PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : in eine strahlende Zukunft- der Treffpunkt für Radioonkologen



Seiten : 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 [16]

McLaren422
03.04.2024, 23:27
für die Uni sollte man schon eine Doktorarbeit haben/machen und der Forschung nicht abgeneigt sein.

Chefs hören gerne, dass man z.B. auch vor schwerkranken Patienten nicht zurückschreckt, gute Kommunikationsfähigkeiten hat, gerne interdisziplinär arbeitet und man auch gerne Bildgebung macht. Grundkenntnisse in Innere wären auch nicht schlecht.

Viel Erfolg!

Tramaldol
05.04.2024, 23:44
Was würdet ihr als Gründe für die Fachwahl mit in die Bewerbung nehmen, was hören die Chefs gerne? Mich begeistert vor allem die Möglichkeit Patienten über längere Zeit zu betreuen, am ganzen Körper bzw. an fast allen Organsystemen tätig zu sein und die Schnittstelle zwischen Physik und Medizin.

Wie schätzt ihr die Chancen an beliebten Unistädten ein ohne Vorerfahrung / Diss in dem Fach?

Du beantwortest deine Fragen ja schon selbst. "Die Mischung aus klinischer Medizin (Onkologie) und abstrakter Technik (Radiologie)" Außerdem Arbeit im Team und interdisziplinäres Arbeiten.

Grundsätzlich war und ist Strahlentherapie ein "unbeliebtes" Fach und eine Stelle zu bekommen, gelingt so ziemlich jedem. Auch bei Unikliniken gibt es bessere und schlechtere Läden.

Cor_magna
08.04.2024, 10:22
Grundsätzlich war und ist Strahlentherapie ein "unbeliebtes" Fach und eine Stelle zu bekommen, gelingt so ziemlich jedem.


Werd ich nie verstehen. Hab da mal famuliert, ist doch ein super spannendes Fach!
Noch dazu meist akzeptable bis gute Bedingungen, und es ist auch keine "brotlose" Kunst.

McLaren422
08.04.2024, 19:20
viele haben das Fach einfach nicht aufm Schirm. Die Wissen bis im Studium Q11 kommt nicht mal, dass es sowas gibt... :D

Tramaldol
11.04.2024, 22:56
Werd ich nie verstehen. Hab da mal famuliert, ist doch ein super spannendes Fach!
Noch dazu meist akzeptable bis gute Bedingungen, und es ist auch keine "brotlose" Kunst.


Ein Großteil der Patienten ist palliativ und sehr schwer krank insb. im Vergleich zu operativen Fächern (Patienten noch fit genug für OP), gerade in so großen Klinikun/Unikliniken werden viele schwerkranke palliative Patienten, auch stationär behandelt. Überdurchschnittlich mehr Patienten versterben dort. Das ist nix für jeden. Der Erfolg der Radiotherapie kann manchmal nur von kurzer Dauer sein oder auch garnicht eintreten. Eine Strahlentherapiestation ist auch immer eine halbe Palliativstation, nur mit schlechterer Ausstattung als die Palliativstation.
Dann hat man nicht die heroischen - OP Momente wie in der HNO Klinik oder Urologie, wo die OP die Erkrankung (im Idealfall) komplett schnell beseitigt, sondern begleitet z.B. HNO Patienten wochenlang mit unschönen Nebenwirkungen.
Zugegeben Mamma-CA, Prostata-CA Patienten oder die Patienten mit Gutartigen Erkrankungeb haben sehr sehr selten schwere oder oft garkeine Nebenwirkungen.

Zilia
12.04.2024, 08:19
Ein Großteil der Patienten ist palliativ und sehr schwer krank insb. im Vergleich zu operativen Fächern (Patienten noch fit genug für OP), gerade in so großen Klinikun/Unikliniken werden viele schwerkranke palliative Patienten, auch stationär behandelt. Überdurchschnittlich mehr Patienten versterben dort. Das ist nix für jeden. Der Erfolg der Radiotherapie kann manchmal nur von kurzer Dauer sein oder auch garnicht eintreten. Eine Strahlentherapiestation ist auch immer eine halbe Palliativstation, nur mit schlechterer Ausstattung als die Palliativstation.
Dann hat man nicht die heroischen - OP Momente wie in der HNO Klinik oder Urologie, wo die OP die Erkrankung (im Idealfall) komplett schnell beseitigt, sondern begleitet z.B. HNO Patienten wochenlang mit unschönen Nebenwirkungen.
Zugegeben Mamma-CA, Prostata-CA Patienten oder die Patienten mit Gutartigen Erkrankungeb haben sehr sehr selten schwere oder oft garkeine Nebenwirkungen.

Entspricht genau meinen Erfahrungen.

Tramaldol
14.04.2024, 11:17
Hinzukommt die fatale Ökonomisierung in der deutschen Klinikmedizin. Klar es gibt die auch in anderen Fächern: Mehr Koronarangiographien oder Hüft-TEP als nötig wegen der Abrechnung, oder der Patient muss 24h stationär aufgenommen sein wegen der Abrechnung, aber gerade am Ende des Lebens kann man von einer Art "Leichenflederei" reden. Bei Knochenmarkstransplantationen gibt es eine Abrechnungsregel, dass der Patient 100 Tage überleben muss. Das führt, wenn es leider nicht funktioniert, dazu, dass die Patienten um jeden Preis 100 Tage, egal wie, leben.
Und auch große bettenführende Strahlentherapien reihen sich da ein. Die Station ist leer und es wird alles übernommen, was nicht bei 3 auf den Bäumen ist. Eine Strahlentherapiestation ist nicht primär als Hospiz gedacht. Trotzdem wird man damit bei "leerer Station" mit diesem "Teilzustand" konfrontiert in seiner Ausbildung.
Jemand hat mal gesagt: "Man muss aufpassen, dass man als Strahlentherapie nicht zum Mülleimer der Klinik wird"

Na gut, dann hat man das nach seiner Ausbildung hinter sich und dann erlebt man das ganze nur noch im ambulanten Bereich. Viel Leid und Elend, unschöne Situationen, schlechte Nachrichten dauernd überbringen, wird man dort auch haben.

Man wird immer mit hauptsächlich vielen älteren und sehr kranken Patienten zu tun haben. Aus folgenden Grund: Viele sind nicht fit genug für die OP oder die Erkrankung ist schon weiter fortgeschritten, so dass eine OP nicht möglich ist. Oder man geht davon aus, dass die Spätfolgen der Strahlentherapie vom Patient nicht erlebt werden.
Auf der anderen Seite kann man inoperablen Patienten helfen und organerhaltend (z.B. Blase oder Kehlkopf) behandeln. Gerade bei Prostata- oder Mamma-CA, kann die Lebenserwartung oft 5-10 Jahre + X sein trotz Metastasierung und man kann immer im kleinen-lokal helfen.

Zuletzt gibt es die (politisch gewollte) Entwicklung mit den vielen "kleinen Einrichtungen". Die Beschleuniger sind bekanntermaßen nicht gerade günstig. Man brauch Fach-Personal und noch ein CT zum planen. Während in den anderen europäischen Ländern 4-6 Linearbeschleuniger an einem Ort mit großen Zentrum stehen. Gibt es hier sehr viele kleine wohnortnahe Zentren, oft nur mit einem Gerät, das auch mal ziemlich angestaubt sein kann. Denn früher (so bis 2009-2010) waren viele Gebiete frei und man bekam nach Antrag einfach so für nix einen Kassensitz der KV, der jetzt hundertausende bis Mio wert ist.
Wie auch in der Radiologie dürfte es in Europa eine sehr hohe Anzahl an Geräten pro Einwohner sein. Dass das nicht so ganz sinnvoll ist, ist ein anderes Thema.
Es stellt sich die Frage, ob die Politik das so einfach weiterfinanzieren wird. Zuletzt hat es die Homöopathie Lobby geschafft, dass ihr wertloser Krempel weiter durch die Krankenkassen finanziert wird als GKV Leistung. Es wird alles so bleiben.

McLaren422
14.04.2024, 15:10
Zum Patientengut: Strahlentherapie ist ein hauptsächlich ambulantes Fach. 80% der Patienten kommt zu Fuß zu uns und die meisten haben auch einen kurativen Ansatz (schätze so 60%). Die wenigsten kommen mit dem Bett von Station. Und selbst denjenigen, den man nicht mehr kurativ helfen kann, kann man die Krankheit stabilisieren (Stereotaxie etc), ohne, dass sie gleich als palliativ gelten.
Auch die Strahlentherapie-Patienten auf Station sind oftmals unkompliziert, die kommen meistens zur Radiochemotherapie. Selten kommen auch mal welche, die aufgrund vom schlechten Allgemeinzustand stationär bestrahlt werden. Diese sind dann komplizierter und kommen oftmals Onko-Patienten nahe.

Nach 1 Jahr auf der Onko muss ich sagen, dass die Strahlenpatienten deutlich unkomplizierter und fitter sind. Die Onko-Station war zu über 50% Palliativstation/Hospiz.

Jetzt das große Aber: Auch wir kriegen immer mehr schwerstkranke Patienten, mit massiv fortgeschrittener Erkrankung, die immer komplizierter werden, immer mehr Vorbehandlungen und Vorbestrahlungen haben, diverse Baustellen, man weiß nicht, wo man anfangen soll... Selbst ich, der seit 2021 dabei ist, merke das massiv. Laut meinem leitenden Oberarzt war das 2010 noch ganz anders. Dieser Prozess hat seit 2022 massiv zugenommen.

Bille11
14.04.2024, 15:41
Stimmt - ich erinnere mich an das erste Mal angefordert werden, den ICD bei der Strahlentherapie zu deaktivieren, anschliessend aktivieren und auslesen lassen UND bitte das Ganze für 16-32 Sitzungen a 5min als Serviceleistung von ITS in einem Zeitraum zu betreuen. Mit Rea-Wagen, Monitoring, Kardiologen, etc..
Nach der 3. Sitzung gabs nen von der Kardiologie gemanagten Magneten an die Strahlentherapie (geliehen, haha) geschenkt, eine Einweisung, wie der fixiert wird & meine und des Intensiv-Assistenten Nummer auf nem Zettelchen und vom Kardiologen die Bitte, erst nach absolvierteM Strahlenzyklus wieder anzurufen… :-))
Aber hübscher Behandlungsplatz war das… und man hatte nicht nur Sorge, sondern auch Schokolade! :-love

Tramaldol
14.04.2024, 15:46
Nun kommt immer drauf an, wieviele Betten vorhanden sind. Wenn es 30 oder 50 Betten gibt, müssen die dann auch gefüllt sein, komme was wolle. Klar man kann in eine Abteilung mit 10 Betten gehen oder garkeinen. Oft kann man sich das nicht so aussuchen. Es gibt, weil man die Geräte nicht überall braucht, das Fach nicht in jedem Krankenhaus wie Innere. Oder man pendelt/muss umziehen.

Ja die komplexen Patienten nehmen zu, weil die Patienten immer länger leben, es neue Therapien gibt und auch neue Bestrahlungstechniken/Erkenntnisse, die auch Rebestrahlungen oder Überschneidungen mehr erlauben als früher.

Also das sind die Gründe, warum das Fach wenig beliebt ist. Ich denke die Vorteile (familienfreundlich, Lokaltherapie, Vermeidung von OPs mit schwersten Folgen für die Lebensqualität (Kehlkopfresektopn, Zystektomie, Prostataektomie, Anal-Ca...), Oligometastasierung, oft wenig Nebenwirkungen, interdiszi. Arbeit im Team und Arbeit mit Technik und onkologisches Arbeiten uvm.) wurden hier schon oft genannt.

Angiotensin1
29.09.2024, 21:21
Hallo zusammen! Ich hätte eine Frage zur Facharztprüfung: Wie lange und womit habt ihr gelernt? Gibt es Buch-Empfehlungen? Ich habe bisher viel im "Strahlentherapie kompakt" Giordano/Wenz gelesen. Die aktuelle Auflage ist aber von 2019 und damit inzwischen der Stand von vor 5 Jahren. Habt ihr vielleicht Empfehlungen? Vielen Dank im voraus :)

alex1
24.10.2024, 07:00
Hallo zusammen.

Wir sind eine grössere Uniklinik in der Schweiz und haben ab Anfang 2025 eine offene Weiterbildungsstelle.

Bei Interesse, gerne PN.

Tramaldol
29.10.2024, 13:47
Hallo zusammen! Ich hätte eine Frage zur Facharztprüfung: Wie lange und womit habt ihr gelernt? Gibt es Buch-Empfehlungen? Ich habe bisher viel im "Strahlentherapie kompakt" Giordano/Wenz gelesen. Die aktuelle Auflage ist aber von 2019 und damit inzwischen der Stand von vor 5 Jahren. Habt ihr vielleicht Empfehlungen? Vielen Dank im voraus :)

Es gibt keine guten allumfassenden Lehrbücher in der Strahlentherapie mehr. Das Wissen ist leider immer schnell veraltet. Morgen kommt schon wieder ne neue Studie aus dem UK, Holland oder Norwegen und schon steht es im Lehrbuch falsch.
Grundlagen der Technik, der Strahlenbiologie bleiben gleich, ja klar. Gut ist hier z.B. auch der Kanal von Prof. Vorwerk
Aber Behandlung z.B. Mammakarzinom und Prostatakarzinom. Da sollte man sicherlich nicht auf ein Buch von 2019 sich verlassen.
z.B. bei Mammakarzinom die aktuelle S3 Leitlinie (quasi ein langsamer Wal, wo so langsam mit und mit der aktuelle Therapiestandard übernommen wird) oder besser AGO Leitlinie, wo man doch etwas mehr am Puls der Zeit ist.
Gut ist letztendlich auch RadioOnkoUpdate (wenn auch teuer), die Fortbildung in Erlangen oder die DEGRO Refresherkurse auf dem Kongress (es gibt sie auch in der Videothek der DEGRO).

Ich war mal an einer großen Uniklinik im Ruhrgebiet und da konnte man sich alle radioonkologische Sachthemen selbst beibringen. Der Chef hatte sein Grüppchen mit ein paar Oberärzten und sie besprachen alle Patienten mehrere Stunden morgens. Auf Nachfrage, warum man nicht beteiligt wird, er habe nur Zeit mit "Profis" zu arbeiten. So ist der Lerneffekt viel zu gering.
Bezeichnend war, dass sein Vorgänger (unter dem er auch gearbeitet hat) es genau anders gemacht hat und alles lang und breit erklärt und besprochen hat. Typischer Boomer Egoist. Interessant, dass sich da immer wieder Personal findet.

Besser ist es denn Patient von A-Z zu betreuen. Inkl. Planerstellung. Abschluss usw.

McLaren422
10.06.2026, 22:20
so, bin seit heute auch Facharzt für Strahlentherapie :-party :o

Bin froh, dass es nun endlich rum ist, die Vorbereitungszeit war nicht gerade geil. Prüfung war aber extrem fair!

FirebirdUSA
13.06.2026, 12:36
Herzlichen Glückwunsch!

McLaren422
15.06.2026, 20:39
danke dir :)