Abenteuer Zahnmedizin

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Werbung mit Biss

Wem sind sie nicht aufgefallen? Die ganzen prächtigen Zahnlücken der Eishockeyspieler, welche uns in den vergangenen Wochen bei den Olympischen Spielen angelächelt haben. Dort auf dem Eis, wo die Spieler ihre Zähne aufs Spiel setzen, wirbt ein Zahnarzt aus der Nähe von Hannover für seine Praxis. Mit Bandenwerbung macht er auf sein Tagewerk aufmerksam und das, ohne Fan zu sein.

Den Zuschauern eines Heimspiels der Wedemark Scorpions lacht das Abbild des Zahnarztes Dr. Timo Simniok fröhlich von der Bande entgegen. In der Wedemark, wo er seine Praxis habe, herrsche eine starke Überversorgung an Zahnärzten. Er sehe sich daher in der Pflicht, um die Gunst der Patienten zu konkurrieren, gibt Simniok zu.

Die Erfahrungen mit Werbung schätzt er als gemischt ein und bringt ein Zitat Henry Fords ins Spiel. „Fünfzig Prozent bei der Werbung sind immer rausgeworfen. Man weiß aber nicht, welche Hälfte das ist.“ Dieser Ausspruch spiegle auch seine Einstellung zum Thema Werbung wieder, so Dr. Simniok. Ein genaues Messen der Erfolgschancen sei schwierig. Die Auswertung der betriebswirtschaftlichen Kennzahlen mit seinem Steuerberater habe keinen signifikanten Zusammenhang von Werbeausgaben und Honorar ergeben.

Natürlich steht Simniok, wie auch viele andere Praxisibhaber, dem Thema Werbung zwiespältig gegenüber. Ihm, als redlichem Zahnarzt, widerstrebe es überhaupt zu werben, da die Gründe, weshalb Patienten sich bei ihm behandeln lassen, Vertrauen, Kompetenz und Qualität sein sollten- nicht Manipulation Versprechen aus Werbeanzeigen. Doch das schlechte Gewissen meldet sich schnell, denn andere Kollegen nutzen Werbung immer häufiger, um Patienten auf ihre Praxis aufmerksam zu machen. Das Gefühl betriebswirtschaftliche Maßnahmen nicht in die Wege geleitet und so das angestrebte betriebswirtschaftliche Ergebnis zu gefährden, erkläre das ambivalente Verhältnis zur Werbung und damit verbundene häufig wechselnde Werbemaßnahmen.

Als allgemeine Informationsquelle nutzt Dr. Simniok die mittlerweile quasi als „klassisch“ geltende Homepage. Zusätzlich gibt es von ihm regelmäßige Postings über besuchte Fortbiildungen und Entwicklungen auf Facebook. Die Mitgliedschaft im örtlichen Gewerbeverein ermöglicht ihm alle zwei Jahre eine eigene Seite im lokalen Wochenblatt zu gestalten und so für sich zu werben. Auch Anzeigen schaltet er dort in unregelmäßigen Abständen. Gerne zu „besonderen“ Tagen, wie etwa zum Tag der Zahngesundheit am 25. September oder in einem Senioren-Spezial. Im Online-Portal jameda ist Simniok ebenfalls um positive Bewertungen bemüht, sieht seinen Hauptwerbeschwerpunkt allerdings im Internet und in den Social Media. Die Ausnahme  stellt daher die 4-Quadratmeter große Bande im Eishockeystadium in Bissendorf dar.
Vor etwa 9 Jahren, im Januar 2009, eröffnete Simniok in der Nähe des Stadions seine Praxis. Als Kind habe er in dieser Eishalle sogar selbst Schlittschuhlaufen gelernt, verrät er und habe als Teil einer Amateurgruppe selbst den Schläger geschwungen. „Leider lässt sich die Arbeit als Zahnarzt nur unzureichend mit den gesundheitlichen Risiken des Eishockeys vereinbaren. Und somit musste ich meine Karriere schnell wieder beenden“, gibt Simniok schmunzelnd zu.

Eishockey spielt in der Wedemark schon seit langem eine große Rolle, denn hier begann die Geschichte des Deutschen Eishockey Meisters von 2010, den Hannover Scorpions. Simniok selbst beschreibt sich eher als Symphatisant. „Richtiger Fan“ sei er nie gewesen. Die Meister-Saison der Hannover Scorpions habe er jedoch natürlich aktiv mitverfolgt. Dies liegt auch daran, dass einige Patienten und auch Teile des Praxisnetzwerkes bei den Scorpions engagiert sind. Nachdem er vom angekündigten Zusammenschluss der Hannover Scorpions und der Wedemark Scorpions erfuhr, reifte in ihm der Entschluss als Sponsor aktiv zu werden. Hohe Zuschauerzahlen (immerhin 1200 Zuschauer pro Partie) und gute Ergebnisse bestätigten seine Entscheidung.

Er wünsche sich, von den Zuschauern im Stadion als regionaler Unternehmer wahrgenommen zu werden. Die Sponsoringkosten sind jedoch vielmehr idealistischer Natur, da die Kosten viel zu hoch seien, um sie unmittelbar mit Mehreinnahmen in der Praxis verrechnen zu können. Für den Zahnarzt sei es wichtig, dass sich die Kultur- und Sportveranstaltungen nicht nur in der Metropole Hannover ballen. Mit seinem Banner stehe er in einer Reihe mit weiteren lokalen Unternehmern, die die Gemeinde und die Region unterstützen.

Einen Nachweis darüber, ob sich Patienten bzgl. der Werbung zu einem Besuch in seiner Praxis entschieden, habe er nicht. Zudem schließt er eine Befragung der Patienten zu diesem Thema aus. Über Assoziationen seiner Praxis mit der Sportart Eishockey freue er sich. Es freue ihn, durch seine Bandenwerbung auch zu zeigen, dass seine Praxis mittlerweile so gut laufe, dass er sich für gesellschaftliche Projekte engagieren könne.

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