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redripp
07.07.2019, 16:00
So selten ist eine Hochstufung nicht. Bei uns, in einer mittelgroßen Stadt, werden die Assistenten bei einem Schwerpunktversorger automatisch 2 Stufen höher bezahlt. Wir hatten das vor einiger Zeit aufgrund Unterbesetzung ausgehandelt und es ist so beibehalten worden.

Kackbratze
07.07.2019, 16:16
Finde den Unterschied zu individuellen Gehaltsverhandlungen.

redripp
07.07.2019, 16:38
Letztendlich ging die Forderung/Verhandlung von einer Person aus. Wurde dann auf alle übertragen.

WackenDoc
07.07.2019, 16:41
Im Rahmen eines Bewerbungsverfahrens?

tarumo
07.07.2019, 23:29
Wir wollten uns kollektiv hochstufen lassen plus für jeden eingesprungenen Dienst Prämie (die Pflege bekommt aktuell pro eingesprungenen Dienst 100 Euro).


Das bitte mal merken, für den Zeitpunkt, wo die "Einspringprämie" im VKA-Tarif veröffentlicht wird.

tarumo
07.07.2019, 23:35
Was wir bekommen haben? Riesen Anschiss vom OA, wie man so unverschämt sein könnte, sowas zu fordern sonst nix. Aber immerhin hat die Klinik tausende von Euro in einen gut verhandelnden Honorararzt und 16k in einem Headhunter investiert ;-)

Da ja offensichtlich keinerlei Konsequenzen durch Euch erfolgt sind, hat die Klinik alles richtig gemacht. Der Honorararzt kommt sicherlich weitaus billiger als eine ganze Abteilung hochzustufen. Läuft...
Wenn dagegen die Hälfte der WBA mit Kündigung drohen, hinterläßt das weitaus mehr Eindruck, übrigens auch bei den OA, die dann fürchten müssen, selbst wieder für die Dienste herangezogen werden zu müssen. Nur dafür muß man halt aus seiner Comfort Zone herauskommen.

tarumo
07.07.2019, 23:44
Die Diskussion läuft ein wenig in die falsche Richtung.
Es ging nicht darum, wie groß die Chancen eines Berufsanfänger sind, eine Hochstufung im Erstgespräch rauszuhandeln, sondern der TE hat ja bereits ein besser dotiertes Angebot und möchte den AN die "Chance" geben, da mitzuziehen. Und da sehe ich durchaus gute Chancen. Zumal ja eine Hochstufung nicht ganz selten ist, wenn man die Beiträge durchliest.
Ich biete übrigens Entfristung (eigener Vertrag), Einstufung von WBA als FOA (mehrfach in benachbarten Häusern) und Einstufung als OA kurz vor Facharzt (Freundeskreis). Und nach dem FA hat eigentlich jedes KH von sich aus eine außertarfliche Vergütung angeboten, teils auch ungefragt via Headhunter. In Fächern, die man nicht ohne weiteres mit Bewerbern von südlich des Mittelmeeres abdecken kann (z.B. Pathologen, Transfusionsmediziner, Dialysespezialisten, Mikrobiologen) stehen die Chancen dafür sehr gut.

tarumo
07.07.2019, 23:57
Falls jemand noch weitere Argumente als Anfänger braucht bei seinen Verhandlungen:

- (Sehr) gutes Examen
- Zusatzstudium/ Ausbildung/ Erfahrung im Nebenjob
- Sprachen bei Häuser mit vielen ausländischen Patienten
- Zusätzliche Kenntnisse: Coding (DRG), Prog-Sprache, QS, Strahlenschutz, etc.


Das wichtigste Argument wurde hier im Forum schon genannt, ist aber unter den Tisch gefallen. Nicht-EU-Ausländer haben eine (vorläufige) Berufserlaubnis und dürfen, je nach dem, nur eingeschränkt oder gar keine Dienste machen. Wenn die Abteilung zu 50% oder sogar 80% mit solchen Kollegen besetzt ist, hat das KH schnell ein Problem.
Weitere Gründe für einen Bonus als deutschsprachiger Anfänger sind: die Zuweiser beschweren sich massiv über Rechtschreib- und sonstige Fehler in den Arztbriefen (mehrfach erlebt) und die OA können oder wollen das nicht kompensieren, Imagegründe (der Chef hat ja auch eine Privatabteilung) und, die Gefahr, daß sich die Hälfte der Belegschaft im Ramadan für vier Wochen krankmeldet (auch mehrfach erlebt) wird etwas gemildert.
Examen interessiert kaum, die auf der Schule erworbenen Sprachkenntnisse sind überwiegend für das hiesige Patientenklientel weniger sinnvoll, als Anfänger hat man von DRG natürlich auch wenig Ahnung und Strahlenschutz-FK gibt es schon per Definition nicht als Anfänger. Und Du sollst ja die Station schmeißen und nicht irgendwas programmieren...Diese Sachen würde ich nicht anbringen, es zeigt eher, daß man sich nicht so sehr mit dem Arbeitsalltag beschäftigt hat. Oder war das nur aus einem Bewerbungsratgeber abgeschrieben?

Feuerblick
08.07.2019, 05:46
@tarumo: Der TE hat mehrere Einladungen zu Bewerbungsgesprächen. Andere Stellen haben offenbar andere Tarifverträge und da wäre das Gehalt höher. Eine Stelle dort hat er aber nicht. Ein konkretes Angebot auch nicht (wenn ich mich recht erinnere, wäre da nicht mal eine Stelle frei). Er hat ja noch nicht einmal ein Bewerbungsgespräch gehabt... Daher geht es sehr wohl um die Chancen eines Anfängers ohne Berufserfahrung und Qualifikationen besonderer Art.

tarumo
08.07.2019, 11:32
@tarumo: Der TE hat mehrere Einladungen zu Bewerbungsgesprächen. Andere Stellen haben offenbar andere Tarifverträge und da wäre das Gehalt höher. Eine Stelle dort hat er aber nicht. Ein konkretes Angebot auch nicht (wenn ich mich recht erinnere, wäre da nicht mal eine Stelle frei). Er hat ja noch nicht einmal ein Bewerbungsgespräch gehabt...

Und genau so erzähle ich es dann im Bewerbungsgespräch und wundere mich, daß ich nicht hochgestuft werde:-keule
Ich würde dem/der TE dringend raten, noch ein paar Gespräche mehr zu führen, auch in Häusern, die absolut nicht infrage kommen. Rein zu Trainingszwecken. Nach Studienende sollte sich eigentlich ein wenig Zeit finden lassen. Wenn der 200 EUR-mehr-Job nicht zur Diskussion steht, warum fragt der TE hier dann überhaupt?

Feuerblick
08.07.2019, 11:41
Weil es sich um Silent1 handelt, der/die immer die abstrusesten Fragen hier im Forum stellt ;-)

tarumo
08.07.2019, 11:47
Wir haben letztes Jahr in akuter Unterbesetzung und mit 8+ Nächten im Monat mit 2.5 Stellen, die Dienste machen konnten (3-Schicht System) vom Chef gehört, wie dürften uns "was wünschen"

Ich stelle mir gerade vor, wie der CA mit gütigem Lächeln einen 15 EUR Gutschein für Amazon oder Netflix rüberwachsen lässt...
"Weil Du es wert bist"- Kampagnen überlässt der MB ja ver.di und Co...


Aber immerhin hat die Klinik tausende von Euro in einen gut verhandelnden Honorararzt und 16k in einem Headhunter investiert ;-)

Die Betonung liegt hier auch auf "verhandeln". Leihärzte verdienen gewiß nicht wenig, aber wenn die Klinik versuchen sollte, hier im Preis zu drücken, sind die weg...und in kritischen Phasen (Hochsommer usw.) stehen die Chancen sehr gering, Ersatz zu bekommen. Und der Headhunter profitiert von den Zuständen, und wenn er bloß ein, zwei willig-billige Kräfte anschleppt, die das alles ohne zu Murren mitmachen, hat es sich auch fürs KH gelohnt.
Mir fällt gerade ein, daß ich auch schon an der ersten Stelle hochgestuft wurde, und zwar gab es die Differenz von AVR zu TV-MB unaufgefordert ausgezahlt. Ansonsten hätte man mit dem kommunalen Haus vor Ort auch gar nicht konkurrieren können.
Und der Innere-Chef hat schon vor 10 Jahren nach einem Chaos-Sommer freiwillig seinen WBA jeweils 1000 EUR extra zusammen mit einem kleinen Dankesbrief zukommen lassen- fand ich damals sehr okay damals. Zumal die Poolbeteiligung durch die wenigen noch vorhandenen ÄrztInnen für jede/n einzelnen auch noch höher ausfiel.

Mano
08.07.2019, 12:40
Bei dieser Diskussion um 200 EUR sollte man vielleicht auch berücksichtigen, dass davon netto nur etwa die Hälfte übrig bleibt. D.h. 1200 EUR - die habe ich mit einer zusätzlichen vom Arbeitgeber übernommenen Fortbildung mehr als wieder drin.
Wenn also übertarifliches Gehalt, dann würde ich auch deutlich mehr verlangen - oder eben auf eine entsprechende Übernahme von Fortbildungskosten drängen. Letzteres ist dabei als Assistent sicher wesentlich effektiver...

Nessiemoo
09.07.2019, 16:57
Sehe ich so wie Mano. Da sind es so viele wichtigere Faktoren als diese minimale Gehaltserhöhung, unter anderem Fortbildungskosten. V.a in der Psychiatrie - was bringen dir 200 euro mehr, wenn die Klinik dir dafür deine Psychotherapieausbildung (mehrere Tausend euro) nicht bezahlt und/oder Überstunden nicht bezahlt und/oder wirklich nur drei Tage pro Jahr Fortbildungsfrei gewährt und den Rest kannst du dann im Urlaub oder Wochenende machen. Und dann muss noch aufpassen, dass für dich weiterhin das Tarifvertrag gilt, sonst kriegst du 200 euro mehr und hast dir ins Bein geschossen weil der Rest des Tarifs nicht gilt.

h3nni
09.07.2019, 20:40
Zusatzqualifikationen wie ein PD/PhD, Zweitstudienabschluss

Sowas bringt aber nur an der Uni was, oder? Gut, ein MHBA vielleicht auch in kleineren Häusern, stelle mir aber schwer vor, wie ein Forschungsprofi, der vielleicht noch Mibi oder Epidemiologie nebenher studiert hat, im Kreiskrankenhaus dadurch punkten kann.

Kackbratze
09.07.2019, 23:29
Als Chef punktest Du damit.

Federgt
10.07.2019, 10:02
@Federgt: Wir sagten es ja, dass es Ausnahmefälle mit Zusatzqualifikationen geben KANN. Aber nur Bereitschaft zur Forschung wird dir an der Uni kein Geld einbringen. Das setzen die in aller Regel voraus. Anspruchsvolle Doktorarbeit kann helfen... aber nur, wenn das wirklich ein Ding mit Potential für eine Forschungsgruppe ist.
Den Rest an Zusatzqualis (Sprache ist meist auch kein Argument) bringt ein Anfänger frisch von der Uni einfach nicht mit...

Und da liegst du falsch. Wie viele Leute machen richtig Forschung? Rede hier nicht über ein wenig Daten nebenbei erheben. Die meisten sind mit dem Alltag ausgelastete und du kannst auch niemand wirklich zwingen als CA.

Außerdem stimmt es nicht, dass es Zusatzqualifikationen geben muss, damit es mehr Geld gibt. Es gibt einen Mangel an Assistenzärzte. Angebot und Nachfrage-Prinzip hat man auf seine Seite also

Federgt
10.07.2019, 10:12
Das wichtigste Argument wurde hier im Forum schon genannt, ist aber unter den Tisch gefallen. Nicht-EU-Ausländer haben eine (vorläufige) Berufserlaubnis und dürfen, je nach dem, nur eingeschränkt oder gar keine Dienste machen. Wenn die Abteilung zu 50% oder sogar 80% mit solchen Kollegen besetzt ist, hat das KH schnell ein Problem.
Weitere Gründe für einen Bonus als deutschsprachiger Anfänger sind: die Zuweiser beschweren sich massiv über Rechtschreib- und sonstige Fehler in den Arztbriefen (mehrfach erlebt) und die OA können oder wollen das nicht kompensieren, Imagegründe (der Chef hat ja auch eine Privatabteilung) und, die Gefahr, daß sich die Hälfte der Belegschaft im Ramadan für vier Wochen krankmeldet (auch mehrfach erlebt) wird etwas gemildert.
Examen interessiert kaum, die auf der Schule erworbenen Sprachkenntnisse sind überwiegend für das hiesige Patientenklientel weniger sinnvoll, als Anfänger hat man von DRG natürlich auch wenig Ahnung und Strahlenschutz-FK gibt es schon per Definition nicht als Anfänger. Und Du sollst ja die Station schmeißen und nicht irgendwas programmieren...Diese Sachen würde ich nicht anbringen, es zeigt eher, daß man sich nicht so sehr mit dem Arbeitsalltag beschäftigt hat. Oder war das nur aus einem Bewerbungsratgeber abgeschrieben?

Mag an meinem Gesundheitsökonomen Background liegen, aber so schlecht ist mein Wissen nicht. Muss man sich natürlich erarbeiten für den Klinikalltag, kann das aber auch die Bereitschaft so kommunizieren.

Ich betreue für unsere Abteilung die ausländische Patienten. Diese kommen aus aller Welt inzwischen, da helfen Sprachen schon sehr.
Wir haben Lehrvideos für die angefertigt, da helfen paar PC- und Grafikkenntnisse durchaus. Freund von mir hat für seine Notaufnahme ein simples Triage system geschrieben

Man muss sich eher anschauen, was die Abteilung benötigt/ verbessern kann. Dafür reicht auch eine Hospitation plus die Frage, wo der Chefarzt in Zukunft hin möchte bzw. wie er sich seine Abteilung vorstellt.

Deine ökonomischen Argumente stimmen, aber man sollte anfangen außerhalb seiner Schemata zu denken. Wer „Standard“ ist wird auch Standard bezahlt.

Wenn natürlich der Standard 50% Honorarkräfte sind falle ich schon als durchschnittlicher Absolvent auf.

P.S. der Strahlenschutz Grundkurs kann man bereits als Anfänger absolvieren. GCP, Tierversuche, etc. such dir was aus.
Kann man alles als Student meistens für umsonst mitnehmen.

rosa_banana
10.07.2019, 11:49
Wow, ich hab grade den Thread gelesen und bin echt ein bisschen überrascht. Ich arbeite in einem Massenfach (Psych), nicht in Sachsen, bin kein FA... hab trotzdem FA Stufe 2 Gehalt rausverhandelt und natürlich einen unbefristeten Vertrag. So wie alle Assis den bei uns bekommen, ohne explizit nachzufragen. Ich dachte echt das macht heut jeder so. Gott sei Dank les ich das jetzt erst, und nicht vor meinem Termin mit dem Geschäftsführer, sonst hätte mich sicher der Mut verlassen...

Federgt
11.07.2019, 09:43
Wow, ich hab grade den Thread gelesen und bin echt ein bisschen überrascht. Ich arbeite in einem Massenfach (Psych), nicht in Sachsen, bin kein FA... hab trotzdem FA Stufe 2 Gehalt rausverhandelt und natürlich einen unbefristeten Vertrag. So wie alle Assis den bei uns bekommen, ohne explizit nachzufragen. Ich dachte echt das macht heut jeder so. Gott sei Dank les ich das jetzt erst, und nicht vor meinem Termin mit dem Geschäftsführer, sonst hätte mich sicher der Mut verlassen...

Finde ich ne sehr gute Anmerkung, dass dich der Mut verlassen hätte. Genau das hier suggeriert dir nämlich nicht wenige Beiträge: du hast eh keine Chance (ergo, brauchst du nicht fragen). Absolut toxisch und kontraproduktiv für den einzelnen, aber auch für Ärzte als Gesamtheit, da man so Verhandlungsmacht verschenkt. DKG freut sich.

Deswegen bleibe ich bei meiner Aussage: Ärzte sind manchmal die schlimmste Feinde von Ärzte.

Psychiater sind auch gesucht, oder?
Wenn man nach dem Facharztindex geht, gehören zumindest KJP und Psychosomatik zu den begehrtesten:

https://www.healthrelations.de/in-diesen-fachgebieten-herrscht-der-groesste-mangel-an-aerzten/

Muss man mit Vorsicht genießen. Ist von ner privaten Consulting Firma, die genau Daten- und Berechnungsgrundlage ist nicht bekannt, ist aber ein Hinweis.