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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Angestellte FÄ für Allgemeinmedizin - Gehaltsverhandlung



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SusiSorgenlos
15.09.2019, 19:01
Aber wie funktioniert das denn, einen FA auf einen KV-Sitz anzustellen?
Und was würdest du einem Weiterbildungsassistenten zahlen?

Locutus001
16.09.2019, 15:52
Kommt dann natürlich auch wieder drauf an, wo man lebt (leben muss) und was der Partner heimbringt. Ich kann für mich zum Beispiel nicht behaupten, dass es keinen Unterschied macht, ob ich 3,5 oder 4k auf dem Konto habe. Meine (kommunale) Kinderbetreuung kostet 850 €, durchschnittlicher m2 Miete 10 €, 4-köpfige Familie... Ich beneide da jeden, der keine Abzüge in der B-Note hinnehmen muss, weil es den Kohl nicht fett macht.

Na ich glaube das hat auch was mit persönlichem Lebensstandard zu tun.
Mehr Geld ausgeben kann man immer.
Aber wenn man zu den 10% der Menschen in Deutschland gehört, die das meiste Geld verdienen (ab 3,5k netto!) und dann die 500 Euro aber den Kohl fett machen, weil sonst alles andere nicht mehr ginge, dann stimmt da NICHT beim Verdienst etwas nicht an der Rechnung. Klar kann ich auch 10.000 Euro Netto verdienen und es ist immernoch zu wenig.
Nur 90% der Bevölkerung - und auch davon ein Großteil die 100% arbeiten - muss mit deutlich weniger Einkommen auskommen, daher rührt meine Aussage. Dass 500 Euro mehr haben schöner ist, bestreite ich gar nicht! Aber wenn man bei einem Gehalt über 3500k netto die 500 Euro so nötig hat, dass man dafür einen ätzenden Job hinnimmt, wo man sich täglich hinschleppen muss in der Hoffnung, dass es schnell wieder vorbei ist und man sich so von Woche zu Woche hangelt, bis das Leben vorbei ist, dann ist das schon traurig. Da habe ich lieber einen angenehmen Arbeitsplatz und trete an anderer Stelle kürzer (wenn das denn sein muss...).

Jetzt kann ich das selbst natürlich so großspurig sagen, denn ich wohne im Herzen Berlins und meine Miete ist nicht so teuer, aber ich verstehe schon, wenn das für manch einen - der in angespannterer Mietsituation wohnt, ein Auto braucht weil der Arbeitsweg sonst nicht realistisch machbar ist und dann noch Kinder hat und dafür zusätzliche Ausgaben hat, wo dann vielleicht der Partner kaum etwas verdient und man muss noch Pflegegeld für die kranke Oma bezahlen und das neue Reihenhaus abbezahlen - dann doch den Kohl fett macht.

Aber da ich Freunde habe, die auch Familien haben, Autos und alles drum und dran, weiß ich zumindest vom Hören-Sagen, dass man mit 3000 Euro netto HAUSHALTSEINKOMMEN anscheinend über die Runden kommen kann. Ich fühle mich daher priviligiert und genieße es, dass ich mich ohne all zu große Einschränkungen für den besseren life-work-balance job entscheiden kann (ja life mit Absicht vorne).

Mano
16.09.2019, 16:30
Aber da ich Freunde habe, die auch Familien haben, Autos und alles drum und dran, weiß ich zumindest vom Hören-Sagen, dass man mit 3000 Euro netto HAUSHALTSEINKOMMEN anscheinend über die Runden kommen kann. Ich fühle mich daher priviligiert und genieße es, dass ich mich ohne all zu große Einschränkungen für den besseren life-work-balance job entscheiden kann (ja life mit Absicht vorne).

Wie finanziert man denn bitte mit 3000 EUR zwei PKWs und hat am Ende noch genug Geld über um zumindest dreimal im Jahr in den wohlverdienten Urlaub zu fliegen!? Da kann ich doch auch gleich Hartz IV beantragen und es bleibt unter dem Strich das gleiche über.... :-winky:-wow

rosa_banana
17.09.2019, 14:27
Also mit 3000 € würde ne 4-köpfige Familie hier schon Wohngeld kriegen.

Christoph_A
17.09.2019, 15:33
3000 Euro kannste in Muc für die Miete eines Hauses in normaler Lage rechnen, soviel mal zum Thema Auto, Haus und ein paar mal Urlaub im Jahr für das Geld. Dennoch stimmt es natürlich schon, daß die meisten Ärzte zu den Besserverdienern gehören und da trotzdem immer noch ein sehr angenehmer Lebensstandard machbar ist.

Christoph_A
17.09.2019, 15:37
P.s.: Back to topic.
Über Allgemeinmedizin kann ich nix genaues sagen, allerdings ist es bei mir als Partner eines kardiologischen MVZ ungefähr genauso: Wir zahlen unseren angestellten nichtinvasiven FÄ Oberarztgehalt plus ca. 15% und den Rest in einer umsatzbezogenen variablen Vergütung, die sich am Umsatz des betreffenden Kollegen ohne Privatpatienten orientiert. Invasiv tätige Kollegen erwirtschaften mehr Geld fürs MVZ und haben daher auch ein höheres Grundgehalt.

Dr.Nemo
06.12.2019, 13:39
Da war sie nun, das Zukunftsgespräch mit meinen Chefs..
Ich bin konsterniert bzw erschüttert.

Es wurde oft genug betont, wie luxuriös die Bedingungen als WB-Assistent in einer Praxis sind mit der entsprechenden Förderung.

Sie würden mich gerne als Fachärztin anstellen, allerdings muss ich eine Sicherheit anbieten, da ich ein wirtschaftliches Risiko sei als Frau / Mutter (Kindkrank und selbst krank Ausfälle) und Sportlerin (Triathlon).

Ich könnte sie beruhigen, wenn ich zB das Angebot annähme, einen FA Einstiegsbasisgehalt (mit entsprechendem Anteil durch Teilzeitarbeit) zuzustimmen. Eine Sonderzahlung käme hinzu wenn ich wirtschaftlich 100% funktioniere. Sprich keine Fehltage und Fallzahlen und Wirtschaftliches Arbeiten.

Ich bin erschüttert. Und nun? Wie gehts weiter nach der FA Prüfung? Denken alle so???

Shizr
06.12.2019, 16:38
Wie gehts weiter nach der FA Prüfung?
Weg? Schnell?

Irgendwo hin, wo die Leute nicht völlig schwachsinnig sind, ihre Angestellten primär als wirtschaftliches Risiko sehen und auch noch die Unverfrorenheit haben, ihnen das ins Gesicht zu sagen?


M.E. ist das Angebot eine absolute Frechheit. Insbesondere die ausgelobte "Sonderzahlung" ist mehr als gehässig.
Und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass sowas tatsächlich üblich ist. Im Leben nicht.

tarumo
06.12.2019, 17:31
Es wurde oft genug betont, wie luxuriös die Bedingungen als WB-Assistent in einer Praxis sind mit der entsprechenden Förderung.



Vor allem für die Arbeitgeberseite. Eine akademisch qualifizierte Vollzeitkraft mit Berufserfahrung, komplett bezahlt von Dritten. Jede Firma würde sich die Finger nach sowas lecken.

Den Rest braucht man wohl nicht kommentieren...wenn schon ein Sportunfall oder eine Schwangerschaft für den AG wirtschaftlich existenzgefährdend ist, dann ist die Praxis sicherlich sehr solide aufgestellt:-peng vermutlich hätte man ohne die Förderung gar keine WBA einstellen können. Daher ...nix wie weg. Gibt ja auch MVZ.

Ich glaube auch nicht, daß sich die Situation in Zukunft verbessern wird, erst recht nicht wenn in ein paar Jahren die Landarztquotenstudentinnen mit drakonischen Strafen auf diese Stellen gezwungen werden. Da ist eine Schwangerschaft gar nicht erst vorgesehen. Siehe dazu auch die Diskussion im Vor-Studium- Forum.

DrSkywalker
06.12.2019, 20:05
Vor allem für die Arbeitgeberseite. Eine akademisch qualifizierte Vollzeitkraft mit Berufserfahrung, komplett bezahlt von Dritten.

Fake news! Bei Zahlung der reinen fördersumme kostet der Assistenzarzt immer noch fast 24.000 Euro im Jahr. Also bitte, an die Fakten halten.

Evil
06.12.2019, 20:08
Dann erwähne bitte auch, dass Du die 24000 voll steuerlich geltend machen kannst ;-)

Relaxometrie
06.12.2019, 20:24
Bei Zahlung der reinen fördersumme kostet der Assistenzarzt immer noch fast 24.000 Euro im Jahr.
Was muß der Arbeitgeber für einen Weiterbildungsassistenten denn -zusätzlich zur Fördersumme, die der Arbeitsgeber ja nicht selbst zahlt- noch zahlen?



Zu Dr. Nemos Fall:
Bis zu einem gewissen Grad verstehe ich, dass jeder Mitarbeiter in einer Praxis eine finanzielles Problem auslösen kann, wenn er/ sie länger fehlt. Es sind nunmal weniger Mitarbeiter vorhanden, als in einem Krankenhaus, so dass eine Lücke eben nicht auf vielen Schultern verteilt werden kann.
Inwieweit es also seitens der Praxisinhaber Jammern auf hohem Niveau ist, kann ich nicht sagen.

@Evil/ sonstige Niedergelassene/ Ahnunghabende: wie sichert man sich als Praxisinhaber gegen Personalausfall ab? Versichert man dieses "Risiko" (das Wort "Risiko" klingt natürlich nicht schmeichelhaft/ aber in der Tat entsteht ja ein Lücke, die es irgendwie zu füllen gilt) und kann -sofern man Personal findet- dann übergangsweise jemanden einstellen?

Muriel
06.12.2019, 21:20
Über die U1 ist ein gewisses Risiko abgedeckt, denke ich mal.

Pflaume
06.12.2019, 22:25
Was muß der Arbeitgeber für einen Weiterbildungsassistenten denn -zusätzlich zur Fördersumme, die der Arbeitsgeber ja nicht selbst zahlt- noch zahlen?

Jährliche Lohnnebenkosten bei 4.800 Euro Brutto-Monats-Lohn des angestellten Arztes:
5.130 Euro Gesetzliche Krankenversicherung und Pflegeversicherung (Arbeitgeberanteil)
5.350 Euro Rentenversicherung (Arbeitgeberanteil)
720 Euro Arbeitslosenversicherung (Arbeitgeberanteil)
1.200 Euro Berufsgenossenschaft-Beitrag
-----------------------------------------
12.400 Euro sind schon mal die reinen Lohnnebenkosten

Da ich selbst niemanden angestellt habe, kann ich bezüglich weiterer Kosten nur schätzen, aber ich würde annehmen, dazu kommt noch ein dreistelliger Betrag für die (sinnvollerweise extern ausgelagerte) Lohnabrechnung des Arbeitnehmers, gewisse Kosten für die arbeitsmedizinische Betreuung (Kosten sehr unterschiedlich je nach Umsetzung), mehrere hundert bis über tausend Euro Ergänzung der Betriebshaftpflichtversicherung, so dass sie auch angestellte Ärzte in Weiterbildung umfasst, außerdem Kosten für Arbeitskleidung und deren Reinigung, MPG-Einweisungen, und letzten Endes braucht der Arzt ja auch einen Arbeitsplatz. Insofern sind Kosten von mehr als 20.000 Euro, die auf den ausgezahlten Lohn noch oben drauf kommen, sicherlich realistisch. Wobei das für den Arbeitgeber natürlich trotzdem noch relativ günstig ist, denn für 25.000 Euro Vollkosten bekommt man ansonsten ja nicht mal eine Arzthelferin in Vollzeit.

tarumo
07.12.2019, 02:23
Die Lohnnebenkosten wären ja auch zu tragen, wenn das Gehalt nicht übernommen würde. Der eigentliche Knackpunkt ist doch folgender: es ist anscheinend im ach so reichen Deutschland offensichtlich nicht mehr möglich, in einer Praxis einen Arzt anzustellen und ihn angemessen selbst zu bezahlen, ihn selbst Umsatz und damit Einkommen erwirtschaften zu lassen, ebenso Ruecklagen für den normalen Fall der Welt, eine Schwangerschaft einer MA, zu erwirtschaften. Gleichzeitig wird die wirtschaftliche Situation von interessierter Seite in den rosigsten Farben gemalt wie gerade bei der Landarztquote. Die Flugsicherung (siehe unten) z. B. beschäftigt auch zahlreiche Frauen und man hört einfach nicht, daß da trotz ueppigster Gehälter die Wirtschaftlichkeit der Firma im Schwangerschaftsfall infrage gestellt wuerde.

Dr.Nemo
07.12.2019, 13:20
In diesem Fall geht es sogar nicht um eine Schwangerschaft. Mein Sohn ist knapp 4 Jahre alt mit den üblichen viralen Infekten aus dem Kindergarten gesegnet. Natürlich bleibe ich im Akutfall bei meinem Kleinkind und engagiere eben nicht einen wildfremden Babysitter, wie eben lieber gesehen....

Ich kann von mir behaupten, dass ich in Punkto Mutter-Sein und Triathlontraining meine Zeit nicht verbummel, sondern in der Lage bin effizient und diszipliniert zu arbeiten, was ich auch in den letzten 2 jahren bewiesen habe. Dennoch reicht es scheinbar nicht und ich frage mich, würde man genau das einem Arzt und Vater sagen??

SusiSorgenlos
07.12.2019, 13:28
Wahrscheinlich würde man es dem Vater nicht sagen. Bleibt denn der Vater im Krankheitsfall auch zu Hause? Leider ist es ja noch immer oft so, dass die Mutter zu Hause bleibt, wenn das Kind krank ist. Trotzdem ist das, was deine Chefs fordern bzw. anbieten eine Unverschämtheit. Ich würde mir was anderes suchen.

Gast99
07.12.2019, 16:16
Ich bin in einer ähnlichen Situation wie Du. Meine Weiterbildung endet in ein paar Monaten, und ich würde gerne in der Weiterbildungspraxis bleiben. Ich fühle mich dort sehr geschätzt und gefördert. Mein Chef hat mir ein bislang ein unkonkretes Angebot gemacht, und zwar ein Gehalt zwischen Fach- und Oberarzt orientiert am Tarifvertrag für Klinikärzte.
Mein Chef hat mir anhand von Zahlen dokumentiert, dass seit Beginn meiner Arbeit dort im Quartal 100 Patienten mehr behandelt werden als vorher. Das ist ja auch die Vorgabe der KV, dass wegen eines Arzt in Weiterbildung oder eines Sicherstellungsassistenten (als was ich dann weiter angestellt sein werde) ect. die Scheinzahl nicht steigen darf. Das heißt, mein Chef generiert durch meine Arbeit keine Umsatzsteigerung. Klar, ich bin eine große Entlastung, aber mein Gehalt muss er von seinem abziehen. Ich finde, das ist einfach eine beschissene Verhandlungsausgangssituation.
Ein MVZ in der Nähe hat mir ein Oberarztgehalt nach Tarifvertrag der Klinikärzte angeboten.. Die gehören zu einem großen Konzern und stört es nicht, wenn sie Miese machen..

tarumo
07.12.2019, 20:29
Nach meinem Kenntnisstand als juristischer Laie sind Prämien, z.B. für keine Krankheitstage, darüber hinaus in ´schland schlicht nicht erlaubt.
Ganz grundsätzlich sollte man sich auch nicht auf irgendwelche Prämien einlassen, wenn nicht glasklar umschrieben ist, wofür diese gezahlt wird. Ein Haar findet sich ansonsten immer in der Suppe.

Corinna
08.12.2019, 11:04
Nach meinem Kenntnisstand als juristischer Laie sind Prämien, z.B. für keine Krankheitstage, darüber hinaus in ´schland schlicht nicht erlaubt.

...aber durchaus üblich.