Anmelden

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Frisch schwanger, wie nun am besten Vorgehen? Brauche Unterstützung und Erfahrungswer



Seiten : 1 [2]

Evil
15.09.2019, 09:45
Es geht um die Gefährdungsbeurteilung, die oft in Kliniken nicht vorhanden ist.
Im MuSchuG steht ganz genau drin, welche Tätigkeit zulässig ist und welche nicht, und das greift, sobald eine Angestellte dem AG ihre Schwangerschaft meldet.

WackenDoc
15.09.2019, 10:44
@freak: Ähm nein, so war das nicht gemeint.
Meine Betriebe beschäftigen aus anderen Gründen keine Frauen in bestimmten Bereichen (nicht unbedingt weil die Firmen nicht wollen, es bewerben sich schlichtweg keine Frauen.) Deswegen ist es nicht soo das Problem, wenn es noch keine GB Schwangerschaft gibt. In der Regel ist auch die Gefährdung recht eindeutig.
Ich berate aber über die gesetzlichen Grundlagen und so nach und nach setzen die Firmen das auch um. Es ist auch kein Kontrollschwerpunkt der Gewerbeaufsicht.
Eine Ausnahme sind eben die Reinigungsfirmen.

In einem Krankenhaus gibt es nun mal viel mehr Frauen und viel differenziertere Gefährdungen die dabei zu beachten sind (wie das Beispiel CMV zeigt). Deswegen ist es umso erschreckender, dass ausgerechnet da die gesetzlichen Vorgaben nicht umgesetzt werden.

vanilleeis
15.09.2019, 10:56
Habe ich das richtig verstanden, dass es eigentlich für meinen Arbeitsplatz eine GB geben müsste, die ich auch unschwanger einsehen dürfte? Reicht da eine GB „Ärztin im KH xy“ für sämtliche Abteilungen? Oder muss die explizit „Ärztin auf Station x in Abteilung y“ sein?

WackenDoc
15.09.2019, 11:36
Nicht nur "unschwanger einsehen"- der Arbeitgeber ist verpflichtet, dich über das Ergebnis zu unterrichten.

Arbeitsplätze mit gleichartiger Gefährdung können zusammengefasst werden in einer GB, aber da sich die Gefährdungen je nach Abteilung und sogar teilweise je nach genauer Tätigkeit sehr unterscheiden können, reicht "Ärztin im Krankenhaus" nicht aus.
Was möglich wäre, wäre eine abteilungsübergreifende GB für allgemeine Gefährdungen plus eine Ergänzung für die Abteilung oder Tätigkeit. Schau mal in die Dateien, die ich verlinkt habe, dann wird es klarer (die wäre für Tätigkeiten in Krankenhäusern sogar eher zu allgemein).

Das kann im Einzelfall recht detailliert werden: Z.B. ist es ein Unterschied, ob eine Physiotherapeutin junge Sportler nach Knie-OP in der Gruppen-KG oder Gerätetraining anleitet, oder versucht den 85-jährigen ORSA-Patienten mit Hüft-TEP zu mobilisieren.

Eine MFA kann in einer internistischen Terminambulanz Patienten annehmen und administrative Aufgaben übernehmen (im speziellen Fall gab es sogar günstige bauliche Gegebenheiten mit recht großem Abstand an der Anmeldung), aber eher nicht in der Notaufnahme in der Anmeldung oder Patientenversorgung arbeiten.
Eine Ärztin könnte auch mit ein paar Einschränkungen in besagter Ambulanz arbeiten.

Tigga
16.09.2019, 08:47
Ich habe die von unserer Uniklinik erarbeiteten Gefährdungsbeurteilung für meinen Arbeitsplatz (die es wirklich gibt) durchgelesen- diese sind komplett sinnlos.
Als Ärztin (kein Unterschied ob PJ, Assistenzarzt oder FA) hätten alle Stationen besetzt werden gedurft (hallo? Infektstation? Onkologie? Wer verabreicht dann ambulante Chemos beim tobenden Kind?) Auch der Immunstatus war in der Gefährdungsbeurteilung nicht berücksichtigt.
Ich hatte wegen alleiniger Einteilung in der Notaufnahme und unbekanntem CMV Status sofort Bescheid gesagt und den Zorn aller alter, männlicher Oberärzte auf mich gezogen. Auch im Assistentenkreis war die Stimmung schlecht, es ist es bei uns üblich, bis kurz vor 20. Woche volle Dienste zu machen und erst dann Bescheid zu geben. Ich wurde trotz bekannter Schwangerschaft immer wieder zu Tätigkeiten gedrängt, die nicht Mutterschutzkonform waren- und diese dankend abgelehnt.
Im Nachhinein bin ich froh, die Mutterschaftsrichtlinien konsequent durchgezogen zu haben, am Arbeitsplatz wird von niemandem gedankt, gut fühle ich mich trotzdem nicht mit der Behandlung durch meine Kollegen.

rosa_banana
17.09.2019, 12:45
Boah, Dienste bis 20. Woche... also ich bin froh, dass ich es gleich sagen musste. Im ersten Trimenon war ich so müde, ich hätte 20 Stunden pro Tag schlafen können. Im Dienst wäre ich gestorben.

Tarwah
17.09.2019, 12:52
gelöscht

Espressa
17.09.2019, 16:01
Ich finde den Grund “es könnte ja bis zur 12. SSW noch abgehen” ausgesprochen blöd, im deshalb mit der Mitteilung zu warten. Letztlich macht man sich dann doch erst recht Vorwürfe, sich nicht geschont zu haben; ganz abgesehen davon dass die Frühschwangerschaft eine extrem aufreibende Zeit ist, in der Frau auch wahrlich schlecht belastbar ist.

Ich hab mir allerdings mal mit einer frühen Verkündung und dem bestehen auf die Mutterschutzrichtlinien (keine Dienste) auch den Unmut der Chefs und teilweise Kollegen eingehandelt. Es war dann eine Verkettung von Missverständnissen die zu total kaputter Stimmung bis zu Mobbing fuhrte. Ich fürchte egal wie, man macht es immer falsch.

Bei wirklich kritischen Arbeitsbedingungen würde ich trotzdem früh Bescheid geben.

Trendafil
17.09.2019, 18:49
Naja, die Abortrate ist auch ohne Stress in der Frühschwangerschaft sehr hoch.
Finde das hört sich gerade wie eine Schuldzuweisung an. Frauen, die nicht in der 6 Woche verkünden, schwanger zu sein, sind schuld am Abgang. Schließlich haben sie gearbeitet. mh...

Noch dazu ist ein Abort etwas, was man doch verarbeiten muss. Ich hätte nicht von meinen Arbeitskollegen in so einer vulnerablen Phase darauf angesprochen werden wollen.

Espressa
17.09.2019, 18:59
Nein, natürlich soll das keine Schuldzuweisung sein.
Aber viele Frauen können frühe Aborte nicht als quasi normal und schicksalhaft annehmen, sondern suchen Gründe; und da ist Verausgaben im Beruf vielleicht nicht hilfreich.
(Vielleicht bin aber nur ich komisch, wenn ich finde dass bei einem Abort das Kollegium eine eher untergeordnete Sorge darstellt...)

tragezwerg
18.09.2019, 07:26
Ich hatte mal eine Kollegin, die ihre Schwangerschaft erst spät bekannt gab (aus den üblichen Gründen wie Angst vor Abort/schlechter Stimmung etc.). Leider hatte ihr Kind eine schwere Organfehlbildung, und auch wenn die Kausalität natürlich nie zu klären ist, hat sie sich massive Vorwürfe gemacht wegen Röntgen, Narkosegas etc, war deswegen depressiv usw.
Daher finde ich auch, dass man schon allein für den eigenen Seelenfrieden lieber zu früh als zu spät bescheid sagen sollte.

epeline
18.09.2019, 07:56
Dss Abortargument für eine späte Mitteilung sehe ich aus dem selben Grund kritisch. Davon abgesehen kann ja auch später was schief gehen. Und der Unmut der Abteilung, so er denn kommt, kommt auch noch später.

Ich bin zwar cmv-positiv aber parvo negativ
Was ja in meinem Fach nicht so unerheblich ist. Meine Gyn wollte mich gleich von Anfang ins BV stecken, welches ich nicht wollte. War ja kurz vor FA.
Also haben wir uns auf eine frühe Mitteilung geeinigt. Ich habs dann direkt nach dem 1. Ultraschall in der 8. Woche gesagt, was auch gut aufgenommen wurde.
Es gab die beschriebene Gefahrenbeurteilung und einen Termin beim Betriebsarzt. Ich durfte eben fortan nicht mehr mit auf Visite zu den infektiösen Kindern und nicht in die ZNA. Habe mich dann v.a. mit den Neugeborenen, Diagnostikkindern und eben Schreibkram beschäftigt. Das ging echt gut so und die Kollegen waren dankbar für die Briefe. Die letzten 2 Monate hatte ich ein indiv. BV und konnte um 12 Uhr gehen, hab dann zu Beginn des Mutterschutzes mich FA gemacht. Also für mich wars ideal so.
Ich muss aber auch sagen, aufgrund der Vorgeschichte hätte ich keinen Nerv gehabt, die SS so lange geheim zu halten. Und mit der Übelkeit und dem ständigen Erbrechen hätte ich das auch gar nicht gekonnt.

Un

WackenDoc
19.09.2019, 14:45
Achso- die Gewerbeaufsicht Niedersachsen hat auf ihrer Homepage auch eine Infobroschüre für Arbeitsplätze im Gesundheitswesen.

https://www.gewerbeaufsicht.niedersachsen.de/startseite/arbeitsschutz/mutterschutz/downloads/ratgeber-zum-thema-mutterschutz-52138.html