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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wo sind die Studienplätze hin?



WackenDoc
09.01.2019, 20:41
Heute in einem Zeitungsartikel gelesen: Von 1990 bis heute sind die Medizinstudienplätze von 13.000 auf 9000 geschrumpft.
Wo sind die hin? hat das jemand mitbekommen? Wie kann das sein?

Kackbratze
10.01.2019, 11:31
Es gibt lt. Ärzteblatt 11k, davon sind 2k aber für ausländische Stipendiaten geblockt. Also 9k für deutsche Abiturienten. Die knapp 14k, die es 1990 nach der Wende noch gab sind peu a peu in Einzelblocks gekürzt worden. Hier mal 10, da mal 20...das kann sich läppern.

tarumo
11.01.2019, 13:19
Der Löwenanteil der Studienplätze ist in der ersten Hälfte der 1990er Jahre gekürzt worden, in erster Linie zur Kostenersparnis. Man setzte (im Westen) in erster Linie auf die Anwerbung bzw. Übersiedlung von ÄrztInnen aus der damaligen DDR bzw. den damals funkelnagelneuen Bundesländern. Parallel ging ja noch der Eiserne Vorhang hoch, was auch noch mal einen Schwung Mediziner aus der ehem. UdSSR bescherte.
Daß diese Quelle auch mal versiegt, die Bevölkerung zunehmend überaltert, der Abbau von Studienplätzen bei gleicher Nachfrage zu einem exazerbierenden NC mit den daraus resultierenden Problemen führen würde, konnte man selbstverständlich nicht ahnen. Als I-Tüpfelchen gibt es noch kurzfristig drei Millionen neue Mitbürger mit teils erheblichen Behandlungsbedarf auf den politisch induzierten Ärztemangel drauf. Die Bildungsbranche hat übrigens genau das gleiche Problem.
Wirklich daraus gelernt hat man nicht: in NRW sollen noch vor ein paar Jahren für ein paar hundert Studienplätze die Mittel weggefallen sein, wenn ich mich richtig entsinne.

Matzexc1
11.01.2019, 13:49
Nach der Wende wurde die medizinische Akademie Erfurt komplett aufgelöst. Gleichzeitig hat man in den 90ern und 200ern lieber Geld in neue Studiengänge gesteckt.

makkole
10.06.2020, 13:09
Der Löwenanteil der Studienplätze ist in der ersten Hälfte der 1990er Jahre gekürzt worden, in erster Linie zur Kostenersparnis. Man setzte (im Westen) in erster Linie auf die Anwerbung bzw. Übersiedlung von ÄrztInnen aus der damaligen DDR bzw. den damals funkelnagelneuen Bundesländern. Parallel ging ja noch der Eiserne Vorhang hoch, was auch noch mal einen Schwung Mediziner aus der ehem. UdSSR bescherte, wo man nicht viel Gehalt erwarten konnte. Dass diese (https://www.stellenanzeigen.de/gehaltscheck/) Quelle auch mal versiegt, die Bevölkerung zunehmend überaltert, der Abbau von Studienplätzen bei gleicher Nachfrage zu einem exazerbierenden NC mit den daraus resultierenden Problemen führen würde, konnte man selbstverständlich nicht ahnen. Als I-Tüpfelchen gibt es noch kurzfristig drei Millionen neue Mitbürger mit teils erheblichen Behandlungsbedarf auf den politisch induzierten Ärztemangel drauf. Die Bildungsbranche hat übrigens genau das gleiche Problem.
Wirklich daraus gelernt hat man nicht: in NRW sollen noch vor ein paar Jahren für ein paar hundert Studienplätze die Mittel weggefallen sein, wenn ich mich richtig entsinne.

Auch 2020 hat sich dabei meiner Meinung nach nicht viel geändert. Studienplätze sind teilweise so selten wie Fische in einem Bach. Der Vergleich mag ein wenig daher geholt sein, aber im Endeffekt braucht es in der Politik neue Ansätze um mehr Studienplätze zuschaffen.

Mr. Pink online
10.06.2020, 13:28
Und wofür genau brauchen wir mehr Studienplätze?

Chriman
10.06.2020, 17:17
1. Alle mit Hochschulzugangsberechtigung sollen ihr Traumstudium bekommen.
2. Danach können alle 28h / Woche arbeiten, hätten dann ja genügend Ärzte.

Um mal den "Ärztemangel", zu relativieren.. -->https://de.statista.com/statistik/daten/studie/158869/umfrage/anzahl-der-aerzte-in-deutschland-seit-1990/

davo
10.06.2020, 18:33
Die Anzahl der Ärzte ist ja nur ein kleiner Teil der Geschichte. In den Praxen arbeiten z.B. schon über 40% (!) aller Weiterbildungsassistenten in Teilzeit. In Krankenhäusern hat der Teilzeitanteil bestimmt auch deutlich zugenommen. In Vollzeitäquivalenten sieht diese Grafik also sicher anders aus.

Außerdem verschwendet man als Arzt in Deutschland sehr viel Arbeitszeit mit durch und durch nichtärztlichen Tätigkeiten. Blut abnehmen, Nadeln legen, Arztbriefen hinterhertelefonieren - logisch, dass es dann stressig ist, die eigentliche ärztliche Arbeit zu erledigen. Das haben viele andere Länder deutlich effizienter geregelt.

Mr. Pink online
10.06.2020, 19:37
Die Anzahl der Ärzte ist ja nur ein kleiner Teil der Geschichte. In den Praxen arbeiten z.B. schon über 40% (!) aller Weiterbildungsassistenten in Teilzeit. In Krankenhäusern hat der Teilzeitanteil bestimmt auch deutlich zugenommen. In Vollzeitäquivalenten sieht diese Grafik also sicher anders aus.

Außerdem verschwendet man als Arzt in Deutschland sehr viel Arbeitszeit mit durch und durch nichtärztlichen Tätigkeiten. Blut abnehmen, Nadeln legen, Arztbriefen hinterhertelefonieren - logisch, dass es dann stressig ist, die eigentliche ärztliche Arbeit zu erledigen. Das haben viele andere Länder deutlich effizienter geregelt.
Spricht eigentlich alles dafür, die Arbeitsumstände zu verbessern und nicht unbedingt für mehr Studienplätze. Teilzeit machen ja überwiegend Eltern, das ist nochmal ein anderes Thema.

denkstdu
22.06.2020, 19:43
Dumm nur dass viele irgendwann Eltern werden....

roxolana
24.06.2020, 13:31
Und auch viele Nicht-Eltern haben keinen Bock auf 60+ Wochenstunden.