Erklärung, aber von Ausbildung kann echt nicht die Rede sein. Zur Verteidigung muss man allerdings sagen, dass wirklich viel zu tun ist. Auf der anderen Seite ist tagsüber auch immer genug Zeit um zu tratschen. Auf der Visite wurden jedenfalls zwei ZVK-Wechsel beschlossen, weil bei beiden Patienten das CRP langsam aber gemächlich ansteigt und es keine brauchbare Erklärung dafür gibt. Da die ZVK´s auch beide schon einige Tage liegen führt man dann also einen Wechsel durch und schickt die Spitze des alten Katheters in die Mikrobiologie. Beim zweiten Patienten sagte mein Oberarzt dann “Das wäre doch was für dich” – vermutlich aufgrund der etwas schlankeren Körperform – worauf ich mich natürlich gefreut habe. Leider hat das den Stationsarzt dann eine Stunde später nicht interessiert. Diesmal hab ich dann überlegt das immer die Fresse halten auch nix bringt. Trotz meines Einwandes wurde mir aber mitgeteilt, dass wir haben ja noch so viel zu tun hätten und ich in der Zeit ja auch schon die PICCOs durchmessen gehen könnte. Hierbei spritzt man 3 mal 20 ml kaltes Wasser in einen ZVK und der PICCo errechnet daraus z.B. den Herzindex, das Enddiastolische Voluem und das Lungenwasser. Aufgrund eines Entscheidunsalgorithmus sagt einen das gute Gerät dann ob man Volumen geben oder entziehen, Katecholamine geben soll oder auch alles in Ordnung ist.

Wenn keiner was gesagt hätte, wäre ich eh nicht davon ausgegangen etwas tun zu dürfen, aber so ist es natürlich richtig scheiße. Also hab ich mich danach ins Arztzimmer verzogen und vermutlich ziemlich bedient geguckt, denn als der Stationsarzt reinkam fragte er ganz vorsichtig was die einzelnen Geräte angezeigt hätten und ob ich mir schon Gedanken drüber gemacht hätte. Anhand eines Patienten hat er dann ein paar Sätze darüber verloren, was auch ganz ok war. Zeitgleich war bei einem anderen Patienten der arterielle Zugang nicht mehr funktionsfähig, nach der Frage ob ich das schon mal gemacht hätte durfte ich das dann sogar machen. Ich denke die prinzipielle Bereitschaft wäre schon da mich etwas machen zu lassen und ich stell mich dabei auch nicht übermäßig blöd an, aber sobald es Zeit kostet ist es zuviel. Hätte ich noch nie eine Arterie gelegt wäre das sicherlich auch besser schnell selber erledigt worden. So wie mir geht es wohl auch vielen Assistenten in der Weiterbildung. Schrecklich.

Ohne Patient keine Narkose

20. Februar 2010

Diese und weitere Weisheiten sind die Quintessenz des 20. Symposiums Intensivmedizin, auf dem ich seit Mittwoch war. Neben Vorträgen konnte man sich auch für Workshops anmelden, was ich auch getan habe um auch was “Praktisches” mitzunehmen. Im Workshop Simulation wurden verschiedene Notfallsituationen am Patientenbett nachgestellt die man abarbeiten musste. Die Lösung des medizinischen Problems stand dabei allerdings nicht im Vordergrund, trainiert wurde Kommunikation und Resourcennutzung, auf schlau nennt man das CRM = crisis resource managment. Nach einem kurzen Vortrag folgt eine Einführung in die verschiedenen Simulatoren und in die Umgebung und dann startet das erste Gruppe auch schon.

Ablauf: Übergabe auf Intensivstation oder im Schockraum, natürlich muss der übergebende Arzt dann aus irgendeinem Grund schnell weg. Eine Gruppe besteht aus 4-5 Leuten, wenn Pflegekräfte unter den Teilnehmern sind spielen diese ihre Rolle ebenfalls. In der Gruppe gibt es auch einen Oberarzt, der allerdings vor der Tür wartet bis er gerufen wird, also die Übergabe auch nicht mitbekommt. Schnell steht man also mit 2 Patienten da, die natürlich innerhalb von Sekunden Probleme entwickeln.
Wir waren zeitweise mit 3 Studierenden da, was die Veranstalter wohl leider noch nicht kannten, wie im richtigen Leben wurden wir mit PJ-Rollen bedacht und während des Szenarios mehr oder weniger sinnvoll eingesetzt. Nach dem ersten Durchgang wurde die dezent geäußerte Kritik an dieser Tatsache aber leider nicht so wahrgenommen, deshalb liefen auch die weiteren 5 Durchgänge so ab. Quasi alles wie im richtigen PJ-Leben… Schade, schließlich ist man ja nicht ewig Student und das Trainieren von Kommunikation, das dynamische setzen von Prioritäten uns so weiter konnten wir in dieser Rolle überhaupt nicht üben. Da die einzelnen Szenarien häufiger verwendet werden wurden wir gebeten, den Inhalt nicht zu erzähen, aber ihr könnt mal einen Blick in die Simulationsumgebung werfen:

Simulationsworkshop

Simulationsworkshop

Zwischendurch waren natürlich auch viele Vorträge mit mehr oder weniger guten Referenten, einiges kam einem vor wie Pharmawerbung. An einzelnen Ständen der Hersteller konnte man natürlich noch verschiedene Sachen testen, z.B. Videolaryngoskope, Fieberoptiken oder Tracheotomie. Die eigentliche Krönung der Veranstaltung ist aber der Donnerstag Abend, an dem die get2gether-Party stattfindet. Im Anschluß an das wissenschaftliche Programm wird man mit Wein, Bier, Sekt und kleinen Snacks bewirtet, musikalisch mit Livemusik untermalt. Die Getränkequelle hört quasi nicht auf zu sprudeln und so wurde dann aus der geplanten Abreise um 21:00 mal eben irgendwas nach 0:00 Uhr. Leider hat mich das am Freitag Morgen einige Vorträge aus dem Bereich der Notfallmedizin gekostet. Eigentlich hab ich mich da nur nochmal hingequält um einen ALS II-Kurs zu machen, das ist Reanimation erweitert mit Bradykarden / Tachykarden Rhythmusstörungen. Von den angemeldeten 20 Teilnehmern waren dann auch nur acht da, es ging mir also nicht allein so.

Die tolle Überschrift hab ich aus einem Vortrag in dem noch andere Anästhesieweisheiten verraten wurden, u.a. Ohne Luft kein Leben oder die Luft muss in die Lunge rein. Ach ja: Amiodaron ist Anästhesisten-Antiarrhythmikum…

Schönes Wochenende noch !!!

Heiter bis wolkig …

15. Februar 2010

… das verlängerte Wochenende ist leider schon vorbei. Angesichts der Erfahrungen der letzten Woche hab ich mich heute morgen nur mit wenig Lust aus dem Bett gequält, korrigiere – mit gar keiner. Dafür wurde der Tag dann doch besser als erwartet. Der chirurgische Weiterbildungsassistent hat in dieser Woche 2 Dienste und ist deshalb nicht da, danach bis zum Ende des Monats Urlaub. Sehr gut. Stationsarzt ist heute Norbert, den ich schon während meiner OP-Zeit kennen gelernt hatte. Während der Frühübergabe kriegen wir schon das erste Mal was zu tun: Ein Patient hat sich pulmonal erschöpft und muss notfallmäßig intubiert werden. Wie selbstverständlich werde ich mitgenommen und darf intubieren, was auch ganz gut gelingt – im Gegensatz zu einer Arterienpunktion der A. radialis. Die Kollegin die während der Nacht Dienst hatte legt daher einen arteriellen Zugang in die Leiste, der aber leider beim lagern der Patientin kaputt geht. Damit darf ich dann die andere Leistenseite probieren, was mit Anleitung auch gelingt.

Angenehmer Nebeneffekt: Frühvisite fast zu Ende und was besprochen wurde kriegt man eh mit wenn die einzelnen chirurgischen Fachdisziplinen kommen und jeder Patient erneut besucht wird. Im Lauf des Tages müssen wir leider mehrere Anfragen nach Patientenübernahmen ablehnen, da sich einige der Chirurgen nicht dazu durchringen konnten ihre Patienten wieder auf periphere Stationen zu übernehmen, entweder weil keine Einigkeit über den stabilen Zustand besteht oder auch weil auf “Normalstation” kein Bett frei ist. Der Tag geht insgesamt schnell zu Ende: Irgendwie jagt eine kleine Katastrophe die nächste und wir schaffen es nicht einmal Mittag zu Essen. Kurz vor Feierabend soll ich dann noch Blutkulturen abnehmen, die Patientin bietet aber peripher keine Venen mehr weshalb ich mich nach zwei frustranen Versuchen an den oberen Extremitäten dazu entschließe in der Leiste Blut abzunehmen. Der IVAN (InnenVeneArterieNerv) aus der Vorklinik hilft mir dabei und ich kann vor Feierabend noch ein kleines Erfolgserlebniss verbuchen.

Am Ende des Tage werfe ich noch einen Blick auf den Dienstplan und sehe das Norbert morgen auch noch da ist, von Mittwoch bis Freitag ist hier eh ein großer Anästhesie und Intensivkongress für den ich mich schon Ende November angemeldet habe. Damit ist die Woche wohl so gut wie geritzt !

So long