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WackenDoc
11.08.2019, 15:40
Das hat halt auch mit Respekt zu tun-
Wenn die Pflege Übergabe macht, sind die Akten bei der Übergabe und es wird nur in dringlichen Fällen gestört.
Wenn der Arzt Visite macht, sind die Akten bei der Visite und Störungen werden nach Möglichkeit abgeblockt.

Und wenn sonst noch Akten gebraucht werden, muss das halt abgesprochen werden, wer (zumindest grob) zu welchen Zeiten die Akten warum braucht.

Feuerblick
11.08.2019, 15:43
Jupp... sollte aber doch kein Problem sein. :-nix
Ich bin eigentlich echt friedlich, aber wenn ich ständig Akten suchen müsste und meine Doku darunter leiden bzw. maximal ineffizient werden würde, würde ich wohl einmalig sehr deutlich werden. :-nix
Letztlich hängt im Worst Case meine Approbation an meiner Dokumentation.

Evil
11.08.2019, 18:58
Da sind die Kliniken aber auch technisch nicht auf dem neuesten Stand. In meiner Praxis gibt es keine Papierakten mehr, da kann ich jederzeit elektronisch auf die Akten zugreifen; nur wenn gerade ein bestimmrer Eintrag bearbeitet wird, kann ich den von woanders nicht einsehen, alles andere aber schon.

Pflaume
11.08.2019, 19:14
Mit Einhaltung des europäischen Arbeitszeitgesetzes müsste die Medizin endlich (wird aber noch ewig dauern; vielleicht auch nie geschehen) auf ein normales Maß zurechtgestutzt werden.
Wie realistisch ist das?

Als die EU-Arbeitszeitrichtlinie vom 23.11.1993 verabschiedet wurde, ging ich noch zur Schule und dachte noch nicht mal ans Studium. Müßte die Details nachlesen, aber soweit ich mich erinnere, enthielt diese Richtlinie bereits eine Begrenzung der Arbeitszeit auf 48 Wochenstunden. Ich erinnere mich noch, wie es damals (vor fast 26 Jahren!) hieß, dass dies enorme Auswirkungen insbesondere auf die Arbeitsbedingungen der Ärzte haben werde. Aus der EU-Richtlinie ergab sich auch, dass Bereitschaftsdienst zur Arbeitszeit zählt und somit zu den 48h Wochenarbeitszeit dazuzählt. Es folgte ein jahrelanger gerichts-Prozess und schließlich 2003 das Grundsatzurteil im Fall Jäger, mit dem dann endgültig klar gestellt wurde, dass Bereitschaftszeit tatsächlich Arbeitszeit im Sinn der EU-Richtlinie ist. Zu der Zeit war ich im Studium, und ich erinnere mich, wie abermals durch den Medienwald tönte, dass dieses wegweisende Urteil eine Umstellung des gesamten Gesundheitssystems bedeutet, geringere Wochen-Arbeitszeiten für Ärzte, höheren Bedarf an Ärzten, um die Bedingungen zu erfüllen, etc. pp. Das ist jetzt 16 Jahre her. Ungefähr zu dem Zeitpunkt begann auch die "Ärztemangel-"Situation und das Kippen bei den Absolventenzahlen von männlicher Dominanz zu weiblicher. Auch daraus ergaben sich Erwartungen, dass "Frauen dazu nicht bereit sind" und "Arbeitgeber um Ärzte werben müssen" und sich die Arbeitsbedingungen und -zeiten verbessern müßten.

Wo stehen wir heute, 26 Jahre (!!!) nach der EU-Richtlinie und 16 Jahre nach dem Urteil Jäger? Wieviel hat sich "verbessert"?

Wenn ich mir die Realität ansehe, glaube ich nicht, dass ich während meines Arbeitslebens noch entscheidende Verbesserungen in den Arbeitsbedingungen der Weiterbildungsassistenten erleben werde. Fachärzte haben eine andere Verhandlungsposition, wie schon mehrfach hier im Thread angemerkt.

Relaxometrie
11.08.2019, 19:22
Da sind die Kliniken aber auch technisch nicht auf dem neuesten Stand.
Es gibt leider noch viel zu viele Kliniken ohne elektronische Akte.
Obwohl....vielleicht idealisiere ich die elektronische Akte? Ich würde mich über Erfahrungsberichte von Kollegen, die elektronische Akten in der Klinik verwenden, freuen. Was für Schwierigkeiten gibt es mit einer elektronischen Akte?

Pflaume
11.08.2019, 19:33
Elektronische Akten haben (bei uns) diverse Nachteile: Man kann zB keine Aufkleber reinkleben, sondern darf schön von Hand die Nummer vom EK eintippen als Nachweis dafür, dass man es gegeben hat. Man ist durchgehend auf einen PC angewiesen. Und ich finde elektronische Akten unübersichtlicher, wenn es darum geht, rasch einen Überblick zu bekommen. In der schriftlichen Dokumentation kann man keine Zeichnungen oder Pfeile machen, sondern muß alles ausformulieren. Ich muß mir nach dem Patientenkontakt die Hände desinfizieren und dann mit nassen Fingern auf dem PC rumtippen - da schreibe ich lieber mit nassen Fingern mit Kuli. Ich persönlich vergesse in der elektronischen Akte auch definitiv eher, Dinge zu dokumentieren, als das beim Schreiben mit Kuli geschah. Kann aber sein, dass das Gewöhnungssache ist.

Größter Vorteil ist neben der ständigen Verfügbarkeit die Tatsache, dass man nicht mehr die Sauklaue vom Kollegen entziffern muß.

Ein weiterer großer Vorteil ist, dass das Risiko, aufgrund eines Dokumentationsmangels erfolgreich verklagt zu werden, für das Krankenhaus durch die elektronische Akte massiv sinkt. Kein Gutachter hat Lust, sich die vollkommen zusammenhanglosen Ausdrucke, die ihm von elektronischen Patientenakten zur Verfügung gestellt werden, auf Dokumentationsfehler zu untersuchen. Da wird lieber einfach angenommen, dass schon alles korrekt ist. Ich hatte mal einen Haftpflicht-Fall mit haarsträubenden Dokumentationsmängeln, die der Gutachter offensichtlich überhaupt nicht bemerkt hatte.

Kann natürlich sein, dass das irgendwann geändert wird und eine Vorschrift eingeführt wird, Ausdrucke einer elektronischen Patientenakte zur Verfügung zu stellen, die ähnlich gut lesbar sind wie eine analog geführte Patientenkurve.

vanilleeis
11.08.2019, 19:36
Ich wusste ehrlich gesagt gar nicht, dass es noch Papierakten auf Station gibt, und nicht überall elektronische. Imed bei uns ist zwar ätzend, aber man kann überall auf alles zugreifen.

h3nni
11.08.2019, 19:57
Elektronische Akten haben (bei uns) diverse Nachteile: Man ist durchgehend auf einen PC angewiesen.

Das empfand ich in der Famulatur echt als Nachteil! Immer so nen ganzen Schrank mit rumfahren müssen, und dann geht der Laptop nicht und die ganze tolle elektro Akte bringt nichts und man muss die ganze Zeit ins externe Arztzimmer laufen. Hats nicht so gebracht.
Und es waren nicht mal die Kurven inkludiert.
Die Uni hat mWn alles auf iPads, das ist dann ganz cool, da kann man Fotos von Befunden machen und sie über die Akte direkt ins Pacs einspeisen.

Kandra
11.08.2019, 20:01
Wir haben jetzt Ipads auf den Stationen, damit macht die Pflege Fotos von den Babys ^^
Ansonsten ist die elektronische Patientenakte bei uns noch sehr sehr weit entfernt.
Ich bin immer mal wieder konsiliarisch an einem Haus, welches mit einer elektronischen Akte arbeitet, so wie das da umgesetzt ist, möchte ich es eigentlich nicht haben. Sehr unübersichtlich und kompliziert. Aber vllt wäre es besser, würde ich regelmäßiger damit arbeiten.

WackenDoc
11.08.2019, 20:07
Blättern geht in elektronischen Akten viel schlechter. Und man kann sehr schlecht dinge nebeneinaner legen.
Wir fahren zweigleisig- also wir haben alte Akten die Papier sind und die werden fortgeführt. Da kann ich z.B. die Historie der Hörtestbefunde viel schneller nachvollziehen als das in der elektronischen geht.
An meinem Zentrum drucken wir noch alle Befunde aus, weil man das einfacher dem PAtienten zeigen und drin rummalen kann. auch der anamnese/Befundbogen ist auf Papier besser als die Elektronische Version- ich will mit dem Probanden sprechen und nicht mit dem Bildschirm. Nachteil- das muss alles in die elektronische Akte übernommen werden. Das macht zur Zeit unsere Assistenz und die Originale werden gescanned.
Im Nachbarzentrum ist alles eletronisch außer einem Laufzettel. Da brauch ich aber z.B. den zweiten Bildschirm, um Befunde zu sehen/den Probanden zu zeigen und Daten für die BK-Meldung müsste ich entweder mühsam von der Akte in ein Word-Dokument übernehmen (zwei offene programme machen halt wieder ihre eigenen Probleme) oder ich schreib es einfach auf den Laufzettel- ist einfacher.

Feuerblick
11.08.2019, 20:08
Wir hatten vor Jahren schon eine, technisch allerdings wenig ausgereifte, elektronische Patientenakte. Hatte den Vorteil, dass man erstens alles lesen konnte und zweitens von jedem Computer aus (in unserem Fach hat man ja die Patienten im Untersuchungszimmer und den Computer direkt neben sich) auf alle Befunde und Einträge zugreifen konnte. Leider noch ohne vernünftige Suchfunktion und leider mit wenig komfortabler Archivierung von Bildbefunden. Aber schon mal um Längen besser als das Papierteil. Tablets wären noch toll gewesen, aber hey, das ist fast zehn Jahre her...

WackenDoc
11.08.2019, 20:08
Achso- Papier kann verloren gehen und zerstört werden, Computer sind an Stromversorgung, einen funktionierenden Server und ein funktionierendes Computersystem gebunden. Schmiert das Ding ab, kommst halt nicht an die Daten.

freak1
11.08.2019, 21:57
Dafür braucht man dann halt ein Ausfallkonzept.

Federgt
12.08.2019, 20:31
Die australische Methode: Papiernotizen, die eingescannt werden. Wurde zumindest an den zwei Häuser, an denen ich war, so gemacht.

Silent1
27.08.2019, 07:55
folgende situation: angenommen man hat eine stellenzusage bei Krankenhaus x, möchte aber lieber ins Krankenhaus y. bei Krankenhaus y dauert das mit dem bewerbungsverfahren noch (kp wie lange). wie ist die Rechtslage, wenn ich bei Krankenhaus x zusage und dann, wenn krankenhaus y zusagt, vom vertrag zurücktrete? ich möchte am ende nicht mit leeren Händen dastehen

tarumo
27.08.2019, 08:21
Es ist zwar nicht die feine Art, aber selbst nach einem unterschriebenen Arbeitsvertrag kann man kurzfristig vorher absagen, zur Not auch bis zum 1. Tag.
Desweiteren gilt die Kündigungsfrist (üblicherweise 14 Tage) in der Probezeit für beide Seiten, d.h. wenn man vier Wochen Differenz im Eintrittsdatum hat, kann man ganz regulär kündigen.
Die Personalabteilung macht sich vermutlich deutlich weniger einen Kopf wg. irgendwelcher "Befindlichkeiten" oder "unfeinen Arten", daher sind AN-seitig auch wenig Skrupel angesagt.

davo
27.08.2019, 08:25
Es geht um Psychiatrie in Sachsen. Wie groß ist da die Wahrscheinlichkeit, am Ende mit leeren Händen dazustehen? ;-)

Ich würde einfach Krankenhaus y anrufen, die Situation schildern und um eine schnelle Entscheidung bitten.

tarumo
27.08.2019, 15:25
Stimmt, da bedarf es noch nicht mal eines Medizinstudiums, um ein übertarifliches Gehalt zu kassieren *duckundweg*

Shade
30.08.2019, 13:42
Ich arbeite in einem Krankenhaus mit elektronischer Akte und muss sagen, dass ich darüber sehr froh bin. Es gibt kein Rangeln um Akten, alle Einträge (Medikamente, aber auch Blutdruckwerte z.B. die die Pflege eingibt) sind mit Namen versehen, so dass man immer nachvollziehen kann, wer es wann eingegeben hat. Im Dienst kann ich bequem von meinem Dienstzimmer aus Bedarfsmedikamente anordnen, Vorbriefe anschauen usw. Natürlich gibt es auch Überschneidungen zur Papierform, z.B. werden Vorbefunde, die der Patient mitbringt, eingescannt und trotzdem in einem Patientenordner gesammelt oder Konsile müssen ausgedruckt und gefaxt werden. Ich wäre so froh, wenn das blöde Faxen über die Sekretariate endlich aufhören würde und wir so etwas direkt digital z.B. per E-Mail kommunizieren könnten. Wahrscheinlich hat sowas noch datenschutztechnische Hürden.

freak1
30.08.2019, 20:15
Bei dem Versandthema darf man auch die technische Umsetzung nicht unterschätzen. Schau dir einfach mal an was für eine Katastrophe das digitale Postfach für die Anwälte ist. Eine Platform zu schaffen die überall gleich funktioniert und gleichzeitig noch Datenschutzmäßig up2date ist, ist viel schwerer als es klingt.

Fax hat jeder und es funktioniert einfach!