Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wie habt ihr euch für euer Fach entschieden?
Wow, in Plexusanästhesie! Das hab ich noch nie gesehen. Bei uns ist die Carotis-TEA eine OPs, die als so gefährlich angesehen wird, dass der OA sie nur selten aus der Hand gibt.
Dass der Gefäßchirurg aus der Klemme helfen muss, ist hier auch manchmal der Fall, allerdings eher bei den Unfallchirurgen. Wir Allgemeinchirurgen kriegen das meist gut alleine hin. Und wenn nicht, ist es ECHT frickelig. Die A. subclavia ist ja zB echt schwer zu komprimieren und zu versorgen.
Was du über Kinder sagst, geht mir ähnlich. Obwohl ich ja selbst Kinder habe, finde ich es schwierig, mit den Eltern umzugehen. Nicht nur wegen Missbrauch, Vernachlässigung sondern schon bei gewaltsamer Erziehung. Wenn den Eltern in der Notaufnahme peinlich ist, dass das Kind weint und es noch anherrschen, dass es damit aufhören soll.:-heul Überhaupt, weinende Kinder...kann ich überhaupt nicht gut ertragen.
Und wenn man mal ein Kind im Schockraum hat, sind auch alle wahnsinnig angespannt. Gottseidank ist das so selten.
Und wenn man mal ein Kind im Schockraum hat, sind auch alle wahnsinnig angespannt. Gottseidank ist das so selten.
Ich finde die Kinderintensivmediziner (OÄ) die bei unseren Kinderschockräumen dazu kommen sind immer super entspannt. Das hilft Ruhe reinzubringen weil der Rest von uns - wie du schon sagst - ziemlich angespannt ist wenn z.B. ein 5-jähriges Kind vs. PKW reinkommt.
überhaupt, weinende Kinder...kann ich überhaupt nicht gut ertragen.
Scheint bei Traumatologen häufiger zu sein.... ;-)
Habe neulich (zufällig) ein weinendes Mädchen mit OA-Fraktur in der ZNA gefunden (!). Der Traumatologe hat sich im Aufenthaltsraum versteckt, weil er das Weinen nicht erträgt.
Um Analgesie hat er sich aber auch nicht gekümmert, weil "ist ja ein Kind".... auf die Idee, den Pädiater oder Anästhesisten zu rufen, kam er aber auch nicht.... War froh, zur rechten Zeit dort gewesen zu sein.
Ansonsten denke ich, gibt es in jedem Fach Situationen, die einen psychisch mitnehmen können. Ging mir in meiner Famulatur auf der ITS so. Mit den ganzen traurigen Angehörigen ständig kam ich wirklich schlecht klar. Deshalb die Entscheidung dagegen.
Die von dir beschriebenen Situationen sind ja, Gott sei Dank, nicht an der Tagesordnung. Die Helikoptereltern sind da wesentlich häufiger.
Ansonsten kommt man damit einigermaßen klar, wenn man sich mehr auf das "Helfen" anstatt das "Bemitleiden" konzentriert. Ich bin ja Kinderschutzverantwortliche und damit immer mal mit solchen Fällen konfrontiert.
Aber vielleicht stimmt mit mir auch was nicht, wenn ich davon Abstand nehmen kann :-nix
Epeline, ich finde s gut, wenn man davon Abstand nehmen kann! Wenn es wirklich brenzlig wird, kann ich auch erstmal professionell bleiben- aber nicht, wenn ich es jeden Tag müsste.
Ich hatte letztens eine gruselige Situation in der Notaufnahme. Ein Kleinkind war gestürzt und hatte sich offensichtlich den Radius gebrochen. Sonst hatte er keine Verletzungen, er hat natürlich gejammert und hat von uns erstmal PCM supp bekommen, damit ließ er sich röntgen und den Gips vorbereiten. Beim Reponieren und Gipsen ist er dann eingeschlafen, was mich etwas beunruhigt hat, weils ja eigentlich doch weh tut und das PCM ja weder sedierend noch soo analgetisch wirkt, dass man das nicht mehr merken würde... Jedenfalls hab ich dann versucht, ihn aufzuwecken und dabei doch noch eine versteckte Prellmarke am behaarten Hinterkopf gefunden. Er ließ sich aber partout nicht wecken. Die Schwester und ich sind äußerlich cool geblieben, haben die Vitalparameter überprüft, ich hab so unaufgeregt wie möglich (die Mutter war ja dabei) die Neurochirurgen angerufen und wir sind dann doch mal in den Schockraum gefahren... die Neurochirurgen kamen sofort und zusammen haben wir dann nochmal versucht ihn zu wecken... was dann auch gelang, er guckte uns nur mit großen Augen an und schnatterte munter drauf los. Ey, ich war so froh!!!
juke5489
07.08.2018, 19:11
ich bin in der plastischen chirurgie gelandet. absolutes traumfach!
man operiert am ganzen körper, hat mit handchirurgie, verbrennung, rekonstruktion schon ein wahnsinnsspektrum und wen es interessiert (mich nicht) der kann auch noch mit der ästhetik ein bisschen spaß haben.
ich bin bei einem plastischen maximalversorger. sav klinik mit replantation und den ganzen anderen schweren (und leichten) handtraumata, verbrennungszentrum mit einer richtig guten anästhesie, die sich um die intensivmedizin kümmert, sodass der chirurg um wirklich gute chirurgische versorgung kümmern kann und über die interdisziplinäre zusammenarbeit mit onkologen, unfallchirurgen und septikern, gelegentlich auch neurochirurgie mehr als genug fälle für zum teil wirklich große rekonstruktionen.
nachdem unsere gefäßchirurgen (anignu, wenn man hört was du schreibst, wird man ja neidisch, dass man euch nicht im hause hat!) eher "konservativ" sind, sprich bypässe bis runter auf fußniveau (also da, wo wir sie hinbrauchen, wenn wir auf calcaneus oder osg niveau nen lappenanschluss benötigen) machen wir zum teil unsere eigenen bypässe oder eben gleich lange av-loops um auch bei patienten, die anderswo längst amputiert worden wären den extremitätenerhalt zu gewährleisten.
die älteste patientin, die dieses jahr bei uns einen freien lappen bekommen hat war eine topfitte 94 jahre alte oma. und wenn auch solche patienten dann auf zwei beinen die klinik verlassen können ist das schon eine schöne sache.
generell ist mikrochirurgie, sei es in der rekonstruktion oder in der handchirurgie etwas, dass mich gleich fasziniert hat.
gefäße nähen zu können, die winzig sind, für den patienten aber das leben, bzw die extremitäten bedeuten können ist schon super. und wenn man spät nachts im dienst seine erste winzige fingerarterie unter dem mikroskop genäht hat und sieht, wie so ein finger wieder anspringt, dann ist das schon ein ziemlich cooles gefühl.
naja, ich könnte noch lange weiterschreiben, ich bin extrem glücklich in dem fach, weil es ein wahnsinnsspektrum hat, wenn man in der richtigen klinik ist, es viel zu operieren gibt und das zumindest bei mir auch früh in der ausbildung in hoher frequenz passiert. der stellenwert des fachgebietes wird in den nächsten jahren eher zentraler werden, schade ist jedoch, dass es für die niederlassung häufig meist nur eine spezialisierung auf die ästhetik bleibt, mich persönlich störts jedoch nicht, da ich mich in zukunft eher in der klinik sehe.
Private Pyle
07.08.2018, 19:33
Vielen Dank für Eure Beiträge, die sind echt Gold wert :-top
tragezwerg
07.08.2018, 20:01
Bei mir war es eine reine Bauchentscheidung. Ich hatte im Studium durch das Jobben im Rettungsdienst viel Kontakt mit Notärzten. Die Anästhesisten waren da immer die enspanntesten Notärzte, und ihre Therapie hatte Hand und Fuß. Nach ein paar Famulaturen in Päd und Anästhesie habe ich mich dann fürs Anästhesie-PJ entschieden und dort einfach ne tolle Zeit gehabt, viel gelernt und wusste dann endgültig, dass das mein Fach ist.
8 Jahre später bereue ich es nicht. Anästhesie ist weiterhin mein Traumfach, weil man den Effekt des eigenen Handelns direkt sieht, viel Pharmakologie dabei ist, man Patienten aller Altersstufen betreut, etc.. Da Operieren nie mein Ding war, Feinmotorik aber schon, bin ich mit Regionalanästhesie etc. sehr glücklich. Und ich kann eigenverantwortlich arbeiten und muss nicht jeden Furz von irgendwem abnicken lassen.
Ich würde bei den möglichen Kliniken hospitieren und dann aufs Bauchgefühl hören. Alle rationale Argumentation bzgl. Familienfreundlichkeit/Gehalt/Karriereplanung u.Ä. bringt einem ja doch nix, wenn das Interesse fehlt oder die Stimmung in der Abteilung schlecht ist usw.
Wow, in Plexusanästhesie! Das hab ich noch nie gesehen. Bei uns ist die Carotis-TEA eine OPs, die als so gefährlich angesehen wird, dass der OA sie nur selten aus der Hand gibt.
Plexusanästhesie hat den Riesenvorteil, dass man eine sofortige Rückmeldung vom Patienten bekommt, wenn die Versorgung über Gegenseite/Kollateralen nicht passt. Problem ist nur wenn der Patient gar nicht still halten will. Dann wirds sehr anstrengend. Manche halten still, zählen durch wie ein Uhrwerk und drücken die Quietscheente und es ist völlig entspannt für alle Beteiligten. Wenn Plexus nicht geht (Verweigerung durch Patient) machen wir SEPs. Letztlich ist die Plexusanästhesie nur Überwindung und sonst gar nichts. Man muss sich und den Patienten überzeugen dass man das macht und dann geht es auch.
Die Oberärzte lassen uns schon wirklich viel machen, ist auch gut so. Dafür mach ich ja auch Hintergrunddienste und nehm den Oberärzten Arbeit ab indem ich reinfahr und mir Patienten anschau und nicht der Oberarzt... ist ganz gut aufgeteilt.
Letztlich kommt das aber auch alles von oben. Wenn der Chef eine offene Aorta macht, dann darf ich zwar nicht (vielleicht noch nicht) präparieren, aber die Anastomosen assistiert er mir. Was teils die Hölle ist, weil jeder einzelne Stich so lange korrigiert wird bis er auf den gefühlten hundertstel Millimeter passt. Aber wie gesagt: Chef assistiert Aortenanastomosen seinen Assistenten.
Auch genial: der Carotis-Shunt von LeMaitre. Musst dir mal anschauen. Angeblich sauteuer (irgendwo 400 Tacken wurde mir erzählt) aber viel einfacher reinzulegen als diese starren Röhrchen. Außerdem ist dieses Aufblasen beim LeMaitre-Shunt auch nichts anderes wie die Okklusionsballone die wir für die ACI sowieso hernehmen.
@anignu: Danke für die tollen Berichte. Da bekommt man fast Lust auf das Fach :-)) Hätte ich vielleicht doch eine Famulatur bei der Gefäßchirurgin in meinem Verwandtenkreis machen sollen :-p
Und auch allen anderen vielen Dank für die Berichte! Top Thread :-top
Schorsche
08.08.2018, 16:15
Pädiatrie: hat mir im Studium schon gut gefallen, ein schöner Mix aus verschiedenen Disziplinen, teils anspruchsvolle und immer wieder seltene Krankheitsbilder, ein wenig handwerkliche Arbeit. Was dann nervte, waren vor Allem die überbordende Sozialpädiatrie, Psychosomatik und dass jeder **** auf Wunsch der Eltern "abgeklärt" werden muss - kann ich zwar auch, mache ich aber trotzdem nicht besonders gern. Irgendwann habe ich mich dann lieber auf der kleinen Neo und im Kreißsaal aufgehalten und Transporte gefahren. Deshalb jetzt:
Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin: viel technischer (liegt mir, weil Nerd - Beatmung: :-love), viel Physiologie, viele Zahlen, viel Teamarbeit, ein bisschen Handwerk, das ist dafür aber recht anspruchsvoll; im Vergleich zur Allgemeinpädiatrie erheblich schmaleres Spektrum. Ich liebe Erstversorgungen und irgendwo Schläuche reinzulegen! Mit der Zeit ist man auch in Notfallsituationen äußerlich nicht mehr so angespannt, dass man permanent ein Brett vor dem Kopf hat, das wirkt sich dann natürlich auch auf die Stimmung im Team aus, wie freak1 schon beschrieben hat. Das Ganze hat mit Pädiatrie nur noch begrenzt etwas zu tun, sehr viel Überschneidung mit Anästhesie - das ist für mich mittlerweile auch eine Alternative, die mich mit meinem Lebenslauf nur noch 3,5 Jahre kosten würde. Die Eltern werden in der Regel vernünftiger, wenn die Kinder mal ernsthaft krank sind und man hat ob der Länge der Aufenthalte auch ein bisschen mehr Zeit auf die Familien einzugehen. Mit dem in der Regel kranken und manchmal sterbenskranken Patientengut muss man klarkommen: so schade es auch ist, mit der Zeit grenzt man sich von einzelnen Schicksalen besser ab, nach anstrengenden Tagen nehme ich aber trotzdem noch einiges mit nach Hause.
Anignu - wow, diese LeMaitreShunts sehen ja echt futuristisch aus. Ich bin ja eigentlich nicht so der Techniknerd, aber heute konnte ich bei einer Lungenteilresektion ein neues Staplergerät probieren (Signia von Medtronic) und fand es auch ziemlich gut. Eine Aortenananstomose durfte ich damals auch schon nähen, das hat mir auch Spaß gemacht. Hier ist der OA auch sehr gründlich und guckt sich jeden Stich an :-D
...Die Eltern werden in der Regel vernünftiger, wenn die Kinder mal ernsthaft krank sind ....
Das Phänomen ist mir auch schon aufgefallen. Wenn WIRKLICH was ist, kommt auch keiner mehr mit Homöopathie oder anderem Quark.
Was ich gerade semi off topic gefunden habe: https://youtu.be/Oa8XV27KNAY
Mei, was heißt Techniknerd. Bei den Gefäßchirurgen gibt es so krass viele verschiedene und krass gute Kombinationen an Drähten, Support-Katheter und Führungskatheter, man bekommt sehr sehr viel endovaskulär hin. Daher sind auch die Grenzen wie sie mal in der TASC II stehen eher überholt und deutlich Richtung endovaskulär verschoben. Das Spannende aber: je mehr endovaskulär auch geht, desto wichtiger die Kenntnis der Chirurgie und der Grenzen des Endovaskulären.
Meiner Meinung nach ist die Gefäßchirgie eines der am meisten missverstandenen Fächer. Die Allermeisten wissen überhaupt nicht was Gefäßchirurgie in der heutige Zeit ist, Gefäßchirurgie wird auch bei chirurgischen Kollegen als "die mit den Stinkefüßen" verschrien und die Allerwenigsten haben irgendeine Ahnung davon. Sie bekommen die elektiven Sachen ja gar nicht mit (bei uns sind 80% elektiv) und sehen dann nur eben die Vierer-Stadien oder akuten Verschlüsse in der Notaufnahme.
Ich wollte nochmal auf den Beitrag von juke5489 hinweisen. Den fand ich wertvoll. In so einer plastischen Abteilung würde es mir wahrscheinlich auch Spaß machen zu Arbeiten. Ich mag halt diese quasisinnlosen ästhetischen Operationen von unzufriedenen Leuten nicht, das macht halt anscheinend den Großteil bei den niedergelassenen Plastikern aus. Aber das Spektrum mit Lappenplastiken, Handchirurgie, Verbrennungen etc. finde ich auch spannend.
Oder um es allgemeiner zu schreiben: man sollte sich gut überlegen welches Ausbildungsspektrum man haben will. Will man richtige Gefäßchirurgie machen, sollte man in eine gefäßchirurgische Abteilung die den Namen auch verdient hat.
Wenn nur ein Oberarzt und der Chef selbst Gefäßchirurgen sind und man die Gefäßchirurgie halt so mitmacht weil man halt in dem Kreiskrankenhaus so muss, dann ist das was völlig anderes als wenn man eine eigenständige Abteilung mit riesigem Konsilager hat und alleine schon die Menge an vorrätigen Aortenprothesen, gecoverte Stents, ballonexpandierbare Stents, selbstexpandierbare Stents usw. mehrere Schränke füllen. Rupturierte Aorten? Endovaskulär! Wir haben alles da in so vielen Größen. Drähte, Ballone, Katheter? Auf dem neuesten Stand der Technik. Die Oberärzte werden auch zu Hospitationen in Deutschland rumgeschickt, Teilnahmen an Kongressen auch in USA und England sowieso.
Unfallchirurgie ist da ja ähnlich: wenn Handchirurgiepatienten gleich mal weggeschickt, Kinder nur von einem Drittel der Oberärzte behandelt, Prothesenrevisionen lieber woanders, Schockraum ohne Neurochirurgie, Becken sowieso weg, schwierigere Sachen am Wochenende völlig abhängig vom Oberarzt... für mich ist das gut. Ob für die Unfallchirurgen auch? Deren Problem.
Ich kann nur empfehlen, dass man sich in der Weiterbildung mindestens einmal ein Haus sucht das ein bissl ein erweitertes Spektrum hat. Und sei es nur ein Jahr. Dabei will ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass ein erweitertes Spektrum nicht nur an Unikliniken zu finden ist. Ich arbeite an einem Kreiskrankenhaus und wir machen Gefäßchirurgie auf meiner Meinung nach sehr hohem Niveau. Nicht weit entfernt gibt es eine Uniklinik deren Gefäßchirurgie wurde aus verschiedenen Gründen so zu Grunde gerichtet dass dort aktuell außer Notfällen quasi gar nichts läuft. Das kann aber auch andersrum sein: eine Uniklinik mit riesiger Gefäßabteilung und in der Nähe ein Kreiskrankenhaus mit der beschriebenen Konstellation CA + 1 OA damit man halt bissl Gefäß im schlimmsten Notfall mitmachen kann. Man muss sich also das Spektrum sehr genau ansehen und ggf. einfach dort Hospitieren.
Narchaeum
09.08.2018, 09:14
Danke für eure Antworten!
Viele von euch sind am End dann ja reingerutscht.
Ihr habt Recht, am besten hospitiert man in verschiedenen Häusern. Mein Problem ist fast schon, dass ich mir vieles vorstellen kann und Chirurgie genauso interessant finde wie Augenheilkunde oder Radio.
Also Radio zb muss man schon explizit mögen. 8+ Stunden am Stück in abgedunkelten Räumen sitzem und an Monitoren arbeiten ist nicht für jeden was. Zumal bei Innere vs Radio meistens auch die Affinität zum Patientenkontakt reinspielt.
Ich war schon immer sehr Technikaffin und bei mir stand eigentlich seit Ende der Vorklinik fest das ich Radio machen will. Wenig (aber auch nicht kein!) Patientenkontakt, keine Station die man führen muss, 4-Augenprinzip, riesige Bandbreite von Erkrankungen und man arbeitet mit wirklich allen Fächern zusammen und beeinflusst maßgeblich die Therme bei vielen Patienten.
Ich finde es ist auf jeden Fall gut, wenn man im Alltag Abwechslung hat. Also einen Wechsel von Station, OP, Funktionsdiagnostik, Ambulanz etc. Als Assistenzarzt hat man ja meist Rotationen und da ist irgendwie alles spannend- aber wenn man als Facharzt dann nur noch in Sprechstunden oder im Labor hockt, fände ich das schon recht einseitig. Hier ist es z.B so geregelt, dass die Anästhesisten auch als gestandene Fach- und Oberärzte rotieren zwischen OP, ITS und Palliativstation und einige fahren Notarzt. Das finde ich super. Wenn man zb als Radiologe keine Interventionen macht, ist es glaube ich, irgendwann recht langweilig.
Nessiemoo
10.08.2018, 13:36
Also für mich war es auch extrem schwierig - ich finde, dass Medizin einfach sehr viele verschiedene schöne Seiten hat. Ich fand Anästhesie, Unfall- und Viszeral-chirurgie, Pädiatrie, Strahlentherapie, Neurologie, Hämato-Onkologie etc cool... Ich musste mich einfach mit abfinden, dass es wird für mich nie "den" perfekten Fach geben. Jede Fachrichtung hat ihre sehr schöne, interessante Seiten und eben auch die Nachteile, und durch jede mögliche Entscheidung verzichtet man auf irgendwelche Vorteile und kauft irgendwelche Nachteile ein. Als ich das verstanden habe, habe ich mir zumindest den Stress der Entscheidung verringert. Einfach irgendetwas machen, glücklich und erfolgreich wird man wahrscheinlich in vielen Fächern.
Nach anderthalb Jahren bin ich mit meiner Wahl immer noch sehr zufrieden...
Was man gegeneinander abwägen muss sind ob die Vorteile die Nachteile überwiegen, dabei können folgende Fragen hilfreich sein:
Mag man wirklich wirklich den OP? Operationen an sich finde ich cool, handwerkliche Tätigkeit auch, aber will man es wirklich sein Lebenlang machen? Kommt man mit dem Klima zurecht, mit dem eingehüllt stehen, auch nachts? Nicht aufs Klo gehen können und nichts trinken können?
Mag man viel engen Patientenkontakt? Oder reicht einem die Menge an Patientenkontakt in z.B Anästhesie? Oder gar nicht wie in Radio? (Wobei auch da Interventionen gibt die wie OPs ablaufen) Mag man Stationsarbeit?
Was kann man mit dem Fach danach machen? Niederlassung, auch wenn man es aktuell nicht wünscht? Klinik?
Was ich finde (nach anderthalb Jahren zumindest) nicht so wichtig bei Berufsanfang ist: welche Rotationen sind da notwendig - auch das schlimmste Fach hält man ein Jahr lang durch, glaube ich, und ob man irgendetwas gut kann oder gut abkann... das ändert sich so extrem, man lernt viel dazu, die Vorlieben ändern sich...
@Nessiemoo
Für welches Fach hast du dich denn entschieden? :-micro
WackenDoc
10.08.2018, 18:57
Man ist ja im Zweifel auch nicht bis zu seinem Lebensende auf Gedeih und Verderb an sein Fach gebunden.
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