Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Assistenzarzt Psychiatrie/Psychosomatik: Vorbereitung?
WackenDoc
30.10.2018, 14:20
Basis-EKG-Diagnostik sollte man schon im Studium gelernt haben. Beherrschen erwartet da niemand. Und man kann ja auch nachschlagen.
was ich geschrieben habe, war das, was man sich in der Vorbereitung mal durchlesen kann. Es fordert eigentlich keiner, dass man es am Anfang kann.
Nessiemoo
03.11.2018, 16:58
Das hängt auch viel davon ab in welchem Haus man anfängt. In unserer Uniklinik fragen die Psychiater (teilweise auch per SOP von oben) die Internisten alles und zuletzt hat eine KJPlerin behauptet sie dürfe das EKG nicht selber befunden. Und jede rote Zahl im Labor muss auch internistisch besprochen werden. Die Chirurgen stellen ein Konsil wenn man mal Xarelto auf Clexane umstellen muss... und naja, ich kann ja wirklich keine Verbände machen und rufe da wirklich schnell bei den Chirurgen an. Das ist natürlich in einem kleinen Haus wo z.B nur Psychiatrie gibt bestimmt etwas anders.
Borisdiekatze
14.11.2018, 13:08
Danke! Also wenn noch jemand Sachen zu ergänzen hat, die man vorher am besten wiederholen sollte, gerne reinschreiben!
Gleiches gilt für konkrete Buchempfehlungen.
Ich habe mir u.a. nach Forumsuche jetzt diese hier zugelegt/ausgeliehen:
- Das AMDP-System
- Leitfaden zur Erfassung des psychopathologischen Befundes
- Akutpsychiatrie. Das Notfall-Manual
- Die psychiatrische Notfallmedizin: Management und Therapie
- Psychiatrische Notfälle: Erstmaßnahmen - Einweisungsrichtlinien - Fallbeispiele
- Mein erster Dienst. Psychiatrische Notfälle
- Psychopharmakotherapie griffbereit
- Kompendium der Psychopharmakotherapie
- Facharztwissen Psychiatrie
- Fallbücher
- Klinikleitfaden
In den "Schwerer" habe ich hineingeschaut, gefiel mir aber nicht richtig. Den Berger habe ich noch vom Studium.
Viel zu viel: Es reicht ein Buch für Notfälle, eines für Pharmakologie und eines für Psychopathologie. Alles andere ist Lernen in der Praxis und am hoffentlich guten Vorbild (OA), Supervision und Selbsterfahrung.
Sehe das wie Rafiki. Man braucht ein Arzneimittel pocket, irgendwas über das AMDP-System und ein vernünftiges Lehrbuch. Das reicht dicke für den Anfang. Vor allem Notfallmanagement lernt man gerade in der Psychiatrie nicht aus Büchern, sondern im klinischen Alltag unter Supervision. Ein paar Grundlagen diesbezüglich (z.B. keine Benzos bei unklarer Intoxikation, kein Distra bei Patienten mit COPD usw.) bekommt man im besten Fall mit, bevor man selbstständig Entscheidungen unter Druck treffen muss.
Das AMDP System und das Kompendium der Psychopharmakotherapie (Hippius/Benkert) sind die die einzigen sinnvollen Anschaffungen für den Anfang. Später kauft man sich eher spezielle Fachliteratur und ein Facharztbuch. Die Arznei aktuell App (Ifap) hat bei mir irgendwann Arzneimittel Pocket abgelöst. Einzig noch den Oberarzt der geschlossenen Station um einen Crashkurs für die Rechtgrundlagen bitten. Mehr Wissen brauch man erst mal nicht. Denn dafür gibt es ja noch nen Oberarzt. Leitlinien kann man im Internet nachlesen. Die meisten Kliniken haben auch zu vielen Studiensammlungen zu Gang. Diese Ganzen Kurzlehrbücher/Klinikleitfaden haben für mich selten einen Nährwert gehabt.
Das AMDP System ist völlig blutleer und führt zur Verflachung der angewandten Psychopathologie. Wirklich was lernen kann man aus dem Scharfetter und bei intensivem Interesse natürlich vom alten Jaspers.
Es ist aber Bestandteil des Facharztes Curriculums und du musst für den Facharzt Psychiatrie und Psychtherapie auch den AMDP Kurs machen. Von daher muss man sich damit auseinander setzen.
Im Saarland musste man diesen Kurs irgendwie nicht machen. (also ernst gemeint jetzt)
In Nordrhein schon. Vielleicht ist das wieder so ein willkürliches Ärztekammer Ding?
Borisdiekatze
16.11.2018, 16:22
Danke! Mit dem AMDP-System wollte ich mich auf jeden Fall auseinandersetzen. Meine Psychiatriefamulatur war glaube ich vor 5 Jahren oder so und da habe ich kaum etwas gemacht. Also ich muss selbst die Anamnese vorher echt üben. Neurologische Untersuchung gab es woanders praktisch auch nicht. Psychopharmakotherapie pocket finde ich ganz sympathisch, weil es so dünn ist und laut Autor wirklich praxisbezogen ... Das wirkt irgendwie schaffbar.
Und darauf, dass ich zu Anfang nichts können muss, möchte ich mich lieber nicht verlassen :-blush Wenn ich das richtig verstanden habe, habe ich gleich zu Anfang eine Station alleine, wohl keine Einarbeitungszeit. Wie das gehen soll, weiß ich noch nicht. Ich kann im Moment gefühlt gar nichts mehr :D Selbst "Notfalllabor" konnte ich eben nicht mehr richtig mit Inhalt füllen. EKG muss ich auch wiederholen ... Und diese ganzen Kleinigkeiten: Schlafmedis, Laxantien, keine Ahnung. Weiß ich alles nicht mehr.
Dir wurde vor Berufsstart gesagt, dass Du direkt alleine eine Station versorgen sollst und keine Einarbeitungszeit hast? Und Du hast da angefangen??
Borisdiekatze
16.11.2018, 18:47
Also auf Nachfrage hat man mir gesagt, dass auf der Station kein zweiter Assistenzarzt ist. Nur ein Psychologe. Dass der Oberarzt aber bei Problemen ansprechbar ist.
Man wusste aber, dass ich keine Berufserfahrung habe, also das wurde auch explizit angesprochen. Und Psychiatrie nicht im PJ. Und die waren im Gespräch wirklich sehr nett. Also mal sehen, was da jetzt wirklich rauskommt. Ganz ohne Einarbeitungszeit kann ich mir gar nicht vorstellen. Wie soll das denn gehen? Und ich war erst einmal sehr froh, dass ich die Stelle gleich hatte.
Feuerblick
16.11.2018, 19:05
Ja, nee, is klar... und das hast du denen geglaubt? Dass du die Stelle „gleich“ hattest könnte nicht damit zusammenhängen, dass die der deutschen Sprache mächtigen Bewerber nicht gerade Schlange stehen? Oder sich sonst einfach niemand auf „keine Einarbeitung“ einlassen wollte?
Von der Konstellation habe ich schon gehört. Die Realität: Assistenzarzt völlig überfordert, übersieht wichtige Dinge, vergisst verschiedene Dokumentationen etc. OA ist nie ansprechbar, im Urlaub, krank... Effektiv gab es in dieser Konstellation Patienten, die haben über Wochen stationär NIE einen Facharzt gesehen. Und das KH dann auch kein Geld für die Zeit, weil keine auch nur ansatzweise den Richtlinien entsprechende Versorgung...
Und die waren im Gespräch wirklich sehr nett.
Wie naiv bist du? Natürlich sind die "nett", haben sich wieder ein Ausbeutungsopfer an Land gezogen.
Ganz ohne Einarbeitungszeit kann ich mir gar nicht vorstellen. Wie soll das denn gehen?
Was verstehst du unter Einarbeitungszeit? Du hast studiert und Stationsarbeit hoffentlich spätestens im PJ kennengelernt. Jetzt heißt es arbeiten:-))
Borisdiekatze
16.11.2018, 19:38
:eek::eek: Ach man ... Ich hospitiere da einfach mal vorher.
Ich war von der Zusage erst völlig erstaunt, habe dann aber sofort dankbar zugegriffen.
WackenDoc
16.11.2018, 20:05
Wieso willst du da noch hospitieren? Du hast die Stelle doch schon und schon zugesagt?
Borisdiekatze
16.11.2018, 20:11
Um halt erstens mitzubekommen, wie es da wirklich läuft und zweitens als Ersatz für die Einarbeitung? Dann weiß ich zumindest schon einmal, wo was ist.
WackenDoc
16.11.2018, 20:15
Eine Hospitation hat rein gar nichts mit einer Einarbeitung zu tun. Und während einer Hospitation bekommst du das nicht mit.
Alleine schon, dass du ohne Einarbeitung eine Station schmeissen sollst und das mit deinen Voraussetzungen ist schon die Verar*** schlechthin.
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