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Der erste Wackelzahn – nicht für jedes Kind ein freudiges Ereignis

Der erste Milchzahnverlust ist für viele Kinder ein aufregendes Erlebnis und wird meist mit positiven Gefühlen assoziiert. Ein Team der Universität Zürich hat nun in einer Studie herausgefunden, dass die Gefühle eines Kindes, welche es bei einem Milchzahnverlust empfindet, maßgeblich von den früheren Zahnarztbesuchen abhängt.

Das Forscherteam aus Gesundheits- und Entwicklungspsychologen der Universität Zürich und Mitarbeitern des schulzahnärztlichen Dienstes befragte hierfür Eltern, deren Kinder bereits mindestens einen Milchzahn verloren haben. In den ca. 1300 ausgefüllten Fragebögen berichteten ca. 80% der Eltern von positiven Gefühlen ihrer Kinder und lediglich 20% von negativen.

Raphael Patcas, Erstautor, betont, dass die Tatsache, dass 4 von 5 Kindern beim Milchzahnverlust positive Gefühle erleben, eine beruhigende Nachricht für Eltern und Zahnärzte gleichermaßen sei.

Als Haupteinflussfaktoren auf die Gefühle der Kinder machten die beteiligten Forscher frühere Zahnarztbesuche aus. Müssten diese aufgrund von Karies getätigt werden und wurden von den Kindern daher mit Scham oder Schuldgefühlen verbunden, zeigten die Kinder beim späteren Milchzahnverlust deutlich weniger positive Emotionen. Zahnarztbesuche aufgrund eines Unfalls oder eines abrupten, unerwarteten und schmerzhaften Ereignisses erhöhten die Wahrscheinlichkeit auf als Empfinden positiver Gefühle.

Als mögliche Erklärung könnte dienen, dass der Milchzahn schrittweise immer beweglicher wird, ehe er rausfällt. Ein Prozess, der im Unterschied zu einem Trauma vorhersehbar verläuft. Kinder, die das Wackeln des Zahnes über längere Zeit wahrnehmen konnten, zeigten eher positive Gefühle. Je länger die Vorbereitungs- und Wartezeit der Kinder war, desto größer Erleichterung und Stolz, wenn der Zahn endlich ausfällt.

Weiterhin zeigte die Studie, dass die Gefühle der Kinder auch durch soziodemografische Faktoren beeinflusst werden. Die Wahrscheinlichkeit für positive Gefühle wie Freude oder Stolz stieg mit dem Ausbildungsgrad der Eltern.

Als Resümee zieht Prof. Moritz Daum, Entwicklungspsychologe: „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Kinder vergangene Erfahrungen, die ihre Zähne betreffen, bewusst verarbeiten und in ihre Emotionsentwicklung einbeziehen.“

Folglich leitet sich für den Zahnarzt daraus ab, behutsam mit den Kindern umzugehen, vor allem zum Thema Karies. So können Emotionen, die mit Zähnen und Zahnärzten verknüpft werden, in eine möglichst positive Richtung gelenkt werden.

Raphael Patcas, Moritz M. Daum, Hubertus J. M. van Waes, Selina Beltrani, Lara T. Pfister, Markus A. Landolt. Emotions experienced during the shedding of the first primary tooth. International Journal of Paediatric Dentistry. DOI: 10.1111/ipd.12427

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