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Endos bei Tieren immer häufiger

Über die Endodontologie bei Delfinen haben wir euch ja bereits berichtet. Wie wichtig der Zahnerhalt bei Tieren ist, ist wohl allgemein bekannt. Denn gerade bei Wildtieren sind die Zähne unerlässlich für die Nahrungsaufnahme, aber auch für die Selbstverteidigung. Deswegen können insbesondere Wurzelkanalbehandlungen helfen, die Zähne zu erhalten, aber auch lebensbedrohlichen Infektionen vorzubeugen.

Kommt es zur Schädigung der Pulpa eines Zahnes, z.B. durch Entzündungen oder Karies, führt dies anfangs meist zu Schmerzen. Diese zeigen die Tiere typischer Weise durch ein verändertes Fressverhalten oder ein auffälliges Verhalten an. Bei nicht-Erkennen der Symptome kann es zu einer Degeneration der Pulpa oder gar zu einem Abszess kommen. Hilfreich kann hierbei eine endodontische Behandlung sein, um die betroffenen Zähne zu erhalten. Dazu hat sich die Endodontie mittlerweile zu einer wahren High-Tech-Disziplin entwickelt, in der hochwertige Materialien und filigrane Instrumente verwendet werden.

Nun folgen zwei Beispiele für Endos an Tieren.

Über den Delfin Dumisa, der im Ocean-Park in Hongkong behandelt wurde haben wir bereits berichtet. Diese Tiere kennen zwar keinen Zahnschmerz, weil ihnen der entsprechende Nerv fehlt, benötigen aber Zähne, um die volle Funktion des Gebisses zu erhalten. Bei Dumisa waren starke Abrasionen des Gebisses zu beobachten. Um diese langfristig erhalten zu können, entschloss sich ein Tierarzt aus Südafrika insgesamt 18 Zähne endodontisch zu behandeln. Dr. Cedric Tutt äußerte sich wie folgt: „Die Zähne von war stark abradiert. In der Vergangenheit hätten wir keine andere Wahl gehabt, als alle zu extrahieren. Heute können wir die Zähne von Dumisa erhalten, indem wir eine Wurzelkanalbehandlung durchführen und die Kanäle mit einem speziellen endodontischen Zement von Dentsply Sirona füllen, der den Knochen um die Wurzel herum regeneriert.“ Diese, im Ocean Park durchgeführte Wurzelkanalbehandlung, ist die erste ihrer Art. Es bedurfte der Geduld eines ganzen Tages und das von einem großen Team engagierter Tierärzte und Tiertrainer. Durch die starke Abnutzung einiger Zähne führte zum teilweisen Absterben der Pulpa. Auf angefertigten Röntgenbildern waren sogar Anzeichen einer Entzündung zu sehen.

Ehe diese Behandlung möglich war, arbeiteten die Trainer- und Veterinärteams monatelang mit der Delfindame, um sie an die zahnmedizinischen Instrumente zu gewöhnen und sie zu ermutigen, ihren Mund offen zu lassen. Hierfür nutzten sie harmlose Requisiten wie z.B. ein tragbares Röntgengerät oder elektrische Zahnbürsten, um ihr zu zeigen, dass sie keine Angst haben müsse. Dr. Tutt betonte ausdrücklich, dass es ohne die Kooperation des Tieres niemals möglich gewesen wäre, diese OP durchzuführen. Zwischendurch konnte Dumisa frei schwimmen, sodass die Behandlung in mehreren Etappen, und zwar immer, wenn sie es zuließ, ohne Anästhesie durchgeführt werden konnte.

Im Abu Dhabi Wildlife Cener wurden zwei ausgewachsene Löwen aufgrund zweier abgebrochener Eckzähne zahnärztlich behandelt. Obwohl Zahnfrkturen bei Großkatzen relativ häufig sind, ist eine Behandlung doch eher neu. Die OP wurde von einem Tierarzt mit 20 Jahren Berufserfahrung, Dr. Gerhard Steenkamp, durchgeführt. Dieser weist ein erhebliches Spektrum an Erfahrung auf und hat bereits mehr als 300 Zahnbehandlungen Fleischfressern vorgenommen. Dazu zählen neben Bären, Hyänen, Geparden und Leoparden auch einige an Löwen und Tigern, vor allem Wurzelkanalbehandlungen und Extraktionen.

Endodontische Behandlungen an Tieren werden ähnlich wie die an Menschen durchgeführt. Den Hauptunterschied stellen die Größen der Feilen dar. Im genutzten Verfahren liegt das Augenmerk auf der Entfernung des Pulpagewebes bis zur Wurzelspitze der Eckzähne, um so die Infektion zu bekämpfen. Die Firma Dentsply Sirona hat hierfür eine spezielle Sequenz von ISO 030 bis ISO 180 entwickelt, mit welchen der Veterinär das Pulpagewebe leicht entfernen konnte. Der aktive Part der Feile war 60mm lang, insgesamt umfasst die Länge der Feilen ohne Griff ganze 150mm. Die Verwendung dieser speziellen Feilen ermöglicht es dem Veterinär in der Zukunft die Zeit der Behandlung und damit die Narkosedauer für die Tiere zu verringern.

Beide Beispiele zeigen in beeindruckender Weise, wie viel in der Endodontie im Tierreich bereits möglich ist und unterstreichen die Bedeutung des Erhalts der Zähne für die Tiere.

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