Au Backe!

Ihr interessiert euch für Zahnmedizin und Zahntechnik? – Sicherlich, sonst würdet ihr wohl kaum auf dieser Seite sein. 😉
Aber auch Geschichte ist etwas, was für euch eher spannend als öde klingt? – Dann wäre ein historisches Dentalmuseum wahrscheinlich genau das richtige für euch!

Bloß gut, dass es ein solches Museum eurer Träume in Colditz (bei Leipzig) gibt!

Gezeigt werden u.a. historische Instrumente wie Handbohrer, Zahnhebel oder Goldplobierhämmer. Das wohl furchteinflößenste ist der sogenannte “Pelikan”. Hierbei handelt es sich um ein zahnmedizinisches Instrument, was ab dem Jahre 1320 zum Herausbrechen der Backenzähne genutzt wurde.
Zu den neuesten Ausstellungsstücken gehört die wohl älteste Zahnarztpraxis der Welt (aus dem Jahre 1750). Es handelt sich hierbei um das Behandlungszimmer des Hofzahnarztes Fiedrich des II., Philipp Pfaff. Neben originalen Gegenständen, wurden auch Teile der Einrichtung nachgebaut, was unzählige Stunden Recherche und drei Jahre Arbeit benötigte, um eine möglichst detailgetreue Nachstellung zu ermöglichen.
Zusammengetragen wurden all diese Schätze, die mittlerweile aus ungefähr 170 Bibliotheken des In- und Auslands stammen, Zahntechniker Andreas Haesler. Zuletzt gelang es ihm Bestände des Dentalhistorischen Instituts in Wien nach Colditz zu holen.

Zahnmedizinische Sammlungen dieser Art gibt es in Deutschland eigentlich eher an den Universitäten. Laut der Koordinierungsstelle für wissenschaftliche Universitätssammlungen in Berlin existieren nur acht rein zahnmedizinische Kollektionen, von denen keine eine Ausstellungsfläche von mehr als 250 Quadratmetern beansprucht.
Haesler präsentiert seine Exponate dagegen auf 300 Qudratmetern. Dazu existiert eine wissenschaftliche Bibliothek, die z.T. alte Schriften zur Zahnheilkunde enthält, die mehrere Jahrhunderte alt sind. Diese befindet sich auf einer Fläche von 3000 Quadratmetern.

Mit dem Sammeln begonnen hat Haesler 1990, als er die Praxis eines Kollegen kaufte. Wie es meist so ist, sprach sich schnell herum, dass der Zahntechniker eine Vorliebe für historische Geräte hat, woraufhin ihm von mehreren Leuten Sachen angeboten wurden.
Einige Exponate sind über 2500 Jahre alt, so z.B. Zahn- und Zungenreiniger aus dem Orient. Neben Zahnbürsten aus dem spanischen Königshaus oder einer Dokumentation über Zahnanomalien gehören auch einige merkwürdige Dinge zur Sammlung. So z.B. eine Art Gebiss aus Kuhknochen, die als “Kaumaschine” bezeichnet wird.

 Auch in der Filmbranche hat sich dieser Schatz mittlerweile herumgesprochen. Sprechzimmer für 46 Film- und Fernsehbeiträge hat Haesler schon eingerichtet. Dazu zählen z.B. die Neuverfilmung der “Buddenbrooks” oder “Mein Leben-Marcel Reich-Ranicki”.
Diese Einnahmen dienen zum Teil der Finanzierung des Museum, reichen allerdings nicht aus, sodass er auch privat investieren muss, denn Fördermittel gibt es für die Sammlung nicht.
Im Schnitt kommen jährlich 2000 Besucher (einige auch aus dem Ausland). Haeslers Ziel sind allerdings knapp 20 000 pro Jahr.Wer gerne etwas über Öffnungszeiten oder Exponate nachlesen möchte, kann sich gerne einmal auf der Homepage des Dentalhistorischen Museums umsehen.
Einen Besuch ist es allemal wert, obwohl einige Exponate es einem erleichtern zu verstehen, weshalb die Angst vor dem Zahnarzt schon seit hunderten von Jahren besteht und auch heutige noch den ein oder anderen quält.

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