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Rotwein als Heilmittel gegen Karies und Parodontitis?

Gute Nachrichten für Rotweinliebhaber?

Polyphenole, die im Rotwein enthalten sind, verhindern das Andocken von Mundbakterien an Zähnen und am Zahnfleisch. Dies führt zu der Frage, ob sie dadurch vor Karies und Zahnfleischerkrankungen schützen. Dieses Ergebnis erzielt zumindest eine spanische Studie, die am 21.02.2018 im Journal of Agricultural Andy Food Chemistry veröffentlicht wurde.

In Experimenten konnten die Forscher um Victoria Moreno-Arribas anhand von Zellkulturen nachweisen, dass Polyphenole derartige Adhäsionen blockieren. Für das Team vom Spanish National Research Council (CSIC) sind die genauen Prozessabläufe noch unklar. Fest stehe aber, dass mehr Karieserreger abgewehrt wurden, wenn zur gleichen Zeit probiotische Streptokokken zugesetzt wurden.

Den Forschern zufolge, werden die mit der Nahrung aufgenommenen Phenole bei der Verdauung chemisch modifiziert, ehe sie in den Blutkreislauf gelangen. Die positive Wirkung beruht also offenbar nicht auf der Ausgangssubstanz selbst, sondern auf den entstandenen Stoffwechselprodukten. Der biochemische Umbau der Phenole, der durch orale Bakterien und Zellen von Zahnfleisch und Mundschleimhaut  erfolgt, startet aber schon im Mund.

Mithilfe menschlicher Zellkulturen analysierten die Forscher in ihren Experimenten wie stark die unterschiedlichen Erreger von Zahnerkrankungen an Zahnfleisch-Fibroblasten andocken. Hierfür wurde die Nährlösung mit einem Extrakt aus Rotwein oder Traubenkernen versetzt und anschließend Kaffeesäure oder Cumarsäure, die beide Polyphenole sind, hinzugegeben. Beide Zusätze waren gering konzentriert. Trotzdem verringerte sich die Bakterienadhäsion um 20 bis 50%, wobei die Phenole wirksamer erschienen als die Extrakte. Als Karieserreger setzten die Forscher Streptococcus Mutans ein. Als Erreger von Zahnfleischentzündungen und Parodontitis nutzten sie Fusobacterium nucleatum und Porphyromonas gingivalis.

Der Hemmeffekt gegen das Kariesbakterium konnte durch Kaffeesäure und Cumarsäure und die Zugabe des probiotischem Bakteriums Treptococcus dentisani noch verstärkt werden. Dies erklären sich die Forscher damit, dass diese Art der Streptokokken wahrscheinlich mit Streptococcus Mutans-Bakterien um dieselbe Bindungsstelle konkurrieren und diese so nicht andocken können.

Letztenendes nehmen neben den menschlichen Fibroblasten auch die Bakterien der drei getesteten Keime Polyphenole auf, die sie dann über ihren Stoffwechsel chemisch verändern und anschließend als Abbauprodukt wieder ausscheiden. Wie bereits erwähnt bilanzieren die Forscher, dass die Stoffwechselprodukte die Adhäsion der Bakterien zum Teil stärker hemmen, als die Ausgangssubstanzen.

Studie: Adelaida Esteban-Fernández, Irene Zorraquín-Peña, Maria D. Ferrer, Alex Mira, Begoña Bartolomé, Dolores González de Llano, and M. Victoria Moreno-Arribas, Inhibition of Oral Pathogens Adhesion to Human Gingival Fibroblasts by Wine Polyphenols Alone and in Combination with an Oral Probiotic, in: Journal of Agricultural and Food Chemistry, published (web) February 21, 2018 DOI: 10.1021/acs.jafc.7b05466

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