PJ: Schönen Gruß, auf Wiedersehen!

24. Juni 2010

Das war es also. Mein PJ. Seit dem zweiten Tertial habt ihr mich durch die Höhen und Tiefen dieser Veranstaltung begleitet. Der Anarchist in mir hat die Rotationsstruktur meines PJ-Betreuers in den letzten Wochen konsequent boykottiert, mit der Folge das es statt zwei Wochen Intensiv einfach mal vier waren.

Da in den letzten Tagen ja einige PJ´s gegangen sind und es nachmittags immer Kuchen gab, war ich auf die Idee gekommen einfach Brötchen zu schmieren und in die Frühbesprechung mitzunehmen. Auch meine nicht vorhandenen Backfertigkeiten haben diese Entscheidung vorangebracht ;-) Also heute morgen früher aufstehen und schon um 06:00 Uhr beim Bäcker pünktlich vor der Tür 30 Brötchen geholt. Mit schneiden, schmieren und belegen hat´s dann trotzdem nicht bis 07:00 Uhr geklappt, billiger als Kuchen backen war´s auch nicht. Also nix mit morgendlicher Intensivvisite. Mit den Resten (hatte extra großzügig kalkuliert) dann noch die Sekretärinnen glücklich gemacht und das zweite Tablett für die Intensivstation.

Im Laufe des Nachmittags war mir dann mein Abschlußgespräch angedroht worden, da der Chef seit zwei Tagen auf Fortbildung hängt also mit meinem PJ-Betreuer und dem leitenden OA der Gastroentero. Anscheinend haben meine Blendgranaten hier auch wieder gezündet; obwohl ich keine Innere machen will, und das jeder weiss: Gute Kritiken, Anästhesie sollte ich mir noch einmal überlegen, schon aufgrund eingeschränkter Niederlassungsmöglichkeiten. Und wenn ich es mir überlegen würde und eine Stelle frei wäre, würde ich eine bekommen. Das ist in der Inneren hier auch ne wirklich nette Geste und etwas wert, aufgrund der guten Weiterbildung sind a) alle Stellen besetzt und b) von drei Leuten die in den letzten 2 Jahren gegengen sind eine OA in nem anderen Haus geworden ist, die zweite zu Ärzte ohne Grenzen gegangen ist und ein dritter hat sich Niedergelassen. In der Inneren hier ist der Ärztemangel tatsächlich nicht spürbar.

Zum Abschluss hab ich in der letzten Spätbesprechung zwei Bücher geschenkt bekommen: “Klinikleitfaden Intensivmedizin” (Kommentar: Wie haben es noch nicht aufgegeben, deshalb kein Anästhesiebuch) und “Wie wollen wir sterben?: Ein ärztliches Plädoyer für eine neue Sterbekultur in Zeiten der Hochleistungsmedizin”. Wahrscheinlich als kleine Spitze, weil ich bei einer Patientin immer wieder gemeckert haben warum wir die Therapie nicht begrenzen.

Ich muss mal mit mir selber und den Verantwortlichen für diesen Blog klären, ob ich während der Examensvorbereitung weiter schreibe. Ich bin mir mit meinem Zeitplan da selber noch nicht ganz sicher – wenn nicht, lesen wir und vielleicht später wieder.

Der Counter auf meinem Desktop zeigt mir jedenfalls an das es noch 101 Tage sind.

Soundtrack des Tages
Soundtrack des Tages II

Selbstversuche in der Medizin

22. Juni 2010

Medizinstudenten sind ja irgendwie Hypochonder. Irgendwer muss die ganzen Erkrankungen doch haben von denen man immer hört, oder? Was mich wegen des Tauchsports besonders interessierte: Habe ich einen Atriumseptumdefekt / ein persistierendes Foramen ovale. Meinem Kumpel, der hier auch PJ macht und dem ich die Spinale gestochen hatte, war es gelungen im Rahmen der präoperativen Vorbereitung an eine transösophageale Echokardiographie zu kommen.(“Schluckecho”, wobei ein Internist in einem Haus in dem ich Famulatur gemacht habe immer meinte es wäre doch eher ein Schiebeecho, weil den Schlauch niemand runterschluckt und man immer nachhelfen muss…)

Was ist nun das Problem beim Tauchen? Während des Tauchens macht man häufiger einen Druckausgleich “Valsalva”, hierduch, aber auch schon beim Husten kommt es zu einer kurzzeitigen Druckerhöhung im rechten Vorhof. Ist man stolzer Besitzer eines PFO können beim Tauchen Mikrogasblasen (durch die Stickstoffaufsättigung) ins arterielle System übertreten, die sich dann lustig Richtung Kopf oder Periphere auf den Weg machen.

Da die Inzidenz des PFO Studien zufolge bei ca. 25 % liegt (manche sagen sogar 33%, d.h. jeder dritte) und nach einer Untersuchung der Uni Düsseldorf Tauchunfälle häufiger bei PFO-Trrägern sind gibt es also einen guten Grund bei sich selbst mal nachzugucken.

Da das mit dem Echo nur unter lokaler Rachenbetäubung aber a) nur mäßig angenehm gewesen sein soll und b) der leitende OA der Kardiologie sagte das ginge wegen der Konkurrenz zu niedergelassenen Kardiologen auf keinen Fall (Kumpel hatte Glück wegen OP und OA im Urlaub) ging das also nicht. Einen nicht ganz so sicheren Ausschluss kann man aber auch transthorakal machen. Man lässt sich eine Viggo in die Ellenbeuge legen, schließt einen 3-Wege-Hahn an, an den man zwei 10ml Spritzen bastelt. Eine ist mit 6ml NaCl gefüllt, zusätzlich aspiriert man noch 2 ml Blut, die andere Spritze ist mit 0,5 ml Luft gefüllt. Dieses Gemisch drückt man dann in den Spritzen mehrmals hin und her, bis sich eine schäumige Flüssigkeit ergibt, die man dann in die Vene zurück spritzt. Bereits nach kurzer Zeit lassen sich im rechten Vorhof ganz deutlich Echosignale darstellen, jetzt nur noch Husten / Valsalva machen und gucken, ob von den Signalen was in den linken Vorhof übertritt.

Klingt wild, ist es auch. Hat aber funktioniert, ohne nachweisbaren Übertritt von Signalen. Zum Ausgleich war beim ne Trikuspidalinsuffizienz 1° nachweisbar. Erzählt es nicht meiner Versicherung. Irgendwas ist ja immer…

Erstes Vorstellungsgespräch ?!

21. Juni 2010

Ein bisschen aufgeregt war ich schon, als ich durch die große Eingangshalle ging auf der Suche nach dem Sekretariat Anästhesie. Mit ein wenig Hilfe hab ich´s dann aber ganz zugig gefunden, kurzer Blick auf die Uhr. Gute 10 Minuten zu früh, also zurück und im Wartebereich Platz nehmen.

Die Chefsekretärin hatte mich übrigens noch angerufen und den Termin vorgezogen, nicht 14:30 sondern 11:00 Uhr. Oki, meinetwegen auch das. Also pünktlich um 11:00 klopf-klopf. Nach Rücksprache mit dem Chef werde ich in die Abteilungsbibliothek gesetzt und soll kurz warten. Insgesamt vergehen dann 25 Minuten, bis ein Herr in blaueb Scrubs vor mir steht. Meine Frage wie die Ausbildung ist wird kurz mit “Gut natürlich” beantwortet, dann verschwindet der Chef aus dem Raum um kurze Zeit später mit den Auswertungen der Weiterbildungsevaluation in Form eines Spinnendiagramms zurück zu kommen. Siehe da, der Laden schneidet fast überall eine Note besser ab als der bundesweite Durchschnitt. Es folgen weitere Ausführungen über Fortbildungsveranstaltungen, wobei er jedes mal wenn es Unterlagen zu etwas gibt erneut aus dem Raum geht, um Material darüber zu holen. Zum Schluß macht er nicht einmal mehr die Tür zu, was dazu führt, dass ich auf dem Flur immerhin nebenbei gucken kann was das Reinigungspersonal so treibt.

Danach gehen wir dann gemeinsam über die Intensivstation und in den OP, hier lerne ich noch die leutende OÄ kennen, die allerdings nur sehr wenig Zeit hat, da Sie gleich auf einen Kongress fahren will. Zusammengefasst soll die Weiterbildung sehr strukturiert sein, nach 2 Jahren OP kommt man auf Intensivstation, während dieser Zeit macht man auch die Zusatzbezeichnung Notfallmedizin, der Kurs wird zZ noch halb vom Haus bezahlt, ob das dann noch so ist kann aber nicht versprochen werden. Die begleiteten Einsätze kann man während des Dienstes machen, dies dauert aber wohl zu lange, weshalb in der Vergangenheit die Kollegen dafür wohl Ihre Freizeit geopfert haben.

Überstunden fallen fast keine an, letztes Jahr hatte wohl jemand 20 Stunden gesammelt und war damit Spitzenreiter. Es gibt aber auch keine elektronische Zeiterfassung, fallen keine an oder werden keine aufgeschrieben…

Zum Abschluß fragt mich der Chef dann wie es mir gefallen hat und ob meine Fragen beantwortet wären, ich bejahe dies woraufhin er nach meinem Examenstermin fragt und sagt, dann bewerben Sie dich doch danach und wenn wir eine freie Stelle haben, kommen Sie noch einmal vorbei und dann haben wir auch noch ein paar Fragen an Sie.

Nach insgesamt 1:45 verlasse ich das Haus wieder und bin auch nicht viel schlauer als zuvor… Vielleicht muss ich hier aus dem Norden erst mal Abstand gewinnen und nach einiger Zeit in Göttingen noch einmal überlegen ob ich hier wirklich hin will.

So long.

Und, was machen Sie nach dem Studium?

17. Juni 2010

Auf der einen Seite ist es ja schön, die Gewissheit zu haben sich nach erfolgreichem Abschluss der Arztschule seine Stelle frei aussuchen zu können. Einige Kollegen haben in den letzten Tagen und Monaten aus ihrer Zeit erzählt. AiP und Stellensuche wegen Ärzteüberschuss. Aus der Uni-Zeit erinnere ich mich sogar an jemden, der nur weil er an einen bestimmten Ort wollte die einzige freie Stelle als Urologe angenommen hat und das noch bis heute ist. Igittigitt.

Auf der anderen Seite trägt das aber auch merkwürdige Früchte: Stellen sind unbesetzt, Überstunden fallen an, es werden Ärzte beschäftigt, die nach meinem Verständnis vom Patientenumgang und Wissen soviel mit Medizin zu tun haben wie BP mit Greenpeace. Wieder andere haben noch nach 1,5 Jahren Krankenhaus und Sprachkursen massive Probleme mit der deutschen Sprache, müssen aber Patienten- u. Aufklärungsgespräche führen. Wenn ich den Arzt in meinem eigenen Land schon kaum verstehe, wie bitte soll ich da Vertrauen aufbauen?

Schon im ersten Tertial wurde mir uns meinem Mit-PJ eine Stelle in der Chirurgie angeboten. Natürlich hab ich in der Zeit meine Arbeit gemacht und auch brav den Haken gehalten – dass ich kein Chirurg werde habe ich aber auch nie verschwiegen. Deshalb fasse ich das Stellenangebot auch nicht als besonderes Prädikat auf, wobei man schon sagen kann, dass wir als Studenten in der Abteilung beliebt waren und einen guten Stand hatten.

Im zweiten Tertial wurde mir auch eine Stelle angeboten, diesmal aber in einer Abteilung in der ich mir durchaus vorstellen konnte zu arbeiten. Das wirklich nette daran war aber, dass im Vorfeld alle sagten: Der Chef wird euch keine Stelle anbieten, das hat er bei Studenten noch nie gemacht.

Schauen wir doch mal, wie es hier zu Ende gehen wird. Auch hier wissen alle, dass ich Anästhesie machen will. Sollte mir das auf Dauer zu langweilig werden tritt allerdings Plan B in Kraft. Herr Rössler, halten Sie sich fest: Ja, ich würde es tun. Allgemeinmedizin auf dem Land. Quasi wie der ZDF-Landarzt. Nur NEF fahren will ich dann nebenbei, sonst ist´s echt zu öde.

Morgen hab ich jedenfalls ein Gespräch mit nem Chef und dem leitenden OA eines größeren Krankenhauses hier in der Gegend. Ich hatte ne Mail geschrieben um was über Weiterbildungskonzepte zu erfahren, daraufhin kam eine Mail mit dem Betreff: Vorstellungsgespräch zurück, mit der Bitte telefonisch einen Termin zu vereinbaren. Geschrieben hatte ich denen das ich noch PJ bin, am Telefon hab ich es nochmal gesagt. Die Sekretätin (man merkt das Haus wird größer, der Ton der Chefsekretärin rauher) meinte aber das wäre jetzt halt sowas wie ein Vorstellungsgespräch. Kurzer Blick in den Kleiderschrank: Keine tauglichen Klamotten dafür. Also flux die Eltern angerufen und bisschen was hochschicken lassen, so mit schwarzer Hose, Hemd und Halbschuhen. Krawatte gibts nicht, schließlich will ich Anästhesist werden und kein Banker.

Mit An- und Abreise fällt dieser Termin dann genau in die Zeit des Deutschlandspiels morgen… Naja, so ein großer Fan bin ich ja auch wieder nicht. Ich erzähl euch nächste Woche wie´s gelaufen ist…

Langeeeees Wochenende…

15. Juni 2010

… Montag inklusive, da hier noch ein 70igster Geburtstag aus dem näheren Familienumfeld anstand. Bisschen stressig, morgens früh mit der DB hin, einen Anschlusszug noch knapp bekommen, aber pünktlich zum Essen da. Wieder zu Hause leider erst um 22:45 Uhr, was eigentlich schon immer etwas spät ist für meinen Geschmack wenn ich aufstehen soll.

Doch langsam: Erstmal kurz das Wochenende. Mal wieder Hemmoor, diesmal von Donnerstag Abend bis Samstag mit gemieteter Wohnung am Kreidesee. Schöne Tauchgänge, zulässige Maximaltiefe einmal um 5 Meter unterschritten, kam aber zum Glück keine Kontrolle. Trotz angesagtem Dauerregen sind wir nur einmal (außerhalb des Wassers) wirklich nass geworden. Beim Einkaufen schenkte uns die Kassiererin drei Tüten mit mir damals noch unbekannten Plastiktröten, 3-teilig. Mittlerweile weiss ich es sind VUVUZELA´s und sie machen einen höllischen Lärm. Zum kotzen diese Dauerbeschallung. Sonntag Abend haben stand dann Public Viewing auf dem Programm. Leider war die Fläche vor der Leinwand schon 1 h vor Spielbeginn sowas von überfüllt, dass wir nur noch von außerhalb einen Platz mit Blick auf die Leinwand erhaschen konnten, naja. Bin eh nicht sooo der Fußballfan.

Heute Morgen dann also wieder ins Krankenhaus, war aber ein Tag ohne besondere Vorkomnisse, hab wirklich nix spannendes medizinisches zu berichten. So long

And the beat goes on: Funktionsdiagnostik

9. Juni 2010

Seit Montag bin ich in die nächste Rotation geraten, zumindest theoretisch. Funktionsdiagnostik steht an, was bedeutet man kann sich zwischen Herzecho (transthorakal, transösophageal), Gastroskopie, Koloskopie, Bronchoskopie und Ultraschall ziemlich frei bewegen. Insbesondere die Gastroenterologen machen hier im Haus doch einiges, z.B. Zenker-Divertikulotomien oder Spiralendoskopien bis hin zu den kleinen VIdeokapseln.

Auf den Ultraschall des Abdomens bin ich nur mäßig scharf, da war ich ja ne ganze Weile von Station aus immer wieder, weil das eine Nebentätigkeit der Stationsärzte meiner Station war. Gastro- und Koloskopien hab ich auch einige gesehen und ein Gastroskop auch schon mal ein paar Minuten in der Hand gehabt. Find ich jetzt persönlich nicht so spannend da immer zuzugucken. Am Montag hab ich mir deshalb mal Bronchoskopien angeguckt, allerdings war das nach der vierten so was von langweilig, dass ich auf Intensiv gelatscht bin, dort waren 11 Patienten und meine aktive Hilfe war sehr Willkommen.

Gleiches Spiel am Dienstag, diesmal ein ausgedehnter Blick in die Echokardiographie, aber auch hier ist nach 5 Untersuchungen echt meine Lust erschöpft und es war PJ-Fortbildung, danach einfach wieder Stumpf auf Intensiv… Heute war ich dann tatsächlich nochmal bei den Gastroenteros gucken, das einzige was ich noch nie gesehen habe, eine Spiralendoskopie ist aber leider gerade nicht. Schade. Morgen ist dann auch schon wieder der letzte Tag der Woche, da wir von Donnerstag Abend bis Samstag ein verlängertes Tauchwochenende mit ein paar Leuten aus Göttingen geplant haben hier. Mal gucken was Sonntag dann noch schönes machbar ist.

Bis die Tage

Kein Bild, kein Ton? Wir kommen schon…

7. Juni 2010

Der Morgen läuft wie immer. Nach der Visite in die Frühbesprechung und dann auf Station vor sich hinmokeln. Kleine oder größere Katastrophen abwenden, Labore und BGA´s angucken, Patientenkurven schreiben und diskutieren.

Wenn im Haus ein Notfall ist und der “Notruf” an der Pforte / Information eingegangen ist, rufen die nacheinander die Player zusammen. Intensivarzt Innere, Intensivarzt Anästhesie, Pflege Intensivstation und anscheinend auch den Chirurgen. Bis zum Notfallort war es nicht sonderlich weit, 2 Treppen nach oben, die Zeit hat bei mir gerade gereicht um mir Handschuhe anzuziehen. Das Setting: Periphere Station, 3-Bett Zimmer, im mittleren Bett liegt eine ältere Frau und wird mittels Ambubeutel von Assärztin 1 hyperventiliert, die Thoraxkompressionen von Assärztin 2 sehen gut aus bezüglich Frequenz und Drucktiefe. Die PJ-Studentin hat um den rechten Oberarm einen Stauschlauch gemacht und klopft in der Ellenbeuge rum, in der mehrere unerwartet große Gefäße liegen. Die von mir angebotene grüne Braunüle die ich aus dem Notfallkoffer gefummelt habe wird mir den Worten: Ich hab keine Handschuhe an angelehnt. Die inzwischen ebenfalls eingetroffene Anästhesistin schiebt also meine Kollegin zur Seite und kümmert sich um den i.v.-Zugang.

Es nimmt alles so seinen Lauf, der Entschluss zur Intubation wird gefasst. Die immer noch hyperventilierende Kollegin am Kopfende mag aber nicht intubieren, weshalb ich die Anästhesistin frage ob Sie das selber tun möchte. Diese Art der Frage finde ich immer ganz gut, jeder weiss was man will, hat sich aber nicht so super aufgedrängt und man kann auf die Frage kein “Nein” kriegen.

Sie besteht nicht drauf es selber zu tun – Glück für mich und etwas unglückliche Situation für die Assärztin 1 die mich nicht eine Sekunde vorher an den Ambubeutel lässt, sondern lieber schräg von der Seite weiter beatmet, aber mir dann natürlich doch das Feld überlassen muss. Intubation klappt, Reanimation leider nicht. Die Patientin hat zwar im Verlauf wieder einen Kreislauf unter Suprarenin, verstirbt aber letztendlich eine halbe Stunde später auf der Intensivstation aufgrund einer Perikardtamponade bei insgesamt eingeschränkter Prognose aufgrund eines malignen Prozesses.

Das Wochenende war sonst sehr gut, ich war mal wieder auf Helgoland über Nacht. Diesmal mit Sonne und echt brauchbaren Temperaturen. Diesmal mit Freundin und Schwester mit Freund, nicht ganz so wild wie beim letzten mal, aber auch sehr spaßig und es gab vom Sonnenuntergang nicht schon den ersten Totalausfall. Sonntag schön ins Mare frisicum Spa Helgoland (Schwimmbad) gepackt. Außenbecken mit Whirpool und direkter Sicht auf die Nordsee, das wurde natürlich trotz Sonnencreme mit einer leichten Hautrötung quittiert. Mist.

Bis denn

Fortbildung – Oder ein Blinder spricht vom Licht?

3. Juni 2010

Jeden Dienstag bis Donnerstag ist abteilungsinterne Fortbildung im Anschluss an die Spätbesprechung. Dauern soll das Ganze so 5-10 Minuten und die Themenwahl scheint beliebig zu sein. Man kann Patientenfälle vorstellen, über die Technik der Blutabnahme bei Blutkulturen sprechen oder auch einfach Webseiten vorstellen, auf denen Kliniken untereinander verglichen werden.

Von den derzeit 4 PJ´s die in der Abteilung sind, hatte eine schon Mal einen Fall vorgestellt und der andere PJ vom Oberarzt ein Thema bekommen, eine weitere PJane die lediglich die zweite Hälfte ihres Tertials hier macht hatte auch schon mal ein paar Sätze zu nem Patienten gesagt und damit formal Ihre Fortbildungspflich erfüllt, dementsprechend blieb dieser Termin also an mir hängen. Da ich keine Lust hatte irgendein abgedrehtes Thema zu kriegen, von dem die meisten Anwesenden eh mehr Ahnung haben als ich selber, hab ich mich dazu entschieden einfach mal über den allseits beliebten und bekannten Reanimationsalgorythmus zu sprechen. Schnell vom Lehrmittelserver der Uni ne alte Vorlesung rausgesucht, die wichtigsten 4 Folien kopiert und verteilt. Ich persönlich bin ja Freund von Keynote (Powerpoint auf dem Mac) aber da bis jetzt noch niemand was mit Beamer gemacht hat, wollte ich auch nicht der Erste sein.

Hat auch ganz gut geklappt denke ich, am Ende hab ich immerhin 12 Minuten was zu erzählen gehabt (inkl. Fragen) und damit meine Schuldigkeit mehr als erledigt. Bestimmt hätte man mit mehr Zeiteinsatz mehr rausholen können, aber so war´s auch ganz oki und gefühlt besser als manche Sachen die ich vorher erleben musste.

So long

Mal wieder Intensive Care Unit

31. Mai 2010

Meine Rotation geht weiter und so langsam warte ich wirklich sehnsüchtig aufs Ende des PJ. Auch wenn eigentlich gerade alles in Ordnung ist und ich die letzten Tage keine schlechte Zeit hatte bin ich durch. Sowas von durch. Wäre ich Bundespräsident könnte ich auch flux zurücktreten aber nö ;-)

Auf der interdisziplinären Intensivstation ist es ganz oki, es sind nicht 15 Patienten wie im letzten Krankenhaus und die Patienten sind nicht so krank. Liegt daran, dass es eine Intensiv / Intermediate Care ist, je mehr freie Betten, desto mehr Intermediate. Das mit dem nicht so krank ist eigentlich falsch, es sind nicht so viele so krank, formulieren wir es so. Doll was invasives gab´s zwar noch nicht zu tun, aber es ist Zeit und mein Assi ist ganz nett. Wenn man nichts erwartet, wird man nicht enttäuscht.

Der Tagesablauf: Morgens um 07:00 Uhr Visite, die geht meist bis halb 8, dann schnell in die Frühbesprechung, die vom Chef übrigens immer mit Worten zum Wetter eingeleitet wird, heute morgen zum Beispiel: Ich begrüße alle an diesem nicht ganz so sonnigen Morgen. Wetterfrosch. Wenn Kachelmann das wüsste, er würde sich auf seiner Zellenpritsche umdrehen… Zurück zum Thema: Wieder auf der Intensiv geht´s dann ganz altmodisch ans Kurven schreiben. Auf der Patientenkurve sind die Diagnosen, Medikamente und das gewünschte Labor vermerkt. Und die schreibt man mal eben jeden Tag neu. Begründung: Dabei guckt man automatisch durch die Medikamente und durch´s Labor und macht auf diese Art die Visite des Tages an der Kurve. Nebenbei ist dann Zeit für die Katastrophen und Ereignisse des Tages. Aufnahmen, Entlassungen, Notfälle im Krankenhaus.

14:30 ist dann wieder Spätbesprechung mit Röntgendemo, danach Di/Mi/Do Minifortbildung, bei der jeden Tag wer anders ca. 5-10 Minuten etwas vermeindlich neues erzählt. Gegen 14:40-15:10 ist das vorbei und es geht zurück auf Intensiv, Übergabeviste an den Spätdienst. Von meinen tollen Erlebnissen da erzähl ich die nächsten Tage, z.B. von einer Rea auf Station. Und da ich am Mittwoch Fortbildung halten muss, werd ich einfach den ERC Algorithmus vorstellen, ich glaub für den ein oder anderen ist glatt noch was neues dabei.

Bis die Tage

S.O.S. – Studenten operieren Studenten

25. Mai 2010

So ein Kurs sollte eigentlich ins Curriculum aufgenommen werden. Aber besser nur, wenn man derjenige ist der operiert wird ;-)

Ein Komilitone von mir hatte noch etwas Bein im rechten OSG über (war aufgrund einer Party von knapp nem Jahr da rein gekommen nach Weber-C-Fraktur…) und so entstand folgende Idee: Student 1 hat das Metall im Bein. Student 2 möchte es gern die Metallentfernung machen, Student 3 (ich) möchte gern die Narkose machen. Für Student 2 stellte sich die Sache einfach dar: Kurz den Oberarzt gefragt und schon war die Nummer gerizzt. Nun überlegt sich Student 1 aber er möchte gern eine Spinalanästhesie, wobei Student 3 im aktuellen Haus NICHT in der Anästhesie war, das Haus und die Abteilung aufgrund der Größe aber total überschaubar ist. Also kurz den leitenden Oberarzt der Anästhesie gefragt und zu unserer Überraschung stimmte er zu – sogar noch als wir ihm unterbreiten, dass Student 1 nunmehr eine einseitige Spinalanästesie möchte (was mit hyperbarem Anästhetikum durch Seitenlagerung auf die betreffende Seite zu machen ist, da es nach unten sinkt)

Morgens geht Student 3 also zu Student 1 und begrüßt ihn im Bett liegend. Student 1 berichtet, ganz brav sein Tranxillium (Sedativum) eingenommen zu haben, Student 3 freut das (so wird das mit der Spinalen erheblich einfacher, da Student 1 lockerer und entspannter ist) und er dankt ihm dafür mit einer 16 G Braunüle (grau) in seinem Unterarm.

Im OP angekommen funktionert bemerkt Student 3 das Dornfortsätze am Rücken von Student 1 weder gut sichtbar noch tastbar sind. Der läppsiche Kommentar des Oberarztes der Anästhesie (“Da haben Sie sich ja was vorgenommen”) verbessert die Situation nicht deutlich. Netterweise markiert der OA der Anästhesie daher mit Augenmaß die geeignete Punktionsstelle und korrigiert auch den eingeführten Introducer im Verlauf noch um ein paar Milimeter nach unten, wodurch die Nadel vorgeschoben werden kann und die Punktion problemlos gelingt.

Schnell ab in den OP, Student 1 dreht sich noch 5 Minuten auf die Seite (Fixationszeit des Lokalanästhetikums) und nach Lagerung des Patienten kann die OP dann schon beginnen. Die Operateure tauchen erstaunlich schnell auf (erste OP des Tages) und auch das Entfernen der ersten Schrauben und der Platte lateral gelingt problemlos. Bereits zu diesem Zeitpunkt bemerkt der anwesende Oberarzt der Chirurgie das es sich um Titanschrauben handelt, was aufgrund der Tatsache, dass diese stärker überwachsen und es dadurch zu einer verlängerten Operationsdauer führen könnte. Kurzer Blick auf die Uhr: 08:55, spinal gestochen gegen 08:00 Uhr. Wirkdauer des Lokalanästhetikums gewählt mit 90-120 Minuten, da Student 1 das ganze gern ambulant erledigt haben wollte.

Trotz Nutzung eines Tackers zum Wundverschluss zieht sich die OP hin, der mediale Zugang zum Metall gestaltet sich noch schwieriger. Im Verlauf kommt es dann natürlich wie es kommen musste: Student 1 bemerkt nebenbei das er die angelegte Blutsperre nun langsam doch deutlich merkt. Bindet euch mal ne RR-Manschette an den Arm und pumpt die auf 200 mmHg auf, das tut schon ziemlich weh – und ne Blutsperre am Bein hat i.d.R. 350 mmHg. Das ganze lässt sich anfangs noch mit Rapifen und etwas Dormicum korrigieren, die Spinale lässt weiter nach, es tut mehr weh – daher fällt dann doch noch die Entscheidung Student 1 abzuschießen und via Larynxmaske zu beatmen. Die Operationsdauer ab diesem Zeitpunkt war dann immer noch knapp 30 Minuten…

Im Aufwachraum macht sich Student 1 aber schon nach kurzer Zeit wieder ganz gut und kann dann (etwas später als geplant) aber noch am gleichen Tag entlassen werden…

Ich weiss nicht, wo so´ne Nummer sonst möglich gewesen wäre. Das ist MEIN Laden.
Studenten operieren Studenten

Zufriedener Student 3, Student 1 noch ohne Larynxmaske, aber schon unter Dormicum und Rapifen.

Studenten operieren Studenten

Links Student 2 mit dem Skalpell (schon an der medialen Seite), rechts danben Oberarzt Unfallchirurgie