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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Innere: Funktionsweiterbildung bis zum FA überhaupt möglich?



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Christoph_A
08.05.2019, 06:40
@ hebdo: Du bist Anästhesist, richtig? Und da erkennst Du die richtigen Schnitte und Meßpunkte bei Klappenvitien besser als ein Kardiologe? Interessant....aber schön periphere Häuser bashen.
Jeden Tag auf Intensiv haste also 2 Schockräume versorgt und jeden Tag 2 Überstunden gemacht, Doppelrespekt. Auf den meisten Intensivstationen, die ich kenne, ist schon immer wieder genug Leerlauf und die Zeit gegeben, zwischen Blutgas-, Routinetransport und Kaffeerunden etwas anderes zu machen, Motto "hours of boredom, minutes of thrill und so...".
Es hat auch keiner gesagt, man müsse ne ganze Station durchschallen oder sich alles selbst beibringen, aber ab und an mal etwas Eigeninitiative vor und nach Diensten ist durchaus auch in einem Maximalversorger möglich. Natürlich nicht nach jeder Schicht und natürlich auch nicht, wenn man wirklich mal schwer geackert hat. Aber ich bleibe dabei, die Intensivzeit ist die beste Zeit, um auch mal nebenbei was zu lernen.

Christoph_A
08.05.2019, 07:57
P.s.: Was die Weiterbildungskataloge der Inneren betrifft, muß man sich halt mal überlegen, was man seitens des Gesetzgebers will. Für den Generalisten sind die ganzen Zahlen fast zu hoch angesetzt, für den Schwerpunkt FA oft viel zu niedrig, z.B. 10 ICD Kontrollen reichen hinten und vorne nicht aus, um ICD Systeme vernünftig warten zu können und da gibt's in jeder Disziplin zig Beispiele, bei denen historisch zu niedrige Zahlen rumlaufen. Da der Trend immer mehr zum Spezialisten geht, wird irgendwann der jetzige FA für Innere Medizin auf den Prüfstand müssen, zumal der mit der Verkürzung auf 5 Jahre eh schon kastriert worden ist. Denke, a la Long wird da halt eine Aufteilung in Schmalspurinternist mit deutlich beschnittenem Aufgaben- und Abrechnungsgebiet und Spezial FA mit ebenfalls klar umgrenztem Einsatz- und Abrechungsgebiet erfolgen.

firstdayofwinter
10.05.2019, 13:03
Nun muss ich doch mal auch von positiveren Seiten berichten...

Bei mir "damals" - kleine, rein internistische Klinik in Oberbayern - kam man recht gut auf seine Zahlen. Feste Rotation ins Sono für 3 Monate und anschließend immer wieder wochenweise. Bei Fragen kommt Oberarzt oder erfahrener Kollege vorbei. Bronchoskopien regelmäßig bei intubierten Patienten. Nach der ganzen Ausbildung mit ITS und Sono wurde man dann in der Endo eingeplant (allerdings nicht fest, sondern nebenbei von der Station aus) und konnte dort dann auch endoskopieren lernen. Auf sämtliche Zahlen bin ich gekommen, ohne in meiner Freizeit an die Klinik zu kommen. Die "normalen" Überstunden sind natürlich angefallen, aber ich bin nicht extra wegen Sono-Untersuchungen länger geblieben. WB-Zeit waren 5 Jahre.
Es geht also auch anders - zum Glück! Wobei... sowas sollte eigentlich nicht "Glück" sein, sondern der Standard!!

Danke, das klingt gut. Wahrscheinlich ist das richtig, dass man an ein kleines Haus gehen muss an einem kleinen Ort, wenn man Ausbildung bekommen möchte...

firstdayofwinter
10.05.2019, 13:06
@ hebdo: Du bist Anästhesist, richtig? Und da erkennst Du die richtigen Schnitte und Meßpunkte bei Klappenvitien besser als ein Kardiologe? Interessant....aber schön periphere Häuser bashen.
Jeden Tag auf Intensiv haste also 2 Schockräume versorgt und jeden Tag 2 Überstunden gemacht, Doppelrespekt. Auf den meisten Intensivstationen, die ich kenne, ist schon immer wieder genug Leerlauf und die Zeit gegeben, zwischen Blutgas-, Routinetransport und Kaffeerunden etwas anderes zu machen, Motto "hours of boredom, minutes of thrill und so...".
Es hat auch keiner gesagt, man müsse ne ganze Station durchschallen oder sich alles selbst beibringen, aber ab und an mal etwas Eigeninitiative vor und nach Diensten ist durchaus auch in einem Maximalversorger möglich. Natürlich nicht nach jeder Schicht und natürlich auch nicht, wenn man wirklich mal schwer geackert hat. Aber ich bleibe dabei, die Intensivzeit ist die beste Zeit, um auch mal nebenbei was zu lernen.

Ich muss sagen dass Leerlauf in meiner Erfahrung auch die absolute Ausnahme ist... In 12 bis 14 Stunden neben Labor gucken und Papiere schreiben ein Brötchen inhalieren ist schon keine Selbstverständlichkeit, von Kaffeerunden ganz zu schweigen... Wenn man dann mal einen Tag keinen besonderen Stress hat kann man froh sein wenn man die nicht direkt lebensbedrohlichen Probleme der Patienten die seit Tagen unter dem Tisch gefallen sind aufarbeiten kann...

Christoph_A
10.05.2019, 13:18
Dann waren anscheinend alle unsere Intensivstationen hier unten Inseln der Seeligen. Hatte jedenfalls genug Zeit für Kaffee und eigentlich kann ich mich in insgesamt fast 2 Jahren Intensivstation kaum an eine Schicht erinnern, in der ich mal nichts gegessen hätte, genauso sah es auch in meinem Freundeskreis aus, wir haben eher im Gegenteil rumgewitzelt, wer während des Intensivjahres am meisten zugelegt hat. Wenns so stressig gewesen wäre, hätte ich sicher keine 2. Runde auf Intensiv zur Erlangung der Zusatzbezeichnung mehr gedreht. Aber gut, ist ja auch mittlerweile ein paar Jährchen her, vlt. hat sich da etwas verändert. Allerdings, wenn ich mir die Eleven auf der Intensiv meines Belegkrankenhauses anschaue, dann arbeiten die sich sicher nicht tot und verhungert ist da bisher auch keine(r).....

escitalopram
10.05.2019, 16:38
Äh... Warum sollen denn WB-Assistenten im 1. Jahr nicht sonographieren? In meinem PJ-Haus haben alle Berufsanfänger spätestens im 2. oder 3. Monat mit Sono begonnen, unter Aufsicht der jew. OÄ. Ob sie jetzt bis zum Facharzt perfekte Experten werden, weiß ich nicht. Aber den FA zu machen, ohne anständig schallen zu können? Hm. Punktionen (Aszites, Pleura) waren auch im ersten Jahr eingeplant.

Bille11
10.05.2019, 21:16
.....
Aber ich bleibe dabei, die Intensivzeit ist die beste Zeit, um auch mal nebenbei was zu lernen.

Lass es mich so formulieren, ‚neben einer fundierten breiten medizinischen (Aus)Bildung auch fokussiert Themen mit Lernerfolg und ohne allzugrosse Anstrengung angehen zu können.‘
Man bekommt in der Intensivmedizin neben der grossen Routine immer Details geboten, in die man sich vertiefen kann und darf. Es ist auch ein Bereich, in dem eine spezielle Diagnostik und interessenspezifische Themen-Orientierung am einfachsten mal eben nebenher laufen können, ohne gross darum bitten zu müssen.

firstdayofwinter
11.05.2019, 00:18
Dann waren anscheinend alle unsere Intensivstationen hier unten Inseln der Seeligen. Hatte jedenfalls genug Zeit für Kaffee und eigentlich kann ich mich in insgesamt fast 2 Jahren Intensivstation kaum an eine Schicht erinnern, in der ich mal nichts gegessen hätte, genauso sah es auch in meinem Freundeskreis aus, wir haben eher im Gegenteil rumgewitzelt, wer während des Intensivjahres am meisten zugelegt hat. Wenns so stressig gewesen wäre, hätte ich sicher keine 2. Runde auf Intensiv zur Erlangung der Zusatzbezeichnung mehr gedreht. Aber gut, ist ja auch mittlerweile ein paar Jährchen her, vlt. hat sich da etwas verändert. Allerdings, wenn ich mir die Eleven auf der Intensiv meines Belegkrankenhauses anschaue, dann arbeiten die sich sicher nicht tot und verhungert ist da bisher auch keine(r).....

Hi, könntest du mir vielleicht über pm schreiben wo du warst?

Christoph_A
11.05.2019, 08:23
@Bille11: Sehr schön formuliert, exakt so sehe ich das auch. Genau das ist der große Vorteil einer (guten) Intensivrotation.

@escitalopram Weil die allermeisten Assistenten im 1. Jahr in der Inneren mehr als genug damit beschäftigt sind, ihre Station vernünftig verwalten zu können. Auf einmal 15 Patienten selbständig zu betreuen, Aufnahmen/Entlassungen gut zu organisieren, Briefe rechtzeitig und gut zu verfassen, Untersuchungen zu organisieren und eine stringente Therapieplanung zu entwickeln, das geht meist nicht von jetzt auf gleich, viele sind da anfangs verständlicherweise ziemlich überfordert. Die Stationsarbeit ist das Basic des Internisten, erst wenn das reibungslos klappt, kann man über die nächsten Ausbildungsschritte nachdenken. Weiter habe ich bitte wo geschrieben, dass man nicht richtig schallen können soll? Ich denke, in den verbliebenen 4+x Jahren wird jeder noch genug Patienten schallen können, um gute Sonographiekenntnisse vorweisen zu können. Im ersten WB Jahr mal hier und da zu schallen und ein Punktiönchen zu machen ist keine suffiziente Ausbildung. Die kriegt man nur im Rahmen eines suffizienten Funktionsrotationsplans, wenn man dann wirklich mal nix anderes als schallen macht.

Rahmspinat
11.05.2019, 09:50
Äh... Warum sollen denn WB-Assistenten im 1. Jahr nicht sonographieren? In meinem PJ-Haus haben alle Berufsanfänger spätestens im 2. oder 3. Monat mit Sono begonnen, unter Aufsicht der jew. OÄ. Ob sie jetzt bis zum Facharzt perfekte Experten werden, weiß ich nicht. Aber den FA zu machen, ohne anständig schallen zu können? Hm. Punktionen (Aszites, Pleura) waren auch im ersten Jahr eingeplant.

Ich behaupte mal, dass es einen deutlichen Unterschied zwischen dem Schallen eines Aszites/Pleura für eine Punktion und einer diagnostischen Abdomensonographie/Echokardiographie gibt. Meine PJ-Erfahrungen decken sich mit den Aussagen von Christoph_A, gelernt haben die Assistenten dort das Schallen auf ihrer Funktionsrotation und auf Intensiv.