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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Würdet ihr wieder Medizin studieren?



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milz
10.05.2020, 18:30
Also wenn man sich für Medizin interessiert und jahrelange Durststrecken in Kauf nehmen will, dann ist es o.k.
Nur um "reich" zu werden never ever.

Es gibt sicher bessere und sicher schlechtere Alternativen.
Kenne einige Biologen, die aufgrund der Marktsituation im med. Bereich gelandet sind und mit denen würde ich nicht tauschen wollen.
Andererseits wären mir Jura, BWL und dergleichen zu "trocken".

Reflex
10.05.2020, 19:58
Echt jetzt? Was muss man denn in der Psychiatrie "alles können müssen"? Ist ernst gemeint, denn ich hab mich immer gewundert, dass das fast nichts ist und die Prüfung mal so nebenbei machbar war - würde mich wundern, wenn das ein paar Jahre später anders sein sollte.

Die Frage ist halt, wo man in der Psychiatrie als Arzt seinen Handlungsauftrag und seine Schwerpunkte sieht. Aber wenn einem differentialdiagnostisches Arbeiten und auch gerade danach psychotherapeutische Behandlung wichtig ist, braucht man deutlich mehr Wissen als das was in der Facharztprüfung abgefragt wird. Auch umfangreiches zusätzliches internistisches, neurologisches und pharmakologisches Wissen ist da wichtig, wenn man nicht nur auf Verwaltungsmedizin mit supportiven Gesprächen und Psychopharmakotherapie reduziert werden möchte. Und auch testpsychologische Methoden werden von Psychiatern selten umfassend angewendet. Da ist oft noch viel Luft nach oben...

RussianAngel
10.05.2020, 19:58
Ich persönlich war einer der motiviertesten Menschen, Medizin zu studieren; habe alles darauf gesetzt, den Platz gleich zu kriegen

h3nni
10.05.2020, 20:04
Und auch testpsychologische Methoden werden von Psychiatern selten umfassend angewendet. Da ist oft noch viel Luft nach oben...

Wird OT. Aber sollen Psychiater das überhaupt? Die Psychologen, die ich kenne, sagen, dass sich Ärzte eigentlich mit dem ganzen psychotherapeutischen gar nicht richtig auskennen und eigentlich auch keine Expertise haben in den "psychologischen" Bereichen

Reflex
10.05.2020, 20:29
Das liegt daran, dass das Jahre lang in den Kliniken an die Psychologen delegiert wurde. Nicht zu letzt um Personalkosten zu sparen. Deshalb ist die psychotherapeutische Ausbildung der Ärzte in den vielen Kliniken auch grottig. Aber es ist immer noch der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, mit dem man auch später auf psychotherapeutischen Sitzen arbeiten darf. Und psychotherapeutische Fortbildung, Fallvorstellungen, Supervision, Balintgruppen etc. sind eigentlich auch vorgeschrieben... und Testpsychologie ist jetzt auch kein Hexenwerk und kann man lernen.

rafiki
10.05.2020, 20:51
@Reflex
Das sehe ich auch so, aber es wurde dargestellt, was man alles können sollen muss. Muss man eben nicht, weder für die FA-Prüfung noch für das durchschnittliche und leider übliche Psychiaterdasein. Wenn ich sehe, wer heute zumeist in OA- und Leitungsfunktionen tätig ist ohne jegliche somatische und psychotherapeutische Kenntnisse und Fähigkeiten, ist es grauenhaft. Psychiatrie in der Realität ist tatsächlich Verwaltungs"medizin".

Testpsychologie ist zwar kein Hexenwerk, wird aber von Psychologen als quasi Geheimwissenschaft gehütet, auf das sie als einziges ein Monopol haben. Denn das ewige Argument, dass Ärzte keine Psychotherapie können, ist natürlich grober Unfug. Die Psychotherapie ist urärztlichstes Gebiet, wird nur leider kaum gelehrt, weswegen man es sich eben eigeninitiativ nach dem FA aneignen kann.

h3nni
10.05.2020, 21:21
Könnte es sein, dass sich das zwischen Psychiatrie+PT und Psychosomatik+PT unterscheidet? Psychiater sind ja eher "die mit den Medikamenten" und Psychosomatiker gefühlt eher "die mit dem Reden"?

cartablanca
11.05.2020, 07:13
dass man als Assistenzarzt oft von allen möglichen Berufsgruppen schlechter als ein Hund behandelt wird, ich wurde wirklich extrem desillusioniert;... nicht die aktuellen Arbeitsbedingungen...

Könnte meine Story sein. Mir hat man ja im Forum versucht einzureden, dass ich übertreiben oder gar lügen würde. Wer aber die Forensuche betätigt findet recht viele gleichsame Erfahrungen. Die ärztliche Vorgesetztenebene ist für diese Zustände hauptsächlich verantwortlich.

freak1
11.05.2020, 07:28
Könnte meine Story sein. Mir hat man ja im Forum versucht einzureden, dass ich übertreiben oder gar lügen würde. Wer aber die Forensuche betätigt findet recht viele gleichsame Erfahrungen. Die ärztliche Vorgesetztenebene ist für diese Zustände hauptsächlich verantwortlich.

Wenn ich mich richtig erinnere hast du berichtet, dass du von allen Ebenen (Vorgesetze, Kollegen, Pflege, etc) in mehreren Stellen konsequent gemobbt worden bist. Deine Einstellung hier im Forum hat gut aufgezeigt warum das so sein könnte. Aber bei dir selbst einen Fehler suchen? Nein, es müssen andere Schuld sein.

rafiki
11.05.2020, 07:32
Könnte es sein, dass sich das zwischen Psychiatrie+PT und Psychosomatik+PT unterscheidet? Psychiater sind ja eher "die mit den Medikamenten" und Psychosomatiker gefühlt eher "die mit dem Reden"?

Ja, das ist leider eine furchtbare deutsche Spezialität. Eigentlich ist es ein Gesamtfachgebiet, weshalb es sich empfiehlt, beide Fachärzte zu machen, um es wirklich in seiner Breite zu verstehen. Denn Patienten kommen nicht und sagen: ich gehöre in die Psychosomatik oder ich bin ein Psychiatriefall.

cartablanca
11.05.2020, 08:18
Wenn ich mich richtig erinnere hast du berichtet, dass du von allen Ebenen (Vorgesetze, Kollegen, Pflege, etc) in mehreren Stellen konsequent gemobbt worden bist.

So ein Unsinn. Das hab ich nicht geschrieben. Von Teilen der Pflege das stimmt, weil üble Nachrede und Verleumdung Straftaten und Mobbing sind. Verstöße gegen das AZG durch Vorgesetzte wie sie an jedem KH Gang und Gäbe sind sind zwar kein Mobbing aber trotzdem Rechtsverstöße. Wenn jemand gegen Gesetze verstößt liegt der Fehler bei der Person nicht bei mir.

Echinococcus
11.05.2020, 08:25
Ich kapier einfach nicht wieso man nicht die Stelle wechselt wenn man sich so schlecht behandelt fühlt. Ich hab manchmal das Gefühl, manche Kollegen sind Masochisten oder Selbstdarsteller. Wenn man unzufrieden ist sucht man sich eben eine bessere Stelle, das ist aktuell als Arzt in diesem Land tatsächlich möglich, und hört halt auf rumzuheulen.

Noch witziger, dass alle über die Umstände und Work/Life Balance heulen, aber wir kriegen ne Stelle in der Hygiene nicht besetzt. Kann man sich nicht ausdenken.

Feuerblick
11.05.2020, 08:51
Cartablanca wird nach eigenen Angaben schon seit der Schulzeit immer und überall gemobbt. Hat er/sie eingangs in seinem/ihrem Thread exakt so geschrieben. Da nutzt der Stellenwechsel wenig.
Aber interessant, dass es die Story eines anderen, ebenfalls noch recht neuen Users hier sein könnte... Spannend, spannend...

cartablanca
11.05.2020, 09:33
Cartablanca wird nach eigenen Angaben schon seit der Schulzeit immer und überall gemobbt. Hat er/sie eingangs in seinem/ihrem Thread exakt so geschrieben. Da nutzt der Stellenwechsel wenig.
Aber interessant, dass es die Story eines anderen, ebenfalls noch recht neuen Users hier sein könnte... Spannend, spannend...

Genau und die ganzen Beiträge von den Usern die sich über Pflege beschweren hab ich auch verfasst. Und die Kommentare auf hartmannbund.de wo sich Ärzte über die Arbeitsbedingungen beschweren hab ich auch alle geschrieben. Weil ich nämlich evil mastermind bin, der im Hintergrund die Strippen zieht und eigentlich gar nicht Medizin studiert hat. Oder aber ich heiß Montgomery und mach mir einen Riesenspaß hier. Weisst du was mich nicht wundert? Dass hauptsächlich Ärzte aus den Bereichen Hygiene, Anästhesie und Psychiatrie die Arbeitsbedingungen ganz toll finden. Vllt haben die aus den gleichen Gründen soviel Zeit hier ständig aktiv zu sein.

Echinococcus
11.05.2020, 09:58
. Weisst du was mich nicht wundert? Dass hauptsächlich Ärzte aus den Bereichen Hygiene, Anästhesie und Psychiatrie die Arbeitsbedingungen ganz toll finden. Vllt haben die aus den gleichen Gründen soviel Zeit hier ständig aktiv zu sein.

Bin mir nicht ganz sicher, was du damit sagen willst, aber danke für das Kompliment, dass ich eine kluge Entscheidung bei der Karrierewahl getroffen habe.

Feuerblick
11.05.2020, 10:33
*grins* Und ich widerlege dann das Klischee?

cartablanca
11.05.2020, 10:58
Bin mir nicht ganz sicher, was du damit sagen willst, aber danke für das Kompliment, dass ich eine kluge Entscheidung bei der Karrierewahl getroffen habe.

Naja, also wenn ich ein Fachgebiet gewählt hätte wo ich nie einem Menschen das Leben rette wäre ich vermutlich noch depressiver.

Jukka666
11.05.2020, 11:17
Naja, also wenn ich ein Fachgebiet gewählt hätte wo ich nie einem Menschen das Leben rette wäre ich vermutlich noch depressiver.

Oh je, das wird jetzt tiefenpsychologisch interessant...daher weht der Wind...

Ach seufz...wenn das dein Problem ist mit dem Beruf.. das "Leben retten", dann werden einige deiner Probleme etwas klarer.

Tut mir leid, aber dieser dein Satz ist leider in vielerlei Hinsicht nicht gut. Und offenbart, was du dir von dem Arztberuf wohl erwartest - und vielleicht auch nicht bekommst. Und das hat nicht unbedingt etwas mit glücklichsein zu tun.

Entspann dich und überdenke vielleicht mal deine Erwartungen an ein 40jahre währendes Berufsleben.
Genügend Beispiele für sinnvolle, sinnstiftende und sicherlich auch Leben rettende Beispiele können dir alle hier geben, und zwar gerade auch Echinococcus, unabhängig von allen Fachgebieten.

Federgt
11.05.2020, 12:07
Das ist ein Klassiker: Wenn ich nicht direkt jeden Tag um Leben und Tod kämpfe, dann ist das nicht erfüllend/ sinnvoll/ richtiges Arzt sein/ etc., sucht euch was aus.

Das zeugt für mich immer für ein eingeschränktes Weltbild, geringe Weitsicht und ein Stück weit auch mangelndes Verständnis. Wie viele Leben kann man am Tag retten als Arzt? 1? 10? 30?

Wie viele hat die Person gerettet, die den Defi erfunden hat? Den Schrittmacher? Die Interventionen?
Was ist mit dem Chemiker, der unser Trinkwasser kontrollieren? Lebensmittelchemiker? Ingenieure, die beim TÜV rollende Zeitbomben rausholen? Sind die alle auch depri? Müsste ich depressiv sein, wenn ich deren Job mache?

Ganz übel wird das wenn es mit Selbstüberhöhung verbunden wird und von den klinischen Fächer gegen die anderen Fächer verwendet wird. Aber wie heißt es so schön: There is no glory in prevention. Und in den anderen Fächern für die Helden der Medizin offenbar auch nicht.

Bonnerin
11.05.2020, 12:44
Wobei das jetzt keine Einstellung ist, die ich persönlich z.B. als "selten" oder ähnliches bezeichnen würde, ich kenne sehr viele, die genau darum Arzt werden/geworden sind. Das sind auch meistens die, die immer mit dem Wort "Berufung" um sich werfen als wäre es Kamelle an Karneval.

Ist halt irgendwie witzig, weil das die Leute sind, denen man jetzt schon den beginnenden Burnout anmerkt und die mich aber zeitgleich dafür belächeln, dass ich Anästhesie machen möchte/werde. Die meisten wollen Kardiologen werden, und ein paar Orthopäden.
Da kommen dann immer die Sprüche a la "Ja, hauptsache Kaffee trinken und auf der Arbeit und sonst nix" oder "Mir wäre das ja viel zu langweilig". Abgesehen von Notfallmedizin und der Intensivzeit kann man das vielleicht auch so sehen, aber ich bin einfach auch gerne meist pünktlich zu Hause. Hab ich dann halt den Studienplatz einer würdigeren Person weggenommen. Whatever.