Die Kluft zwischen Medizin und Pflege…
8. September 2009 geschrieben von StephieMal was ganz anderes zwischendurch, das mich gerade sehr beschäftigt…
Als ich vor einigen Monaten meine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin begann, war ich wirklich guter Dinge. Ein Neuanfang. Weiter in der Klinik sein ohne dem Druck eines Studiums ausgesetzt zu sein.
Ohne den Druck, jemand sein zu müssen, der man eben grad nicht sein kann. Klingt erstmal gut, oder?
Das dachte ich auch. Nur mit den Wochen wird mir immer klarer, dass die Kluft zwischen den Professionen fast unüberwindbar scheint. Ärzte lästern über das Pflegepersonal, die Pflegenden schimpfen auf die Ärzte, die Studenten stellen sich immer auf die Seite, die gerade besser für sie ist und keiner scheint auch nur einen Hauch von Empathie für den anderen aufbringen zu wollen.
Natürlich gibt es Ausnahmen. Gute gibt´s überall… Aber leider auch sehr viele schlechte Menschen… Jedenfalls was das Einfühlungsvermögen, Toleranz oder Kommunikationsbereitschaft angeht.
Irgendwie stehe ich immer dazwischen. Gehöre zwar nirgends wirklich dazu, weil ich ja mal Medizin studiert habe (Zitat: “Aus nem Fast-Doc wird nie eine gute Schwester…”), weil ich das Medizinstudium erstmal auf Eis gelegt habe (Zitat: “Naja, du wirst das wohl nie zu Ende bringen. Jetzt stehst du auf der anderen Seite.”)… Und trotzdem versuche ich Verständnis für beide Seiten zu haben…
Oft fühle ich mich unterfordert, mein Pflegekurs ist von ehemals 30 Mitgliedern auf nun noch 19 geschrumpft. Der Rest hat gekündigt, weil es keinen Spaß machte, die Lehre einfach unterirdisch ist und sich niemand Mühe geben möchte, uns etwas beizubringen.
Und das wo uns doch der Schulleiter anfangs soviel versprochen hatte: “Wir schaffen es gemeinsam, die Pflege auf Augenhöhe mit der Medizin zu bringen.”
Ja genau, mit Lehrern, die lieber Kaffee trinken gehen als uns zu unterrichten. Mit Stationen, die sich gar nicht im Klaren darüber sind, was wir können müssen, was wir lernen sollen und was nicht zu den Aufgaben eines GuKP-Auszubildenden gehört.
Manchmal komme ich aus der Klinik und möchte am liebsten meine Kündigung schreiben, eintüten und an die Pflegeschule schicken.
Nach 8 Stunden Rumhocken in der Schule bin ich total platt, könnte auf der Stelle einschlafen und bin andererseits auch wahnsinnig wütend, weil es wieder ein verschwendeter Tag war, an dem man uns nichts beigebracht hat, außer Textarbeit.
Es ist zum Mäuse melken…
Meine erste Station war klasse, Kardiologie.  Ich fühlte mich eingebunden, wurde gefordert, abgefragt… In Situationen gebracht, in die man als Studentin einfach nicht kommt und in denen man reagieren muss. In 8 Wochen dort habe ich mehr gelernt als in den restlichen 10 Monaten meiner Ausbildung.
Die Thorax- und Gefäßchirurgie war einfach ätzend. Das lag nicht am Fachgebiet, sondern daran, dass sich schon rumgesprochen hatte, dass ich studiert hatte und mir dementsprechend arrogant begegnet wurde.
Es tat richtig weh, nichts tun zu dürfen. Nur Bettpfannen leeren, Leute schnell “runterwaschen” (Für Mobilisation und Aktivierung ist ja keine Zeit…  Und wenn man´s versucht, gibt es tierisch Ärger mit den Mitarbeitern…), Patienten in den OP, zum Röntgen, zum EKG oder dahin wo der Pfeffer wächst, schieben.
Warum haben die Professionen nur so eine seltsame Art miteinander umzugehen? Ich meine, ich bin sicher nicht arrogant, zumindet bemühe ich mich es nicht zu sein. Bin stets höflich, respektvoll, sage aber auch offen meine Meinung, selbst wenn ich dabei Gefahr laufe auf Gegenwind zu stoßen.
Trotzdem wurde mir mit einem Hass und einer herablassenden Art begegnet, wie ich sie selten erlebt habe. Soviel zu: Wie es in den Wald hinein schallt…
Dessen nicht genug, man wird nicht ernst genommen.  An meinem Wissen hat sich nichts geändert… Mein Status, meine Stellung in der Nahrungskette wohl schon…
Darüber war ich mir auch im Klaren als ich die Ausbildung angefangen habe… Aber mir war nicht klar, dass es so krass sein würde. Ein Kittel oder ein Kasack. Das ist es, was mich von ernst genommen oder belächelt werden lässt.
Kann es das wirklich sein?
Ich weiß nicht, ob es das ist, was ich wollte als ich mich für diese Ausbildung als nächsten Weg entschied.
Die Pflege und die Medizin auf Augenhöhe bringen. Das klingt erstmal toll. Denn Pflege mit ihren vielen Pflegetheorien und Anwendungen ist ein wirklich anspruchsvolles Fach.
Nur wird uns das 1. nicht so vermittelt und 2. ist weder die Medizin, noch die Pflege dazu bereit, sich auch wirklich auf gleicher Ebene zu akzeptieren.
Die wenigen Einzelkämpfer, die schon so weit sind und sich so etwas wirklich vorstellen könnten, es sogar gut heißen, steht allein auf weiter Flur.
Das ist so frustrierend, dass man am liebsten allem den Rücken kehren und eine Tischlerlehre machen möchte…
Aber wie heißt es so schön: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Und ich kann nur hoffen, dass ich es eines Tages besser machen werde. Jedenfalls werde ich mich bemühen den Menschen ernst zu nehmen und nicht einen Kittel oder einen Kasack.
Soviel dazu…
Sorry für das pseudophilosophische Geschwalle!
Das musste heute einfach mal noch raus…
Liebe Grüße,
Stephie

