Pianist trotz Querschnittslähmung – auch Dank der Zahnmedizin

Dank einer speziell konstruierten Funkbeißschiene war es dem 15-jährigen qurschnittgelähmten Pianisten Alberto Mancarella aus Los Angeles möglich Auszüge aus dem Italienischen Konzert von Bach zu spielen. Diese Möglichkeit hatte er bei einer feierlichen Preisverleihung der Deutschen Stiftung Querschnittslähmung (DSQ).  Mithilfe seiner Zunge konnte er so das rechte Fußpedal des Klavierflügels bedienen – eine bisher einzigartige Methode.

Seit mehr als 20 Jahren gibt es für querschnittgelähmte Klavierspieler – meist Unfallopfer – elektromagnetische Pedalsteuerungen. Impulsgeber können Lichtschranken, Kopfstützen, Rückenlehnenkissen etc. sein und ermöglichen den behinderten Pianisten, auch pedalnotierte Partituren zu spielen. Nachteil: Magnete sind für den pianistischen Einsatz zu undifferenziert, weil sie durch entsprechende Schalter das Pedal des Flügels lediglich ein- und ausschalten können.

Die Klavierpedalen mit der Zunge bedienen

“Zwischenstufen wie etwa Halbpedal oder Flatterpedal sind so nicht möglich. Hinzu kommt, dass die unterstützende Technik für den Konzertbesucher immer sichtbar war”, erklärt Dr.-Ing. Rüdiger Rupp. Er ist der Leiter der Sektion Experimentelle Neurorehabilitation des Querschnittzentrums am Universitätsklinikum Heidelberg und entwickelte mit seinem Team innerhalb von fast zwei Jahren eine Beißschiene, welche einen druckempfindlichen Sensor beinhaltet, die der Pianist im Mund trägt. Diese ermöglicht die Steuerung des Pedals, je nach Partitur.

“Wir werten die Kraft aus, mit der ein Querschnittgelähmter die Zähne zusammenbeißt. Je nachdem, wie stark er dies tut, kann er die Stellung des Pedals kontrollieren”, beschreibt er seine Innovation. Schon vor 9 Jahren wurde er für diese Erfindung mit dem Innovationspreis der Deutschen Stiftung Querschnittlähmung ausgezeichnet, welcher immerhin mit 15.000€ dotiert ist.

Die Mutter des querschnittsgelähten Alberto wandte sich daraufhin an Rupp. Alberto erkrankte bereits im Alter von vier Jahren an eine Tumor, der zu einer Schädigung des Rückenmarks führte. Sein Wunsch, Pianist zu werden, blieb jedoch. Dank seines ungebändigten Willens spiet er mittlerweile so gut, dass er sogar ein Stipendium für seine musikalische Ausbildung ergattern konnte.
Doch weiterhin blieb das Problem, dass Alberto Stücke, die ein Bespielen des Pedals erforderten entweder gar nicht oder nur sehr eingeschränkt spielen konnte. Als sich seine Mutter 2011 an den Heidelberger Ingenieur wandte, war die Schiene noch nicht ausgereift.

“Die Arbeit an der Funkbeißschiene lag damals auf Eis. Doch Albertos Geschichte, seine Zielstrebigkeit, haben mich so fasziniert und bewegt, dass ich ihm unbedingt helfen wollte”, erinnert sich Rupp. Die Forschung konnte mit dem Preisgeld von 2008 sowie der privaten Spende in Höhe von 10.000€ vorangetrieben, und die Schiene weiterentwickel weden. Ein kleiner, druckempfindlicher Sensor ist nun inter den Schnidezähnen befestigt. Die Zungenkraft wird Steuersignale umgesetzt und an den Motor gesendet.  Dies ermöglicht eine bessere Druckregulation als beim Vörgänger, auf welchen Gebissen werden musste. Weiterhin wurde die Technik verbessert, sodass sie nun in den Mund des Teenagers passt. Auch ein leistungsstärkerer Motor wird nun verwendet.

Vor seinem großen Auftritt konnte Alberto nur die Bedienung des Zungensensors mithilfe eines speziellen Trainingsprogrammes am Rechner üben. Am Klavier konnte er erst fünf Tage vor dem Auftritt das erste Mal üben.

Pläne für die Weiterentwicklung der Beißschiene hat Rupp bereits parat. Auch Anfragen anderer querschnittsgelähmter Musiker seien bereits bei ihm eingegangen.

Durch ein breiteres Anwendungsgebiet hofft der Forscher, das Interesse der Industrie sowie weiterer Förderer zu wecken, damit die Forschung und Entwicklung vorangetrieben werden kann. “Ohne diesen beeindruckenden Jungen hätte ich dieses Projekt nicht weiter verfolgt”, erklärt Rupp.

Einen Bericht über Alberto könnt ihr hier sehen:

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