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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : WB Innere mit Perspektive auf Niederlassung



tammytwotoes
19.02.2019, 10:30
Hi,
Ich habe eine Stelle an einem Mittelgroßen Haus in der Inneren.
Mein Plan war eigentlich hier im Haus einen 6Jahres Fachinternisten Kardio/Gastro/Nephro zu machen und dann zügig niederlassen.
Alternativ und für mich weniger reizend Allgemeininternist/Allgemeinmediziner und dann Hausarzt.
Letzteres kam mir, nachdem ich auf der Seite der KBV die Karte mit der Bedarfsplanung gesehen habe. Als Fachinternist gibt es gerade in ganz Deutschland kein Gebiet mit Versorgungsgrad <135% und die Zahlen aller Fachinternisten in D steigen.
Das heißt in 4-5 Jahren als Facharzt kann es mir passieren, garkeine Niederlassung zu finden bzw. darauf angewiesen zu sein evtl irgendwo in Hinterdupfing die Nachfolge eines z.B. Gastroenterologen anzutreten.
Ist das so riskant, wie es sich anhört? Ich wusste zwar, dass man sich irgendwie um einen Kassensitz kümmern muss und so, aber hätte mir nie gedacht, dass man als Fachinternist so völlig Alternativlos dastehen kann wenns blöd läuft.
Welchen Fachinternisten ich mache wäre mir vor dem Hintergrund eigentlich sogar egal, also ich würde auch Pulmologe werden, wenn ich wüsste ich kann danach irgendwo in der Nähe eine Praxis Gründen, oder übernehmen.

Der Weg erst 5 Jahre Allgemeininternist und dann noch 3 Jahre Spezialisierung bessert ja daran auch nichts. Ich könnte mich dann zwar auf einen Hausarztsitz niederlassen, aber die Spezialisierung hätte ich umsonst gemacht. In dem Fall würde ich eigentlich gleich Allgemeinmediziner werden.

In anderen Worten ist der einzige sichere Weg in die Niederlassung, wenn das die Priorität ist, der Allgemeinmediziner, oder seht ihr das anders?

hebdo
19.02.2019, 14:01
Bei mir gibt bzw. gab es ähnliche Überlegungen. Die Wahl der Fachrichtung ist aber schon entscheidend.

In der Nephrologie gibt es quasi keine Einzelpraxen. Ist auch nicht zu bewältigen (6 Tage/Woche, 52 Wochen/Jahr, bis zu 3 Schichten/Tag, Hintergundbetreung kleiner Krankenhäuser). Meist sind es mehrere Standorte und mehrere Teilhaber. Hinzu kommt noch, dass die Industrie ( Fresenius, Braun ...) versucht alle freien Sitze aufzukaufen und eine Privatperson eigentlich nicht in den gleichen finanziellen Spähren bewegt (hoch 6 bis 7-stellig je nach Praxisgröße). Aber eine Teilhabe in den großen arztgeführten "Ketten" auch an attraktiven Standorten ist auf jeden Fall drin.

In der Gastroenterologie habe ich nicht wirklich Insiderwissen, aber ich stelle mir es ähnlich vor. Habe aber persönliche einige Kollegen erlebt, die in die Teilhabe gegangen sind. Allerdings auch ein paar, denen die Fließbandendoskopie nicht gefällt und zurück in die Klinik sind.

Falls du wirklich alleiniger Praxisinhaber werden möchtest, ist die hausärztliche Versorgung wohl am ehesten geeignet. Du könntest einen Facharzt machen und dann einfach 24 MOnate in einer Praxis die WB zum Allgemeinmediziner ableisten.

Christoph_A
19.02.2019, 14:13
Einzelkämpfer sind in der Inneren, insbesondere in den Schwerpunktfächern Kardio-Gastro-Nephro eine aussterbende Spezies. Einerseits, weil sich keiner mehr das extrem große Durchsatzpensum antun möchte, andererseits aber auch, weil ja gerade die Interventionen (Herzkatheter/EPU/Schrittmacher/Endoskopie etc) das "richtig" große Geld in der Niederlassung bringen und nicht die Sprechstunden allein. Einen großen "Spezialistenüberschuß", wie Du ihn befürchtest kann ich sogar bei uns in einer der deutschen Boomregionen im Süden schlechthin nicht erkennen, wir haben zuletzt fast 5 Monate einen kardiologischen Kollegen gesucht, der in unser Profil passte, da würde ich mir also keine Sorgen machen, wer einigermaßen flexibel ist, findet annähernd von gestern auf heute einen Job.
Die immer weiter voranschreitenden Versuche der Klinikketten, auf dem Markt Platz zu gewinnen, sehe ich sehr kritisch, ich möchte mir jedenfalls nie mehr im Leben von irgendeinem BWL Bachelor Bubi sagen lassen, wie ich zu arbeiten habe. Kann man ganz einfach ausschließen, indem man nicht natürliche Personen aus seinem MVZ/seiner Praxis per Gesellschaftervertrag fernhält.
Wir sind jetzt drei Teilhaber, haben ein nettes MVZ mit Katheterlabor/Schrittmacher OP und ab Sommer dann EPU, einigen zusätzlichen angestellten Ärzten und ich muß sagen, daß das zwar viel Arbeit ist, aber a) man komplett autark wursteln kann und b) jeder Euro ja zu einem gewissen teil wieder in den eigenen Geldbeutel rutsch.
Langer Rede kurzer Sinn, mach den Schwerpunkt FA und geh in die Niederlassung, kannst Dich ja erst irgendwo anstellen lassen und wenn Dir das gefällt, dann eine Teilhaberschaft anstreben.

ninakatharina
19.02.2019, 14:20
Ich hab leider keine Erfahrungswerte, interessiere mich aber auch für Meinungen... Am liebsten würde ich direkt mein Spezialfach machen und in der Klinik bleiben. Aber vlt möchte ich das ja doch irgendwann nicht mehr - oder die Klinik mag nicht mehr... Ich hab Bedenken, dass ich dann nix in erreichbarer Nähe finde. Vielleicht ist das auch Quatsch :-nix allgemeine Innere begeistert mich jetzt nicht besonders...

tammytwotoes
19.02.2019, 15:19
Also wenn ich schon Fachinternist bin, würde ich ungern die WB zum Allgemeinmediziner anschließen und mich als solcher niederlassen. Stelle mir das unglaublich frustrierend vor z.b. Kardiologe zu sein und dann einen Pat zum StressEcho überweisen zu müssen, obwohl ich das auch könnte, nur weil mir die KV Zulassung dafür fehlt. Und dann kommt jemand mit Schulterschmerzen und ich habe keinen Plan was ich mit dem mache.
Aus PJ hab ich mitgenommen, dass Internisten eher weniger als Hausärzte geeignet sind. Wenn ich den Weg gehe, will ich auf jeden Fall nochmal ein Jahr in die Chirurgie/Ortho und evtl Derma sehen und den richtigen FA Allgemeinmed machen.
Auch wenn Chir doof ist und mir Innere mehr liegt, wäre mir das lieber, als als Fachinternist in ambulanter Anstellung auf unbestimmte Zeit auf eine Teilhaberschaft zu warten.

med_in_1
19.02.2019, 18:41
als hausärztlich tätiger Internist möchte ich meine Beweggründe hierzu einmal zusammenfassen:

Mangelnde Möglichkeiten:
Ich habe mich ebenso bereits während der Weiterbildung umgesehen und festgestellt, dass es absehbar keine freien Sitze gibt. Anderseits wurden freie Sitze (z.B. Fachinternist, Gastro) i.d.R. "in ein MVZ" eingebracht. Außerdem gehen, v.a. in beliebteren Regionen die Preise (analog den Mieten) für einen Sitz extrem! nach oben. Ob man, eine Einigung mit dem Inhaber vorausgesetzt, dies dann durch den Zulassungsausschuss bekommt - sei dahin gestellt. Denn dort zählt, abgesehen von persönlicher Mitarbeit (3 Jahre?), Tätigkeit in einem unterversorgten Gebiet meist die Länge der Facharztzeit, Zusatzbezeichnungen, wie lang man auf der Warteliste steht, etc. Sicher kommt dem Wunsch des Inhabers immernoch Bedeutung zu - aber inzwischen gibt es ja auch schon Klagen gegen die Entscheidungen des Zulassungsausschusses....

Sachverständigen Gutachten:
Wenn man einmal versucht zu verstehen, wie Gesundheitspolitik gemacht wird, dann kommt man am Gutachten des Sachverständigen Rates nicht vorbei: Z.B: Praxisgebür: zunächst "sehr sinnvoll...." => die Gebür kam; Jahre später "nicht bewährt" => Gebür abgeschafft -> nach meiner Lesart erkenne ich einen Trend hin zu Verzahnung des nicht hausärztlichen Bereiches mit den Kliniken (Bewegunggrund: trotz Verpflichtung keine flächendeckene Akutversorgung) - auch das wäre mir viel zu wacklig gewesen um hohe sechstellige Summen + Umbau zu investieren.

Oft - wie oben ausgeführt - braucht es eine Gemeinschaft:
- Gastro: Nach meinem Kenntnisstand sagt die Leitlinie zur Sedierung in der Endoskopie, dass 2 Ärzte vorhanden sein müssen
- Nephro: s.o.
- will man sich wirklich auf "Gedeih und Verderb" an einen Kollegen binden - dafür halte ich viele Mitglieder der Generation X und Y für zu individuell - und gerade die, die aus dem KH wegwollen streben ja oft nach etwas mehr Freiheit

In Summe kann ich als hausärztlich tätiger Internist zusammenfassen:
Auch hier kann man seinen Neigungen folgendend Schwerpunkte ausbilden: Eine Kollegin bspw. ist hausärztlich tätige Internistin und Kardiologin: sie bietet Echo als IGEL (ist auf 6 Monate ausgebucht!) u.a. Diagnostika an... Und auch ich bekomme viele Überweisungen zu meinen Interessen. Nebenbei - sowie ich das überschauen kann - sind die Investitionen deutlich geringer und unter Beachtung von Hausarztverträgen, DMP Pauschalen etc. m.E. die Verdienstmöglichkeiten im Hausarztsektor höher als im Facharztsektor (Stichwort: Scheinwert).

tammytwotoes
19.02.2019, 20:49
Fühlt man sich denn dann nicht manchmal überfordert, wenn Patienten mit komplexen orthopädischen Erkrankungen als Ihr Hauptproblem vor einem stehen als Internist?
Oder lernt man das mit der Zeit "by doing"?

med_in_1
20.02.2019, 07:05
Fühlt man sich denn dann nicht manchmal überfordert, wenn Patienten mit komplexen orthopädischen Erkrankungen als Ihr Hauptproblem vor einem stehen als Internist?
Oder lernt man das mit der Zeit "by doing"?

Also ich finde, wenn jemand eine "komplexe" Erkrankung hat, dann gehört er auch zum Spezialisten.
Beim typischen Rückenschmerz schaue ich mir die Vorbefunde an, Anamnese & Untersuchung (sehr erleichtert durch Kurse Manuelle Medizin), dann Einordnung in die Leitlinie Rückenschmerz, Ausschluss red/yellow flags und dann Therapie oder dringliche Überweisung/Einweisung....

Ich denke es hängt auch viel an der Weiterbildungstätte - durch die langen Jahre in der Notaufnahme und der dort oftmals de facto Hausarzttätigkeit hat man auch von anderen Fachgebieten einiges mitbekommen, sodass ich eine fachliche Überforderung oder auch retrospektiv falsche Einordnung wegen fachlicher Mängel seit meiner Niederlassung bei mir noch nicht festgestellt habe.

hebdo
21.02.2019, 09:41
ich glaube, dass eine breite internistische Ausbildung eine sehr gute Basis für die hausärztliche Tätigkeit ist. Wie oben schon erwähnt, bestimmt jeder selbst das Profil/ Angebotsspektrum seiner Praxis. Manche sind eben mehr chirurgisch und andere mehr internistisch ausgelegt. Ich übernehme gelegentlich Dienste in der BDZ und habe mir vorher die Leitlinien der DGAM durchgelesen. Die ambulante Behandlung ist schon anders als im Krankenhaus mit entsprechender Infrastruktur. Das Abfragen von red/yellow flags ist ja auch in der ZNA sehr hilfreich.

Der Wechsel von Klinik in die fachinternistische Praxis mit Teilhabe läuft nach meiner Erfahrung recht unkompliziert ab. Man bekommt schon mit, wie die Zuweiser ticken und einen groben Eindruck von der Persönlichkeit. Dann lässt man sich 1-2 Jahre anstellen, vereinbart schon bei Unterzeichung die Teilhabe und wenn es nach der "Probezeit" passt, kauft man sich ein. Natürlich kann die Praxisehe auch schief gehen. Deshalb sollte so etwas schon im Teilhabervertrag geregelt sein.