Mangelernährung auch an den Zähnen zu erkennen

Dass Zähne die Fähigkeit besitzen, Chemikalien und Umwelteinflüsse zu speichern ist bereits bekannt. Nun haben irische Forscher herausgefunden, dass auch Mangelernährung und Stress am Zustand des Gebisses abzulesen sind. Ihr Ergebnisse haben sie im Maganzin PLOS ONE veröffentlicht.

Diese Ergebnisse möglich machten Ausgrabungen möglich. Es handelte sich dabei um ein Massengrab eines Armen- und Waisenhauses aus dem 19. Jahrhundert, welches 2005 in Irland entdeckt wurde. Da durch Aufzeichnungen die Sterbedaten und -umstände bekannt waren, konnten die menschlichen Überreste der Kinder und Erwachsenen als Untersuchungsobjekte herangezogen werden. Anhand dieser Daten legte die Forschungsgruppe um Julia Beaumont (University of Bradford) großen Wert auf die Suche nach Hinweisen für eine Hungersnot.

Fündig wurden sie bei den Zähnen, genauer gesagt im Kollagen der Zähne. Es ermöglicht eine zeitlich sehr präzise Einschätzung der Ernährungsweise. Dies ist jedoch nur während der Entstehung möglich. Ist das Dentin einmal vollständig aufgebaut, erfolgen keinerlei Umbaumaßnahmen mehr. Dieser Fakt ist beim Knochenkollagen genau andersherum. Dieses wird täglich neu gebildet und lässt so Rückschlüsse auf die Ernährung der letzten Lebensjahre zu. Ziel der Studie war es Marker ausfindig zu machen, die den Übergang von einer kartoffelhaltigen Ernährung zu einer maishaltigen Diät anzeigen und somit als Zeichen für Mangelernährung oder sogar Hunger gesehen werden können.

Das Ziel der Studie konnte somit erfüllt werden. Kommt es während des Zahnwachstums zu einer Unterernährung sinkt der Kohlenstoffanteil stark ab, wohingegen der Anteil an Stickstoff enorm ansteigt. Fälschlicher Weise wurde dies früher als Anzeichen einer reichhaltigen Ernährung des Adels interpretiert, was bei den, in der Studie untersuchten Skeletten, jedoch nachweislich nicht der Fall war.

Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen noch einmal, dass dieses Phänomen im Rahmen einer Unter- oder Mangelnernährung auftritt, weil der Körper quasi damit beginnt sich selbst zu verzehren, bestehendes Protein zu recyceln und die letzten Fettreserven aufzubrauchen, welche einen geringen Kohlenstoffwert besitzen.

Gleichzeitig konnten die Wissenschaftler zeigen, dass nach einer Ernährungsumstellung auf Mais sich die Verhältnisse von Kohlenstoff zu Stickstoff wieder normalisiert haben. Dadurch lässt sich der Schluss ziehen, dass sich der Körper der neuen Ernährungsweise anpasst.
Insbesondere in der Forensik könnten die neu gewonnenen Ergebnisse der Studie in Zukunft von Nutzen sein.
Wer es etwas genauer wissen möchte, kann die vollständige Studie hier einsehen.

(Bildquelle)

 

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