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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wie gut/schlecht verdienen niedergelassene Ärzte wirklich?



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Evil
28.02.2019, 16:13
Und weil das alles so stimmt, wie Aluhut-tarumo schreibt, investieren zunehmend ausländische Hedgefonds in deutsche MVZ, nicht nur bei Zahnärzten sondern auch bei Radiologie-Praxen. Sind das dann quasi Staatsanleihen?

https://www.sueddeutsche.de/news/gesundheit/gesundheit---mainz-aerzte-warnen-vor-heuschreckenmentalitaet-von-investoren-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-181224-99-337403

Ex-PJ
28.02.2019, 19:38
Nochmal nachgedacht:
Ich kenne sogar 3 Kassenärzte, die Pleite gemacht haben.

Ex-PJ
28.02.2019, 19:42
Hier ein Fall (der gehörte aber schon zu den ersten beiden):
Zudem sieht hier auch die KV nicht gut aus:-(:-???:-((


WAZ [Die auflagenstärkste Zeitung im Ruhrgebiet!] 18.08.2015:


Lungenfacharzt Josef Wiemann gibt auf. Er wird seine Tätigkeit als Kassenarzt beenden und die Schlaflabor-Praxis schließen. Grund: Streit mit der KV.

Der Herner Lungenfacharzt Josef Wiemann gibt auf. Er wird zum 30. September seine Tätigkeit als Kassenarzt beenden, Herne verliert damit das einzige ambulante Schlaflabor in der Haranni-Clinic an der Schulstraße. Wiemann zieht zermürbt die Konsequenz aus einem jahrelangen Streit mit der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL). „Irgendwann geht es nicht mehr“, sagte er im Gespräch mit der WAZ-Redaktion. Aber: Die Auseinandersetzung könnte in absehbarer Zeit eine Fortsetzung vor Gericht finden...

Die WAZ hatte in der Vergangenheit mehrfach über den Zwist berichtet. Er begann bereits im Jahr 2010. Damals deckelte die KVWL die Honorare für niedergelassene Schlaflabore, Wiemann hatte Einbußen von etwa 40 Prozent, was er jedoch gerade noch kompensieren konnte.

Doch Wiemann arbeitete nach eigener Aussage mehr als er nach der Deckelung durfte - und legte gegen die Abrechnungspraxis der KVWL jedes Quartal aufs Neue Einspruch ein. Diese Einsprüche blieben jahrelang unbeantwortet. Irgendwann hatte Wiemann genug und wies die KVWL darauf hin, dass er darüber nachdenke, juristische Schritte wegen Untätigkeit einzuleiten. Die KVWL konfrontierte als „Reaktion“ Wiemann mit einer Rückforderung in Höhe von 524 000 Euro wegen eines „auffälligen Leistungsverhaltens“. Die Summe sei sofort zahlbar. Mit anderen Worten: Wiemann rechne zu Unrecht Leistungen ab. Doch trotz dieses hohen Betrags wandte sich die KVWL nicht an die Staatsanwaltschaft, sondern leitete ein Plausibilitätsverfahren ein. Wiemann traf die hohe Rückforderung doppelt: Er absolvierte seine Überstunden nicht nur ohne Honorar, er muss sie sogar selbst bezahlen.

Anfang dieses Jahres eskalierte der Streit, als die KVWL ihre Abschlagszahlungen an das Schlaflabor einstellte - ohne jegliche Ankündigung. Das hatte für den Mediziner dramatische Folgen. Seine Praxis machte jeden Tag rund 1000 Euro Verlust, seinen Mitarbeiterinnen konnte er nur noch unregelmäßig den Lohn auszahlen. Von den einst 23 Mitarbeiterinnen hatte er zu jenem Zeitpunkt schon die meisten entlassen müssen.
Strafanzeige gegen zwei KVWL-Mitarbeiterinnen angekündigt

Zum 30. September hat Wiemann nun auch seinen letzten sieben Mitarbeiterinnen gekündigt. Wiemanns Kassensitz soll zum 1. Oktober an das Medizinische Versorgungszentrum RUHRmed übergehen. Wiemann möchte dann dort als Angestellter arbeiten.

„Ich will nicht mehr, ich werde krank“, zieht der 59-Jährige ein bitteres Fazit. Doch beendet ist die Angelegenheit aus mehreren Gründen noch nicht. So musste Wiemann inzwischen ein geerbtes Haus verkaufen, um Mietschulden zu bezahlen. Der Mietvertrag in der Haranni-Clinic läuft eigentlich bis 2018.

Und: Wiemann geht fest davon aus, dass die KVWL auch nach dem 1. Oktober - wenn er also kein Kassenarzt mehr ist und keine Abrechnungen mehr schickt - weiter Forderungen geltend machen wird. Dagegen werde er sich mit allen Mitteln wehren, kündigt er an. Außerdem sei er fest entschlossen bei der Staatsanwaltschaft Anzeige gegen zwei Mitarbeiterinnen der KVWL zu erstatten.
Plausibilitätsprüfung immer noch nicht beendet - keine Chance zur Klage

Die KVWL hatte im Streit mit Josef Wiemann um die Abrechnung von Leistungen ein sogenanntes Plausibilitätsverfahren eingeleitet. Ende 2014 hatte sie auf Anfrage der WAZ darauf hingewiesen, dass sie gesetzlich verpflichtet sei, die Abrechnungen ihrer Mitglieder in Hinblick auf Zeitaufwand zu prüfen. Wenn der Vertragsarzt keinen Nachweis erbringe, wie er die abgerechneten Leistungen plausibel erbracht haben könne, werde seine Abrechnung „implausibel“. Die Kriterien habe Wiemann deutlich überschritten.

Wiemann betont, dass er sämtliche Befunderhebungen eines Quartals sowie das Protokoll der Praxis-„Stechuhr“ der KVWL vorgelegt habe. Doch diese Belege seien nicht zugelassen worden.

Erstaunlich: Das Plausibilitätsverfahren, das bereits 2014 eingeleitet worden war, ist bis heute nicht beendet. Das heißt: Wiemann hat von der KVWL in der ganzen Zeit nicht die Chance bekommen, Rechtsmittel gegen das Ergebnis einzulegen. Nach einem Gespräch mit der KVWL am 8. Mai dieses Jahres kündigte diese an, einen Bescheid zu erlassen, gegen den Wiemann klagen kann. Dieser sei bislang immer noch nicht eingetroffen, so Wiemann.

WackenDoc
28.02.2019, 20:41
In einem aktuellen Diskussionsstrang auf der offiziellen FB-Seite des BMG beschreibt ein Landarzt im Osten wie er gerade von der KV gegängelt wird mit Plausibilitätsprüfung und Regressdrohungen.

Evil
28.02.2019, 20:52
Naja, die WAZ ist jetzt wie die meisten Lokalblätter (wie die WP oder das Herner Tagblatt) vom Niveau her nur wenig über der BLÖD-Zeitung, da würden mich die Hintergründe doch genauer interessieren, das klingt ein bissl einseitig. Zumal ein Schlaflabor mit 23 Angestellten nun auch nicht gerade eine durchschnittliche Praxis sondern eher schon ein mittelgroßes Wirtschaftsunternehmen ist.
Hast Du da weitere Quellen oder Links?

tarumo
01.03.2019, 11:44
Und weil das alles so stimmt, wie Aluhut-tarumo schreibt, investieren zunehmend ausländische Hedgefonds in deutsche MVZ, nicht nur bei Zahnärzten sondern auch bei Radiologie-Praxen. Sind das dann quasi Staatsanleihen?
]

http://dr-guenterberg.de/content/publikationen/2010/10/Insolvenzen-bei-Aerzten-3.pdf

Andersrum wird ein Schuh draus. Warum sind denn die Praxen überhaupt zum Verkauf? Angeblich ist doch gerade Radiologie eine Goldgrube? Über die Motivation ausländischer Hedgefonds, sich in Deutschland einzukaufen, kann man streiten. Fest steht aber, daß die einen seeehr langen Atem haben und auch mal ein paar Jahre Verluste vertragen. Wenn man dann ein Monopol hat, kann man auch entsprechend Forderungen stellen, denen Patienten, Kassen und KVen dann nachgeben müssen. Manchmal will man vielleicht auch einen Verlustbringer gezielt ins Portfolio nehmen? Schiffsbeteiligungen sind doch ein Alu..ääh, alter Hut.
Und wenn es nicht funktioniert, dann ist das MVZ am nächsten Tag zu. Und das geht schneller, als man denkt

https://sondershausen.thueringer-allgemeine.de/web/sondershausen/startseite/detail/-/specific/Das-Medizinische-Versorgungszentrum-in-Bad-Frankenhausen-ist-insolvent-1292834070
https://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/berufspolitik/article/978884/thueringenbrandenburg-vier-kliniken-drk-verbund-kaempfen-insolvenz.html
http://www.lvz.de/Region/Borna/Borna-Aerzte-Zentrum-MVZ-in-schweren-Turbulenzen
https://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/berufspolitik/article/909063/niedersachsen-mvz-macht-dicht-hausaerzte-rufen-nach-hilfe.html
https://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/klinikmanagement/article/971573/ionentherapie-marburger-zentrum-insolvent.html
https://www.kreiszeitung.de/lokales/rotenburg/rotenburg-ort120515/insolvenz-trotz-auslastung-6266709.html
https://www.hna.de/kassel/mitte-kassel-ort248256/insolvenz-aerztezentrum-medikum-soll-gerettet-werden-7341020.html

Es schaffen noch nicht mal die Kassen selbst, MVZ zu betreiben:
https://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/klinikmanagement/article/803417/drei-einstige-atriomed-mzv-insolvent.html
https://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/mvz/article/820106/insolvenzverwalter-berliner-atriomed-warf-nie-gewinne-ab.html
bzw. nur mit betrügerischen Machenschaften
https://www.tagesspiegel.de/berlin/atriomed-aerztezentrum-wird-betrug-vorgeworfen/1793572.html

Übrigens, rein willkürliches Beispiel, aber jederzeit und überall zu wiederholen:
Praxisgesuche diesen Monat in NO 5 (fünf), -ohne Makler- , abzugeben dagegen 37, wenn ich mich nicht verzählt habe. Die sind alle "total ertragsstark"
https://www.aekno.de/downloads/archiv/2019.03.047.pdf

Evil
01.03.2019, 14:06
Hmmja, man kann natürlich hergehen und die Ertragslage von größeren Radiologie-Netzen in Ballungsräumen wie Uhlenbrock (denen das Hedgefonds-Interesse gilt) mit dem Praxensterben und der schlechten Nachfolgesituation in ländlichen Gebieten vermischen, obwohl das 2 völlig verschiedene Paar Stiefel sind. Kann man machen, sieht aber doof aus ;-)

tarumo
01.03.2019, 14:25
Wer vermischt denn hier was?

Davon abgesehen ist auch das Praxissterben und Facharztmangel längst in den Metropolen angekommen.
Berlin:
https://www.berliner-kurier.de/berlin/kiez---stadt/dr--med--ruhestand-berlins-hausaerzte-sterben-aus-31851440
https://www.morgenpost.de/berlin/article210835143/In-diesen-Berliner-Bezirken-gibt-es-zu-wenig-Kinderaerzte.html
oder meinetwegen auch Düsseldorf:
https://rp-online.de/nrw/staedte/duesseldorf/in-duesseldorf-droht-aerztemangel-hausaerzten-fehlt-der-nachwuchs_aid-23465683

Die Mär vom bösen reichen Stadtfacharzt und dem armen Landhausarzt stimmt bei weitem nicht. in den Südländern ist es tlw. sogar umgedreht, weil dort etwas besser dotierte Hausarzt-Verträge an der KV vorbei verhandelt wurden..

Hedgefonds steigen üblicherweise in eher schlecht gehende Firmen ein. Aber das weißt Du ja sicher. Insofern ist das eher ein Zeichen, daß es Praxis/MVZ XYZ finanziell nicht so doll geht, wenn man externe Investoren mit ins Boot holt bzw. holen muß.

Ex-PJ
01.03.2019, 20:54
Zitat Evil:
"Zumal ein Schlaflabor mit 23 Angestellten nun auch nicht gerade eine durchschnittliche Praxis sondern eher schon ein mittelgroßes Wirtschaftsunternehmen ist.
Hast Du da weitere Quellen oder Links? "
--> Also. Ich kenne die Praxis (von außen) selbst.
Außerdem kannte u. kenne ich eine Pat., die dort hingegangen ist u. noch weiter, aber zum Nachfolger, hingeht.
Zeitweilig müssen sich dort fast die Arzthelferinnen fast auf den Füßen gestanden haben, während dieser Zeit hat Herr Lungenfacharzt Wiemann auch massiv versucht, sein Schlaflabor zu promoten u. auszulasten.
Nachfolgend wurde alles sukzessive, aber leider objektiv zu spät, reduziert.

Herr J. Wiemann ist jetzt als angestellter Oberarzt im Evangel. Klinikum Niederrhein beschäftigt.