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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Würdet ihr wieder Medizin studieren?



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][truba][
07.06.2019, 21:06
Wo ist das Problem?
Du legst Geld zurück und hast erspartes durch deine Verwandten. Eventuell kannst du ja sogar nebenher Jobben (Physikpraktika an der Uni oder sowas leiten).

Wenn du fertig bist, fang an zu arbeiten und sieh, was das oftmals für ne *eiße ist. Wenn es dir trotzdem gefällt, ist es doch gut.
Wenn du doch lieber wünschst, so nicht arbeiten zu wollen (wie fast alle hier wie du gelesen hast), hast du die besten Vorraussetzungen viel Geld bei besseren Arbeitsbedingungen bei Siemens, GE etc. zu verdienen.

Hätte ich einen Doktor in Physik (oder zumindest n Abschluss in Physik :-D) würde ich nicht mehr im Krankenhaus arbeiten.

anignu
08.06.2019, 19:39
Die Illusion wie toll Medizin ist hält so lange vor bis man die ersten Monate als Assistenzarzt gearbeitet hat.

Einer Freundin von mir hab ich während des Studiums regelmäßig erzählt wie die Arbeitsbedingungen sind, wieviele Wochenenden ich arbeite und wieviel Sch.... ich zu tun hab, was eigentlich nichts mit Medizin zu tun hat. Ich sag nur: die Menge an auszufüllenden Zetteln wird immer mehr. Sie hatte noch einen Job den sie neben dem Studium immer so ein bissl gemacht hat, der ihr sehr sehr viel Spaß gemacht hat und den sie auch mit schon einigen Stunden pro Woche weitermachen wollte. Außerdem sagte sie "ich mach ja eh nur Innere, da ist das alles nicht so schlimm". Sie glaubte dann auch noch dass man als kleinster Assistenzarzt einfach mal sagt, dass man halt nur in Teilzeit anfängt und dann nebenbei noch ihren Hobby-Job macht. Und es kam genau so wie ich es ihr immer gesagt hatte: sie hat natürlich nicht in Teilzeit angefangen, sie hatte natürlich null Zeit mehr für den anderen Job und den gekündigt und bzgl. der Arbeitsbedingungen (die aus chirurgischer Sicht gar nicht sooo schlecht sind) überlegt sie schon wieder zu kündigen. Desillusioniert. Genau wie erwartet. Aber dass die Bedingungen wirklich so sind wie sie sind glaubt man immer erst wenn man sie selbst erlebt hat. Daher: mach Medizin. Wenns dich interessiert. Oder du belässt es bei einem Hobby. Ich mein du brauchst eh ein Hobby...

Reflex
09.06.2019, 06:42
Das Problem am Anfang ist ja nicht nur die Arbeitsbedingungen sondern auch der eigene Anspruch, der oft viel zu hoch ist. Das hat mich am Anfang am meisten frustriert und die Gelassenheit, dass wenn Struktur, Priorisierung und Logistik gut laufen, der Rest durch zunehmende Arbeitserfahrung von alleine kommt...

John Silver
09.06.2019, 08:12
Ihr seid aber ein wirklich bemitleidenswerter Haufen. Ich habe das Studium nie als eine Bürde empfunden, auch wenn ich mir keinen Urlaub etc. leisten konnte. Ich war im Beruf nie desillusioniert, weil ich wusste, dass man einiges zu schlucken bekommt, aber halt das Ziel nicht aus den Augen verlieren darf. Ja, es ist anstrengend etc., aber man kommt da durch. Und jetzt? Ich bin 38, leitender OA, super Arbeitszeiten, Gehalt ist auch super, kaum Überstunden (so 1-2 pro Monat), Rufdienste, in denen ich kaum mal angerufen werde, geschweige denn reinkommen muss, und ja, endlich einen Alltag, in dem so gut wie nie gehetzt bin und mit der Zeit nicht auskomme; ich operiere, worauf ich Lust habe, und habe reichlich Zeit für die Kinder. Es ist nicht nur Scheixxe, es lohnt sich, man muss sich nur überlegen, was man erreichen will.

Hoppla-Daisy
09.06.2019, 08:50
Mit Verlaub, John Silver, da scheinst du aber in der Minderheit zu sein, meinst du nicht? Und nicht jeder wird OA (oder gar leitender.... meist heißt es ja eher "leidender OA") und hat das Glück, nen chilligen Job zu haben mit guten Arbeitsbedingungen. Klar, jeder ist seines Glückes Schmied, so sagt man zumindest. Aber ein bisschen Glück gehört auch dazu.

Und du weißt schon, dass "nie" in der Medizin bzw. beim IMPP immer falsch ist, ne? ;-)

Ich hab mein Studium insgesamt auch nicht (nicht nie!) als Bürde empfunden. Es war hart, alleinerziehend mit Kind, aber hab's ja offenbar geschafft. Desillusioniert war ich im Job schon so manches Mal, und nicht immer waren es Bedingungen, die ich selbst hätte ändern können (wenn man Alleinverdiener für seine Mikrofamilie ist, kündigt man nicht mal eben, wenn's irgendwie so gar nicht rund läuft).

Klar, man weiß im Vorfeld theoretisch, was auf einen zukommt nach dem Studium. Dass Dienste schwer auf die physische und psychische Gesundheit gehen können, möchte wohl niemand abstreiten, oder? Die Frage ist nur, wie resilient ist man. Und da sind Menschen halt verschieden.

timothy007
09.06.2019, 13:01
Ich bin 38, leitender OA, super Arbeitszeiten, Gehalt ist auch super, kaum Überstunden (so 1-2 pro Monat), Rufdienste, in denen ich kaum mal angerufen werde, geschweige denn reinkommen muss, und ja, endlich einen Alltag, in dem so gut wie nie gehetzt bin und mit der Zeit nicht auskomme; ich operiere, worauf ich Lust habe, und habe reichlich Zeit für die Kinder. Es ist nicht nur Scheixxe, es lohnt sich, man muss sich nur überlegen, was man erreichen will.

Nunja, die Threaderstellerin hat ja bereits eine sehr gute Ausbildung hinter sich. Entsprechend stehen ihr viele Wege bereits jetzt offen und entsprechend darf man hier auch ruhig mal abraten.

Trotzdem Glückwunsch, dass du mit 38 endlich einen Alltag genießt, in dem du "so gut wie nie gehetzt" bist - Bomben Leistung. Das hättest du mit deinem Abitur, das dir offensichtlich immerhin einen Medizin-Studienplatz verschafft hat, 10 Jahre früher haben können und hättest dabei auch noch die große Chance gehabt, mehr als dein "super Gehalt" zu verdienen.

Chip98
09.06.2019, 13:23
Laut jeder gängigen Statistik verdienen Ärzte im Durchschnitt am meisten. Ich versteh nicht so ganz, warum immer gesagt wird hätte ich Ingenieur oder BWLer gemacht- beide verdienen im Durchschnitt deutlich weniger.

https://www.studis-online.de/Karriere/gehaltsaussichten-hochschulabsolventen.php

pottmed
09.06.2019, 13:29
Das ist ein subjektiver Eindruck, dass wir schlecht verdienen. Medizin halte ich für den sichersten Weg zu einem guten Einkommen.

Nur sind die Ausreißer nach oben in BWL und Ingenieurswesen deutlich krasser.

WackenDoc
09.06.2019, 13:45
Mit ner passenden Privatpraxis kann man vor allem bei fehlenden Skrupeln sehr viel Geld verdienen. Das nimmt sich nicht mehr viel mit Spitzenverdiensten von Ingenieuren oder ITlern oder Anwälten.
(Achso Anwälte- ein guter Freund von mir ist einer. Da geht es schon damit los, dass das Studium heftig ist und noch mehr von Willkür geprägt und einige fallen noch bei den Abschlussprüfungen durch. Und man braucht dann auch noch einen guten Abschluss um eine vernünftige Stelle zu bekommen. Also besagter Freund verdient deutlich mehr als ich, aber der ist auch ständig unterwegs mit Arbeitszeiten jenseits von gut und böse. Also tauschen wollte ich nicht unbedingt.)

Biene88
09.06.2019, 16:23
Geld ist auch nicht alles. Freunde von mir- vom Lehrer zum Autoverkäufer verdienen netto so viel wie ich mit Diensten.
Viel wichtiger sind die Arbeitsbedingungen und die Work-Life-Balance. Das Ende meiner WB-Zeit ist jetzt so langsam in Sicht und ich werde nicht wirklich traurig sein der Klinik den Rücken zu kehren. Wenn ich zurückdenke was man seiner Gesundheit und seinem Privatleben angetan hat die letzten Jahre frag ich mich schon, ob’s das alles wert war...

OhDaeSu
09.06.2019, 19:15
Medianer Reinertrag je Inhaber liegt über alle Fächer bei rund 170k. Gibt wohl keine andere Ausbildung, mit der man bar jeder Begabung mit ca. 40 in diese Einkommensregionen kommt.

John Silver
09.06.2019, 20:55
Mir ist schon klar, dass nicht jeder meine Laufbahn nachmachen kann, aber unmöglich ist es nicht.
Was das Gehalt betrifft, so ist mein Bruder ein recht hohes Tier (über ihm nur Partner) bei einer großen Consulting-Firma, und er verdient etwas weniger als ich. Ich kenne einige IT-ler, Ingenieure, Lehrer etc., und die meisten von ihnen müssen mit mehr Stress weniger Gehalt verdienen. Klar, wir müssen durch die Weiterbildung durch, die ist kein Zuckerschlecken und gelegentlich sehr frustrierend; aber wir können uns durchkämpfen und es dann deutlich besser haben; die meisten Menschen in anderen Berufen können das nicht.
Ihr seid mir einfach zu viel am Jammern und abraten. Dann ist sie eben nicht mehr 20, und hat Physik studiert. Ist doch super: Medizinstudium, Partner finden, Weiterbildung zum sagenwirmal Facharzt für Strahlentherapie, während der Weiterbildung Kinder bekommen, Fachärztin mit 40, noch 27 Jahre Berufstätigkeit vor sich, und das ohne Überstunden und ohne Arbeit nachts und am Wochenende, mit Oberarztgehalt im Mangelfach locker mal von mindestens 120.000 pro Jahr. Klingt das sooo unrealistisch? Nicht garantiert, klar, insbesondere die Kiste mit Partner und Kindern, aber auch alles andere als unmöglich. Wenn man euch allen jedoch so zuhört, könnte man meinen, das Dasein eines Arztes sei eine einzige Enttäuschung, und alles nur Mist. Das ist doch Quark.

xyl15
09.06.2019, 22:35
Also Alternativvorschläge sind auch willkommen :-) Mir ist bisher halt noch keine passende Alternative über den Weg gelaufen.

Jetzt mal ganz konkret: Physiotherapeut? Hat zumindest sehr direkten Patientenkontakt, die Arbeitszeiten sind überschaubarer als bei Ärzten, allerdings der Verdienst geringer.

Kackbratze
09.06.2019, 23:17
Ich biete noch Edel-Escort an. Mit mindestens einem Studienabschluss definitiv im oberen Bereich. Verdienst direkt an den Aufwand und den gewünschten Endkundenkontakt gebunden UND sehr häufig neben der körperlichen Behandlung gute Verpflegung und lange Anamnesegespräche. Wenn das nix Paramedizinisches mit gutem Gehalt ist, was dann?

anignu
10.06.2019, 01:56
Mir ist schon klar, dass nicht jeder meine Laufbahn nachmachen kann, aber unmöglich ist es nicht.
Es ist auch allen klar, dass nicht jeder Top-Manager werden kann. Aber unmöglich ist das nicht... ist das ein Grund jemanden zu empfehlen BWL zu studieren? Nein. Es geht um die Masse der Leute.

Ihr seid mir einfach zu viel am Jammern und abraten.
Seh ich nicht so. Ich seh es so, dass man den Leuten die Illusion nehmen muss. Viele gehen mit völlig verklärtem Blick in ein Studium und kommen danach umso härter in der Realität an. Man sollte die Realität erklären und dann kann sich jeder überlegen ob es sich das antun will. Ich find zum Beispiel Lehramt noch sehr sehr viel schlimmer als meinen Job. Auch wenn die Freizeitquote eine völlig andere ist (wenn man es schafft sich die Dinge wie Prüfungsvorbereitung/Korrekturen und Unterrichtsvorbereitung sinnvoll einzuteilen)

Wenn man euch allen jedoch so zuhört, könnte man meinen, das Dasein eines Arztes sei eine einzige Enttäuschung, und alles nur Mist. Das ist doch Quark.
Nicht eine einzige Enttäuschung. Aber mich enttäuscht regelmäßig aufs Neue wie krass weit weg die Krankenhausleitung von der Realität ist und welchen Schwachsinn man zu tun hat. Das ist Mist. Nicht die Erzählung davon.

Und Glückwunsch dass du deine Nische gefunden hast.

Carnivore
10.06.2019, 08:15
Jetzt mal ganz konkret: Physiotherapeut? Hat zumindest sehr direkten Patientenkontakt, die Arbeitszeiten sind überschaubarer als bei Ärzten, allerdings der Verdienst geringer.

Ich hoffe das war ein Scherz! Ich war selbst Logopädin und habe auch mit Physiotherapeuten zusammen gearbeitet. Niemandem würde ich jemals empfehlen diesen Beruf zu ergreifen. Je nach Region bekommt man gerade mal ein bisschen mehr als Mindestlohn. Weiterbildungen werden oft aus eigener Tasche bezahlt. Verordnungen muss man in seiner Freizeit korrigieren lassen, damit es auch ja keine Absetzungen gibt, wegen einem fehlenden Kreuzchen. Mal was übersehen, zack 10h Arbeit unbezahlt geleistet.

Wenn der Partner sehr gut verdient und man selbst nur etwas dazu verdienen und dem Partner den Rücken freihalten möchte, dann nur zu.
Von diesem Beruf leben kann man nicht, höchstens überleben.

John Silver
10.06.2019, 08:42
Es ist auch allen klar, dass nicht jeder Top-Manager werden kann. Aber unmöglich ist das nicht... ist das ein Grund jemanden zu empfehlen BWL zu studieren? Nein. Es geht um die Masse der Leute.

Du willst doch jetzt nicht mich mit einem Top-Manager vergleichen? Ein Karriereweg wie meiner steht erheblich mehr Ärzten offen, als BWLern der Weg ins oberste Management.


Seh ich nicht so. Ich seh es so, dass man den Leuten die Illusion nehmen muss. Viele gehen mit völlig verklärtem Blick in ein Studium und kommen danach umso härter in der Realität an. Man sollte die Realität erklären und dann kann sich jeder überlegen ob es sich das antun will. Ich find zum Beispiel Lehramt noch sehr sehr viel schlimmer als meinen Job. Auch wenn die Freizeitquote eine völlig andere ist (wenn man es schafft sich die Dinge wie Prüfungsvorbereitung/Korrekturen und Unterrichtsvorbereitung sinnvoll einzuteilen)

Schon klar, aber bei euch klingt es so, als gäbe es überhaupt nichts Gutes im Arztberuf, und das ist nicht wahr. Glaubst Du, ich hätte mich nicht Hunderte Male über die Geschäftsführung oder die Politik geärgert? Aber glaubst Du, BWLer, Physiker etc. müssen sich nicht über ihre Chefs ärgern? In der Wirtschaft sind die Bosse oftmals noch größere Popolöcher.


Nicht eine einzige Enttäuschung. Aber mich enttäuscht regelmäßig aufs Neue wie krass weit weg die Krankenhausleitung von der Realität ist und welchen Schwachsinn man zu tun hat. Das ist Mist. Nicht die Erzählung davon.

Und Glückwunsch dass du deine Nische gefunden hast.

S.o. Das hat man überall, nennt sich „Kapitalismus“.

erdbeertoertchen
10.06.2019, 08:48
Jetzt mal ganz konkret: Physiotherapeut? Hat zumindest sehr direkten Patientenkontakt, die Arbeitszeiten sind überschaubarer als bei Ärzten, allerdings der Verdienst geringer.
Physios haben einen Bruttolohn von ca.1800€, sind von den Rezepten abhängig die der Arzt ausstellt, es werden immer weniger Rezepte ausgestellt. Hinzukommt um zB Lymphdrainage oder manuelle Therapie abrechnen zu können, braucht man die entsprechende Fortbildung, die teuer ist und man selbstverständlich selber bezahlen muss. Vor ca. 10 Jahren kostete Lymphdrainage 4Wochen Fortbildung 1200€. Hinzukommt, dass für KG ca. 14 € brutto für 15-25 Minuten bezahlt wird, so dass manche Praxen Patienten im 15 Minutentakt behandeln.
Wenn man nicht auf das Geld angewiesen ist, der Kostendruck nicht stört, kann man den Job machen. Ansonsten sollte man sich diese Jobwahl gut überlegen.

WackenDoc
10.06.2019, 10:03
Was man auch nicht vergessen darf- Physiotherapeuten sind sehr auf das Funktionieren ihres eigenen Körpers angewiesen. Die körperlichen Belastungen des Berufs sind da nicht gerade ein Vorteil.

Richtig Geld verdienen kann man damit wohl nur, wenn man noch den HP-Schein macht und sich einen Ruf als guter Osteopath erwirbt. Oder man ignoriert komplett jegliche Moral und bietet so etwas wie "geistige Wirbelsäulenaufrichtung" an. Man muss nur eine gute Show drumrum sorgen, braucht keine Ausbildung, hat quasi keine körperliche Belastung und zahlungskräftiges Klientel.

Thomas24
10.06.2019, 10:08
Ich biete noch Edel-Escort an. Mit mindestens einem Studienabschluss definitiv im oberen Bereich. Verdienst direkt an den Aufwand und den gewünschten Endkundenkontakt gebunden UND sehr häufig neben der körperlichen Behandlung gute Verpflegung und lange Anamnesegespräche. Wenn das nix Paramedizinisches mit gutem Gehalt ist, was dann?

Endlich mal ein sinnvoller Beitrag! :-top