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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Kirchenaustritt und Wiedereintritt - katholischer Krankenhausträger - Erfahrungen?



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tragezwerg
07.07.2019, 18:29
Ich habe jahrelang an einer katholischen Klinik gearbeitet und bin konfessionslos. Hat bei bestehendem Personalmangel genau keinen interessiert.

Speranza100
07.07.2019, 18:42
Ich bin auch schon mehrmals wieder aus und eingetreten in der evangelischen Kirche je nach Arbeitgeber.... Hatte bisher leider nicht den Mut, konfessionslos zu bleiben. Ich habe bei den Wiedereintritten auch jeweils gesagt, dass mein Arbeitgeber das verlangt. War kein Problem. Kann also alles Geschriebene hier unterschreiben. Viele Grüße
PS ein Austritt geht beim Standesamt und ist ein bisschen wie eine Scheidung vom Text her der da vorgelesen wird :) . Kostete damals ca 20 - 40 Euro. Wiedereintritt kostenlos...

Relaxometrie
07.07.2019, 19:08
Ich habe jahrelang an einer katholischen Klinik gearbeitet und bin konfessionslos. Hat bei bestehendem Personalmangel genau keinen interessiert.
"Schon immer konfessionslos" ist denen inzwischen egal.
Aber ich bin bei drei Bewerbungen in kirchlichen Häusern (zweimal bereits Stellenzusage nach Vorstellungsgespräch/ einmal noch vor dem Vorstellungsgespräch) gefragt worden, warum ich keine Konfession besitze.
Hätte ich gelogen und gesagt, daß ich nicht getauft worden bin, hätte ich die Stelle jeweils bekommen (zumindest die beiden, bei denen das Vorstellungsgespräch schon gelaufen war). Da ich aber für die Kirche nicht mit einem Lügenkonstrukt durch die Weltgeschichte laufe, habe ich gesagt, daß ich ausgetreten bin --> Zack, biste eine Persona non grata :-keule :-wand




ein Austritt geht beim Standesamt
Kommt auf die Gemeinde an; manchmal geht es auch über das Amtsgericht.




Wiedereintritt kostenlos...
Erstmal :-)):-)):-)) Bis die Kirchensteuer folgt......

Sebastian1
07.07.2019, 20:19
KLeine Schmunzelanekdote: Durch einen Fehler des Finanzamts ist es 2017 bei mir dazu gekommen, dass ich als konfessionslos gemeldet wurde. Hätte mir auffallen können, weil keine Kirchensteuer gezahlt wurde. Meinem katholischen Dienstherren ist das nicht aufgefallen, sondern erst dem Steuerberater. Mit dem Effekt, dass ich das natürlich nachzahlen musste :-keks

tarumo
07.07.2019, 23:24
Es gibt noch eine andere Lösung, nämlich den Übertritt zur Orthodoxie (griechisch usw.). Kirchensteuer entfällt, Diskussionen über Mißbrauch auch (Priester MÜSSEN Familie haben) und man ist weiterhin der christlichem Glaubensgemeinschaft zugehörig. Meine persönliche Meinung ist, daß auch die Gottesdienste mehr "hermachen". Oder halt irgendwelche Freikirchen..

Daß aktiver Austritt negativer gesehen wird als eine Existenz als "Ungläubiger" oder die Mitgliedschaft bei der "Konkurrenz", klang ja schon durch. Je nach AG macht das vielleicht am Anfang nichts, bei späteren Karriereschritten durchaus und kann im dazu führen, daß der mulismische Oberarzt dem ausgetretenen Christen vorgezogen wird. Und auf CA-Ebene klagt man sich durch alle Instanzen, Ärztemangel hin oder her (auch der Priestermangel führt ja nicht zu Kompromissen).

Mano
07.07.2019, 23:55
Das Urteil aus dem Zeit-Artikel dürfte sich aber nicht auf Ärzte übertragen lassen. Vielleicht noch, wenn man in der Pathologie oder anderen patientenfernen Fächern arbeitet, aber bei direktem Patientenkontakt fallen mir genügend potentielle Argumente des Arbeitgebers ein, die zumindest zu einem erneuten Klagenmarathon führen dürften...

Shizr
08.07.2019, 16:07
Das Urteil aus dem Zeit-Artikel dürfte sich aber nicht auf Ärzte übertragen lassen. Vielleicht noch, wenn man in der Pathologie oder anderen patientenfernen Fächern arbeitet, aber bei direktem Patientenkontakt fallen mir genügend potentielle Argumente des Arbeitgebers ein, die zumindest zu einem erneuten Klagenmarathon führen dürften...
Laut EuGH muss die Anforderung an die Konfession "notwendig und angesichts des Ethos der betreffenden Kirche oder Organisation aufgrund der Art der in Rede stehenden beruflichen Tätigkeit oder der Umstände ihrer Ausübung objektiv geboten" sein.
http://curia.europa.eu/juris/document/document.jsf?text=&docid=201148&pageIndex=0&doclang=DE&mode=req&dir=&occ=first&part=1


Das werden sie bei einer ärztlichen Tätigkeit aus meiner Sicht mit noch so viel Haarspalterei nicht herbeidiskutieren können.

Und den (aus katholischer Sicht in Sünde lebenden) Chefarzt durften sie auch nicht feuern.


Die Luft wird dünner für den dritten Weg und das Tendenzbetrieb-Spielchen.

Mano
08.07.2019, 16:54
Laut EuGH muss die Anforderung an die Konfession "notwendig und angesichts des Ethos der betreffenden Kirche oder Organisation aufgrund der Art der in Rede stehenden beruflichen Tätigkeit oder der Umstände ihrer Ausübung objektiv geboten" sein.


Das magst du ja so sehen, ich bin mir aber sicher, dass die katholische Kirche das anders sieht. Und wie es die Gerichte sehen, lässt sich eben erst nach einem entsprechenden Klageweg feststellen.
Das Urteil bzgl. des Referenten lässt sich eben nicht 1:1 auf einen Arzt übertragen. Argumente - aus Sicht des kirchlichen Arbeitgebers - könnten z.B. sein:
- Die Patienten die ein katholisches Krankenhaus aufsuchen erwarten eben in der kritische Phase der Krankheit/ Tod von ihrem Arzt eben mehr als die reine medizinische Behandlung sondern eben auch geistigen Beistand.
- Die Behandlung und Beratung sollte sich an christlichen Grundsätzen orientieren - z.B. bzgl. Abtreibung, geschlechtsanpassenden Operationen, Palliativmedizin usw.

Natürlich kann man über jeden Punkt streiten und es anders sehen, aber das wird eben einen langwierigen Marsch durch die Instanzen bedeuten. Kann man machen, sollte man sich aber eben bewusst sein.
Mit "hier ist das EGH-Urteil von dem Referenten, jetzt stellt mich mal bitte ein" wird es eben nicht getan sein. Und es ging dem Threadersteller ja eben nicht darum die Welt zu verbessern sondern sich mögliche berufliche Perspektiven nicht zu verbauen...

Autolyse
08.07.2019, 23:10
Abgesehen davon gibt es in der Sache Egenberger eine Verfassungsbeschwerde gegen das nachfolgende BAG-Urteil (8 AZR 501/14 vom 25.10.2018), hier ist die Messe also noch nicht endgültig gelesen. Für die Freunde des öffentlichen Rechts zu etwas mehr Hintergrund hier entlang. (https://verfassungsblog.de/kirchliche-selbstbestimmung-und-deutsche-verfassungsidentitaet-ueberlegungen-zum-fall-egenberger/)

McBeal
10.07.2019, 07:16
Es gibt noch eine andere Lösung, nämlich den Übertritt zur Orthodoxie (griechisch usw.). Kirchensteuer entfällt, Diskussionen über Mißbrauch auch (Priester MÜSSEN Familie haben) und man ist weiterhin der christlichem Glaubensgemeinschaft zugehörig.

Weil ja Verheiratete nie zu Tätern werden, ihren eigenen oder anderen Kindern gegenüber...

Feuerblick
10.07.2019, 08:13
Es gibt z.B. (gerade bei uns in den Medien) den Fall eines verheirateten evangelischen Pfarrers, der nicht nur seine eigene Tochter missbraucht sondern auch noch den Küster an die rangelassen hat...
Oder um es mal anders zu formulieren: Missbrauch ist nicht abhängig von Familienstand, Beruf, Alter, grundsätzlicher sexueller Orientierung, Bildungsstand, Einkommen... to be continued...

Shizr
10.07.2019, 08:45
Oder um es mal anders zu formulieren: Missbrauch ist nicht abhängig von Familienstand, Beruf, Alter, grundsätzlicher sexueller Orientierung, Bildungsstand, Einkommen... to be continued...
Und das ist eigentlich eine solche Binsenweisheit, dass man sie nicht noch mal explizit aussprechen müssen sollte.


Auch wenn es eigentlich eine völlig andere Diskussion ist:
Ich glaube, das Problem der katholischen Kirche besteht nicht primär darin, dass da systematisiert missbraucht wird, sondern dass der Missbrauch systematisiert vertuscht wird.

Ich will es weder rechtfertigen noch entschuldigen oder verharmlosen, aber ich glaube, dass eben gerade die Vertuschung einem eigentlich identifizierten, strafrechtlich verfolgbaren Täter die Möglichkeit gibt, ungehindert weiter zu missbrauchen.
Die Kirche gibt ihnen Deckung, zahlt Schweigegelder, hält die Staatsanwaltschaft aus der Sache raus...
Und heuchelt dann Unschuld, wenn mal wieder so ein Vertuschungsskandal ans Licht kommt.


Ich denke, in der katholischen Kirche gibt es zahlenmäßig nicht überdurchschnittlich viele Missbraucher.
Durch die systematische Vertuschung hat nur jeder einzelne Missbraucher viel, viel mehr Opfer.

tarumo
11.07.2019, 19:12
Weil ja Verheiratete nie zu Tätern werden, ihren eigenen oder anderen Kindern gegenüber...

Der Unterschied zwischen denen, die zwangsweise in einer Verleugnung der eigenen Sexualität und gesellschaftlichen Normen leben müssen (was dann zum Beispiel sehr attraktiv für Männer ist, die auf kleine Jungs stehen) und der "Normalbevölkerung" ist Dir aber schon klar? Ja, es gibt auch Mißbrauch durch Familienväter. Und Ärzte. Und Pflegekräfte. Und Frauen.
Ich sehe den Zölibat in der heutigen Zeit eher als eine Art Negativselektion für Männer mit problematischen sexuellen Vorstellungen.

In der Orthodoxie heißt es vereinfacht, wer keine Familie "auf die Reihe" bringt, der bekommt auch keine Gemeinde. Auf das gleiche Buch beruft man sich aber schon...