Mit Tintenfischtinte den Zahntaschen auf den Grund gehen

Eines der wohl unangenehmeren Dinge, die es für Patienten beim Zahnarzt gibt, ist das Messen der Taschentiefen mittels Parodontalsonde. Für Nanotechnikexperte Prof. Jesse Jokers von der Jacobs School of Engineering der UC San Diego war es daher oberstes Ziel ein schmerzloses Verfahren zu entwickeln, um sich die Taschentiefen im kompletten Verlauf entlang aller Zähne in einer Sitzung ansehen zu können. Zufällig sei man auf die Idee gekommen, hierzu Tintenfischtinte, wie sie auch zum Färben von Pasta eingesetzt wird, zu verwenden.
Für das entwickelte Verfahren eignet sich die Flüssigkeit perfekt, weil sie sehr reich an Melanin ist, welches sich aufgrund seiner Nanopartikelgröße beim Spülen des Mundes in den Zahnfleischtaschen ablagern und gleichzeitig viel Licht absorbieren kann.
Denn für die neue Technik kommt ein photoakustisches Verfahren zum Einsatz. Hierbei wird Licht emittiert, dessen Absorption durch die abgelagerte Tinte dafür sorgt, dass Wärme und infolge dessen ein Druckunterschied entsteht, welcher letztendlich mit einem akustischen Ultraschallverfahren messbar ist, so Jokers.

Als Vergleich für die aktuell gängige manuelle Beprobung nimmt Jokerst das Bild einen dunklen Raum mit einer Taschenlampe zu untersuchen, während die neue Technik in der Lage ist, quasi das Anschalten aller Lichtschalter ermöglicht und so der Raum als Ganzes sichtbar wird.

Am Beginn der neuen Methode steht eine Mundspülung. Diese besteht aus einem Gemisch aus handelsüblicher Tintenfischtinte, Wasser und Maisstärke. Die Spülung dient quasi als Kontrastmittel, welches durch Zähneputzen rückstandslos zu entfernen ist. Die frisch eingespülten Tintenablagerungen können nun im Mund mit Licht, aktuell wird ein Laser verwendet, angeleuchtet werden und emittieren in Folge der Absorption ein messbares akustisches Signal. Nach dem Motto “Licht rein, Sound raus”, so Jokerst.

Mit der neuen Methode kann so schnell und günstig eine komplette Übersicht der Taschentiefen aller Zähne erstellt werden, ohne dass das Ergebnis durch Variationen des Anpressdrucks der Sonde beeinflusst werden kann.

Der nächste Schritt ist eine Überprüfung der Technik mithilfe einer klinischen Studie. Eine entsprechende Zulassung liege bereits vor, so Jokerst. Anschließend wollen sich die Forscher dem aktuell noch stark verbesserungsbedürftigen Geschmack zuwenden. Dieser ist aktuell noch bitter-salzig. Zudem soll das eingesetzte Leuchtmittel auf kostengünstigere LEDs umgestellt werden.
Final sei das Ziel aber, so Jokers, ein Mundstück zu entwickeln, mit dem der Scan in einem Messgang zu erfassen ist und dies nicht mehr Zahn für Zahn erfolgen muss.

Einen Kommentar schreiben


WordPress SEO fine-tune by Meta SEO Pack from Poradnik Webmastera