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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : "Spätes" Studium (Wartezeit) und Familie/Beziehung - wie klappt das?



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papillon92
24.07.2018, 09:13
Hallo liebe Forenmitglieder,
seit Jahren bin ich nun hier angemeldet und finde es schön, dass so lebhaft diskutiert wird, nun habe ich selbst eine Frage an euch, und wäre euch dankbar, wenn ihr meinen Beitrag zu Ende lest.

Dieses WS gehe ich mit 14 WS, DN 2,2 plus Dienst ins Rennen. Die Chancen, nach über 7 Jahren endlich einen Platz zu erhalten, sind so hoch wie noch nie. Ich hab alles probiert: 1,5 Jahre FSJ, TMS, 3 Jahre Pflegeausbildung... es hat mir alles nicht wirklich was gebracht, aber jetzt könnte es endlich so weit sein.
Ich arbeite momentan seit fast 2 Jahren zu 100% unbefristet auf einer kleinen Intensivstation. Auch mit meiner Stationsleitung und meiner PDL habe ich gesprochen, und habe schriftlich bekommen, dass ich im Falle einer Studienplatzzusage auf "meiner" Station bleiben darf und auf 25-30% reduzieren darf, auch wenn ich alles andere als flexibel wäre und wohl fast nur an WE arbeiten könnte. Sie sagten, sie unterstützen mich da gerne und sie sind ja froh, mich im Team zu haben. Ich liebe dieses Team, es ist so angenehm, dort zu arbeiten. (Außerdem bringt ITS mehr Geld als eine periphere Station, angenehmer Nebeneffekt) :-stud
Auch meine Eltern haben ihre jahrelange Skepsis aufgegeben und würden mir helfen. Ich dürfte für einen sehr kleinen Umkostenbeitrag in ihrem Haus wohnen (sind mehrere seperate Wohnungen), diese ist wirklich sehr groß, und natürlich dürfte ich da mit meinem Freund wohnen.

Da kommen wir auch schon zu meinem "Problem".
Mein Freund und ich sind seit 3 Jahren zusammen. Wir haben uns im Krankenhaus kennengelernt, er ist da Pfleger und ich war noch in der Ausbildung. Seitdem haben wir viel zusammen erlebt und auch durchgestanden (Tod eines seiner Elternteile, Alkoholabhängigkeit des anderen Elternteils, Krebs- und psychische Erkrankung meiner Mutter etc.). Wir leben eigentlich seit dem ersten Tag zusammen, und er weiß, dass ich Medizin studieren möchte. Das wollte ich ja schon, bevor ich ihn kannte, und eigentlich war das ja der "Grund" warum ich überhaupt im Krankenhaus gearbeitet habe, als wir uns kennen lernten. Auch über Heiraten und evtl. Familie in den nächsten Jahren haben wir konkret gesprochen.
Auch bevor ich mich für dieses WS beworben habe, sagte er, dass er voll und ganz hinter mir steht.

Jetzt aber redet er ganz anders. Wir hatten nun mehrere Gespräche und ich bin mitlerweile ziemlich verzweifelt.
Einerseits sagt er, er würde nie von mir verlangen, dass ich nicht studieren gehe, wenn ich die Möglichkeit dazu bekomme. ABER...
Er kann sich absolut nicht vorstellen, wie unser gemeinsames Leben funktionieren soll, wenn ich studieren gehe und 2 WE pro Monat arbeite. Er sagt, er sei ja nun auch 26, und er will jetzt endlich mal leben, die Welt sehen, die nächsten 2-3 Jahre heiraten und Kinder bekommen und ein Haus bauen, und das geht so nicht. Er findet es "Egoistisch" von mir, von ihm zu verlangen, "seinen Lebenstraum aufzugeben bzw so weit wegzuschieben".
Er findet alles schlecht am Studium. Dass es so viel Zeit kostet, dass ich in der Zeit nicht viel Geld hätte... Und den Beruf, den ich dadurch ergreifen möchte, findet er am schlimmsten. Er sagt, "er will keine Frau, die er nie sieht, weil sie nur im Krankenhaus ist, und die, wenn sie mal daheim ist, zu müde ist, um etwas zu unternehmen. Er will nicht, dass seine Kinder ihre Mutter nie zu Gesicht bekommen.". Außerdem denkt er, der Beruf sei nix für "Menschen ohne Ellenbogen" und ich würde mic da kaputt machen.
Er sagt, ich solle doch Pflegepädagogik studieren, dann hab ich regelmäßige, geregelte Arbeitszeiten, das hätte er auch vor, weil sein Job im Krankenhaus ihm nur noch auf die Nerven geht. Mich interessiert Pflegepädagogik aber nicht!
Außerdem will er nicht in das Haus meiner Eltern ziehen, sondern was eigenes.

Etwas wütend hat mich folgende Aussage gemacht:

Für alles im Leben gibt es eine Zeit, und du bist jetzt 26. Hör auf, deinem Jugendtraum hinterher zu jagen, der passt einfach nicht mehr zu deiner Situation. Du bist nun mal eine Frau, wärst du ein Mann, wäre das was anderes. Aber du als Frau musst in der Beziehung nun mal die Kinder bekommen, und wenn du das nicht erst mit 35 oder 40 willst, kannst du nicht so ein Studium machen.

Außerdem:

Dich nimmt doch nach dem Studium sowieso keiner ernst, du bist klein und nett und und ne Frau, und dann hast du erst mit 26 angefangen. Wenn du während des Studiums noch ein Kind bekommen hättest, wärs ganz vorbei. Da nimmt dich kein Mensch als Ärztin ernst. Ausnahme wäre vllt die Gyn, aber das ist ja sowieso keine richtige Medizin.


Du bist einfach zu alt.

Mal ganz davon abgesehen, dass seit vielen Jahren die Gyn eine meiner favorisierten Fachrichtungen ist.... Hat mich diese Aussage so wütend und traurig gemacht. Und auch nachdenklich....

Ich will ja auch Kinder, aber das klappt ja auch nicht immer gerade so, wie man will. Wenn ich jetzt deswegen nicht studiere, und am Ende werd ich jahrelang nicht schwanger, dann sitz ich da mit 40 und hab weder das eine, noch das andere, und ich würde mir wahrscheinlich mein Leben lang Vorwürfe machen.


Was meint ihr dazu? An die Noch-Warter und an die, die auch schon Mitte 20 waren, als sie ihr Studium bekommen haben. Wie ist/war das bei euch? Kann so etwas funktionieren? Oder ist man als Frau in dieser Situation wirklich dazu prädestiniert, entweder kinderlos zu bleiben oder auf Lebzeiten der Hampelmann in der Klinik zu sein?

Ich hab mittlerweile richtig Panik vor dem Bescheid, das macht mich fertig, weil ich einfach nicht weiß, was ich tun soll, falls er wirklich dieses Mal positiv ausfällt...

Rhiannon
24.07.2018, 09:28
Ich hab ja als Zweitstudium mit 25 angefangen mit Medizin. Unser Sohn kam nach dem 1. klinischen Semester. Klar, er war früh bei einer Tagesmutter und dann mit 3 im Kindergarten. Aber ich hatte zumindest im Studium nie das Gefühl, dass er zu kurz kommt. Das hab ich auch jetzt im Job (meistens) nicht. Klar, manchmal wenn viele Dienste hintereinander dran sind wie jetzt wegen Urlaubszeit, dann ist man mal weniger zuhause. Aber am Tag nach dem Dienst hab ich frei, kann ihn früher abholen und den Nachmittag mit ihm verbringen.
Haus wird bei uns auch gerade gebaut. Wofür ein Arztgehalt jetzt auch nicht grad verkehrt ist.
Aber, und jetzt kommt das wirklich schreckliche: ich bin halt offenbar dann auch keine richtige Ärztin, weil ich „nur“ Gyn mache. ;-) Allein diese Aussage ist so hochgradig albern, man glaubt es nicht. Was ist denn dann richtige Medizin? Innere? Chirurgie? Und sonst nix?

Kurzum: es geht natürlich auch im „hohen Alter“ von 26 als Warter noch, neben dem Studium auch ein Leben zu haben. Natürlich wird man vermutlich irgendwo Abstriche in Kauf nehmen müssen, wenn man dann zb Kinder im Studium bekommt, das sich damit ggf noch etwas verlängert. Aber es geht! Der Partner muss halt nur hinter einem stehen und einem den Rücken mit freihalten..... so wie in jeder Lebenslage, ganz unabhängig vom Medizinstudium.

Carnivore
24.07.2018, 09:37
Ich stecke in exakt der selben Situation, bloß dass mein Freund nicht so einen Druck macht. Er möchte aber auch eigentlich jetzt Kinder und ein Haus bauen.
Wir haben uns darauf geeinigt, dass wir nach dem Physikum ein Kind bekommen, wenn alles gut geht. Er ist auch bereit mehr Zeit zu investieren als ich. Noch dazu haben wir alle unsere Verwandten in der selben Stadt, die auch mal übernehmen könnten.

Nicht du bist egoistisch, sondern er mit seinen Aussagen. Eine Frau muss nicht prizipiell zurückstecken wegen einem Kind. Es kann genauso gut auch der Mann seine Arbeitszeit reduzieren oder beide gleichermaßen. Auch Väter können in Elternzeit gehen.

Er wird evtl. auch Angst haben, dass du dann die Besserverdienende bist und er an Männlichkeit dadurch einbüßt. Oder er denkt, dass er mit dir nicht mehr mithalten kann und du dir einen neuen Partner suchst, der evtl. auch Arzt ist.
Vielleicht hat er noch das Rollenbild vom Familienversorger und der Hausfrau im Kopf, die sich nur aus Spaß etwas nebenbei dazu verdient.
Das sollte er sich mal aus dem Kopf schlagen...

Miss_H
24.07.2018, 09:52
Dein Beitrag ist sehr umfangreich, beschreibt deine Lebenssituation sehr ausführlich und trotzdem hast du konkrete Fragen.
Da ich selbst noch nicht arbeite, aber das Studium abgeschlossen habe, kann ich eigentlich nur über diesen Abschnitt reden.
Was ich als allgemeines Problem sehe, ist die fehlende Unterstützung. Wenn dein Freund seine Meinung nicht ändert (und ich vermute die negative Grundeinstellung kann man nicht ändern), dann wirst du dich entweder von ihm trennen oder das Studium abbrechen (mein ganz persönliche Meinung). Ich weiß nicht wie man sich 6 Jahre lang motivieren soll, wenn man tagtäglich zu spüren bekommt, dass es nicht richtig ist was man macht.
Nun zu deinen konkreten Fragen:
Kinder: Du musst nicht kinderlos bleiben, wenn du Medizin studierst. Man Kinder schon während des Studiums bekommen, man kann Kinder in der Facharztweiterbildung bekommen. Man kann Teilzeit arbeiten. Kinder sind allerdings immer (egal zu welchem Zeitpunkt) ein organisatorischer Aufwand.
Klinik: Man muss nicht sein ganzes Leben in der Klinik verbringen. Für die Weiterbildung gibt es je nach Fach eine vorgeschriebene Zeit in der Klinik. Man kann allerdings auch Teile ambulant machen. (Natürlich gibt es einzelne Fächer mit denen man eher auf die Klinik angewiesen ist, aber die muss man ja nicht wählen.)
Arbeitszeiten: Ich kann nur von Erfahrungsberichten sprechen. Es ist anstrengend in der Klinik zu arbeiten, man muss viel arbeiten. Aber du hast genau wie jeder andere Arbeitnehmer Urlaub. Und in sehr vielen Fächern kannst du dich niederlassen. In der Pflege ist die Wahrscheinlichkeit, dass du bis zur Rente im Schichtdienst arbeitest meiner Meinung nach viel höher.

Du möchtest Medizin studieren und meiner Meinung nach solltest du es auch ausprobieren. Du kannst immer noch abbrechen, aber du wirst ansonsten sehr wahrscheinlich häufiger den Gedanken haben "Was wäre wenn ich doch Medizin studiert hätte?". Und wenn das Studium nichts für dich ist, dann hast du eine Ausbildung und noch eine Teilzeitstelle (die du wahrscheinlich sehr schnell wieder aufstocken könntest). Du hast meiner Meinung nach nichts zu verlieren.

Feuerblick
24.07.2018, 10:22
Einem Typen, der solche bescheuerten Aussagen ablässt, würde ich meinen Berufswunsch nicht opfern. Es ist dein Leben. Und ob dein Freund nicht in zwei Jahren mit einer anderen abhaut und du dann möglicherweise keinen Studienplatz bekommst, weiß auch niemand. Wenn er Kastrationsängste hat, weil er nur Pfleger und du als Frau Ärztin bist, ist nun wirklich nicht dein Problem. Du willst Medizin studieren? Mach es!

felicitously
24.07.2018, 10:24
Hallo liebe Forenmitglieder,
seit Jahren bin ich nun hier angemeldet und finde es schön, dass so lebhaft diskutiert wird, nun habe ich selbst eine Frage an euch, und wäre euch dankbar, wenn ihr meinen Beitrag zu Ende lest.

Dieses WS gehe ich mit 14 WS, DN 2,2 plus Dienst ins Rennen. Die Chancen, nach über 7 Jahren endlich einen Platz zu erhalten, sind so hoch wie noch nie. Ich hab alles probiert: 1,5 Jahre FSJ, TMS, 3 Jahre Pflegeausbildung... es hat mir alles nicht wirklich was gebracht, aber jetzt könnte es endlich so weit sein.
Ich arbeite momentan seit fast 2 Jahren zu 100% unbefristet auf einer kleinen Intensivstation. Auch mit meiner Stationsleitung und meiner PDL habe ich gesprochen, und habe schriftlich bekommen, dass ich im Falle einer Studienplatzzusage auf "meiner" Station bleiben darf und auf 25-30% reduzieren darf, auch wenn ich alles andere als flexibel wäre und wohl fast nur an WE arbeiten könnte. Sie sagten, sie unterstützen mich da gerne und sie sind ja froh, mich im Team zu haben. Ich liebe dieses Team, es ist so angenehm, dort zu arbeiten. (Außerdem bringt ITS mehr Geld als eine periphere Station, angenehmer Nebeneffekt) :-stud
Auch meine Eltern haben ihre jahrelange Skepsis aufgegeben und würden mir helfen. Ich dürfte für einen sehr kleinen Umkostenbeitrag in ihrem Haus wohnen (sind mehrere seperate Wohnungen), diese ist wirklich sehr groß, und natürlich dürfte ich da mit meinem Freund wohnen.

Da kommen wir auch schon zu meinem "Problem".
Mein Freund und ich sind seit 3 Jahren zusammen. Wir haben uns im Krankenhaus kennengelernt, er ist da Pfleger und ich war noch in der Ausbildung. Seitdem haben wir viel zusammen erlebt und auch durchgestanden (Tod eines seiner Elternteile, Alkoholabhängigkeit des anderen Elternteils, Krebs- und psychische Erkrankung meiner Mutter etc.). Wir leben eigentlich seit dem ersten Tag zusammen, und er weiß, dass ich Medizin studieren möchte. Das wollte ich ja schon, bevor ich ihn kannte, und eigentlich war das ja der "Grund" warum ich überhaupt im Krankenhaus gearbeitet habe, als wir uns kennen lernten. Auch über Heiraten und evtl. Familie in den nächsten Jahren haben wir konkret gesprochen.
Auch bevor ich mich für dieses WS beworben habe, sagte er, dass er voll und ganz hinter mir steht.

Jetzt aber redet er ganz anders. Wir hatten nun mehrere Gespräche und ich bin mitlerweile ziemlich verzweifelt.
Einerseits sagt er, er würde nie von mir verlangen, dass ich nicht studieren gehe, wenn ich die Möglichkeit dazu bekomme. ABER...
Er kann sich absolut nicht vorstellen, wie unser gemeinsames Leben funktionieren soll, wenn ich studieren gehe und 2 WE pro Monat arbeite. Er sagt, er sei ja nun auch 26, und er will jetzt endlich mal leben, die Welt sehen, die nächsten 2-3 Jahre heiraten und Kinder bekommen und ein Haus bauen, und das geht so nicht. Er findet es "Egoistisch" von mir, von ihm zu verlangen, "seinen Lebenstraum aufzugeben bzw so weit wegzuschieben".
Er findet alles schlecht am Studium. Dass es so viel Zeit kostet, dass ich in der Zeit nicht viel Geld hätte... Und den Beruf, den ich dadurch ergreifen möchte, findet er am schlimmsten. Er sagt, "er will keine Frau, die er nie sieht, weil sie nur im Krankenhaus ist, und die, wenn sie mal daheim ist, zu müde ist, um etwas zu unternehmen. Er will nicht, dass seine Kinder ihre Mutter nie zu Gesicht bekommen.". Außerdem denkt er, der Beruf sei nix für "Menschen ohne Ellenbogen" und ich würde mic da kaputt machen.
Er sagt, ich solle doch Pflegepädagogik studieren, dann hab ich regelmäßige, geregelte Arbeitszeiten, das hätte er auch vor, weil sein Job im Krankenhaus ihm nur noch auf die Nerven geht. Mich interessiert Pflegepädagogik aber nicht!
Außerdem will er nicht in das Haus meiner Eltern ziehen, sondern was eigenes.

Etwas wütend hat mich folgende Aussage gemacht:


Außerdem:




Mal ganz davon abgesehen, dass seit vielen Jahren die Gyn eine meiner favorisierten Fachrichtungen ist.... Hat mich diese Aussage so wütend und traurig gemacht. Und auch nachdenklich....

Ich will ja auch Kinder, aber das klappt ja auch nicht immer gerade so, wie man will. Wenn ich jetzt deswegen nicht studiere, und am Ende werd ich jahrelang nicht schwanger, dann sitz ich da mit 40 und hab weder das eine, noch das andere, und ich würde mir wahrscheinlich mein Leben lang Vorwürfe machen.


Was meint ihr dazu? An die Noch-Warter und an die, die auch schon Mitte 20 waren, als sie ihr Studium bekommen haben. Wie ist/war das bei euch? Kann so etwas funktionieren? Oder ist man als Frau in dieser Situation wirklich dazu prädestiniert, entweder kinderlos zu bleiben oder auf Lebzeiten der Hampelmann in der Klinik zu sein?

Ich hab mittlerweile richtig Panik vor dem Bescheid, das macht mich fertig, weil ich einfach nicht weiß, was ich tun soll, falls er wirklich dieses Mal positiv ausfällt...


Hallo Papillon92,

Ich finde, deine Situation ist eines von vielen "perfekten" Beispielen wie belastend die Wartezeit ist und wie weitreichend auch die Folgen sind. Gerade deshalb ist wohl auch aus sozialer Sicht eine Reform des Vergabeverfahrens sinnvoll.
Aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen, dass auch ich im privaten Bereich sehr sehr viele "Rückschläge" hatte, die in direkter Verbindung zu meinem Studienwunsch stehen.
Ich konnte lange Zeit nicht Zuhause ausziehen, Beziehungen sind zu Grunde gegangen, die Lebensplanung wird schwieriger uvm.

Der einzige Unterschied bei uns beiden ist nur, dass ich ein Mann bin.
Ich kann dir allerdings versichern, dass wenn du 7 Jahre gewartet hast, die Ausbildung (bin auch Krankenpleger auf einer ITS) gemacht hast und dich in deiner Rolle als Krankenschwester nie so "angekommen" gefühlt hast und du aus Rücksicht auf ihn aufs Studium verzichtest, es dein Leben lang bereuen wirst. Es kommen immer wieder die Gedanken " was wäre wenn..." und "ach hätte ich vielleicht mal...". Ich glaube, das möchtest du nicht ertragen.
Gerade wenn man auf einer ITS arbeitet und die jungen Assistenten erlebt, denen man deutlich überlegen ist in Bereichen wie Organisation, Verhalten im Krankenhaus und auch in praktischen Dingen und man sich ständig denkt "Ich hätte es auch geschafft" bzw. "Ich wäre an deiner Stelle bereits deutlich kompetenter". An alle Assistenten, und kurz vorm Exam stehende Kollegen hier im Forum: Ich meine das absolut nicht respektlos oder abwertend und es sind sicherlich bereits am Anfang viele von euch überdurchschnittlich gut. Trotzdem ist gerade auf der ITS oft einfach Erfahrung wichtig, man hat mehr Gespür für Dinge die eskalieren können usw.

Stell dir das Szenario vor, du verzichtest auf das Studium und eure Ehe / Beziehung geht zu Bruch. Ihr habt eventuell Kinder. Du sitzt dann "alleine" dort, musst alles managen mit einem Schwesterngehalt. Wäre es das Wert?

Im Endeffekt kann ALLES klappen, wenn man es möchte! Es müssen natürlich beide mitarbeiten und Verständnis für den anderen aufbringen.
Meine Eltern (Arzt und Juristin) hatten beide ein sehr anspruchsvolles Studium und haben es trotzdem parallel geschafft, ihren Säugling nicht zu vernachlässigen. Es ist natürlich viel schwieriger, aber es geht.

Du solltest mit deinem Freund nochmal sprechen. Wenn er wirklich dermaßen negativ eingestellt ist, dann kann es natürlich sein, dass er dir zwar zugesteht dich zu unterstützen aber "innerlich" mit der Sache bereits abschließt.

Übrigens: Ich arbeite an einer Krankenpflegeschule als externer Dozent und ich habe dadurch einen Einblick in Pflegepädagogik und kann dir versichern, dass es definitiv nicht zufriedenstellend ist, wenn man eigentlich Arzt werden möchte !

Nun warte ersteinmal den Bescheid ab, ich bin übrigens genau wie du bei 14 WS bei 2,2 (ohne Dienst) und wünsche dir viel Erfolg ! Wenn du eine Zusage erhälst, wird dir dein Bauchgefühl schon die richtige Antwort geben und ich glaube tief in dir kennst du die Entscheidung auch bereits ;-)

Noch etwas :

Ich kenne viele Assistenzärztinnen, die ihre Facharztausbildung in Teilzeit machen, diese fürs Kind unterbrochen haben und generell "spät" eingestiegen sind als Arzt. Es spielt im Endeffekt keine Rolle, wie alt man ist. Ich kenne Ärzte die sind "erfahren" aber inkompetent und ich kenne "Neulinge" die eine super Entwicklung gemacht haben, obwohl sie "alt" waren.

davo
24.07.2018, 10:39
Kurzfassung: Er scheint es nicht zu verkraften, dass du die Ärztin und er der Pfleger sein wird. Die Beziehung wird nicht lange halten, und das ist in dieser Situation IMHO auch gut so.

Opfere nicht deine Ziele/Träume/Wünsche einem egoistischen Mann.

Absolute Arrhythmie
24.07.2018, 11:00
Und so eine Beziehung kann auch schnell vorbei sein, deinen Beruf musst du auf jeden Fall sein ganzes Leben ausführen! So wie du es schreibst klingt es so, als hätte er überhaupt keinen Respekt vor dir und deinen Wünschen und Zielen. Wenn du dich solchen Forderungen unterwirfst, wird zumindest immer der Zweifel im Hinterkopf bleiben, und für eure Beziehung kann es auch nicht gut sein wenn du ihm zu Liebe aufs Studium verzichtest.
Im Gegenteil, wenn er wirklich der Partner fürs Leben sein sollte, dann wird es trotz Studium funktionieren! :-)

Choranaptyxis
24.07.2018, 11:09
Er sagt, er sei ja nun auch 26, und er will jetzt endlich mal leben, die Welt sehen, die nächsten 2-3 Jahre heiraten und Kinder bekommen und ein Haus bauen, und das geht so nicht. Er findet es "Egoistisch" von mir, von ihm zu verlangen, "seinen Lebenstraum aufzugeben bzw so weit wegzuschieben".
Da würde es bei mir schon aufhören. Du darfst deinen Lebenstraum aufgeben, weil er seinen nicht aufgeben möchte (bzw einfach um ein paar Jahre nach hinten, Haus und Kinder bleiben ja möglich)
Kann da den anderen nur zustimmen, du musst mit deinem Leben glücklich sein und so eine Chance aufgeben ohne sie ausprobiert zu haben wird es schwer machen damit zu leben

Arrhythmie
24.07.2018, 11:10
Auch ich hab im "Wartezeitalter" (mit 27) als Zweitstudentin angefangen und bin jetzt im 8. Semester, naja, bald im 9. Mittlerweile auch Mutter. Immer noch in Regelstudienzeit.
Mit einem Mann, der es mittlerweile akzeptiert hat und alles dafür tut, dass es funktioniert.

Einen Berufswunsch würde ich nicht opfern. Den Fehler hab ich genau einmal gemacht und er hat mich jetzt genau das gekostet, dass ich im Wartezeitalter bin. Wär ich früher schon so standhaft gewesen, wäre ich jetzt vermutlich Facharzt.
Trotzdem gibt es natürlich einiges zu bedenken.
Und ja, das Studium dauert, es ist ein langer Tauchgang, man braucht viel Luft. Trotzdem würde ich es noch einmal tun.

Der Beitrag von feliciousty ist SEHR GUT. Den empfinde ich wirklich als sehr wahr (Obwohl ich kein ITS Pfleger bin, aber kann mich da durchaus hineinversetzen) und dem ist kaum etwas hinzuzufügen.

Falls Du weitere Fragen hast kannst gerne schreiben (PN)

papillon92
24.07.2018, 13:08
Wow, mit so vielen Antworten in so kurzer Zeit habe ich wirklich nicht gerechnet.
Ich danke euch für eure Offenheit und eure Erfahrungen. Es ist wirklich beruhigend zu wissen, dass da draußen noch Menschen sind, denen es auch so geht bzw. ging, und die es trotzdem gemacht haben, und die Welt ist nicht untergegangen.

Ich versuche meinem Freund auch schon die ganze Zeit klar zu machen, dass so etwas durchaus möglich ist, aber er sagt, ich hätte da eine rosa Brille auf und ich sähe das nicht realistisch, als Arzt werde man verheizt und Punkt. Wenn es nach ihm geht, soll ich irgendetwas machen, Hauptsache geregelte Arbeitszeit, keine WE oder Feiertage oder Nachtdienste.

Wisst ihr, ich arbeite gerne im Krankenhaus. Klar gibt es Tage, an denen mich alles ankotzt, an denen es schwierig ist oder alles schief läuft. Und ja, ich sehe auch täglich, wie es den Assistenzärzten geht und wie viel Verantwortung und Stress sie haben... Aber im Großen und Ganzen liebe ich meine Arbeit, ich interessiere mich wahnsinnig für Medizin und ich kann mir nicht vorstellen, irgendetwas anderes zu tun.

In meiner Jugend hatte ich schwierige Jahre und viele Probleme, war oft krank, in Kliniken, und hab deswegen auch einen großen Teil der Oberstufe verpasst (deswegen hab ich auch keine bessere DN hinbekommen) Vor meinem ersten FSJ sagten alle "Das packst du nie, du bist gar nicht belastbar genug, du machst das nicht länger als einige Wochen." Das selbe sagten sie auch nach dem FSJ, vor meiner Ausbildung. Ich hab als Jahrgangsbeste mein Examen gemacht und sofort eine unbefristete Stelle auf der ITS bekommen, weil ich da schon meine ganze Ausbildung lang hinwollte, etwas anderes kam nicht in Frage für mich.
2014, ich war noch in der Ausbildung, hatte ich wg. privater Gründe eine große Krise, Depression und eine Essstörung haben mich überrollt. Ich wog noch 39 kg und hatte einen Klinikplatz, aber ich sagte mir "Wenn ich mich jetzt fallen lasse, war das alles umsonst". Ich wollte auf keinen Fall meine Ausbildung abbrechen und meine Arbeit aufgeben, und ich hab gekämpft. Die Arbeit und die Aussicht, irgendwann endlich diesen Studienplatz zu bekommen, haben mich durchhalten lassen und ich hab es ohne Klinik geschafft.

Es geht mir also nicht darum, große Karriere zu machen, mich interessieren keine Chefetagen, es geht mir auch nicht ums Prestige. Ärztin zu werden, das ist mein Plan, den hab ich in mir und der hat mich die letzten Jahre so einiges durchstehen lassen. Ohne diesen Plan wäre ich heute nicht da, wo ich jetzt bin.
Aber das versteht er nicht, er geht da zu pragmatisch ran. Und wieder höre ich "Das ist nichts für dich, das schaffst du nicht", schon wieder... Dabei liebe ich ihn wirklich, und wenn es umgekehrt wäre, würde ich alles versuchen, damit er seine Träume verwirklichen kann. Ist das wirklich zu viel verlangt?

Das klingt alles so kitschig, aber ich hoffe ihr versteht, was mir die Aussicht auf dieses Studium bedeutet :-/

davo
24.07.2018, 13:31
Ich glaube nicht, dass er das macht weil er dich warnen will, oder weil er das pragmatisch sieht. Mein Eindruck ist vielmehr, dass er dir die Karriere nicht gönnt und nicht damit klarkommen würde, dass du mehr verdienst und den anspruchsvolleren Job hast als er. Für mich wirkt das nicht so als würde diese Beziehung noch lange bestehen. Klingt vielleicht etwas brutal, aber so sehe ich das.

Gleichzeitig klingt es auch nicht unbedingt sehr gesund, was du da so über deine Vergangenheit schreibst. Es ist IMHO sehr wichtig, dass man im Leben auch eine intrinsische Zufriedenheit hat die nicht von Job, Beziehung oder sonstigen externen Faktoren abhängt. Ich würde an deiner Stelle also natürlich das Studium durchziehen, klar, aber gleichzeitig auch versuchen zu lernen psychisch nicht ganz so stark "abhängig" von diesem "Plan" zu sein.

papillon92
24.07.2018, 13:44
Ich glaube nicht, dass er das macht weil er dich warnen will, oder weil er das pragmatisch sieht. Mein Eindruck ist vielmehr, dass er dir die Karriere nicht gönnt und nicht damit klarkommen würde, dass du mehr verdienst und den anspruchsvolleren Job hast als er. Für mich wirkt das nicht so als würde diese Beziehung noch lange bestehen. Klingt vielleicht etwas brutal, aber so sehe ich das.

Gleichzeitig klingt es auch nicht unbedingt sehr gesund, was du da so über deine Vergangenheit schreibst. Es ist IMHO sehr wichtig, dass man im Leben auch eine intrinsische Zufriedenheit hat die nicht von Job, Beziehung oder sonstigen externen Faktoren abhängt. Ich würde an deiner Stelle also natürlich das Studium durchziehen, klar, aber gleichzeitig auch versuchen zu lernen psychisch nicht ganz so stark "abhängig" von diesem "Plan" zu sein.

Danke für die Ehrlichkeit davo. Ich will mich ja auch nicht zu abhängig vom Studium machen. U d ich sehe es auch so, dass ich nicht wirklich was zu verlieren habe, ich hab nen Job, falls ich es nicht schaffe. Es wäre kein Weltuntergang. Ich käme wahrscheinlich nur nicht damit klar, es nicht wenigstens zu versuchen.

ehem-user-11022019-1151
24.07.2018, 13:54
Papillon, ein Mensch, der dich nicht in deinen Träumen und Lebenszielen unterstützen will und der nicht sieht, dass du, genauso wie auch er, ein Recht hat, sein Ziel zu verwirklichen, ist kein Mensch, der dir auf Dauer gut tut.
Mag sein, dass er Recht hat und meint, du würdest nur irgendeinem Traum nachjagen. Doch wenn es ihm so schwer fällt, dich in dieser Situation zu unterstützen, wie kannst du damit rechnen, dass er dich in anderen, vielleicht schwerwiegenderen Situationen unterstützen wird?
Ich denke, dass viele mal vor einer Entscheidung standen und sich zwischen Studium und Partner entscheiden mussten. Die Entscheidung kann dir keiner abnehmen. Es ist nicht einfach, einen langjährigen Partner aufzugeben, aber es ist nicht einfach, ein Ziel aufzugeben. Mir hat immer sehr das Wissen geholfen, dass ich zu 100% weiß, was ich im Leben will und das immer noch zu 100% weiß und dafür keine Kompromisse eingehen werde.
Ich wünsche dir viel Erfolg bei der Entscheidung, auch wenn sie nicht einfach ist.

*milkakuh*
24.07.2018, 14:39
Auch meine Eltern haben ihre jahrelange Skepsis aufgegeben und würden mir helfen. Ich dürfte für einen sehr kleinen Umkostenbeitrag in ihrem Haus wohnen (sind mehrere seperate Wohnungen), diese ist wirklich sehr groß, und natürlich dürfte ich da mit meinem Freund wohnen.




Außerdem will er nicht in das Haus meiner Eltern ziehen, sondern was eigenes.

Im Prinzip ist schon alles gesagt worden aber ich wollte gerne noch auf diesen Teil eingehen: Auf der einen Seite kann ich verstehen, wenn man nicht mit den "Schwiegerelten" in einem Haus leben möchte, aber auf der anderen Seite ist das eben eine extrem gute Möglichkeit Geld für Eigentum zu sparen und früher war das ganz normal. Ich finde da muss und kann man für ein paar Jahre die Zähne zusammenbeißen. Vielleicht kannst du so noch mal argumentieren?

Allerdings wird das nicht das Grundproblem lösen. Dein Freund wusste von Anfang an, dass du noch Medizin studieren möchtest. Dir das Studium jetzt so schlecht zu reden, ist nicht fair von ihm. Auch wenn es hart klingt: Wenn er das nicht einsieht und Kompromisse sucht, die auch in deinem Sinne sind, sehe ich da auch keine gemeinsame Zukunft für euch. Alles Gute für dich und viel Spaß im Studium!

Echinococcus
24.07.2018, 15:28
Mal davon abgesehen, dass es einige Facharztrichtungen ohne den typischen Klinikstress gibt kann ich dir wie so viele andere nur raten, deinen Berufswunsch nicht zurückzustecken.

Ich bin mal direkt und werde das nicht so fancy umschreiben wie die anderen:
Partner/innen hat man im Leben einen ganzen Haufen, den richtigen Beruf findet man nur einmal.

Studiere, mach dein Ding, dir wird schon wieder ein passender Typ über den Weg laufen. Für das Studium läuft einem aber irgendwann die Zeit weg.

So läuft das eben :-nix

xenopus laevis
24.07.2018, 15:57
Ich lese auch nur Neid. Zieh es durch! Mit solchen Aussagen hätte ich ihn in die Wüste geschickt. Du hast ihn schließlich vorgewarnt und 26 Jahre ist ein schönes alter um zu studieren. Und Kinder bekommen sie alle um mich herum. Kann nicht so schwer sein. :-D

Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich noch Medizin studieren will, in der Zeit kaum Geld verdiene, es 6 Jahre und 3 Monate dauert und es für mich somit kein Kompromiss gibt.

Nimhhh
24.07.2018, 18:17
Zeigt sein Verhalten nicht eher Unsicherheit? Wenn er Gynäkologen schon nicht ernst nimmt (sowas habe ich noch nie gehört?), nimmt er sich selbst als Pfleger auch nicht ernst.
Der Mann meiner Hausärztin arbeitet für sie in ihrer Praxis. Vielleicht kannst du ihm sowas vorschlagen?

Nimhhh
24.07.2018, 18:36
*für sie ist unglücklich formuliert.
Wollte er auch Arzt werden? Ermutige ihn doch sich ebenfalls fortzubilden.
Medizin lohnt sich immer.

Hämatopoesie
24.07.2018, 18:53
Ich finde die Aussagen deines Freundes schon ziemlich verletzend - warum sollte man als Ärztin mit Kind nicht ernst genommen werden? Im Studium ein Kind zu bekommen, ist sogar eher weniger stressig als wenn beide arbeiten würden.... (vor allem, wenn ihr noch Verwandtschaft in der Nähe habt, die auch mal nach dem Kind schauen können....)

Dann musst du dir überlegen, ob du überhaupt die nächsten 2-3 Jahre heiraten und Kinder kriegen willst. Wäre mir mit 27-28 zu früh gewesen.... sprich: er will vor allem seine Vorstellungen vom Leben verwirklichen, wo du dabei bleibst, ist ihm egal.

Fur mich hört sich das leider so an, als ob ihr auf Dauer nicht wirklich kompatibel seid und dass das über kurz oder lang nicht hält- selbst wenn du jetzt weiter arbeitest und nicht studierst, wer sagt, dass er dann nicht irgendwann verlangt, dass du ganz zu Hause bleibst?

Du musst in dich gehen und für dich entscheiden, was du vom Leben willst und ob das der richtige Partner für dich ist.... wenn du es mit Medizin probieren willst, solltest du es imho machen, wenn es dir nicht gefällt, kannst du immer noch wieder aufhören ;).
Im Umkehrschluss bist du auch nicht an einen Partner gekettet, auch wenn ihr viel miteinander durchgemacht habt...