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Wieso sollten Ärzte, die nicht an der Patientenversorgung teilnehmen, zu KV-Diensten verpflichtet werden?
Sie sind im KV-System überhaupt nicht drin...
Wie nett, genau die zwei Antworten habe ich erwartet.
Erste Gegenfrage: warum müssen dann in diversen Bundesländern auch Privatärzte an KV-Diensten teilnehmen? Die nun wirklich 0,0 mit der KV am Hut haben und sich im Regelfall auch bewußt für diesen Status entschieden haben.
Zweite Gegenfrage: MDK-Ärzte nehmen IMHO wesentlich unmittelbarer an der Patientenversorgung teil bzw. mischen sich ein, als z.B. Laborärzte, Mikrobiologen oder Pathologen in irgendwelchen MVZs, die allenfalls mikroskopische Teilchen ihrer Patienten oder gar nichts zu Gesicht kriegen, weil eine Automatenstraße die Arbeit macht...trotzdem gibt´s ne Zwangsverpflichtung.
Daß der eine oder andere MDK-Arzt freiwillig an KV-Diensten und dann vielleicht noch zu handverlesenen Terminen teilnimmt, mag sein, in den Dienstplänen, die ich überschauen kann, ist das auf jeden Fall nicht so.
Knackpunkt für mich ist ja auch nicht die freiwillige Teilnahme, sondern die Zwangsverpflichtung. Da sollte man von Ärzten, die ihren Gehaltszettel zu 100% aus Sozialkassen-Geldern bestreiten, doch etwas mehr Engagement erwarten als von Ärzten, die im Schnitt nur zu 80% oder sogar zu 0% von Kassen-Geldern leben *Ironie aus*
Falls der jeweilige MDK in nennenswertem Umfang noch Gelder von Privatversicherten, BGen, Beihilfe, arabischen Scheichs in bar etc....entgegennimmt, bitte ich hier um Klarstellung, damit ich hier keine fakenews verbreiten muss...
Auf den Seminaren, die ich besucht habe, haben die Referenten des MDK ihre Organisation, Finanzierung und Aufgaben eigentlich recht eindeutig erklärt...es kann auch sein, daß ich da was völlig falsch verstanden habe.
Wenn hier schon aus berufenem Mund die Teilnahme an der Patientenversorgung durch MDK in Abrede gestellt wird (normalerweise wird das ja immer bestritten), können wir doch gleich mal diskutieren, warum "Nichtteilnahme" auf dem Gehaltszettel so viel mehr ausmacht als "Teilnahme" in Zeiten des Ärztemangels überall.
Deine Kenntnis bezüglich der Vergütung von MDK-Ärzten („bekommst du zwar den Geld von DER GKV“ ->falsch!) ist offenbar unvollständig.
Wikipedia schreibt übrigens
"Der MDK wird ausschließlich von den Kranken- und Pflegekassen zu je 50 % über eine Umlage finanziert."
Also ausschließlich Finanzierung durch die Sozialkassen. Von einer Mitfinanzierung durch privatrechtlich organisierte Versicherungswirtschaft (womit man vielleicht noch abweichende Ärztegehälter begründen könnte) oder unmittelbar aus Staatseinnahmen steht da nichts. Kann natürlich sein, daß hier auch fake news verbreitet werden.
Tante Edit meint, daß auf dem 121. Deutschen Ärztetag (der weissgott alles andere als progressiv ist) eine Änderung gefordert wurde, weil im aktuellen System so keine Unparteilichkeit besteht (Entschließung 1c 77)
Feuerblick
08.08.2018, 10:52
Dir sollte mitgeteilt worden sein, dass an dem Konstrukt nicht alle GKVen teilnehmen. Und dass der MDK-Arzt per Gesetz nur seinem ärztlichen Gewissen und nicht dem Wunsch der Kassen verpflichtet ist.
Und nein, der MDK nimmt NICHT an der vertragsärztlichen PatientenVERSORGUNG teil und greift in diese auch nicht ein. Darf er auch nicht. Diesen Punkt im SGB sollten die Referenten des MDK aber erwähnt haben.
Warum Privatärzte KV-Dienst verpflichtet werden, kann ich dir nicht sagen. Ergibt keinen Sinn... Frag mal die KVen.
Dir sollte mitgeteilt worden sein, dass an dem Konstrukt nicht alle GKVen teilnehmen. Und dass der MDK-Arzt per Gesetz nur seinem ärztlichen Gewissen und nicht dem Wunsch der Kassen verpflichtet ist.
Das sieht, wie gesagt, selbst der Deutsche Ärztetag anders, auch wenn die genannte Resolution "soft" formuliert ist. Es ging hier eigentlich aber um die Arbeitsbedingungen beim MDK.
Warum Privatärzte KV-Dienst verpflichtet werden, kann ich dir nicht sagen. Ergibt keinen Sinn... Frag mal die KVen.
Das ist relativ einfach zu beantworten. Die Dienstpflicht ist bei der jeweiligen ÄK und nicht bei der KV verankert. Vereinfach: Arzt (d.h. Approbation) gleich Dienstpflicht. Definiert hat man ein paar Befreiungsgruppen, z.B. Krankenhausärzte, Schwangere, Schwerbehinderte, KV-Funktionäre (logisch, ein paar Privilegien darf man haben, wenn man die Regeln macht) und eben noch ein paar andere.
KEINE Befreiungsgründe sind u.a. Alter (!), mangelnde Erfahrung, patientenferne Tätigkeit usw. Alles bis zum BSG geklärt...
Es wird dann immer darauf verwiesen, daß man bei Nichteignung ja jederzeit einen Vertreter beauftragen könnte (womit dann der Arzt die Versorgung bezahlt und nicht der Patient, eine völlige Pervertierung des Systems)
Zur besseren Organisation hat man das man irgendwann mal an die KVen delegiert, die früher (TM), als die Dienste noch lukrativ waren, derart den Daumen draufgehabt haben, daß das die Hausärzte unter sich ausgemacht haben. Mit dem zunehmenden Schwund der Ärzte, steigender Dienstfrequenz und Belastung, gepaart mit finanzieller Nichtattraktivität, wird nun zuerst auf die anderen niedergelassenen Fachärzte aus dem KV-Sektor, in einem zweiten Schritt dann auf die Privatärzte zurückgegriffen, um das alles abdecken zu können. Grundlage ist, wie gesagt, die Berufsordnung der jeweiligen Ärztekammer.
Zwangsrekrutierung von Privatärzten zur Versorgung von GKV-Mitgliedern ist insofern ein guter Marker, wie sehr in der jeweiligen KV schon "die Hütte brennt". Die KVNO und KVWL ist da meines Wissens dabei, und auch welche aus den neuen Bundesländern.
Das es ja hier um die Arbeitsbedingungen beim MDK ging, kann man neben einem besseren Lohnzettel doch auch die Dienstbefreiung als positiv anführen. Ansonsten hat man als FA dann später den Ärger, wenn man nicht am KH bleiben will...
Feuerblick
08.08.2018, 16:30
Nun, da ich sicher bereits irgendwo erwähnte, dass man keine Dienste machen muss, verstehe ich gerade dein Problem nicht so ganz. Im übrigen wurde ganz sicher von mir nirgendwo die schlechte Bezahlung bemängelt. Das wäre mir neu. Für geregelte Arbeitszeiten ohne Dienste wird man definitiv gut bezahlt. Und die Arbeitsbedingungen sind extrem gut. Man muss halt die Art der Arbeit an sich mögen. Sollte ich das mit den Diensten nicht erwähnt haben, obwohl es ein wichtiges Kriterium ist, gehe ich mich eine Runde schämen :-))
Wie der Deutsche Ärztetag in seiner offensichtlichen Unkenntnis des Gesetzes die Arbeit des MDK beurteilt und da irgendwelche polemischen Sprüche raushaut, ist mir relativ egal. Aber vielleicht sollten die Herrschaften sich mal das Sozialgesetzbuch zu Gemüte führen. Da steht das explizit drin. Aber hey... wenn MDK-Bashing irgendwie der Psychohygiene selbst höherer Gremien dienlich ist - meinetwegen. Du kennst ja das Sprichwort mit der Eiche und der Wildsau... :-))
Ich hätte auch kein Problem damit, wenn die Arbeit der MDKen anders finanziert würde. Das ist letztlich aber eine politische und medizinhistorische Fragestellung.
Nur: DASS es eine solche Instanz braucht, ist für mich erwiesen. Solange es Gewinnoptimierer unter den ärztlichen Kollegoiden gibt, die ihre Vorstellungen von Medizin auf dem Rücken sowohl der Patienten als auch der Solidargemeinschaft ausleben, muss irgendwer einen Blick drauf haben. Wie derjenige bezahlt wird und von wem, ist dabei komplett egal.
Nun, da ich sicher bereits irgendwo erwähnte, dass man keine Dienste machen muss, verstehe ich gerade dein Problem nicht so ganz. Im übrigen wurde ganz sicher von mir nirgendwo die schlechte Bezahlung bemängelt. Das wäre mir neu. Für geregelte Arbeitszeiten ohne Dienste wird man definitiv gut bezahlt. Und die Arbeitsbedingungen sind extrem gut..
Nie was anderes behauptet:-) es ging ja darum, die o.g. Infos dem TE zur Verfügung zu stellen
Im übrigen halte ich es auch für legitim, beim MDK zu arbeiten- daß ich mich ganz konkret persönlich dagegen entschieden habe, ist eine andere Sache, die nicht im Internet diskutiert werden muß.
Die Diskussion um die Zwangsdienste sollte mal vielleicht an anderer Stelle weiterführen. Den anderen Lesern, die "geht mich ja nix an" denken, habe ich ja dargelegt, daß die Dienstpflicht mit der Approbation verknüpft ist und bei Bedarf jederzeit weitere Befreiungen zurückgenommen werden können.
Abgesehen davon bin ich etwas verwundert, daß in der aktuellen Diskussion um eine allgemeine Dienstpflicht diese auf einmal gegen Menschenwürde oder zumindest die Verfassung verstoßen soll. Etwas, was man bei Ärzten einfach hinnimmt (daß diese per se unbezahlt sind, kommt ja noch dazu...). Mal abgesehen davon, daß ich, wie viele andere auch, selbstverständlich nach dem Abitur zu staatsbürgerlichen Pflichten eingezogen wurde (und das war damals deutlich länger als zum Schluss).
Und dass der MDK-Arzt per Gesetz nur seinem ärztlichen Gewissen und nicht dem Wunsch der Kassen verpflichtet ist.
Das mit dem "nur dem Gewissen verpflichtet" habe ich schon mal irgendwo gelesen...hatte was mit Politik zu tun... *duckundweg*
Ich halte dagegen und behaupte, daß sich durch Geld und Privilegien JEDES "Gewissen" irgendwann aushebeln läßt..selbst in einem buddhistischen Kloster. Aber das können wir ja im ML-Philosophieseminar diskutieren;-)
Feuerblick
09.08.2018, 09:20
Kannst du gerne philosophisch diskutieren, aber ich kann dir bestätigen, dass MDK-Ärzte in der Regel (schwarze Schafe wird es sicher überall geben) eben NICHT dem Willen der Krankenkassen folgen oder gar Ablehnungsquoten (und was da sonst noch alles so an Gerüchten rumgeistert) erfüllen. Das „nur dem ärztlichen Gewissen verpflichtet“ bezieht sich schlicht darauf, dass die Kassen NICHT weisungsbefugt in Bezug auf den Ausgang der Begutachtung sind. Dass sie es vielleicht gern wären, steht auf einem anderen Blatt und gehört auch ins Philosophie-Seminar ;-)
Also ich muß mich bei Feuerblick entschuldigen. Ich war fälschlicherweise davon ausgegangen, daß der Genitiv im Namen "Der Krankenversicherung" sowas wie Besitzverhältnisse anzeigt. Und daß man nur dem Gewissen unterworfen ist und nicht, auch nicht indirekt, den Interessen, der Geldgeber, zumal
Für geregelte Arbeitszeiten ohne Dienste wird man definitiv gut bezahlt. Und die Arbeitsbedingungen sind extrem gut. . die Konditionen ja geradezu reziprok zu denen in der unmittelbaren Patientenversorgung sind, wußte ich auch nicht. Ich hätte es aber wissen müssen, schließlich sind Chefärzte laut Berufsordnung ebenfalls nur ihrem Gewissen verpflichtet und nicht der kaufmännischen Geschäftsführung, und das wird ja wunderbar umgesetzt.
Ebenso war mir neu, daß nicht alle der 157 gesetzlichen Krakenkassen am MDK "teilnehmen". Ich würde mich sehr über konkrete Namen freuen, damit durch Kassenwechsel den abgelehnten Anträge für Heil- und Hilfsmittel (im stationären setting um die 80%, ambulant gefühlt um die 100%) entgegengewirkt werden kann. Noch dazu dauert die Bearbeitung immer quälend lange, was an den
Arbeitsbedingungen sind extrem gut. . liegen könnte...
Neben dem polemisch-progressiv-kritischen ;-) Deutschen Ärztetag hat sich auch gerade diese Tage der SpiFa mit dem Mir-graut-vor-Dir-Heinrich zu Wort gemeldet und dem MDK gegenwärtig fehlende Unabhängigkeit vorgeworfen:
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/96965/SpiFa-fuer-unabhaengigen-Medizinischen-Dienst-der-Krankenkassen
https://www.spifa.de/spifa-mdk/
Zur Vermeidung von unberechtigten Anschuldigungen und zur Verbesserung des Image möchte ich daher einen Namenswechsel anregen. Denkbar wären z.B. "Medizinfehler-Suchdienst" (MfS), "Gewissensbasierte objektive Direktentscheider" (GOD) oder gar "objektiver medizinischer Gutachtenservice" (OMG).
Feuerblick
10.08.2018, 09:16
Nun...
1. Dass Chefärzte eben NICHT nur ihrem ärztlichen Gewissen verpflichtet sind (weil sie oftmals nicht den A**** in der Hose haben, den BWLern zu widersprechen), weiß man. Aber genau dafür gibts den MDK. Denn spätestens da fällt kaufmännisch orientierte Medizin auf. Finden die nur total bescheuert und mögen den MDK daher nicht :-))
2. Da erfahrungsgemäß Krankenkassen OHNE vorherige MDK-Anfrage viel häufiger Eingriffe ablehnen und Belegzeiten kürzen, würde ich dir einen Wechsel zu den nicht teilnehmenden Kassen (müsstest du halt googeln, welche das sind - bisschen Arbeit darfst du dir auch machen... oder schau in die Unterlagen von deinen gepriesenen MDK-Referenten) schlichtweg nicht raten.
3. Auch der MDK leidet unter Unterbesetzung und ertrinkt in Bergen von Aufträgen. Spätestens seit das Gesetz rund um Cannabis ums Eck gekommen ist. Schwer zu glauben, aber dennoch sind die Arbeitsbedingungen gut. Es fehlen die egozentrischen Ober- und Chefärzte, die nervigen Verwaltungen und alle Deppen, die sich profilieren müssen. Stattdessen hat man Kollegialität, selbstverständlich geregelte Arbeitszeiten und eine vollständig elektronische Zeiterfassung mit Zeitausgleich der Überstunden. Erwähnte ich schon Gleitzeit? Homeoffice-Möglichkeit? Eigenes Büro? Freie Wochenenden und Feiertage? Das macht ne Menge aus. Da kann man auch mit zu viel Arbeit irgendwie umgehen.
Aber „quälend“ lange Bearbeitungszeiten sind im ambulanten Setting per Gesetz gar nicht möglich, da die Kassen maximal bei Anfrage an den MDK 5 Wochen Zeit für eine Antwort haben. Sollten die von dir so gelobten MDK-Referenten ebenfalls mitgeteilt haben. Und auch, dass diese Zeiten im ambulanten Setting eher unterschritten werden... (es sei denn, die lieben Kollegen haben beim Antrag mal wieder relevante Unterlagen und Informationen nicht beigelegt... dann muss man nachhaken und DANN dauert es... liegt aber nicht am MDK oder den Kassen... hört man als Niedergelassener nur nicht gern ;-) ).
4. Dass dem MDK fehlende Unabhängigkeit nachgesagt wird, ist ein alter Hut. Aber davon reden nur die, die keinerlei Einblicke in die Arbeit des MDK haben und denen der MDK öfter mal auf die Zehen getreten ist. Es bellen immer nur die getroffenen Hunde. Ich warte noch drauf, dass du auch die angebliche Prämie bei erreichen von XX Prozent abgelehnter Anträge/ gekürzter Belegzeiten anführst. Blöderweise scheinen die in der Gehaltsabrechnung aber nie berücksichtigt zu werden. Vielleicht gibt es irgendwo einen Geldspeicher, in dem diese Prämie lagert? Man weiß es nicht :-))
Dennoch... ich fürchte, hier ist Hopfen und Malz verloren. Es kann nicht sein, was nicht sein darf und ich möchte auch weder ein Welt- noch ein Feindbild erschüttern. :-nix
Schimpf nur weiter auf den MDK und halte den alten Herren des Ärztetages und ihren willigen Followern die Treue. Die wissen es ganz sicher besser und haben ganz sicher auch nur das Gute für Patienten und Ärzte im Sinn. Und glaub BITTE auf keinen Fall denen, die sich auskennen. Bloß nicht!
In diesem Sinne: Ich bin dann mal raus hier.
Funkel, ich bewundere Deine Ausdauer, daß Du tarumos ellenlange Ergüsse voller Nebelkerzen und unbewiesener Behauptungen tatsächlich sorgfältig beantwortest.
Ich warte ja immer noch auf die Angabe des Dienstbezirkes mit dem Durchmesser von 200km, aber da kommt anscheinend nichts mehr...
Feuerblick
10.08.2018, 14:24
Jetzt komm hier nicht mit Fakten :-))
Ich bin nur so geduldig, weil Vorurteile irgendwann mal ein Ende haben sollten - zumindest bei den Mitlesern :-))
Jetzt komm hier nicht mit Fakten :-))
Mich stören am MDK meine bisherigen Erlebnisse als Arzt der "Gegenseite" in den MDK-Prüfungen.
Es kommen da manchmal total bescheuerte Sachen raus wie:
- schwer kranke Patientin, hat sich langsam erholt, Freitag wäre Entlassung vielleicht möglich gewesen, weil alle weiteren Dinge wie Hausarzt besuchen um Rezepte holen, Rezepte in Apotheke einlösen für Medikamente und Wundversorgung, ambulanter Pflegedienst hat erst Montag Zeit etc. schwierig waren, ist die Patientin erst am Montag gegangen. Die Tage wurden selbstverständlich gekürzt, weil das ist ja ein Organisationsproblem und kein medizinisches Problem, das ist eine ungerechtfertigte Bereicherung aus den Sozialkassen, der MDK wäre dafür da solch Organisationsversagen nicht zuzulassen etc. Das war eine Diskussion, wow sag ich nur. Absolut unmenschlich und unwürdig. Ich werde es nächstes Mal wieder so machen. Man bekommt mit der Zeit ein Gefühl ob die Patienten Sachen ausnutzen oder ob die unter dem System leiden. Letztere brauchen Unterstützung auch trotz MDK.
- Entlassung nach Implantation eines Barorezeptorstimulators, OP-Zugang hier ist wie bei einer Carotis-TEA: die MDKlerin verlangte dass der Patient am 2. postoperativen Tag entlassen werden soll, weil Wundkontrollen hätten ambulant stattfinden können, Blutdruckkontrollen waren nicht ausreichend belegt etc. Am zweiten PostopTag hatte der Patient morgens nen 230erRR und auf Medikation wieder besser, aber am Nachmittag war nichts dokumentiert da hätte er also gehen können/müssen. Dass er am dritten Tag wieder 230 systolisch hatte spielt da keine Rolle. Fehlende Dokumentation = fehlende Überwachung = fehlende Notwendigkeit einer Überwachung = Entlassung, und präoperativer Tag hätte auch ambulant stattfinden können, ist Organisationsversagen der Klinik.
- die Diskussionen nach PTA: wenn der Druckverband runter ist sollen die Patienten sofort gehen. Machen wir nicht weil wir sagen nur weil der Druckverband weg ist sollen die Patienten nicht sofort maximal rumhampeln sondern noch ruhig halten und dann erst gehen. Sich ruhig halten können die Patienten auch außerhalb des Krankenhauses (bei der Compliance eines üblichen pAVKlers???) also Entlassung. Der MDKler muss ja dann auch nicht die Nachblutung operieren. Wenn man nichts mit den Patienten zu tun hat, kann man sie schnell entlassen...
- oder diese Diskussionen "akutes Niereninsuffizienz" gegen "chronische Niereninsuffizienz". Bei einer GFR von 30. Für chronisch soll ich alte Werte nachweisen, dann sag ich ok, dann machen wir akute Niereninsuffizienz, ist mir doch egal. Nein, da soll ich eine akute Verschlechterung nachweisen. Sag ich, wie soll das möglich sein wenn der Patient mit den schlechten Werten gekommen ist und die sich nicht gebessert haben, es wird dann ja wohl chronisch sein. Nein, dann geht das nicht... Es ist mir vollkommen egal ob das chronisch oder akut ist, Tatsache ist dass es eine Niereninsuffizienz ist, dann entscheidet doch gefälligst ihr ob akut oder chronisch. Aber wir haben einen Aufwand damit (CO2-Angio ist schwieriger als Angio mit KM) also soll das gefälligst vergütet werden. Egal auf welcher Basis.
Lauter so Zeugs. Es ist mir persönlich halt einfach zu oft an der Realität vorbei und oft einfach unmenschlich...
Das ist auf dem Niveau der BWLler. Nichts mit dem Patienten zu tun haben und am Computer zu Entscheidungen treffen ohne diese Entscheidungen dem Patienten mitteilen zu müssen.
Feuerblick
11.08.2018, 07:16
Nun, ich habe ja auch nie behauptet, dass alle MDKler immer die medizinisch richtigen Entscheidungen treffen oder bereit sind, auch mal die Realität der klinischen Versorgung anzuerkennen.
Man könnte jetzt aber auch aus der anderen Ecke meckern, dass viele (besonders privatisierte) Kliniken sehr gewinnorientiert belegen und grundsätzlich eben nicht begründen können, warum man das jetzt so macht (außer dass es für eine andere Belegungszeit halt nicht so viel Kohle gegeben hätte). Ähnliches gilt für die kodierten Diagnosen.
Es gibt Häuser, die kodieren und belegen einfach immer falsch und sind beratungsresistent. Es gibt Häuser, bei denen hat man das Gefühl, dass das Organisationsproblem der Dauerbrenner ist. Oder die Dokumentation ist unter aller Kanone und man kann allenfalls raten, dass der Patient nicht nur im Bett lag und morgens einmal gesehen wurde, obwohl es da z.B. Blutdruckprobleme gab. Und so weiter.
Und auch im ambulanten Sektor reibt man sich mitunter die Äuglein, was manche Kliniken und Ärzte an Untersuchungen und Behandlungen durchführen wollen, ohne dass man sich an die Leitlinien o.ä. halten würde und die Abweichung von selbigen begründen könnte.
Auch hier könnte man vom Niveau eines BWLers sprechen. Oder von verwaltungsgesteuerten Entscheidungen.
Will sagen: Ich verstehe durchaus den Unmut bezüglich mancher MDK-Prüfung. Ich kann da auch manches nicht nachvollziehen. Aber der MDK könnte vermutlich auch zu jedem Beispiel seine Pappenheimer nennen, bei denen die Dinge eben nicht medizinisch begründet laufen. Da besteht auf beiden Seiten letztlich Entwicklungspotential.
ABER all diese Entscheidungen werden NICHT durch die Krankenkassen aktiv gesteuert. Das DRG-System sieht Verweildauern vor und die Kodierrichtlinien legen genau fest, was wie kodiert werden kann oder muss. Alles weitere muss im Einzelfall angeschaut werden. Und wie überall gibt es dann eben Menschen, die diese Dinge bis aufs letzte Komma abhaken und nur noch die Regeln sehen und welche, die auch mal weiterschauen. Geld oder Lob von der Kasse bekommen die dafür aber nicht. Und um genau diese Unabhängigkeit ging es.
Ich empfehle ja immer, sich mit den grundlegenden Regeln des Systems (die ja nicht vom MDK gemacht werden) zu befassen. Wer die Regeln kennt (DRG-System, DKR etc.), kann besser begründen und weiß, wo die Grenzen liegen und wo man Probleme bekommt. Trotzige Verweigerung, weil man das System blöd findet, bringt da nicht weiter.
Wer dann auch noch ordentlich (nicht übertrieben!) dokumentiert, hat schon gewonnen.
Gibt viele Häuser und Praxen, die das prima hinbekommen, weil sie einfach die Regeln des Systems kennen und sich entsprechend verhalten.
Und ich plädiere für etwas mehr Verständnis für die jeweils andere Seite.
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