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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ein paar einsatztaktische Überlegungen...



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WackenDoc
29.12.2018, 20:04
CO-Warner ist friedlich. Andere Drogen- kein Hinweis.
Sklerenikterus kannst in der Lage nicht erkennen- aber nein. Auch nach umlagern keiner.

Eingenässe- haben wir nicht geprüft- aber welche Erkenntnis bringt das in der Lage wirklich?

Stifneck kannst dann anbringen, wenn du ihn bewegst.

Zum intubieren müsste man ihn umlagern und irgendwie der der Platz da allgemein nicht so der Hit (schlechte Lichtverhältnisse, Trinkerhaus, die blutlache, wenig Platz.

Ok, ihr habt jetzt NEF und RTW da.

Euch fehlt aber tatsächlich eine entscheidende Überlegung/Erwägung.

Und es gibt eine Ursache, die für seinen aktuellen- sehr schlechten- Zustand mit verantwortlich ist (aus den Infos die ich euch gegeben habe ableitbar)

Heerestorte
29.12.2018, 20:15
Wärmeerhalt? Dünneres Blut, stärkere blutung wegen C2-Intox?
Ob er vielleicht ausgerutscht ist, ergo nasses Treppenhaus?
Theoretisch auch denkbar, dass es einen Streit gab und er eine Messerwunde/sonstige Wunde hat, die ihm zugefügt wurde und keine KPW?

WackenDoc
29.12.2018, 20:39
Wärmeerhalt ist eine gute Idee. In der Lage etwas schwierig.
Treppenhaus ist unauffällig.

Ahhhh- der letzte Punkt ist der entscheidende. Wer sagt denn dass die Annahme "ist im Suff die Treppe runter gefallen" überhaupt stimmt? Hat er andere Wunden, kommt die KoPLaWu überhaupt vom Sturz?

Das ist die Überlegung worauf ich hinaus wollte. Sie ist wichtig wegen der Eigensicherung, der Suche nach weiteren Verletzungen und evtl. gibt es für die Polizei ja auch noch einen Tatort zu sichern.

Da es weniger um die medizinsichen Aspekte geht, verrate ich euch, dass EINS seiner aktuellen Probleme das SHT in Folge des Sturzes ist. Die Pupillen wurden dann im Verlauf seitendifferent.

Er hat noch ein anderes gewaltiges Problem was in einem anderen Kontext wohl eher als Problem wahrnehmbar wäre.

Heerestorte
29.12.2018, 20:45
Keine Versichertenkarze dabei? :-))
Kein fester Wohnsitz?

Oops!
29.12.2018, 21:25
Okay, Heerestortes und deinen Hinweis aufnehmend:

es gab eine körperliche Auseinandersetzung unter Saufkumpanen.
Unser Patient hat ordentlich was über den Nüschel bekommen.
Ich beginne nach Umlagerung den Bodycheck, fange am Kopf an.
Tastbare Hämatome oder Löcher/ Stufenbildung im knöchernen Schädel?
Krepitationen?
HWS, Thorax das gleiche Programm - Rippenbrüche?
Becken stabil?

Ich würde gern sehen, ob freie Flüssigkeit im Abdomen vorhanden ist.
Wenn er übel zugerichtet wurde, würde ich über einen Schlag/ Stoß auf Leber (sein Kontrahent war nicht zufällig Kirmesboxer und hat ihm einen Leberhaken verpasst?), ggf. durch Gewalteinwirkung durch den Gegner oder Treppensturz evtl. Milzruptur oder Verletzung an den Nieren denken.

Die Frage nach dem Einnässen bringt mich nicht weiter - ich wollte nur abschätzen, wie tief ggf. die Bewusstlosigkeit gewesen sein könnte, so dass er eingenässt hat.

Schnappatmung spricht für einen bevorstehenden Kreislaufstillstand, aber da er ja brav ordentlich schnauft, kann es auch aufgrund einer Überanstrengung beim Kampf oder aufgrund eines Stoßes auf den Plexus Solaris geschehen sein.
Gegebenenfalls Vagus überreizt dadurch, Bewusstlosigkeit, Treppensturz.
Oder er wurde die Treppe runtergetreten, nachdem er ein Stockwerk höher k.o. gegangen ist.

Beim Bodycheck noch Kontrolle des Rückens - steckt ihm ein Messer irgendwo?
Hämatome sind keine erkennbar?
Würgemale am Hals? Einblutungen in den Skleren?

Wenn die Pupillen indifferent werden sofortiges Load and Go - Va Subdurales Hämatom oder Blutung.

EKG weiterhin unauffällig?

Abdomen weich?
Auskultation ergibt welchen Befund?

WackenDoc
29.12.2018, 21:46
Freie Flüssigkeit kannst du da nicht ausschließen- in keinem Landkreis in dem ich fahre hast du ein mobiles Sono. Ich hätte es da auch nicht ausgepackt.

WIr haben uns damals aufgrund der Umstände für eine sehr schnelle Rettung entschieden. U.a. wurde auch langsam ein anderer Bewohner, der zu seiner Wohnung wollte (war halt was doof, weil auf dem Treppenabsatz kein platz war ihn durchzulassen und wir echt am rödeln waren) etwas unentspannt.

Im Bodycheck findet ihr keine anderen Verletzungen.

Er hat ein Problem, was ihr eigentlich schon direkt gefunden habt.

Heerestorte
29.12.2018, 21:55
Volumenmangel?

Oops!
29.12.2018, 22:03
Gibt es in der Wohnung des Patienten noch einen weiteren Patienten?
Also hat er jemand anderen ausgeknockt? Ist seine KPW durch Notwehr des Opfers entstanden?

Feuerblick
29.12.2018, 22:07
Angesichts der beschriebenen „häuslichen“ Situation würde ich ja lieber auf multiplen Substanzge-/missbrauch tippen.

WackenDoc
29.12.2018, 22:19
Heerestorte hat die Lösung gefunden: Der Patient hat einen dicken Volumenmangel.
Kopfplatzwunden werden gerne mal unterschätzt. Das Stoppen der Blutung (war halt nicht erkennbar, ob es noch blutet und wo genau) war tatsächlich eine der ersten Maßnahmen. Und das war echt ein Problem mit der Blutlache, dass sich nicht das Team noch komplett einsaut.

Also Blutung stand, was für den Blutdruck getan und siehe da, die GCS stieg von 3 auf 10 oder so.

Die Überlegung, ob es noch weitere Patienten gibt, ist auch etwas, das man beachten sollte.

Andere Intoxikationen- ja möglich. In dem speziellen Fall hat das Klientel nicht so ganz gepasst. Die trinken tatsächlich nur.

WackenDoc
29.12.2018, 22:26
Und schon ergibt sich das nächste Problem: Wohin?

Ihr seid ziemlich in der Pampa. Ihr habt zur Auswahl: 2 kleine Regelversorger dahin fahrt ihr so ca. 10min. Einen Maximalversorger- hey, sogar mit Neurochirurgie etwas mehr als 20min entfernt und einen zweiten, da seid ihr so knapp ne Stunde unterwegs.

h3nni
29.12.2018, 22:29
Können die Regelversorger denn ein CT? Wenn ja, würde ich denken, dass die fürs erste auf jeden Fall reichen, wenn nicht, eigentlich auch fast. Wobei 10 Minuten Unterschied mich eher zum Maximalversorger fahren lassen würden.

Oops!
29.12.2018, 22:33
Ich ziehe aufgrund der Pupillen den Versorger mit CT und Neurochirurgie vor.

Gab es nach Behebung des Volumenmangels eine Veränderung der Pupillen abgesehen von GCS?

WackenDoc
29.12.2018, 22:48
Die Pupillen wurden während der Fahrt seitendifferent wenn ich mich recht entsinne.

Achso- ich hab noch ein Haus vergessen- 10 Flugminuten zu einem recht leistungsfähigen Haus mit einem neurochirurgischen Schwerpunkt und Schockraum, beides 24/7 verfügbar.

Oops!
29.12.2018, 22:53
10 Flugminuten wäre die ideale Lösung, Frage nur: fliegen die nachts in der Gegend? Und wie schnell könnten sie die Einsatzörtlichkeit erreichen und käme es dann nicht auf dieselbe Zeit raus als würde der Transport bodengebunden erfolgen?

Wenn die Pupillen erst während der Fahrt indifferent wurden, wart ihr sicher auf der Anfahrt zum nächsten Regelversorger, habt dann aber umentschieden zum Versorger mit Neurochirurgie.
RTH war bis dahin vermutlich nicht im Spiel.

WackenDoc
29.12.2018, 23:00
Ne, die beiden Regelversorger waren da schon raus. Das war schon klar, dass der Patient da nicht richtig ist.

Und richtig- RTH lohnt sich bei kleinen Zeitdifferenzen nicht. Es sei denn du hast nen anderen Grund zu fliegen. Die Vorbereitung ist relativ aufwändig. Und du kannst halt auch unterwegs nicht soo viel machen.

Aber ups- der RTH ist nicht verfügbar (wir haben da verschiedene, ich weiss aber nicht mehr genau welcher was kann. Es gibt einen, der nachts bestimmte Plätze anfliegen kann.

Die Antwort des nähergelegenen Maximalversorgers "wir sind abgemeldet, holt euch doch den RTH und lasst in einen der beiden anderen fliegen".

Und nu? Welche Möglichkeiten habt ihr?

Oops!
29.12.2018, 23:22
Puh, Momentchen mal:

Wir haben ein SHT
Regelversorger fallen aus
RTH nicht verfügbar
Nächstgelegener Maximalversorger ist abgemeldet

Fahrtzeit zum nächsten (weiter entfernten) Maximalversorger dauert vermutlich zu lang.

Jetzt schwimm ich, was das Rechtliche angeht.
Abgemeldet würde ich erstmal als „Ist mir egal, ihr nehmt den Patienten“ wegwischen.
Ist aber vermutlich nicht 100%ig korrekt.

Soweit ich weiß, besteht die Aufnahmepflicht, wenn es sich um das nächstgelegene geeignete Krankenhaus handelt und der Zustand des Patienten eine längere Fahrt nicht erlaubt.
Zumindest zur Erstversorgung müssen Sie aufnehmen, nach CT ggf. Weiterverlegung.

Und welche Stationen sind abgemeldet? ITS, Neurochirurgie?

h3nni
29.12.2018, 23:30
Wieso war denn klar, dass die Regelversorger nicht passen? Hätte man das rauslesen können hier?

Ich würde den ersten Maxversorger anfahren, ich meine, ein Maximalversorger ist einer, der können muss, auch wenn er nicht mehr kann. Und für nen kontrollierten Tubus, ein CT und evtl ne Schnelle Drainage gegen Hirndruck muss da Zeit sein. Das könnten sogar die Unfallchirurgen.

Oops!
29.12.2018, 23:39
Hanni, das hatte Wacken so beantwortet mit den Regelversorgern - es werden CT und Neurochirurgie benötigt.

Notfalls Zwangsbelegung beim Maximalversorger, ich bleib bei der Lösung.

WackenDoc
30.12.2018, 08:48
Die Info "Regelversorger nicht geeignet" kam von mir. Einfach weil ich und das Team wussten, was die beiden Häuser können und was nicht.

Ja, ihr könnt als Notarzt auch "abgemeldete" Häuser anfahren, die sind dann zur Erstversorgung verpflichtet. Es macht nur nicht immer Sinn.

Würdet ihr das Haus noch was fragen, bevor ihr sagt "Pech gehabt, ich komm trotzdem?"

Edit: Oops hatte ja schon gefragt: WARUM seid ihr abgemeldet? Ist halt ein Unterschied ob das einzige CT kaputt ist oder OP abgebrannt oder kein Platz auf Intensiv.
In dem Fall war es "keine Intensivkapazität"- hey super- der Mann braucht ja wohl eh erstmal ein paar andere Maßnahmen um zu überleben.

Also todesmutig dort hin, das Geblubber der diensthabenden Kollegen ignoriert. Da kommt der Kollege auf eine ganz tolle Idee:

"Wir machen dann mal gerade die Erstversorgung, Ihr wartet gefälligst so lange und seht zu, dass ihr ihn weiter verlegt." Was nu?