Mit diesem Lied von Andrea Bocelli und Sarah Brightman aus dem Jahr 1996 schließt sich die Akte Anästhesie. Die Woche hatte noch einige Überaschungen parat, aus der Schattenseite (siehe letzter Eintrag) ist noch einiges ins Licht gerückt: Plötzlich, am Mittwoch Nachmittag stand Sie vor mir, ganz deutlich konnte ich Sie sehen. Ihr Anblick weckte das Verlangen in mir. Ihre drei Buchstaben leuchteten in meinen Augen, vielleicht war aber auch der Monitor auf dem ich das OP-Programm für den nächsten Tag lesen konnte, sehr hell eingestellt. SPA, die Abkürzung für Spinalanästhesie! Also schnell zum Oberarzt und das Ding klarmachen. Am nächsten Tag durfte ich das dann tatsächlich machen, was auch auf Anhieb geklappt hat. Die Anleitung war sehr gut, ich hab die Stelle markiert an der ich reinstechen würde, Oberarzt war einverstanden und schon gings los. Ehrlich gesagt war ich ziemlich froh, als ich am Ende der Sprotte (eine der verschiedenen Nadelarten) Liqour sehen konnte, ein Zeichen für die intrathekale Lage der Nadel.
Weniger gut etwas spätger der Versuch einen ZVK in die V. Jugularis interna zu legen. Nach Punktion kam Blut, beim Abziehen der Spritze pulsierte nix, aber trotzdem konnte man den Seldinger-Draht schlecht vorschieben. Eine BGA brachte dann Klarheit: Arterielle Fehlpunktion, hat wohl nur nicht pulsatil gespritzt wegen des niedrigen Blutdrucks nach der Einleitung. Der zweite Versuch gehörte dann dem OA, der aber auch nix gefunden hat und deshalb die gleichseitige V. suvblacia punktierte. Wen man so zuguckt, kann das so einfach aussehen. Stich – Treffer – Draht rein. Zack.
Heute hab ich das dann immerhin noch nachholen können und es hat funktioniert. Logischerweise ist es am Ende besser fürs Gefühl, wenn nicht alles inne dutten geht, sondern unproblematisch klappt. Abgesehen von einem ZVK hab ich heute zusätzlich noch 2 Interskalenuskatheter gelegt, was bei ersten gut und bei dem zweiten mit etwas Hilfe ging.
Das hier muss ich noch loswerden: Wie immer gibt es natürlich in jedem Team Leute mit denen man nicht klarkommt. Seitens der Pflege gibt es total viele liebe Menschen, aber einer, mit dem ist man nicht per Du. Nein, nein. Da ich vorgewarnt wurde, das selbst das Vorstellen nur mit dem eigenen Vornamen schon als Respektlosigkeit empfunden wird, hatte ich schon einiges befürchtet. Zwichendurch war ich schon zweimal mit dem netten Mann von nebenan aneinander gerasselt, einmal wegen einer Braunüle, die seiner Meinung nach auf der falschen Seite platziert war, an die zweite Situation erinnere ich mich gar nicht mehr. Burn out? Wandelnde berufliche Gratifikationskrise? Keine Ahnung, der Typ macht die Nummer schon so lange wie ich lebe, der wird auch schon genug studentische Spezialagenten in seinem Leben gesehen haben. Die kommen alle an und können nicht viel, aber im Laufe der Zeit überholen sie ihn unweigerlich. Egal, von mir kriegt er das Prädikat Mokel.
Umschreiber einer Person welche a.) einfache Tätigkeiten verrichtet b.) deren Tätigkeiten unklar und nicht weiter bekannt sind c.) Zivilangestellter bei der BW (Stovmokel – Mitarbeiter der Standortverwaltung) Auch in Verbform bekannt— “rummokeln”. Quelle: Mundmische.de
Heute hatte ich IHN dann jedenfalls als Anästhesie-Pfleger. Den ersten Skalenuskatheter den ich machen sollte hab ich wie immer angefangen, allerdings war es schon bei dem ersten Medikament was er spritzen sollte vorbei. Zitat: “Sie sind hier nicht der Chef”. Echt? Und ich dachte die überweisen mir am Ende des Monats nur zu wenig Geld! Und auch über meinen Parkplatz müssen wir dann nochmal nachverhandeln glaub ich! Noch absurder ist, dass ich beim nächsten Katheter auf die Frage ob er das schon gespritzt hat die maulige Antwort “Natürlich, wie immer” bekommen habe, wobei es natürlich gar kein wie immer gibt. Ich sag ja: MOKEL !!!
Sonst war aber alles Wölkchen inkl. der Verabschiedungsrunde nach der letzten OP werd ich jetzt noch ne Stunde schlafen. Um halb acht geht es dann mit ein paar von den PJ´s essen und den Abschluß hier feiern.
Über den vermutlich dramatischen Verlauf berichte ich die Tage.

