Abenteuer Zahnmedizin

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3 Mal 21

Es ist das häufigste Syndrom, das mit einer falschen Chromosomenzahl und Behinderung einhergeht – die Trisomie 21. Auf durchschnittlich 650-700 Geburten kommt ein Kind mit Down-Syndrom, was für Deutschland auf eine Zahl von etwa 30.000-50.000 Betroffenen schließen lässt. Zu finden ist diese Chromosomenmutation jedoch in allen ethnischen Gruppen und Bevölkerungsschichten.

Das Risiko, ein Kind mit besagter Chromosomen-Anomalie zu bekommen, steigt mit dem Alter der Mutter. Nach Angaben der Organisation „Kinderärzte im Netz“, wird bereits eines von 50 Kindern mit Down-Syndrom geboren, wenn das Alter der Mutter zwischen 40 und 45 Jahren liegt. Zum Vergleich: bei den 35-40 Jahre alten Schwangeren liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Kind mit Down-Syndrom noch bei 1:260. Somit lässt sich sagen, dass das Risiko ab dem 35. Lebensjahr der Mutter kontinuierlich zunimmt.

Bei besagten Fallzahlen resultieren natürlich auch für die Zahnmedizin Konsequenzen. Zahnbezogen muss man sich bewusst sein, dass sich bei Patienten mit Trisomie 21 ein höchst individuelles Erscheinungsbild feststellen lässt. Im Vergleich zur gesunden Bevölkerung besteht ein bis zu fünffach höheres Risiko für dentale Abnormalitäten. Hierzu zählen neben veränderten Zshnstrukturen auch abweichende Anzahlen von Zähnen. Nicht selten fehlen im Milchgebiss die seitlichen Schneidezähne. Im bleibenden Gebiss sind häufig „Weisheitszähne“ und zweite Prämolaren betroffen. Ein höheres Risiko für Karies ist durch Studien nicht eindeutig nachgewiesen. Allerdings wurden ein häufigeres Auftreten sowie schwerere Verlaufsformen für parodontale Erkrankungen beschrieben. Knapp 8% der Kinder unter zwölf Jahren leiden bereits an einer Parodontitis. Gesunde Kinder sind zu weniger als 1 Prozent davon betroffen. Das Parodontitis bei erwachsenen Down-Syndrom Patienten liegt bei 60-100%.Verantwortlich hierfür sollen ein immunologisches Defizit, welches genetisch determiniert ist und eine beeinträchtigte Mobiliät der Fibroblasten sein. Zusätzlich spielen die nicht ausreichende Kontrolle der bakteriellen Plaques mit einer höheren Besiedlung parodontalpathogener Keime, eine gestörte Mastikationsfunktion sowie die bereits beschriebenen dentalen Anomalien eine Rolle.

Demnach ergibt sich für Patienten mit Down-Syndrom eine erhebliche Beeinträchtigung der oralen Gesundheit, sodass die zahnärztliche Behandlung, auch aufgrund der steigenden Lebenserwartung, von zunehmender Wichtigkeit ist. Regelmäßige Prophylaxetermine können das Fortschreiten parodontaler und oraler Erkrankungen effektiv unterbinden oder verzögern. Je höher der Grad der geistigen Beeinträchtigung, desto schwieriger ist das Umsetzen der oralen Hygiene. Auch eine Behandlung erweist sich hier oft als schwierig. Sollte eine Kooperation zwischen Behandler und Patient nicht möglich sein, kann die Therapie auch unter Sedierung oder ggf. in Vollnarkose erfolgen. Vor einer entsprechenden mithilfe einer Intubationsnarkose ist eine ausführliche Risikoabwägung erforderlich. Eine enge Zusammenarbeit mit dem zuständigen Kinderarzt bzw. Internisten ist hier unerlässlich, da mit dem Down-Syndrom nicht selten eine Herzproblematik assoziiert ist.

Auch in der Anatomie liegen beträchtliche Unterschiede zu gesunden Patienten vor. Das mittlere Gesichtsdrittel ist unterentwickelt. Neben fazialer und oraler Muskulatur sind auch Lippen und Zunge hypoton. Durch diese muskulären Schwächen und einer vorderen und eher niedrigeren Position im Mund wirkt die Zunge abnormal vergrößert. Eine echte Makroglossie ist aber eher selten. Die Kombination aus Zungenvolumen und unterentwickeltem Oberkiefer kann zu einer Verlegung der Atemwege inklusive konsekutiver Mundatmung und zu einem Kreuzbiss führen.

 

Ein Repititorium findet ihr hier.

 

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