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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Studium in Österreich Dr. med. in Deutschland



ueen
28.09.2018, 16:00
Hey, hoffe jemand hat Erfahrung damit oder Ideen wie ich da vorgehe, folgendes: ich studiere in Innsbruck (Österreich) mache dort den Humanmedizin Abschluss (Diplom) und erhalte dort, nach schreiben einer Diplomarbeit, den Titel “Dr. med. univ.“, dieser ist, soweit ich weiß, nicht Äquivalent mit dem deutschen “Dr. med.“.(Approbation kann ich in Deutschland dann normal beantragen).
Meine Frage, kann ich die Dipolmarbeit in Deutschland anerkennen lassen oder abwandeln, um den deutschen Titel zu erhalten? Wie, unter welchen Voraussetzungen und muss ich mich direkt an eine Uni oder das LPA wenden?
Hoffe jemand kennt sich ein wenig aus (ich leider momentan gar nicht), jede Hilfe ist willkommen, danke!
Viele Grüße ueen

davo
28.09.2018, 16:29
Die große Frage ist meines Erachtens: Wozu überhaupt? Bringt dir doch gar nix. In Deutschland arbeiten kannst du sowieso, "Herr Doktor" bist du sowieso, von Wissenschaft hast du gleich wenig Ahnung wie die meisten deutschen Dr. med.s, und ob vor deinem Namen jetzt Dr. med. oder Dr. med. univ. steht wird weder deine Patienten noch deine Kollegen interessieren. Du kannst den Dr. med. univ., so wie jeden akademischen Grad aus einem anderen EU-Land, in genau dieser Form in Deutschland führen. Du darfst dich aber natürlich nicht "Dr. med." nennen, denn diesen akademischen Grad hast du ja nicht.

Um deine Frage dennoch zu beantworten: Sobald du dein Medizinstudium in Österreich abgeschlossen hast, kannst du dich an einer deutschen Uni zur Promotion einschreiben und, sobald du einen Betreuer gefunden hast, die Promotion anmelden. Details dazu findest du in der Promotionsordnung des Fachbereichs Medizin der jeweiligen Uni. Dazu ist also das Verfassen einer zweiten Arbeit nötig. Das LPA hat damit überhaupt nichts zu tun.

Viel sinnvoller wäre da allerdings der österreichische Dr. scient. med. (mit einem deutschen Medizin-PhD vergleichbar), denn die meisten deutschen Doktorarbeiten sind den österreichischen Diplomarbeiten vom Niveau her ähnlich...

ueen
28.09.2018, 17:21
Danke für die Antwort, damit wäre das wo (direkt bei einer Uni) schon mal geklärt :-D
Da das Niveau gleich ist, hätte ich lieber den deutschen “Dr. med.“ Titel, einen PhD erhält man in AT erst nach drei weiteren Jahren Studium, da ich als Arzt arbeiten möchte für mich nicht interessant.
Kann verstehen wenn man mit Titeln nichts anfangen kann, aber ich möchte gerne den deutschen “Dr. med.“ der ja (in Deutschland) etwas angesehener ist als “Dr. med. univ.“ oder gar kein Titel (als Arzt).
Bleibt noch die Frage wie genau vorzugehen ist, kann ich die Diplomarbeit in Deutschland anerkennen lassen, muss ich etwas komplett neues schreiben und kann ich schon vor Abschluss damit beginnen (wie in DE ja auch üblich).

davo
28.09.2018, 17:51
Um es nochmal etwas klarer zu sagen: Ich finde das völlig unnütz. Es wird 99% der Leute völlig egal sein ob du einen Dr. med. oder einen Dr. med. univ. hast. Bei mir an der Uniklinik gibt es einige Assistenzärzte mit Dr. med. univ. Wenn du wissenschaftlich Karriere machen willst, gibt es ohnehin nur eine anerkannte Währung: Publikationen in referierten Journals. Wenn du die hast, wird niemanden interessieren, dass du einen Dr. med. univ. hast. Und wenn du die nicht hast, wird dich auch mit Dr. med. niemand ernstnehmen.

Ich habe extra "Sobald du dein Medizinstudium in Österreich abgeschlossen hast..." geschrieben, da die Promotionsordnungen, die ich kenne, nur Studenten der eigenen Uni ermöglichen, sich bereits während des Studiums zur Promotion anzumelden. Ausländische Studenten können sich in der Regel erst nach dem Abschluss zur Promotion anmelden. Und nein, natürlich kannst du nicht dieselbe Arbeit nochmal verwenden (deshalb hab ich ja auch "Dazu ist also das Verfassen einer zweiten Arbeit nötig." geschrieben) - die meisten Unis haben ja diverse Regularien, die ganz klar ausschließen, dass man eine Arbeit, für die man bereits einen akademischen Grad bekommen hat, nochmal für einen anderen akademischen Grad benutzt. Das widerspricht ja auch allen wissenschaftlichen Prinzipien - und einfach dem Hausverstand. Und wie ich ebenfalls bereits geschrieben habe: "Details dazu findest du in der Promotionsordnung des Fachbereichs Medizin der jeweiligen Uni." Du wirst also nicht drumrum kommen die zu lesen :-p

ueen
28.09.2018, 19:04
Hab ich ja gelesen.
Hab aber nicht nach deiner Meinung gefragt, sondern nach konkreten Erfahrungswerten.
Über hilfreiche Anworten würde ich mich weiterhin freuen :)

Oxid
28.09.2018, 19:16
Davo hat da schon recht in meinen Augen. Ansonsten - "einfach" den Dr. med während deiner Assistenzarztzeit in Deutschland machen.

ueen
28.09.2018, 19:44
Klar das geht natürlich, ist ja nicht so, dass ich wissenschaftlich uninteressiert bin, wenns ein gutes Thema gibt nehm ich mir die Zeit. Ist nur die Frage ob's jemand schon mal gemacht hat und wie das Procedere praktisch abläuft.

Feuerblick
29.09.2018, 20:46
Naja, praktisch läuft das so ab, dass du in Deutschland wie alle anderen auch eine Doktorarbeit machen muss. D.h. Thema und Betreuer suchen, bei der Uni, zu der dein Doktorvater gehört anmelden, Daten erheben, schreiben, verteidigen. Dauert mit etwas Pech ein paar Jahre.
Anerkennen lassen oder die Arbeit aus Österreich hier nochmal einreichen, klappt nicht (siehe davo).

Ich kenne jemanden, der hat eine Doktorarbeit hier in D gemacht. Aber nicht, weil der Titel „angesehener“ wäre (Titel sind hierzulande inzwischen auch nicht mehr wichtig...) sondern weil er habilitieren wollte.

ueen
29.09.2018, 21:49
Das ist natürlich sehr interessant, eine Habilitation ist natürlich dann in Deutschland auch nicht möglich, daher wäre die deutsche Promotion natürlich auch sehr interessant (wer weiß was ob sich das nicht doch mal ergibt).
Hast du da noch weitere Informationen wie das bei deinem Bekannten genau lief?

Feuerblick
29.09.2018, 21:55
Nein, genauere Informationen hab ich nicht. Der Bekannte war mein Oberarzt und da mich persönlich dieser Werdegang nicht interessiert hat, habe ich nicht gefragt. Allerdings gehe ich davon aus, dass es genau lief wie oben beschrieben. Er hat sich als Assistenzarzt hier in D einen Doktorvater und ein Thema gesucht, Daten erhoben und wie alle anderen auch eine Doktorarbeit verfasst. Nach der Promotionsordnung der Uni, an der er gearbeitet und promoviert hat. Nichts anderes, nichts besonderes.