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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Konfidenzintervall, Signifikanz und p-Wert



FrauMayo91
23.07.2018, 16:10
Hallo,

ich hoffe, mir kann hier jemand helfen. Ich untersuche u.a. gerade diese Studie:

https://academic.oup.com/jnci/article/102/9/614/893779
(Auch als pdf zu öffnen)

Nun untersuche ich eben den Zusammenhang zwischen einer hohen BS-Aufnahme (5. Quintil) und dem Risiko für Kolorektalkrebs.
Als OR (95% CI) kriege ich beispielsweise: 0,67 (0,42-1,05). P-Trend (Was ja dem P-Wert entspricht, oder?) beträgt hier 0,093.
An sich dürfte dieses Ergebnis statistisch doch nicht signifikant sein. Schließlich liegt mein P-Wert über 0,05, und mein CI übersteigt die 1, weshalb ich die Nullhypothese nicht mehr zurückweisen kann. Schließlich bedeutet ein OR = 1 ja, dass Exponierte/Nicht-Exponierte die gleiche Chance haben zu erkranken. Bzw. wenn OR >1, dass erhöhte BS-Aufnahme das Krebsrisiko sogar fördert.
In der Studie heißt es nun jedoch:

"In unadjusted analyses, the odds of developing colorectal cancer was 25% lower for those in the highest compared with the lowest sex-specific quintile of dietary fiber intake (OR = 0.75, 95% CI = 0.55 to 1.02) (Table 3). This association remained consistent in analyses that adjusted for participant height, weight, energy intakes from fat and nonfat sources, and alcohol and folate intakes (OR = 0.73, 95% CI = 0.49 to 1.09) and was independent of smoking habits, socioeconomic status, education level, and physical activity (OR = 0.67, 95% CI = 0.42 to 1.05) (Table 3)."

Nun habe ich zwei Fragen:
Wieso sieht diese Studie hier eine inverse Assoziation, wenn das CI doch größer 1 ist und p-Wert >0,05?
Und: Ist P-Trend das selbe wie der P-Wert?

Danke im Voraus!!!!
FrauMayo

ProximaCentauri
23.07.2018, 16:30
Es steht ja auch explizit nicht, dass das Ergebnis signifikant ist. Wenn sie ein signifikantes Ergebnis erhalten hätten, würden sie das explizit erwähnen (und darüber jubeln).
Das Konfidenzintervall schliesst halt grösstenteils Werte <1 ein, deswegen sprechen sie auch von der Assoziation, auch wenn die statistisch eben nicht signifikant ist.

FrauMayo91
23.07.2018, 16:42
Danke @ProximaCentauri! :)
In der Diskussion schreiben sie es dann aber schon:

In this nested case–control study of 579 colorectal cancer case patients, we found a statistically significant inverse association between dietary fiber intake and the risk of colorectal cancer that was robust to multivariable adjustments using dietary data that were recorded in prospective food diaries.
Kannst du das erklären?

Und weißt du, ob P-Trend das selbe wie der P-Wert ist?

LG
Frau Mayo

Jana L.
23.07.2018, 16:51
Ich bin kein Statistik Genie, aber ich hatte das bisher immer als so (https://academic.oup.com/bja/article/115/3/337/312358)interpretiert. Kann aber auch total falsch liegen

davo
23.07.2018, 17:54
ProximaCentauri hat das wirklich Wichtige bereits gesagt.

Der Trend ist invers weil der Schätzer, also der Mittelwert, < 1 ist. Dass das KI teilweise auch 1 beinhaltet, ist dafür irrelevant. Das deutet darauf hin, dass das Ergebnis am 5%-Niveau nicht statistisch signifikant ist. Und eine Assoziation ist ja nur eine Assoziation - die muss nicht zwangsläufig statistisch signifikant sein. Im Paper selbst wird auf den ersten Blick ja recht genau unterschieden welche Teilergebnisse statistisch signifikant sind und welche nicht. Dann muss man sich halt überlegen ob es legitim ist, auch die statistisch nicht signifikanten Ergebnisse auf diese Art und Weise in die Gesamtschau mit einzubeziehen - wenn z.B. die Stichproben relativ klein sind und alle Ergebnisse in dieselbe Richtung gehen, kann man das u.U. schon machen.

Das mit "p trend" scheint eine Mode der epidemiologischen Literatur zu sein, die es schon seit mehreren Jahrzehnten gibt, siehe z.B. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12920436

Krötino
23.07.2018, 18:29
Trend ist ein schwammiger Begriff, er wird garantiert überall anders verwendet. Ich kenne es aus “meinem alten“ Labor so, dass bei geringem n ab einem p von kleiner 0,1 von einem Trend geredet wurde, so dass mit einer Erhöhung von n sich ggfs noch eine echte Signifikanz zeigen könnte. Gerne in Vorversuchen... Es in ein Paper aufzunehmen ist interessant...

ProximaCentauri
23.07.2018, 21:06
Danke @ProximaCentauri! :)
In der Diskussion schreiben sie es dann aber schon:

Kannst du das erklären?


Nun dann ist das wohl falsch :-)

davo
23.07.2018, 21:44
Ich hab das Paper nur überflogen, aber diese Aussage ist soweit ich sehe schon korrekt. Es geht in diesem Paper ja eben darum, dass die Assoziation statistisch signifikant ist, wenn man prospektive Ernährungstagebücher verwendet, aber nicht, wenn man FFQs verwendet.

ProximaCentauri
23.07.2018, 23:29
Ich habe beim Überfliegen nirgendwo signifikante Werte gefunden, hatte das darum eher so interpretiert dass das ein Wunschdenken-Tippfehler war und der durchgerutscht ist. In allen Tabellen etc. sind die P-Werte (oder P-Trends) nicht wirklich überzeugend... Aber ich habe zugegebenermassen mangels Konzentration nicht die ganze Arbeit durchgeackert.

davo
23.07.2018, 23:50
Tabelle 4 spricht schon eine recht eindeutige Sprache. Und das ist ja glaube ich der Punkt, den das Paper machen will, mehr als alles andere.

ProximaCentauri
23.07.2018, 23:54
Ja, du hast recht, die Tabelle 4 habe ich irgendwie nicht so richtig angeschaut.

FrauMayo91
24.07.2018, 13:46
Danke schön! Das hilft mir schon sehr weiter.

Autolyse
24.07.2018, 19:16
Abgesehen davon gibt es keinen Trend bei P-Werten. Vielmehr ist das bestenfalls Wunschdenken, eher aber aktiver Beschiss. (https://www.bmj.com/content/348/bmj.g2215.full.print)