Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Würdet ihr wieder Medizin studieren?
Seiten :
1
2
[
3]
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
@KR375
Für Dich wäre doch Medizinphysik perfekt. Das Aufbaustudium dauert nicht so lange wie ein Medizinstudium und Du kannst, z. B. in der Radioonkologie sehr gut klinisch angebunden arbeiten.
"Und ich würde nicht mein Leben lang etwas tun wollen, wofür ich mich nicht begeistern kann. Dafür bin ich viel zu begeisterungsfähig. "
Ich glaube, dass das ein Trugschluss ist, dem hier viele erliegen. Natürlich ist das ein Traum, den ganzen Tag sein Hobby beruflich auszuüben. Aber bis auf wenige Ausnahmen gelingt das niemanden. Sonst wäre ja auch kein Arbeitgeber so blöd und würde die Leute dafür bezahlen, dass sie ihrem Hobby nachgehen...
Natürlich sollte man keine Aversion gegen seine Arbeit haben und zeitweilig möglichst auch Spaß daran, aber die Vorstellung, dass man jeden Tag mit Begeisterung zur Arbeit geht ist doch für die allermeisten Berufe naiv. Gilt vermutlich sogar für vermeintliche Traumberufe wie Surflehrer in der Karibik ;-) Auch die werden Tage haben, an denen sie mal lieber was anderes machen würden; an denen sie die Betriebsabrechnung erstellen oder an denen sie sich wünschen doch wieder in der Heimat zu leben.
Von diesem Gedanken würde ich mich als erstes Trennen. Und dann überlegen, ob du mit der Physik deinen Lebensunterhalt bestreiten kannst ohne in Depressionen zu versinken.
Dann gibt es ja durchaus Überschneidungen - vielleicht schaust du dir die Medizinphysik nochmal genauer an? Oder bei einem Medizinproduktehersteller?
Ansonsten gibt es ja gerade in der Medizin auch viele Möglichkeiten sich "Hobby-mäßig" zu betätigen. Denke da z.B. an die Hilfsorganisationen - da hast du dann Medizin ohne die negativen Seiten (Dienste, Studium, 50h-Woche usw.) und übst dein Hobby als Hobby aus. Letzteres ist aus meiner Sicht nämlich Voraussetzung dafür, dass man langfristig für sein Hobby begeistert bleibt!
Feuerblick
07.06.2019, 11:40
Dieses „erfüllende Tätigkeit“, „begeisternde Tätigkeit“ geistert durch alle Vorstellungen vom Arztdasein. Wenn man sich hier aber mal unseren Assistenzarzt-Thread durchliest, wird man merken, dass selbst die begeisterten, vom Wunsch Arzt zu sein beseelten Jungkollegen nach wenigen Wochen bis Monaten komplett desillusioniert sind. Arztsein wäre toll, aber die Arbeitsbedingungen sind in vielen Fällen gruselig, man zahlt mit seinem Privatleben und manchmal sogar mit seiner Gesundheit dafür, Menschen helfen zu wollen (denen man auch in vielen Fällen nicht mal helfen kann). Daher empfehle ich jedem, der Medizin studieren möchte, ausführliche Praktika in der Klinik in vielen Abteilungen. Sprich mit Assistenzärzten, hör dir an, was sie zu sagen haben. Lies dir hier im Forum die Beiträge durch - und dann überleg dir, ob du mit den schlechten Seiten des Studiums und vor allem des Berufs klarkommen würdest oder ob dich das, wenn du ehrlich bist, jetzt schon abschreckt.
Begeisterung ist toll, aber keine zuverlässige Methode, sich ein Leben lang für seinen Job zu motivieren...
Ob ich nochmal studieren würde? Ich glaube, wenn ich heute 18 wäre und wüsste, wie mein Leben seither verlaufen ist - ich würde eine ganz andere Ausbildung machen oder etwas ganz anderes studieren. Medizin ist spannend, mein Fach mag ich wirklich gern und mein aktueller Job ist genau mein Ding, aber obs das alles wert war?
Genau das mit dem "Interesse an etwas verlieren, wenn man es zum Beruf macht" geistert mir auch durch den Kopf. Andererseits ist es ja aber auch irgendwie blöd, ein Interesse nicht zum Beruf zu machen, wenn diese Möglichkeit bestünde.
Unternehmensberatung würde ich nicht machen, da sind die Arbeitsbedingungen dauerhaft nichts für mich und es interessiert mich auch nicht besonders.
Über Medizintechnik habe ich auch schon nachgedacht, allerdings fehlt da ja leider wieder der menschliche Kontakt und ich bin mir auch nicht so sicher, inwieweit ich damit die nächsten 45 Jahre verbringen wollen würde. Da bleibt dann ja auch wieder nur Entwicklung oder QM und ich weiß nicht, ob ich das 45 Jahre lang machen will. Zwischenzeitlich sicher ganz nett, aber ich möchte gerne was, wo ich mich in 20 Jahren sehe ohne die Krise zu kriegen.
Und Medizinphysik fand ich in dem Praktikum, welches ich in Deutschland gemacht hab, nicht so klasse. Ich hätte lieber die Arbeit der Ärzte übernommen und konnte mir die Tätigkeit in der Medizinphysik überhaupt nicht für die nächsten 45 Jahre vorstellen.
Ich hab auch schon darüber nachgedacht, noch eine Ausbildung zB in der Physiotherapie (oder auch Mechatronik, weil ich das nicht schlecht finde, aber so sehr wie Medizin interessiert es mich halt auch wieder nicht) zu machen. Aber ich glaub, das wär auf Dauer auch nichts für mich.
Ich möchte ja schon noch die Möglichkeit haben, ein bisschen zu forschen, zumindest mal am Anfang (zB in einer Promotion in Medizin, je nachdem was es da dann so gäbe). Aber eben nicht gezwungen sein, für den Rest meines Lebens zu forschen oder etwas zu tun, was ich richtig ätzend finde (Vertrieb zB).
Also meine Motivation für Medizin ist aktuell ein Gemisch aus, ich will endlich für den Job Medizin lernen können und nicht nur so als Hobby, ich möchte mit Patienten arbeiten können, mich interessiert die medizinische Forschung am meisten, die Arbeitsplatzsicherheit in einem spannenden Bereich und auch nach Umzügen ist ein Punkt und ich weiß nicht, was ich sonst machen soll, ohne auf Dauer einzugehen.
Das Problem ist halt, wenn man ohne Medizinstudium in Richtung Medizin geht, bleibt man immer der kleine Handlanger am unteren Ende der Nahrungskette. Zudem halt wenig bis kein Patientenkontakt und sehr theoretische Arbeit (meine Erfahrung und mein Eindruck bisher, das können andere natürlich ganz anders sehen). Und gerade das theoretische, sehr grundlegende ohne direkten Anwendungsbezug stört mich jetzt extrem. Gibt natürlich auch noch anwendungsbezogeneres, aber da stellt sich dann schon wieder die Frage, wie ich an meinen Patientenkontakt komme.
"kleiner Handlanger am unteren Ende der Nahrungskette" ?????
Das erzähle mal einem Medizinphysiker (m/w/d) in der Strahlentherapie. Und dann frage mal einen Radioonkologen (m/w/d), was sie ohne Medizinphysiker (m/w/d) machen würden.
"wie ich an meinen Patientenkontakt komme"
Glaube mir bitte, dass Du dich als Arzt freuen wirst, wenn Du irgendwann an Deinem Arbeitstag mal keinen Patientenkontakt hast. Was denkst Du, wie das permanente Geklopfe an die Arztzimmertür einen nerven kann, wenn Du grade Entlassbriefe schreibst, Medis ansetzt oder einfach nur Deinen Kaffee trinken willst, der seit der Frühe im Arztzimmer steht und noch nicht angerührt werden konnte?
Feuerblick
07.06.2019, 13:03
Wie war das noch? „Die Medizin könnte so schön sein... wenn die Patienten nicht wären...“ :-))
Locutus001
07.06.2019, 13:21
Wie war das noch? „Die Medizin könnte so schön sein... wenn die Patienten nicht wären...“ :-))
"kleiner Handlanger am unteren Ende der Nahrungskette" ?????
Das erzähle mal einem Medizinphysiker (m/w/d) in der Strahlentherapie. Und dann frage mal einen Radioonkologen (m/w/d), was sie ohne Medizinphysiker (m/w/d) machen würden.
"wie ich an meinen Patientenkontakt komme"
Glaube mir bitte, dass Du dich als Arzt freuen wirst, wenn Du irgendwann an Deinem Arbeitstag mal keinen Patientenkontakt hast. Was denkst Du, wie das permanente Geklopfe an die Arztzimmertür einen nerven kann, wenn Du grade Entlassbriefe schreibst, Medis ansetzt oder einfach nur Deinen Kaffee trinken willst, der seit der Frühe im Arztzimmer steht und noch nicht angerührt werden konnte?
Das und das fasst es doch gut zusammen xD
Patientenkontakt ist vollkommen überbewertet ;-)
Und menschlichen Kontakt hat man ja auch in anderen Berufen. Im besten Fall zu netten Kollegen.
Aber hey, wenn Dich DLRG und Co. nicht glücklich machen als Medizinhobby und Du unbedingt der Held in weißem Kittel sein willst, der die Kaffeetasse energisch zur Seite stellt, den Kittel aufreißt und mit muskulös-männlichem Oberkörper zum Patienten eilt um ihm das Leben zu retten, dann solltest Du genau das machen!
Ungefähr so oder so ähnlich könnte es aussehen:
https://www.youtube.com/watch?v=wguJKz2md3Y
"kleiner Handlanger am unteren Ende der Nahrungskette" ?????
Das erzähle mal einem Medizinphysiker (m/w/d) in der Strahlentherapie. Und dann frage mal einen Radioonkologen (m/w/d), was sie ohne Medizinphysiker (m/w/d) machen würden.
"wie ich an meinen Patientenkontakt komme"
Glaube mir bitte, dass Du dich als Arzt freuen wirst, wenn Du irgendwann an Deinem Arbeitstag mal keinen Patientenkontakt hast. Was denkst Du, wie das permanente Geklopfe an die Arztzimmertür einen nerven kann, wenn Du grade Entlassbriefe schreibst, Medis ansetzt oder einfach nur Deinen Kaffee trinken willst, der seit der Frühe im Arztzimmer steht und noch nicht angerührt werden konnte?
Das habe ich tatsächlich schon mit Medizinphysikern bequatscht :-nix Bei meinem Praktikum in Deutschland in der Richtung hatte ich auch gar nicht den Eindruck, dass mich der Job auf Dauer befriedigen würde.
Klar sind Medizinphysiker super wichtig, aber ich hatte eben nicht den Eindruck, dass mir der Job zusagen würde. Für andere ist es genau das richtige, ich seh mich aber eben nicht da.
Ich dachte zwischendurch, dass das für mich die perfekte Kombination wäre. Hab dann aber festgestellt, dass es mich zumindest da, wo ich war, nicht befriedigen würde.
Die Sache ist ja, mich reizt eben gerade der medizinische Teil von der medizinischen Seite aus (von den anderen Seiten aus ist der medizinische Anteil auch nicht besonders groß). Nicht hauptsächlich Programme für medizinische Anwendungen schreiben, nicht hauptsächlich Bestrahlungspläne entwerfen und morgens und abends mal schauen, ob der Beschleuniger noch läuft. Sondern eben der medizinische Alltag. Gerne gewürzt mit etwas Physik/Technik. Aber ich kann mir eher vorstellen, Physik/Technik als Hobby und Medizin hauptberuflich zu machen als andersrum. Deswegen überlege ich ja, ob ich das nicht noch studieren sollte.
Ich freu mich auch über Alternativvorschläge, wär natürlich auch praktisch, nicht noch mal ewig in die Uni zu müssen.
Nur die Medizinphysik hab ich halt schon ausgetestet und es war leider nicht meins. Ich dachte vorher auch, dass das die perfekte Kombination sein könnte. Ich will auch nicht ausschließen, dass es mir in irgendeiner Klinik doch Spaß machen könnte. Aber aktuell sehe ich das nicht so kommen.
Meine Angst vor Nadeln habe ich mir inzwischen auf jeden Fall schon mal abtrainiert (weil ich ja vielleicht noch mal Medizin studieren könnte).
Ich will halt nicht die falsche Entscheidung treffen und das richtige für mich finden, daher wälze ich das Thema jetzt auch schon ne ganze Weile (die medizinischen Fachzeitschriften hab ich schon in der Schule gelesen und seit Studienbeginn denke ich immer wieder, ob Medizin nicht vielleicht doch das richtige wär, so richtig ernsthaft befasse ich mich jetzt seit ein paar Monaten mit der Möglichkeit).
Locutus001
07.06.2019, 13:39
Also bei der ganzen Rückmeldung die Du hier bekommen hast, gibt es wohl nicht mehr viel hinzuzufügen.
Ich befürchte dafür müsstest Du in ein Wahrsagerforum.
Aber ich habe hier noch diesen Link um Dir vielleicht bei Deiner Wahl zu helfen:
https://www.indra.com/8ball/front.html
Stell dem digitalen magic 8 ball einfach die Frage und schau was er antwortet. Das ist vermutlich die beste Strategie ab diesem Punkt.
Und vielleicht nochmal drüber nachdenken warum Du Physik studiert hast o.O
Also Alternativvorschläge sind auch willkommen :-) Mir ist bisher halt noch keine passende Alternative über den Weg gelaufen.
Ich hab Physik studiert, weil ich damals ganz anders tickte als jetzt :-) Und Physik interessiert mich ja auch, nur eben nicht so sehr wie Medizin (was eigentlich auch damals schon so war bei Lichte betrachtet...). Vor allem haben sich meine Wünsche bzgl. der späteren Arbeit sehr geändert im Laufe meines Studiums und der Erfahrungen, die ich drumherum so gemacht hab.
Ja, so ein Wahrsagerforum wär schon praktisch ;-) Da es das aber nicht gibt, versuche ich so viele Informationen wie möglich einzuholen, bevor ich mich entscheide.
@KR375
Du wirst die "eierlegende Wollmilchsau" im Berufsleben IMHO wahrscheinlich nicht finden.
Ich habe mich auch viel zu lange über meine Berufswünsche definiert (Medizin war mein Zweitstudium nach einem geistes-sozialwissenschaftlichen Mischfach).
Job ist nicht alles. Es gibt auch noch Lebensglück :-) Und ich habe durch das Medizinstudium vieles andere vernachlässigen müssen (Familiengründung, finanzielle Absicherung), was andere in meinem Alter schon längst erreicht haben. Cave!
Der Punkt ist halt: Das Physikstudium hat mir Spaß gemacht und fiel mir auch recht leicht, aber meine Berufswünsche, die ich im Laufe des Studiums so angesammelt hab, haben sich als doch nicht so toll herausgestellt (für mich, für andere ist es genau das richtige - eine Freundin von mir macht etwas nicht wesentlich weniger theoretisches grad und geht voll darin auf).
Lange Zeit während des Studiums ging es mir auch mehr darum, überhaupt einen Job zu bekommen. Inzwischen ist mir klar, dass ich den kriegen werde (wobei ich mir da bei einem Wohnortwechsel um die 50/60 schon Sorgen machen würde), die Frage ist nur, ob ich mich damit wohlfühle.
Zudem bin ich jetzt eben auch an dem Punkt, an dem ich mir denke, dass ich langsam rausfinden sollte, was ich beruflich machen will. Und da finde ich einfach die Vorstellung, nie weiter in den medizinischen Bereich zu gehen, sehr schade.
Bisher ist es aber eben nur eine Vorstellung, ich hab nur mal kurz während Praktika reingeschnuppert.
Ich wollte jetzt auch noch mal ein Praktikum machen, damit ich es noch etwas besser abschätzen kann.
@Zilia Das stimmt natürlich. Sowohl, dass es die eierlegende Wollmilchsau nicht gibt (die ich aber schon gern hätte, kein Wunder, wer will die nicht :D ), als auch, dass auch anderes wichtig ist.
Wie kam es denn, dass du den Rest so sehr vernachlässigen musstest? (Wenn dir das nicht zu privat ist)
Andererseits merke ich aber auch, dass sich Unzufriedenheit/Unsicherheit im Job auch sehr negativ auf das Privatleben auswirkt.
Zeit und Geld. :-keule: :-)
timothy007
07.06.2019, 18:46
Ich muss Zilia beipflichten. Die Prioritäten ändern sich im Leben. Das habe ich im Verlauf des Studiums mehr gelernt als irgendetwas Inhaltliches und das hast du selbst ja auch bereits gemerkt. Quasi die gesamte Kindheit dreht sich bei vielen in unseren Breitengraden alles um den Job. Benjamin Blümchen stellt diverse Facetten des Bäcker- und Arzt-Daseins vor, die Schule, die lange den Hauptlebensinhalt darstellt, predigt einem "Karriere, Karriere, Karriere", die Oma fragt jedes mal, was man denn mal werden will.
Habe ich die Studienentscheidung noch als das Nonplusultra der Relevanz empfunden, definier ich mich mittlerweile so gut wie gar nicht mehr über meinen Job. Wenn ich über mein Leben nachdenke, denk ich erstmal an meine Leute, meine Reisen, meine Hobbies. Würdest du mich nachts wecken und fragen, was mein Job ist, könnte ich dir die Frage wahrscheinlich erst einmal nicht beantworten - weil es letztlich mittlerweile so gar keine Relevanz mehr für mich hat, ob ich die paar Stunden am Tag jetzt als Arzt oder als Tierpfleger tätig bin.
Ich habe auch Medizin als zweites Studium drauf gesattelt. Und während der ein oder andere im Freundeskreis den zweiten oder dritten Karrieresprung durchlebte und in Gehaltssphären aufstieg, die ich für mich als zukünftiger Arzt für die gesamte Karriere bereits vorab ausschließen konnte, sagte ich einen Urlaub, ein Konzert, ein Essen usw. nach dem anderen ab - weil es finanziell einfach nicht ging. Irgendwann ist man dann auch der letzte Student auf der Party und wird auch mehrfach im Laufe des Abends darauf hingewiesen. Dieses "Hinterher hinken" löst sich auch nach dem Studium nicht auf, denn dann beginnt die eigentliche Ausbildung ja erst.
Letztlich bringt dir das ganze Gefasel aber nichts. Wie du in drei oder fünf Jahren denkst, kannst du nunmal nicht vorhersehen.
Powered by vBulletin® Version 4.2.3 Copyright ©2026 Adduco Digital e.K. und vBulletin Solutions, Inc. Alle Rechte vorbehalten.