Meine große Tochter und das Bohrsche Atommodell

7. März 2010 geschrieben von sofie

Meine große Tochter ist sechs. Zum Atommodell kamen wir heute beim Abendessen, als wir den Salzstreuer herum gereicht haben. Da fragte sie nämlich, was Salz ist. Und schon waren wir mitten im Thema. Schließlich war ich in meinem früheren Leben Chemikerin, wie mein Lieblingsehemann dann einwarf. Endlich Kinderfragen, auf die ich Antworten weiß.

Meine Lieblingsfrage zur Zeit hat Josephine ja schon gestellt: Wo zum Teufel bleibt die globale Erwärmung? Ich könnte jetzt wirklich eine brauchen. Als Samstag morgen wieder alles weiß war, hätte ich am liebsten geheult. Zumal ich Rufdienst für die Außenstelle hatte, und der erste Patient bereits Verlangen nach meiner Person hatte, als ich gerade beim Frühstück saß. Seit meinem Unfall habe ich wahnsinnig Angst, bei dem Wetter zu fahren. Also habe ich das Autochen gleich unten an der Hauptstraße abgestellt und bin zum Krankenhaus hochgelaufen.

In der Zwischenzeit hatten sich noch zwei weitere Patienten dazu gesellt, und so ging es weiter. Es kam sogar ein RTW, der immer noch nicht mitbekommen hatte, dass er die Außenstelle chirurgisch nicht anfahren soll. Ich habe den ganzen morgen rotiert mit nur einer Schwester für alle chirurgischen und internistischen Patienten, in einem Haus, in dem es nur noch internistische Stationen gibt. Ich hatte irgendwann alle Ambulanzräume belegt und die Schwester ist hin und her geflogen. Und ich kam endlich zu meiner erfolgreichen Schulterreposition. Allerdings musste ich Dame dann doch noch in das Haupthaus verlegen, da alleinstehend. Insgesamt musste ich drei Leute rüberschicken, zur stationären Aufnahme. Um drei Uhr nachmittags rief mein Lieblingsehemann an, ob ich noch irgendwann wieder heim käme. Daran geglaubt hat er nicht, Es war nicht für mich gedeckt am Kaffeetisch. Pünktlich zur Bereitung des Abendessens wurde ich wieder gerufen, so dass er auch noch kochen musste „Tschüss, Schatz, das Essen steht im Kochbuch…“. Zum Essen kam ich aber glücklicherweise wieder nach Hause.

Letzte Nacht und Heute morgen kam glücklicherweise kein neuer Anruf, so dass wir heute morgen alle noch ein bisschen im Bett liegen und dann in Ruhe frühstücken konnten. Ich war dann noch beim Sport. „Ich komme mit“, meinte die Große, „ da ist doch eine Kinderbetreuung.“ „Aber nicht Sonntags“, antwortete ich; „da können die Väter aufpassen.“ „Und wenn die Väter Arzt sind?“ wollte meine Große wissen. „Dann haben die Mütter Pech gehabt!“

Erst Gleitzeit, dann Spätdienst, jetzt Frühdienst

3. März 2010 geschrieben von sofie

Mal sehen, wie ich morgen dann wirklich arbeite, denn dass ich arbeite, steht fest. Ein Kollege hat gestern tatsächlich seinen Gleitzeittag bekommen und siehe da, es fiel auf, dass wir schlecht besetzt sind. Sofort wurde von den Oberen gefordert, dass wir keine Gleitzeittage mehr bekommen, wenn zwei Leute in Urlaub sind und einer auf Intensiv. Es wird die nächsten eineinhalb Jahre IMMER einer auf Intensiv sein, wenn die Besetzung so bleibt, wie sie ist, und es werden häufiger zwei Leute in Urlaub oder sonst wie weg sein. Und die Kollegin, die jetzt morgens die Sprechstunde macht, wird auch bald weg sein. Ich weiß nicht, wie es dann gehen soll. Ich musste auch noch meine Patienten visitieren, bevor ich nach Dienst heimgehen konnte, weil sonst keiner da gewesen wäre, was mir noch eine unbezahlte und nicht auszugleichende Überstunde eingebracht hat. Denn die Überstunden nach Dienst werden ja sofort abgeschnitten, die verletzen das Arbeitszeitgesetz. Zum Glück haben wir ganz viele PJler und die verdreifachen die Arbeit nicht, sondern ich konnte sie um diverse Sachen bitten. Eigentlich mache ich die Verbände gerne selbst, denn ich finde, durch den ganzen Papierkram kommt die Arbeit am Patienten zu kurz. Aber heute morgen habe ich alles an die PJlerin abgegeben.
Der Dienst war mal wieder relativ ruhig, es scheint sich rumgesprochen zu haben, dass ich noch relativ planfrei in der Ambulanz sitze. Aber ich habe gestern das männlich Pendant zu den berühmten Eishockey-Müttern kennen gelernt. Fußball-Väter. Wenn der Bub soviel Talent zeigt, dass er von einem 100 km entfernten Kaff in die Stadt mit Bundesligaverein und dessen Kindertraining geladen wird, dann werden die Väter extrem nervös und mindestens genauso schlimm, ehrgeizig und überbesorgt bei allem, was die Leistungsfähigkeit des Jungen beeinträchtigen könnte. Unser Haus hat dieser Fußballschule die unfallchirurgische und orthopädische Betreuung zugesagt. Das heißt über 2000 Kinder und die besorgten Eltern können sich JEDERZEIT mit ALLEN Fragen, die den Bewegungsapparat ihrer Kids betreffen an uns wenden. Super. So kam dann gestern ein Vater mit seinem Sohn abends in die Notaufnahme. Kein akutes Trauma, das kann ich handeln, nein hier ein Wehwehchen, da ein Problemchen, meistens, wenn der Junge lange und viel trainiert hat. Weniger trainieren ist natürlich keine Option. Und wenn man ja schon hier sei, könne man doch gleich noch nach diesem und jenem schauen.
Obwohl der Dienst nicht schlimm war, schlafe ich im Dienstbett einfach schlecht. Daher habe ich mich nach dem Frühstück noch mal hingelegt, dann war ich im Wald laufen bei dem tollen Wetter. Ich musste zwar über einige umgestürzte Bäume klettern, aber es war toll. Meine Große wollte mich leider nicht auf dem Fahrrad begleiten (sonst wäre ich im Feld gelaufen). Danach hat sie mir vorgelesen (früher war das umgekehrt, man wie die Zeit vergeht) und wir haben gebastelt.
Es ist ja bekannt, dass arbeiten, wenn man eigentlich hätte frei haben sollen, irgendwie immer besonders beschi… läuft, so auch heute. Es war von Anfang an einfach nur stressig, eine Patientin hat sich so verschlechtert, dass wir mal wieder alles gemacht haben. Ich weiß immer noch nicht, warum sie so schlecht ist, Herz pumpt gut, Zucker ist okay, kein Apoplex, Labor und BGA sind okay, Medikation unverändert. Bei einem Patienten hat sich die Osteolyse wie erwartet als Metastase heraus gestellt, also habe ich erst mit ihm geredet. Später kam noch seine Frau und wollte auch noch mal reden. Überhaupt wollten heute alle reden, so dass ich eine Angehörige, mit der ich morgen sowieso ausführlich reden muss wegen OP Aufklärung mit allen anderen Sachen auch auf morgen vertröstet habe. Ich wollte nicht mehr reden, nur noch nach Hause…

Feinarbeit und rohe Gewalt

27. Februar 2010 geschrieben von sofie

Mein zweiter Dienst war nicht ganz so friedlich wie der erste, wenn auch nicht wirklich schlimm. Ich habe zwei Stunden lang an einer 17jährigen genäht, die sich in selbstverletzendem Verhalten elf Schnitte am Oberschenkel zugefügt hatte (aber jammern, wenn ich nicht ausreichend Lokale gespritzt hatte). Man, was eigentlich ziemlich oberflächliche Rasierklingenschnitte klaffen können. Ich habe den plastischen Chirurgen auch einen Blick auf das Bein werfen lassen und er hat mir viel Spaß gewünscht und ist ins Bett gegangen. fünf lange 4er Fäden und zwei Stunden später hatte ich die elf Schnitte mit hübschen regelmäßigen Einzelknopfnähten versorgt. Mit der zuständigen Psychiatrie habe ich auch noch telefoniert, denn ich war leicht überfordert mit der Situation. Muss man so jemanden einweisen? Muss man nicht, habe ich dann erfahren und noch ein bisschen mehr. Es fällt mir trotzdem schwer, zu begreifen und macht mir Angst. Wie meine Mädels wohl durch die Pubertät kommen?

Und es kam endlich die lang ersehnte Schulterlux, leider mit subkapitaler Humerusfraktur. Heißt, da hatte sich alles so verkeilt, dass trotz Kurznarkose und ordentlicher Relaxation diese verdammte Schulter einfach nicht reinwollte. Nicht nur mir, auch den starken und erfahrenen Ambulanzpflegern stand der Schweiß auf der Stirn und die Ratlosigkeit ins Gesicht geschrieben. Just 20 Sekunden bevor die Oberärztin, die ich in meiner Verzweiflung aus dem Restaurant gerufen habe, den Raum betrat ging es auf einmal, typisch.

Ich habe eine Infraktion nicht gesehen (die Radiologin, die ich wegen etwas anderen angerufen hatte auch nicht) und eine Apophyse als Fraktur fehlgedeutet, aber insgesamt habe ich keinen größeren Unfug gemacht. Ich bin ja der Wanderarbeiter, heißt für die Patienten zuständig, die auf den Externen Stationen liegen, und das waren Freitag, als ich gegangen bin einige. Ich habe sie alle meinem Kollegen übergeben, dabei musste ich dann leuter Sachen erzählen, wie die Frau X, die hat auch noch einen Hirntumor und der Herr Y hat noch das und dass, so dass mein Kollege mich dann fragte, ob ich auch „normale“ Patienten hätte. Hatte ich aber nicht.

Daheim musste ich noch mal ein bisschen schlafen und war dann mit meinem Lieblingsehemann Steak essen und Shoppen, während die Kinder mit Tante, Onkel und Cousin im Zoo waren. Die wurden dann wegen ihres jugendlichen Alters und der großen Kinderschar mal wieder dumm angemacht. Dazu muss man sagen, dass meine Schwägerin inzwischen auch Ü30 ist, einen Berufsabschluss und zwei Uni-Abschlüsse hat und im öffentlichen Dienst arbeitet. Also, was den Leuten einfällt, ehrlich.

Ich muss nochvon meinem Highlight der Woche erzählen, ich stand zum ersten Mal alleine am Tisch, die Oberärztin stand ungewaschen dahinter. War zwar nur eine Kleinigkeit aber trotzdem.

Ehekrach…

21. Februar 2010 geschrieben von sofie

…hatten mein Lieblingsehemann und ich gestern. Uns sind diesen Monat ja die Gleitzeittage gestrichen worden, wegen Personalmangel (bei Vollbesetzung) gestrichen worden. Woran ich bei dieser schlechten Nachricht nicht gedacht habe, ist, dass meine Schwiegermutter morgen in Urlaub fährt. War ja nicht schlimm, ich hätte ursprünglich ja frei haben sollen. Gestern fiel meinem Mann auf, dass ich mich nicht um eine alternative Betreuung für unsere jüngere Tochter gekümmert habe. Ihm war diese Versorgungslücke auch nicht aufgefallen, aber ich war natürlich an allem Schuld. Man was war der sauer, und das, nachdem ich gestern wirklich sensationell gut gekocht habe. Wenn es vorher nichts zu essen gegeben hätte, wären wir jetzt wahrscheinlich geschieden. Zum Glück, haben wir unsere Tagesmutter erreicht, die nimmt die Kröte einen Tag extra. Daher haben wir uns wieder vertragen, jetzt muss ich die Kleine morgen nur rechtzeitig abholen.

Dieses Wochenende hatte ich Rufdienst, das heißt von 9.00 Uhr bis ich nicht mehr gebraucht werde, arbeiten. Gestern war das immerhin schon um 16.00 Uhr und heute um 17.00 Uhr. Heute morgen war bei uns wieder alles weiß und so fing der Tag auch an. Mit einer pertrochantären Fraktur. Ich hasse es wirklich, das ganze Wochenende zu arbeiten, aber da ich noch nicht so viele Dienste mache in der neuen Abteilung, kann ich schlecht was sagen. Ich fühle mich auch nicht wirklich fit genug für Dienste. Ich bin noch total unsicher, was man wie behandelt. Ich habe letzte Woche immer mal in der Ambulanz mitgemacht, um da ein bisschen sicherer zu werden. Aber beim Bauchultraschall fühle ich mich jetzt besser. Wir müssen auch für 3 Woche ohne CT auskommen, das wird sehr lustig. Wir stellen die Indikation zum CT nämlich ziemlich großzügig.

Insgesamt bin ich aber sehr glücklich mit meinem Wechsel, auch wenn es mir in der Allgemeinchirurgie gut gefallen hat. Aber mir macht die Arbeit noch mehr Spaß, ich mag das Werkzeug und das Baumarktfeeling im OP. Fehlt nur noch die passende Musik. Ich fand im PJ, die Hauptmotivation irgendwann Oberärztin zu werden liegt darin, dass man dann bestimmen kann, welche Musik im OP läuft. Leider ist es bei uns eher musiklos im OP. Finde ich schade, ich mochte im PJ die Wirbelsäulen-OPs, weil der Oberarzt immer schön seinen I-Pod auf Lautsprecher montiert und die Fernbedienung in einen sterilen Plastikbeutel verpackt hat. (Aber ich mag ja auch Musik hören bei Joggen, was meine Freundin überhaupt nicht verstehen kann).

Halbtags

12. Februar 2010 geschrieben von sofie

Ich hatte Montag und auch schon am letzten Freitag jeweils nur eine Überstunde, ich komme mir fast vor, als hätte ich einen Halbtagsjob. Und das Wochenende war auch super entspannend, trotz Rufdienst am Samstag. Dreimal bin ich hingefahren, für insgesamt sechs Patienten. Der Sonntag war dann wohl weniger nett. Und wenn ich wegen der Dame gefahren wäre, die sich ganz oberflächlich die Haut geritzt hat, dann wäre ich echt sauer geworden. Das Gemeinste war Sonntag morgen, eine halbe Stunde vor dem Zuständigkeitswechsel. Ich hatte gerade zu meinem Lieblingsehemann gesagt: Jetzt wird wohl nichts mehr kommen, da kam doch noch etwas. Eine Mama mit zwei süßen kleinen Jungs. Deswegen hat die Schwester auch angerufen. Allein mit zwei kleinen Zwergen im Wartezimmer hocken ist nur mäßig witzig.

Es ist einige Tage später, ich habe meinen ersten Unfallchirurgischen Dienst hinter mir. Der Dienst war so ruhig, dass es schon fast unheimlich war. Zwei ganze Patienten, ein Röntgen und ein Labor anzuschauen, zwei EKs, einmal digitalisieren, zwei Braunülen auf Intensiv… Wenn ich hätte schlafen können, hätte ich mehr Schlaf bekommen, als zu Hause. Ich dachte am Anfang, das wird ganz fürchterlich Der nächste Dienst wird bestimmt fürchterlich. Dafür ist mir auf Station nicht aufgefallen, dass eine Bülau nicht am Sog hängt. Früher wäre den Schwestern von selber etwas dazu eingefallen, aber es natürlich mein Fehler.

Momentan kämpfe ich gegen meinen inneren Schweinehund. Seit dem Laufen am Sonntag habe ich keinen Sport gemacht, (doch wir waren Mittwoch tanzen, viel Samba, sehr sportlich) und ich habe meinen inneren Schweinehund die Woche schon mal gewinnen lassen.

So, der Schweinehund (und der Zeitfaktor) haben entschieden, Sport erst morgen. Heute darf mein Lieblingsehemann seinen Hobbies frönen. Ich hüte Haus und Kinder und gehe früh ins Bett, denn gut geschlafen habe ich die letzte Nacht nicht, ich habe immer auf das Klingeln des Telefons gewartet.

Da die Frage kam, wie mein Mann mit der ja doch nicht unerheblichen Arbeitsbelastung und Überstunden zurechtkommt: Ich weiß nicht, ob er sich das soooo krass vorgestellt hat,
ich nämlich nicht. Insgesamt ist er aber ein eher gelassener Typ und er kennt mich ja auch schon ziemlich lange, da war ihm von vorneherein klar, dass ich ehrgeizig bin und ein ausgeprägtes Pflichtgefühl habe (Steinbock halt). Es regt ihn mehr auf, wie manche Sachen in der Klinik organisiert sind, wie wir behandelt werden und wie wenig wir uns dagegen wehren. Und da hat er ja recht.

Mädchen für Alles

1. Februar 2010 geschrieben von sofie

Meint sprichwörtlich für ALLES. Heute morgen fiel auf, das zwei Kollegen, die zusammen einen Station besetzen im Urlaub sind. GLEICHZEITIG! Denn als sie den Urlaub eingetragen haben, war die Verteilung ja noch eine andere. So stand die Oberärztin auf der Station und wollte Visite machen und es war kein Assistent da. Das fand sie ziemlich doof, also hat sie in der Frühbesprechung Zeter und Mordio geschrieen. Daraufhin der leitende Oberarzt: „Die Frau Sofie muss die Patienten jetzt übernehmen, zusätzlich zu den Externen!“ Die Frau Sofie wusste nicht, ob sie hysterisch lachen oder weinen sollte. Als nächstes fiel auf, dass einer der abwesenden Kollegen auf dem OP-Plan stand. „Na, dann muss die Frau Sofie das übernehmen.“ So kam ich zwar erfreulicherweise zu einer Ganglionexstirpation und einer weiteren Metallentfernung, aber ich fühlte mich auch leicht gestresst. Zum Glück ist jemanden dann doch noch aufgefallen, dass nicht mal Superdoc sich um so viele Patienten auf so vielen Stationen kümmern kann und eine Anfängerin im ersten Weiterbildungsjahr schon gar nicht. Also musste ich nur noch die septischen Patienten dazu nehmen. So habe ich es dann doch geschafft, meine Arbeit mit nur zwei Überstunden und nicht diktierten OP-Berichten für heute zu beenden. Die OP-Berichte sind inzwischen diktiert. Ich müsste mal welche korrigieren und ablegen, es nimmt langsam überhand. Im ganzen Haus wird schon darüber geredet, dass ich so viel operiere zur Zeit. Ich genieße es einfach, denn meine Ambulanz- und Intensivzeit kommt noch.
Jetzt muss ich noch von meinem Samstag erzählen: Mein Vater hatte Geburtstag. Ich hatte mich beim Einkaufen vertrödelt und bin mit deutlicher Verspätung losgefahren. Mein Handy war auch leer, so dass ich zeitlos war und mein Lieblingsehemann mich auch nicht erreichen konnte, um zu fragen, ob ich nicht langsam losfahren möchte. Er wollte wegen Krankheit daheim bleiben. Leider kam ich nicht weit, ich kam auf Schneematsch ins Rutschen, bis mich ein Bäumchen aprupt bremste. Natürlich mit den Mädels im Auto. Ich ärgere mich so dermaßen, ich bin so sauer auf mich selbst, ich kann es gar nicht sagen. Aber wenn ich Beitrag von Annette sehe, muss ich einfach nur dankbar sein, dass uns bis auf ein paar Schrammen und blaue Flecken nichts passiert ist.

Sonntag wollte ich dann so lange laufen, bis ich nicht mehr sauer bin. Das habe ich natürlich nicht geschafft (das hätte wohl mindestens einen Ultramarathon gebraucht). Aber Kraft hatte ich ohne Ende. Ich habe Gewichte gepumpt, da träume ich sonst von. Und ich habe nicht mal Muskelkater heute….

Under pressure

28. Januar 2010 geschrieben von sofie

Es ist unheimlich stressig zur Zeit, ich arbeite jeden Tag 11 – 12 Stunden. Immer ist irgendetwas und ich komme wieder nicht raus. Entweder bin ich lange im OP und mache meine Stationsarbeit nach Dienstschluss (das ist dann noch der netteste Grund) oder ich mache eine frustrane Pleurapunktion oder ich piekse mir beim Nähen in den Finger (dämmlicherweise bei einer fortlaufenden Naht, so dass ich alles wieder aufmachen und von vorne anfangen musste. Und ich bin immer noch der Außendienstmitarbeiter. Und wenn sich nicht nächste Woche wieder alles ändert, bleibe ich das auch noch. Und das ist wirklich kein Nebenjob, mal abgesehen von den ganzen Kilometern, die ich dabei laufe. Hat aber den Vorteil, dass ich regelmäßig auf meiner alten Station vorbei komme. Und dass ich den nettesten Oberarzt habe, der auch mal selber anpackt und dem ich auch dämliche Fragen stellen kann. Unsere Oberärzte sind übrigens alle nett, aber der für die externen Stationen ist der Unkomplizierteste, der, der zuletzt Oberarzt geworden ist.
Ich durfte wirklich viel operieren, lauter Metallentfernungen, sogar ein distaler Radius. Das finde ich natürlich toll. Aber wer viel operiert, muss viele OP-Berichte diktieren. Und das OP-Berichte diktieren, dass fällt mir noch immer verdammt schwer. Da brauche ich Ruhe, das OP-Protokoll, den OP-Bericht von Metall rein und eine Vorlage, an der ich mich langhangeln kann. Daher mache ich das gerne daheim, worüber sich mein Lieblingsehemann maßlos aufregt. Gut ist auch in den ruhigen Rufdiensten, während man darauf wartet, dass der Patient vom Röntgen zurück kommt.
Nächsten Monat trifft es mich schon mit zwei Bereitschaftsdiensten. Hilfe, ich bin noch nicht soweit. Mir fehlt die Einarbeitung von der Allgemeinchirurgie. Der erste Monat in der Ambulanz war super, da hat man zumindest 80% der Dinge, die einem im Dienst erwarten gesehen. Das gibt es in meiner neuen Abteilung leider nicht. Und Gelegenheit dem Ambulanzarzt über die Schulter zu schauen habe ich auch nicht, ich habe einfach zuviel zu tun.
Letztes Wochenende hatte ich Rufdienst, was bedeutete, dass ich Samstag von 9.00 bis 19.00 Uhr und Sonntag von 9.00 bis 21.00 Uhr im Haus war. Daher freue mich so auf das nächste Wochenende, da habe ich ganz frei.
Und morgen versuche ich mal wieder pünktlich zu gehen und noch zum Sport zu kommen. Das habe ich diese Woche mit zwei Spätdiensten noch nicht geschafft.

Außendienstmitarbeiter…

21. Januar 2010 geschrieben von sofie

Guten Abend. Ich habe meinen ersten Rufdienst und bin auch schon zweimal angerufen worden. Beim ersten Mal, war ich gerade dabei die Kinder ins Bett zu bringen. Ein Halbstarker hat Hand gegen Holz gespielt und hatte jetzt Schmerzen. Im Röntgen habe ich nichts gesehen… Kaum war ich wieder daheim habe ich mich hoffnungsvoll direkt ins Bett begeben. Kurz drauf kam der nächste Anruf, ein Knöchel. Sport ist Mord und wie immer ist es bei den Entspannungsübungen am Schluss passiert. Aufwärmen und Entspannen sind am gefährlichsten. Da war ich mir beim Röntgenbild nicht so hundertprozentig sicher und habe den Haxen erst mal eingegipst. Mal sehen, was morgen bei der Röntgendemo rauskommt. Jetzt gehe ich gleich erst mal Sekt trinken (alkoholfreien natürlich, bäh), denn ich habe in zehn Minuten Geburtstag. Das ist echt fies, Rufdienst heute. Aber ich habe in der neuen Abteilung mit Urlaub angefangen und mit Fortbildung weiter gemacht, Bereitschaftsdienste mache ich auch keine, da kann ich wegen der paar Rufdienste nicht rumzicken. Das Schlimmste ist ja gar nicht da hin zu fahren und die Patienten anzuschauen (wobei das bei mehrmals auch echt nervt), das Schlimmste ist, dass heute ein normaler Tag mit zweieinhalb Überstunden war und morgen auch wieder ein normaler Arbeitstag ist (mit maximal einer Überstunde, denn abends habe ich Gäste). Leider muss meine Schwägerin mit dem jüngsten Familienzuwachs noch liegen, so dass mein „kleiner“ Lieblingsneffe nicht dabei sein wird, aber mein „großer“ Lieblingsneffe (neun Monate alt) kommt mit seinen Eltern.

Zum Glück musste ich nachts nicht mehr raus, so war ich nur ein bisschen müde. Und der Kuchen ist auch nicht verbrannt, mein Lieblingsehemann hat ihn aus dem Ofen genommen. Wie alt ich geworden bin? 29, wie jedes JahrJ. Abends haben wir hier schön gefeiert.

Heute hatte ich eine Metallentfernung als Geburtstagsgeschenk. Ging gut, hat Spaß gemacht. Ansonsten war ich den Rest des Tages im Außendienst. Ich war für die Patienten auf den externen Stationen zuständig. Das mag ich ganz gerne, auch wenn es natürlich Nachteile hat, wenn man so viele ausgelagerte Patienten hat. Am liebsten gehe ich natürlich auf meine alte Station. Und auf der gynäkologischen Station bin ich auch gerne, auch wenn die Schwestern mit unserer Wirbelsäulenpatientin überfordert sind.

Mit richtigem Werkzeug

18. Januar 2010 geschrieben von sofie

Zweiter Tag Unfallchirurgie und ich durfte gleich operieren. Eine Metallentfernung für mich, toll! Das Abwaschen und die Instrumente waren ungewohnt, aber schön. Es hat echt Spaß gemacht, die Oberärztin, die ja immer sehr kritisch ist, hat mich super angeleitet und machen lassen. Aber es ist echt der Wahnsinn, wie voll das OP-Programm heute wieder war. Der Spätdienst und Dienst haben eine lange harte Nacht vor sich (und das hat nichts mit der sehr netten Radiosendung des hessischen Rundfunks, die den gleichen Namen trägt, zu tun). ich war immerhin beim Sport heute. (leider macht mich Sport nur hungrig). Danach haben wir dann Döner gegessen, weil ich den so schön mitbringen kann nach dem Sport und mein Mann dann nicht kochen muss. Und jetzt werde ich gleich noch einen Sekt trinken, denn ich bin Tante geworden (freu). Und wahnsinnig viele Treppen bin ich heute gelaufen auf der Arbeit, das habe ich gleich in den Knien gemerkt heute abend.

Eine Woche später:
Sorry, ich war bei einem sehr guten Ultraschallkurs in Aachen. Ich habe wirklich ganz viele tolle Sachen gelernt, das finde ich super. Ich habe dann auch heute gleich ein ausführliches Abdomen Sono bei einer Patientin mit unklarer Anämie gemacht und habe tatsächlich etwas auffälliges gesehen, was weiter abzuklären wäre und war mir bei den Sachen, die ich viel besser darstellen konnte auch wesentlich sicherer als zuvor. Jetzt muss ich natürlich viel üben, aber so macht es auch viel mehr Spaß.

Heute hätte ich eigentlich mit meinem Lieblingsoberarzt operieren sollen, aber dazu kam es dann leider doch nicht. Unser Plan wird ungefähr halbstündlich geändert. Morgen stehe ich zwar auch wieder auf dem OP-Plan, aber wenn diese Punkte nicht deutlich nach vorne rutschen wird das auch erst im Dienst operiert und da habe ich ja dann Rufdienst für den anderen Standort der Klinik. Am Vorabend von meinem Geburtstag. Ich mag alkoholfreien Sekt nicht wirklich, aber um Mitternacht anstoßen muss sein, falls ich daheim bin. Dienstfrei am nächsten Tag gibt es, falls man mehr als 50% der Rufbereitschaft gearbeitet hat. Sind es weniger als 50% aber die netten Stunden von 3.00 bis 6.00 Uhr, dann hat man einfach Pech gehabt.

Ab morgen soll ich die Patienten auf den externen Stationen betreuen. Das freut mich, weil ich da mal auf meiner alten Station vorbei schauen kann.

Gute Vorsätze

9. Januar 2010 geschrieben von sofie

Ein frohes neues Jahr erstmal. Ich weiß, eigentlich kann man es gleich lassen mit den guten Vorsätzen, denn nach spätestens zwei Wochen sind sie sowieso gebrochen. Trotzdem tue ich es immer wieder. „Mehr Sport“ ist natürlich wie immer auf der Liste. Und immerhin habe ich im Dezember schon damit angefangen mein Sportpensum wieder deutlich zu erhöhen, das heißt ich habe schon über einen Monat durchgehalten. Wie ist das, nach drei Monaten ist es Gewohnheit? Wäre schön, denn Vorsatz zwei ist endlich ein paar Examenkilos los zu werden. Das Arbeiten im Krankenhaus ist da kontraproduktiv, man isst den ganzen Tag nichts und dann kommt man an einer Schale Süßigkeiten oder Kuchen vorbei. Oder man bestellt etwas im Dienst und schlingt es dann im Stehen runter. Oder man beherrscht sich, isst kontrolliert, hat Obst und Brot dabei und kommt trotzdem ausgehungert nach Hause und stürzt sich auf alles, was nicht alleine aus dem Kühlschrank weglaufen kann. Das sind zumindest meine typischen Muster. Mit diesem Vorsatz bin ich allerdings nicht weiter gekommen bisher. Außer, dass ich über die Feiertage und im Winterurlaub nicht zugenommen habe. Immerhin.
Montag fange ich gut erholt in der neuen Abteilung an (natürlich auch mit den besten Vorsätzen) um Donnerstag gleich wieder zum Sonokurs zu fahren. Darauf freue ich mich auch schon, auch wenn ich meine Familie wahrscheinlich spätestens Donnerstag Abend wahnsinnig vermissen werde.
Wegen des Abteilungswechsels habe ich im nächsten Monat keine Bereitschaftsdienste, nur Rufdienste. Mal sehen, wie die so sind. Gemeinerweise habe ich den ersten am Vorabend meines Geburtstages, so dass das Glas Sekt um Mitternacht alkoholfrei sein wird.
Gestern sind wir aus dem Winterurlaub gekommen, vor der Hauptmasse an Schnee und Rückreisenden. Wir sind drei Tage Ski gefahren, unsere Große war im Kinderskikurs und die Kleine im Kindergarten. Ich bin kein großer Skifahrer, dass letzte Mal ist zehn Jahre her und im Jahr davor war mein erstes Mal auf Skiern. Ich bin am Ende blaue Pisten einigermaßen runter gekommen. Dennoch hielt ich es für eine gute Idee einen Tag Skikurs zu machen, um meinen Körper an das Wissen von damals zu erinnern. Meinen Lieblingsehemann neckte ich mit dem feshen Skilehrer, den ich mir suchen würde. Also fuhren wir zu dem Treffpunkt verteilten die Kinder und dann ließ ich mich verteilen. Da stand er, mein fesher Skilehrer, die sechzig hatte er längst überschritten, die Zähne waren spärlich und braun, aber nett und geduldig war er. Wir waren eine Gruppe von neun Leutchen, die den Zustand des Schneepflugrutschens an möglichst flachen Hängen hinter sich gelassen hatten, sich aber noch nicht die richtigen Berge runterstürzen mochten. In der Gruppe war ich genau richtig und der Skilehrer war zwar nicht fesh, aber toll. Die nächsten zwei Tage bin ich mit meinem Lieblingsehemann gefahren und habe mich an den steilen Stücken ziemlich gequält. Donnerstag sind wir dann morgens Schlitten gefahren und waren nachmittags im Hallenbad. Da bestand das Fitnesstraining darin, die Rutsche, die immer zur vollen Stunde für 30 Minuten geöffnet wurde, in dieser Zeit so oft wie möglich zu rutschen.
Da wir auf einem Bauerhof gewohnt haben, war die Große auch ständig im Stall verschwunden. Das Essen war reichlich und nicht kalorienarm (ich habe aber auf den Nachtisch verzichtet).
Natürlich habe ich mir auch vorgenommen ganz ordentlich regelmäßig zu bloggen, mal sehen, ob das klappt wenn der normale Wahnsinn nächste Woche wieder los geht.