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Melli1992
02.03.2019, 19:33
Ja das kann natürlich immer passieren.

Fürchte aber auch das PJ ansich kann richtig gut oder schlecht werden je nachdem welche Praxis man erwischt. Kenne leider kaum Erfahrungen dazu ausm Großraum Köln.
Aktuell ist die (ländliche) Allgemeinmedizin definitiv mein Favorit für später 😊

davo
02.03.2019, 20:03
Klar. Aber meist gibts ja irgendeine Möglichkeit, sich beim Dekanat und/oder bei höheren Semestern zu erkundigen, welche Praxis wie ist bzw. welche Bewertungen hat. Zum Start kann man ja einfach mal alle Lehrpraxen der eigenen Uni durchgehen, sich anschauen welche wie ländlich ist, welche welche Leistungen anbietet, usw. Und dann kann/sollte man ja auch vorher schon mal ein paar Tage dort verbringen, um zu wissen worauf man sich einlässt.

Die Praxis, in der ich famuliert habe, ist halt leider eine Lehrpraxis der Uni Marburg, bringt dir also fürs PJ nichts...

Melli1992
02.03.2019, 20:11
Das werde ich machen 😁 muss mich generell noch mit dem Thema "pj Bewerbung" beschäftigen 😣

Relaxometrie
03.03.2019, 12:15
Ich bin Wundmanager, was die Ausbildung anbetrifft sollte man mehr klinische Praktika machen, als vorgegeben werden, damit man möglichst viel sieht, da Wunden und Wundtherapie bei chronischen Wunden tatsächlich was mit Erfahrung zu tun hat.
Im Allgemeinmedizin-Bereich halte ich das für sehr sinnvoll, wenn Interesse an chronischen Wunden vorhanden ist, da häufig bei Überleitungen in die ambulante Therapie Stolpersteine auftauchen, wenn der Hausarzt kein Interesse oder leider keine Ahnung von chronischen Wunden hat, bzw. alles glauben muss, was der ambulante Pflegedienst im sagt...

Ja, daß die Behandlung chronischer Wunden etwas mit Erfahrung zu tun hat, ist einleuchtend.
Da die Heilung ja lange dauern kann, wäre jeder falsche Ansatz, den man erstmal wochenlang verfolgt, natürlich für alle Beteiligten unangenehm (Patient leidet länger unter der Wunde/ der Behandler sieht auch, daß es nicht voran geht/ die Krankenkassen haben sinnlose Kosten).
Was für ein Vorgehen empfiehlst Du für werdende Allgemeinmediziner mit Interesse an der Versorgung chronischer Wunden im ambulanten Setting?
Erst Praktikum bei Dir, dann den Kurs (die Inhalte erschließen sich einem vermutlich besser, wenn man eine gewisse klinische Grundahnung von dem Thema erworben hat), dann weitere Praktika?

Kackbratze
03.03.2019, 17:21
"Bei mir" ist Jeder willkommen, allerdings habe ich in der Bauchchirurgie ein eingeschränkten Wundbereich. Eine Wundambulanz oder septische (meist gefäßchirurgische) Station mit mindestens einem Wundmanager und einem interessierten Arzt ist die bessere Alternative. Wenn eine zertifizierte Wundambulanz vorhanden ist, ist das eigentlich alles gegeben.

WackenDoc
03.03.2019, 17:29
Man kann als angehender Allgemeinmediziner z.B. 6 Monate chirurgische Weiterbildung machen. Es bietet sich an, die in einer Einrichtung mit entsprechender Expertise in der Wundversorgung zu machen. Die großen OPs sind dann ja eh nicht das Ziel und in einer Ambulanz ist man für seine spätere Tätigkeit gut aufgehoben. Da kann man auch gut die kleinen Eingriffe zusammensammeln (weiss nicht ob die noch in allen Bundesländern gefordert werden- ich musste noch 50 haben)

anignu
03.03.2019, 23:01
Schwierige Wunden sind DIE Domäne der Gefäßchirurgen. In der Notaufnahme heißt es immer sofort "das sieht komisch aus, das muss gefäßchirurgisch sein" und alle anderen Fachrichtungen versuchen es zu meiden wo es nur geht...

In der Gefäßchirurgie lernst du die Unterschiede bei den Ursachen (arteriell, venös, gemischt, kardial/gestaut, aufgrund eines Vaskulitis oder ähnlichem), du lernst Unterschiede von ischämisch gerötet und infiziert gerötet (ersteres ist zeitkritisch, zweiteres mit Antibiose behandelbar), lernst Wunden auch mal chirurgisch anzugehen (die beste Therapie für Beläge ist sie zu entfernen!) usw.
Die Gefäßchirugie ist DAS Fach für Wunden. Und in der stationären Gefäßchirurgie mit angebundener gefäßchirurgischer Sprechstunde/Ambulanz kann man auch den Verlauf schwierigerer Wunden im ambulanten Setting sehen.
Du lernst auch Dinge wie dass man manchmal auch Nekrosen eben nicht abträgt sondern in manchen Fällen einfach belässt bis sie von selbst abfallen, dass manche Wunden auch mal aggressiv mit Kortison zu behandeln sind, dass total eklige Wunden mit bissl kratzen + antiseptischer Behandlung + Kompression in sehr kurzer Zeit extrem schön werden können (schön aus gefäßchirurgischer Sicht: also in Heilung begriffen und ohne Superinfektion. Die Abheilung dauert dann schon noch oder man macht Spalthaut) und lauter so Dinge. Und du lernst auch dass manche Wunden am Fuß, z.B. bei Diabetikern, von außen ganz schön ausschauen können aber irgendwie heilt es doch nicht ab und in der Tiefe brodelt die Suppe seit einem halben Jahr vor sich hin...

Kackbratze
04.03.2019, 05:10
Trotzdem braucht es auch in der GCH Leute, die sich mit sowas auskennen und teaching betreiben.
Nur weil es per se bei denen landet, heisst das nicht, dass sich Alle damit auskennen (wollen).

anignu
04.03.2019, 19:46
Red mal mit meinem Chef. Der erklärt dir die Welt in Grund und Boden... der erklärt dir die Sache so lang bis du von Wunden träumst, bis du glaubst selbst eine Wunde zu sein weil die Welt nur noch aus Wunden besteht ;-)

Natürlich gibts auch bei den Gefäßchirurgen Unterschiede in der Qualität der Wundbehandlung. Aber das ist ungefähr so wie wenn du dich für Frakturen interessierst und sagst: auch bei den Unfallchirurgen braucht es Leute die sich mit sowas auskennen und teaching betreiben. Genau. Es gibt auch die Unfallchirurgen die eigentlich nur Handchirurgie machen oder nur Arthroskopien oder nur Endoprothesen. Aber trotzdem gehe ich davon aus dass das Grundverständnis für Frakturen um einiges größer ist als bei den meisten anderen Ärzten. Und so sehe ich es auch bei den Gefäßchirurgen. Auch wenn sich vielleicht der eine Oberarzt null für Wunden interessiert, ein gewisses Grundverständnis für die Grundprinzipien einer Wundbehandlung ist da. Und auch der Oberarzt kann unterscheiden zwischen ischämischer und infektiöser Rötung und auch der kann sagen ob ihm eine Wunde suspekt ist (Stichwort Kalziphylaxie oder Pyoderma gangraenosum) und auch der kennt die Diagnostik die bei manchen Wunden erforderlich ist.

Kackbratze
04.03.2019, 22:59
Auch wenn sich vielleicht der eine Oberarzt null für Wunden interessiert, ein gewisses Grundverständnis für die Grundprinzipien einer Wundbehandlung ist da.

Äh, nein.
Wenn das Gros der OAs auf Wunden, gelinde gesagt, scheixxt, und alles auf die Wundmanager abgeturft wird, können weder die OAs, noch die Assistenten Wunden behandeln oder erkennen. Die Assistenten können es nicht lernen, weil die OAs es nicht können und die OAs haben kein Interesse, weil "das macht der Wundmanager".
Geht auch so...

anignu
05.03.2019, 23:02
Bei uns ist es andersrum. Wir haben 3 Wundmanagerinnen. Eine in Mutterschutz, eine in Elternzeit und eine die sich nicht für Wunden interessiert weil sie so wichtig ist so viele Termine hat und eh nicht da ist. Die Wundbehandlung läuft bei uns durch die Ärzte...
Aber auch bei Wundmanagern kann man bei einer gefäßchirurgischen Station viel lernen weil einfach so viele schwierige Wunden da sind.