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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Würdet ihr euren Beruf weiterempfehlen und wieder Medizin studieren?



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Tarwah
16.09.2019, 12:52
gelöscht

Federgt
16.09.2019, 12:59
In der Unternehmensberatung frei am Wochenende?
LOL.

Ich hab Wirtschaft im Erststudium studiert und auch kurz in dem Beruf gearbeitet. Freunde in größeren Beratungen habe ich auch. Die arbeiten fast jedes Wochenende (ok, sie "dürfen" an anderen Orten arbeiten und dann an den Wochenenden in Hotels umher vegetieren) und kommen abends vor 19 Uhr auch nicht aus dem Büro.
Einer dieser Freunde meinerseits ist nun seit ca. 5 Jahren Single, er behauptet mittlerweile selber von sich dass er nicht beziehungsfähig ist aufgrund seines Jobs.

Ja... in der Beratung ist es sooooo viel besser ;-) Zumindest in den größeren Beratungen wo man dann auch ordentlich verdient ist das mitnichten so...

Und ansonsten: Ab in die Beratung. Spätestens mit dem FA.... Die freuen sich auch über ein paar Ärzte. Einfach mal selber ausprobieren.

Ich persönlich bin allerdings davon geheilt. :-kotz


(PS: Auch die Juristen in großen (Wirtschafts-)kanzleien dürfen sich den Ar*** wundarbeiten mit 80 h die Woche. Bis man evtl. mal Partner wird, wenn man es denn wird oder -im Beispiel der Beratungen- zum Kunden wechseln kann)

Hier liegt ein Fehler vor: Du gehst von den großen Beratungen aus. Klar, wenn ich bei einem den Big 4 anfange, weiß ich, worauf ich mich einlasse. Dafür bietet BCG dir auch mit Dr. Titel 96.000€ ab dem ersten Jahr an, McK Dr. knacken die sechsstellige Hausnummer. Noch ohne Boni (!) Woher ich das weiß? Bin auch Gesundheitsökonom, war auf deren Events, habe befreundete Ärzte, die dort arbeiten.
Die andere Seite ist: Ein Freund von mir ist IT-Berater. Microsoft Enterprise ist sein Gebiet, nichts spezielles, hat nicht mal sein Studium zu Ende gemacht. Ist gut darin, dafür hat er einen entspannten Job, hat Homeoffice wenn es geht, ansonsten Fir-menauto. Verdient natürlich dafür die Hälfte von BCG Gehalt, aber ist noch immer mehr als ein Assi im ersten Jahr (so ein Auto ist viel wert;).

Beratung ist halt nicht gleich Beratung.
Habe mich am Ende trotzdem für Medizin entschieden, weil ich langfristig hier mehr Möglichkeiten sehe (Niederlassung, CA, Honorar). Wechsel nicht ausgeschlossen.

Aber hätte ich nochmal die Wahl, hätte ich gerne etwas studiert, was womöglich "brotlos" gewesen wäre, Kunstgeschichte, Filmwissenschaft, etc. Aber ich habe die sichere Variante genommen mit Medizin, ist aufgrund meiner prekären Umstände nicht anders zu machen gewesen. Und im Nachhinein auch nicht schlimm, weil meine Talente da gut rein passen. Interessante Überlegung nämlich: Man sollte bei der Berufswahl nicht nach Interesse gehen, sondern nach Talent. Ansonsten kann es durchaus sein, dass man unglücklich wird: https://www.sueddeutsche.de/karriere/berufswahl-job-jobwahl-interessen-begabungen-interview-am-morgen-1.4566796

In der Realität entscheiden aber viele nach Interessen UND haben ein verklärtes Bild der Medizin mMn. Meine erste Vorlesung überhaupt wurde von dem CA unsere Psychosomatik gehalten. Darin ging es um eine große Studie in den USA, wieso man Medizin studiert. Antworten: Wissenschaftliches Interesse/ Interesse, Menschen zu helfen/Bedarf nach Beruf mit sozialer Anerkennung/ Geld. Klar, ist die USA, aber glaube auch, dass viele ernüchtert sind weil am Ende von diesen 4 Punkten fast keiner im Be-rufsleben erfüllt wird, dafür die Realität Einzug hält. Das hat nichts mit "hart sein" zu tun wie in schnix25 Theorie, es ist einfach eine Ernüchterung. Vllt sollte man Medizin sehen, als was es ist: Es ist am Ende auch nur ein Beruf, ein Job. Der aber deutlich mehr Opfer auf dem Weg dahin verlangt. Im Nachhinein ist es eben vielen doch nicht wert gewesen, deswegen bringt ein pauschales "mach einfach mal" nicht so viel.

Christoph_A
16.09.2019, 13:09
Mit jetzt gut 15 Jahren "Fronterfahrung" kann ich für mich nur sagen, daß ich jederzeit wieder Medizin studieren würde. mich interessiert einfach immer noch die Medizin als solche und auch nach all der Zeit habe ich Spaß am täglichen Umgang mit verschiedensten schwerkranken bis oft auch völlig gesunden Patienten. Insbesondere die kniffligen Dinge halten mir dabei den Beruf weiter interessant, Routine gehört zum business und ist in allen anderen Branchen genauso 80% des Alltags.
Klar hätte ich gern mehr Zeit für meine Patienten, weniger Verwaltungskram und ja, auch ich arbeite natürlich deutlich mehr als 40h pro Woche, dafür habe ich einen sehr abwechslungsreichen und immer noch ziemlich gut bezahlten Job und das Sozialprestige als Arzt liegt doch deutlich über dem eines Consultingmitarbeiters oder ITlers.
Konnte das ewige Gejammere am Beruf früher schon nicht verstehen und kann das auch heute nicht, wie bereits hier geschrieben, wenn alles so furchtbar ist, muß man halt was anderes machen, ansonsten sollte jedem schon zu Studienbeginn klar sein, daß Arzt halt kein Beruf ist, in dem man pünktlich abends den Griffel wegschmeißen kann.
Vlt. liegt das aber halt auch einfach daran, daß Medizin für mich keine Berufung sondern einfach die Wahl des Berufs war, der mir am besten gefallen hat und den ich auch am besten kann.

schnix25
16.09.2019, 14:16
Bezüglich des niedrigen Gehaltes kann ich folgenden Link empfehlen:
https://www.zeit.de/zeit-magazin/2019-08/einkommen-oberschicht-mittelschicht-unterschicht-gehalt#comments

10000€ brutto im Monat ist eine Summe, die man als Arzt früher oder später in Vollzeit mehr oder weniger sicher erreicht (mit Diensten bzw. in der Niederlassung). Da gibt es nur wenige Prozent, die noch mehr verdienen. Natürlich gibt es noch ein paar die extrem viel mehr verdienen, allerdings gibt es meine ich keinen Studiengang wo die breite Masse so gut verdient. Die Gehälter sind in Deutschland eben nicht viel höher. Das ist aber eben keine große Überraschung, die sich nach dem Studium einstellt. Die Gehaltstabellen bewegen sich seit Jahrzehnten auf diesem Niveau.

Und ein weiterer meiner Meinung nach unschätzbarer Vorteil ist allein das medizinische Wissen. Wenn man selbst Patient ist, kann man zumindest halbwegs überprüfen ob das stimmt, was einem erzählt wird.

GelbeKlamotten
16.09.2019, 18:31
In der Unternehmensberatung frei am Wochenende?
LOL.

Ich hab Wirtschaft im Erststudium studiert und auch kurz in dem Beruf gearbeitet. Freunde in größeren Beratungen habe ich auch. Die arbeiten fast jedes Wochenende (ok, sie "dürfen" an anderen Orten arbeiten und dann an den Wochenenden in Hotels umher vegetieren) und kommen abends vor 19 Uhr auch nicht aus dem Büro.
Einer dieser Freunde meinerseits ist nun seit ca. 5 Jahren Single, er behauptet mittlerweile selber von sich dass er nicht beziehungsfähig ist aufgrund seines Jobs.

Ja... in der Beratung ist es sooooo viel besser ;-) Zumindest in den größeren Beratungen wo man dann auch ordentlich verdient ist das mitnichten so...

Und ansonsten: Ab in die Beratung. Spätestens mit dem FA.... Die freuen sich auch über ein paar Ärzte. Einfach mal selber ausprobieren.

Ich persönlich bin allerdings davon geheilt. :-kotz


(PS: Auch die Juristen in großen (Wirtschafts-)kanzleien dürfen sich den Ar*** wundarbeiten mit 80 h die Woche. Bis man evtl. mal Partner wird, wenn man es denn wird oder -im Beispiel der Beratungen- zum Kunden wechseln kann)

Extrem viel arbeiten muss man vor allem halt bei den ganz großen, also McKinsey und BCG. In der IT Beratung bei Accenture zB arbeitet man viel geregelter und bekommt trotzdem pro Stunde deutlich mehr raus als ein Arzt. Als Beziehungsunfähig würde ich mich auch bezeichnen. Zum einen wegen dem zeitraubenden job und zum anderen weil mich die meisten männer nach spätestens 2 monaten langweilen. Jede Woche irgendwo im Hotel fände ich super. Dann noch beim Projekt bei Audi den attraktiven jungen Ingenieur abends mit ins Hotel nehmen ohne dass es gleich jeder im Freundeskreis mitbekommt, da könnte ich mich mit anfreunden.
Ihr essen zahlen die berater auch nicht selbst, wenn sie im kundenauftrag arbeiten, und der weg zur arbeit passiert im firmenwagen. da kommt auch noch mal ordentlich ersparnis dazu. Dazu gibts dann einen vergünstigten tarif für die wichtigsten versicherungen (BU, etc), da kann man quasi fast sein gesamtes gehalt ansparen bzw. anlegen. Eine teure wohnung braucht man auch nicht, wenn man 70% des jahres auf arbeitgeberkosten im hotel ist.



allerdings gibt es meine ich keinen Studiengang wo die breite Masse so gut verdient.
Es kommt auf den Stundenlohn an und nicht auf den Gesamtlohn. Schau dir mal das Grundgehalt als Ärztin an, von mir aus mit den paar euro poolbeteiligung, und dann vergleich das mit einer ingenieurin mit Ig metall tarif, dabei dann die boni und das 13. jahresgehalt nicht vergessen und berücksichtigen, dass deren gehälter auf einer 35 stunden woche basieren. Da kommst du wenn du alles richtig berücksichtigst selbst als fachärztin nicht an einen berufseinsteiger mir maschinenbau master an, geschweige denn einen mit dr-titel.

schnix25
16.09.2019, 19:32
Extrem viel arbeiten muss man vor allem halt bei den ganz großen, also McKinsey und BCG. In der IT Beratung bei Accenture zB arbeitet man viel geregelter und bekommt trotzdem pro Stunde deutlich mehr raus als ein Arzt. Als Beziehungsunfähig würde ich mich auch bezeichnen. Zum einen wegen dem zeitraubenden job und zum anderen weil mich die meisten männer nach spätestens 2 monaten langweilen. Jede Woche irgendwo im Hotel fände ich super. Dann noch beim Projekt bei Audi den attraktiven jungen Ingenieur abends mit ins Hotel nehmen ohne dass es gleich jeder im Freundeskreis mitbekommt, da könnte ich mich mit anfreunden.
Ihr essen zahlen die berater auch nicht selbst, wenn sie im kundenauftrag arbeiten, und der weg zur arbeit passiert im firmenwagen. da kommt auch noch mal ordentlich ersparnis dazu. Dazu gibts dann einen vergünstigten tarif für die wichtigsten versicherungen (BU, etc), da kann man quasi fast sein gesamtes gehalt ansparen bzw. anlegen. Eine teure wohnung braucht man auch nicht, wenn man 70% des jahres auf arbeitgeberkosten im hotel ist.



Es kommt auf den Stundenlohn an und nicht auf den Gesamtlohn. Schau dir mal das Grundgehalt als Ärztin an, von mir aus mit den paar euro poolbeteiligung, und dann vergleich das mit einer ingenieurin mit Ig metall tarif, dabei dann die boni und das 13. jahresgehalt nicht vergessen und berücksichtigen, dass deren gehälter auf einer 35 stunden woche basieren. Da kommst du wenn du alles richtig berücksichtigst selbst als fachärztin nicht an einen berufseinsteiger mir maschinenbau master an, geschweige denn einen mit dr-titel.

Die Berater, die ich kenne pflegen einen Lifestyle, dass da am Ende nicht mehr viel übrig bleibt. Auch weil es wohl im Kollegenkreis erwartet wird. Aber gut, dass führt glaube ich zu weit.
Ohne dir zu nahe treten zu wollen: Aber warum wechselst Du dann nicht einfach den Job? Es hört sich ja nicht so an, als würdest Du noch großen Gefallen daran finden. Und Beratung ist auch ohne Facharzt immer eine Option.

Bzgl. des IG-Metall Tarifs stimmt es natürlich, dass man dort sehr gut verdient. Aber es zahlen nun mal nicht alle Unternehmen diesen Tarif. Die nicht tarifgebunden Unternehmen zahlen deutlich weniger. Und natürlich sind in der freien Wirtschaft die Löhne höher als in einem staatlich reglementierten Bereich. Dafür hat man eben das Risiko in der nächsten Wirtschaftskrise auf der Straße zu stehen. Da sollte man in der Medizin doch auf der sicheren Seite sein. Und es gibt meine ich keine Klinik, die nicht an einen Tarif gebunden ist (außer rein Private vllt?).
Und den Dr. Titel neide ich keinem Maschinenbauer. Dafür hat er sich 3-4 Jahre auf ner Drittel oder wenn es gut geht vllt einer halben Stelle rumgeschlagen. Die Gehaltseinbußen müssen erstmal aufgeholt werden.

EVT
16.09.2019, 19:44
Wenn du jetzt jemanden mit in deine Wohnung nimmst, kriegt es doch auch nicht dein ganzer Freundeskreis mit oder? ;-) Oder wohnen die alle bei dir?
Als Arzt kannst du auch viel rumkommen, z.B. Reisen begleiten oder als Schiffsarzt. Bei ausländischen Reedereien brauchst du noch nicht mal Facharzt sein (3 Jahre Erfahrung inkl. Intensivzeit und Notaufnahme Innere, Chirurgie etc. reichen bei vielen amerikanischen Schiffen). Da brauchst du auch keine teure Wohnung und bekommst an Bord alles gestellt. Hübsche Ingenieure gibt es da sicherlich auch. ;-)
Oder du gehst jetzt in die Beratung. Die nehmen natürlich auch nicht jeden. Mich würde es nicht interessieren.

s4oksama
16.09.2019, 19:57
Hallo zusammen :)

Ich denke, die Entscheidung zum Studium ist äußerst individuell; es liest sich zwar nett, wenn man unterschiedliche Ansichten hierzu zu Gemüte führt, aber letztendlich wird keinem die Entscheidung abgenommen :)

Wie dem auch sei, auch ich finde die Medizin absolut interessant und ja, es macht schon irgendwie Spaß medizinisch tätig zu sein, aber aktuell würde ich kein Medizinstudium mehr (von Anfang an) aufnehmen wollen. Insb. die Arbeit im Krankenhaus war anfangs eine nahezu katastrophale Erfahrung für mich, obwohl ich zuvor schon durch Famulaturen und Praktika vorgewarnt wurde. Wenn man dann da alleine steht und eine ganze Station alleine versorgen muss, dann ist das zumindest anfangs ein ordentliches Häppchen, an dem man sich auch festbeißen kann. Hinzu kommt die teilweise extreme Arbeitsbelastung durch exorbitant hohe Überstunden etc. Also ein Spaziergang ist das nicht, insb. dann nicht, wenn man Angenehmeres gewohnt ist. Im Laufe des Medizinerlebens kann sich das zwar etwas zum Positiven ändern, aber das Leid bis dahin würde sich der ein oder andere doch lieber ersparen wollen.

Interessant ist auch, dass ich initial dachte, dass es nur mir so schrecklich in der Anfangsphase ging. Vielleicht war ich zuvor nur ein verwöhnter Student gewesen, der nie richtige Arbeit gesehen hat.
Habe kaum noch essen können, die Schlafqualität war nicht sonderlich gut etc. Habe dann aber von Kollegen überraschenderweise das Gleiche gehört, manche überlegten sich auch einfach irgendetwas anderes fernab von Krankenhäusern zu machen. Uns ging es kollektiv so :/

Das Arbeitsleben eines Arztes ist schon irgendwie sonderbar. Man muss es nicht mögen, es mag sowieso kaum jemand, und doch kämpft man sich im Stillen durch. Und wir (oder zumindest ich) brauchen uns auch nicht damit zu rühmen, dass wir ganz harte Leute sind, die all dem problemlos standhalten können. Jeder (oder fast jeder) kennt wohl den Tag, an dem man lieber alles hinschmeißen würde. Gut, in anderen Jobs gibt es das auch, aber immer dann, wenn man mit Menschen arbeitet, ist die Gefahr der eigenen Enttäuschung ziemlich groß...

Hello21
16.09.2019, 20:01
...oder sich mit wenig zufrieden geben

Hello21
16.09.2019, 20:03
Naja in München gibt es auch mehrere Kliniken, kandra und in der Umgebung erst recht... Man muss ja nicht nach Flensburg ziehen, aber etwas pendeln geht immer. Pädiatrie ist doch kein kleines Fach wie z.B. Rechtsmedizin. Notfalls muss der Partner eben auch den Job wechseln/weiter pendeln. Du klingst ja wirklich sehr frustriert. Oder erstmal Praxis?

Ich habe das Studium und den Beruf nicht eine Sekunde bereut. Ich mache Innere und bin im 3. Jahr. Ich habe auch schon die Stelle gewechselt und habe auch das nicht bereut. So Sachen wie unbezahlte Überstunden hatte ich aber nie und würde ich auch nie tolerieren. In so einer Klinik würde ich gar nicht erst anfangen. Dafür ist mir meine Lebenszeit zu schade. Aber es gibt Kollegen, die tolerieren schlechte Bedingungen, obwohl es in der gleichen Stadt bessere Alternativen gibt... unverständlich für mich. Man macht dadurch die Bedingungen für alle kaputt.
Mein Vater hat bis weit über das normale Rentenalter als Arzt in seiner Praxis gearbeitet und auch mein Bruder ist sehr zufrieden als Hausarzt. Man muss sich eben was gutes suchen.

...oder sich mit wenig zufrieden geben

Hello21
16.09.2019, 20:10
Die Berater, die ich kenne pflegen einen Lifestyle, dass da am Ende nicht mehr viel übrig bleibt. Auch weil es wohl im Kollegenkreis erwartet wird. Aber gut, dass führt glaube ich zu weit.
Ohne dir zu nahe treten zu wollen: Aber warum wechselst Du dann nicht einfach den Job? Es hört sich ja nicht so an, als würdest Du noch großen Gefallen daran finden. Und Beratung ist auch ohne Facharzt immer eine Option.

Bzgl. des IG-Metall Tarifs stimmt es natürlich, dass man dort sehr gut verdient. Aber es zahlen nun mal nicht alle Unternehmen diesen Tarif. Die nicht tarifgebunden Unternehmen zahlen deutlich weniger. Und natürlich sind in der freien Wirtschaft die Löhne höher als in einem staatlich reglementierten Bereich. Dafür hat man eben das Risiko in der nächsten Wirtschaftskrise auf der Straße zu stehen. Da sollte man in der Medizin doch auf der sicheren Seite sein. Und es gibt meine ich keine Klinik, die nicht an einen Tarif gebunden ist (außer rein Private vllt?).
Und den Dr. Titel neide ich keinem Maschinenbauer. Dafür hat er sich 3-4 Jahre auf ner Drittel oder wenn es gut geht vllt einer halben Stelle rumgeschlagen. Die Gehaltseinbußen müssen erstmal aufgeholt werden.

1.In bestimmten Lebenssituationen kann man nicht eben mal den Job wechseln. (Kinder, Familie, Haus gebaut)
2. Was ist so falsch daran, sich über Missstände zu beschweren und versuchen diese zu beseitigen?

Mir scheint es so, als wolle sich hier jemand nicht eingesetehen wollen, doch nicht so einen tollen Job zu haben, insbesondere im Vergleich zu anderen Berufsgruppen bzw. deren Arbeitsumständen.

schnix25
16.09.2019, 20:40
1.In bestimmten Lebenssituationen kann man nicht eben mal den Job wechseln. (Kinder, Familie, Haus gebaut)
2. Was ist so falsch daran, sich über Missstände zu beschweren und versuchen diese zu beseitigen?

Mir scheint es so, als wolle sich hier jemand nicht eingesetehen wollen, doch nicht so einen tollen Job zu haben, insbesondere im Vergleich zu anderen Berufsgruppen bzw. deren Arbeitsumständen.

Ich bin mit meinen Arbeitsbedingungen voll und ganz zufrieden, habe einen Job der mir gefällt und das Gehalt reicht mir ebenfalls. Warum sollte ich andere um Berufe beneiden, die mich selbst nicht interessieren? Mich stört, dass viele so tun als sei es die große Überraschung und Ungerechtigkeit, dass andere mehr verdienen als Ärzte. Das ist seit Ewigkeiten bekannt und ich versteh nicht warum manche nicht akzeptieren wollen, dass in anderen Beruf eben mehr gezahlt wurde, aktuell wird und auch in Zukunft gezahlt werden wird. Missstände werden vor allem dadurch beseitigt, dass sich niemand mehr findet sich bestimmte Arbeitsbedingungen anzutun bzw. als Konseqeunz die Kündigung einzureichen. Sofern man dazu aber aus persönlichen Gründen (die ja durchaus legitim sind) nicht bereit ist, wird kein Chef einen Grund haben etwas zu ändern. Ansonsten muss man sich halt damit abfinden was in den Tarifverhandlungen rausgehandelt wird, also ca. 2% mehr jedes Jahr und ein paar andere kleine Dinge.

Heerestorte
16.09.2019, 21:20
Es kommt auf den Stundenlohn an und nicht auf den Gesamtlohn. Schau dir mal das Grundgehalt als Ärztin an, von mir aus mit den paar euro poolbeteiligung, und dann vergleich das mit einer ingenieurin mit Ig metall tarif, dabei dann die boni und das 13. jahresgehalt nicht vergessen und berücksichtigen, dass deren gehälter auf einer 35 stunden woche basieren. Da kommst du wenn du alles richtig berücksichtigst selbst als fachärztin nicht an einen berufseinsteiger mir maschinenbau master an, geschweige denn einen mit dr-titel.

Wie hier schon jemand vor mir sagte, nicht jeder Ingenieur bekommt IGM-Tarife und so viel Geld.
Als Mediziner bekommt man durchschnittlich einfach immer ein gutes Gehalt, Ausreißer nach oben mit sehr viel mehr Geld möglich.
Einer meiner besten Freunde ist E-Technik-Ingenieur bei Bosch, der verdient viel Geld, arbeitet aber auch viel.
Ein anderer Freund hat einen Master in Maschinenbau vom KIT mit einem 1,x-Schnitt, hat ewig keinen Job gefunden und arbeitet jetzt für 2200€ Netto als Ingenieur bei Daimler über eine Leiharbeitsfirma. Es gibt auch in der Branche die gutbezahlten Stellen nicht wie Sand am Meer. Klar, bei Daimler direkt bekommt man mehr, aber die guten Stellen sind da auch schnell weg.

Kackbratze
16.09.2019, 21:51
Das ist wie mit Sex und Fussball, alle machen es, aber die wenigsten verdienen richtig Geld damit.

GelbeKlamotten
16.09.2019, 22:13
Wenn du jetzt jemanden mit in deine Wohnung nimmst, kriegt es doch auch nicht dein ganzer Freundeskreis mit oder? ;-) Oder wohnen die alle bei dir?
Als Arzt kannst du auch viel rumkommen, z.B. Reisen begleiten oder als Schiffsarzt. Bei ausländischen Reedereien brauchst du noch nicht mal Facharzt sein (3 Jahre Erfahrung inkl. Intensivzeit und Notaufnahme Innere, Chirurgie etc. reichen bei vielen amerikanischen Schiffen). Da brauchst du auch keine teure Wohnung und bekommst an Bord alles gestellt. Hübsche Ingenieure gibt es da sicherlich auch. ;-)
Oder du gehst jetzt in die Beratung. Die nehmen natürlich auch nicht jeden. Mich würde es nicht interessieren.

Zumindest kriegt es potentiell die Nachbarschaft mit und damit weiß es quasi jeder. Ist jetzt auch nicht furchtbar schlimm, aber ich fände die Freiheit in Hotels zu sein schon nicht schlecht. Außerdem hat man, wenn man das am Wohnort macht, immer die Gefahr danach noch gestalkt zu werden. Als Beraterin wäre ich nach 3 Monaten wieder weg im nächsten Projekt an einem anderen Ort. Außerdem wen soll ich denn zu Hause mitnehmen? Langfristige Kollegen kommen nicht in Frage, aus dem Club Alter bin ich raus und mit Tinder und co hab ich nur schlechte Erfahrungen gemacht.
Eine Kreuzfahrt wäre so ziemlich die schlimmste Qual, die man mir zufügen könnte. Nicht weil ich nicht gerne Schiff fahren würde, aber wochenlang mit der typischen Kreuzfahrtklientel eingesperrt zu sein stelle ich mir ungefährt so spaßig vor wie in einem All-Inclusive-Hotel mit 50 dicken halb verbrannten Engländern 10 Stunden am Tag am Pool zu liegen. Die Auswahl an hübschen Ingenieuren wird sich da fürchte ich auch in Grenzen halten.

Aber gut, hier geht es ja auch nicht um meine Männervorlieben, von daher nun genug davon ;-)

WackenDoc
17.09.2019, 07:05
Die Beratertypen fand ich in meinen Kursen grauenvoll. Möglichst viele Stunden verticken, schöne Grafiken produzieren, Ergebnis ist eigentlich auch egal. Die Unternehmen finden es toll, dass sie irgendwas gemacht haben, sie haben schöne Grafiken, am besten noch einen namenhaften Berater engagiert damit man sagen kann dass man einen tollen Berater engagiert hat. Alles andere interessiert nicht.

Parotis
17.09.2019, 08:32
Letztendlich bleibt es dabei, dass man zuerst eruieren muss, wo die eigenen Talente und Interessen liegen. Daraus ergeben sich dann Möglichkeiten was man studieren bzw. was man nach einem Studium konkret beruflich machen könnte. Erst danach macht es Sinn zu schauen welche dieser Möglichkeiten sich auch finanziell bzw. bezüglich Arbeitsbedingungen und Stellensituation lohnen.

Man wird in der Regel egal in welchem Bereich nur dann Karriere machen bzw. gut verdienen, wenn man fachlich gut ist und das Ganze zumindest einigermaßen gerne macht (von wenigen Ausnahmen abgesehen).

rosa_banana
17.09.2019, 13:00
Aber die Medizin ist so vielfältig, ich bin der Meinung da gibt's für jeden was. Deswegen würde ich wirklich dazu raten, das Studium anzutreten, durchzuziehen und sich dann überlegen, welche Stelle in welchem Fach die mit der größten Aussicht auf Glückseligkeit ist. Oder Zufriedenheit vielleicht.

Zufriedenheit.

erdbeersoda
18.09.2019, 14:03
Also ich habe auch ein Jahr Psychologie studiert und habe dann zu Medizin gewechselt. Ich hatte mich initial auch von meinem Interesse für die Medizin durch Horrorerzählungen von diversen Assistenzärzten abbringen lassen. Da mich Psychologie auch interessiert hat, hab ich dann erstmal damit angefangen. Ich bin jetzt aber super froh, dass ich damals noch gewechselt hab, trotz anstrengendem Studium. Mein Mann ist nämlich psychologischer Psychotherapeut und man darf nicht vergessen, dass die Psychologen für Ihre Approbation nochmal ordentlich viel Geld hinlegen müssen und jahrelang nur Teilzeit arbeiten können weil sie die Ausbildung welche einer Facharztausbildung entspricht machen müssen, für die sie bezahlen müssen und nichts groß dabei verdienen. Ich finde als Arzt, der zb Psychiater wird, ist man finanziell deutlich besser aufgestellt. Zudem hast du dank der Lage auf dem Arbeitsmarkt jederzeit die Möglichkeit dich fachlich umzuorientieren wenn du willst, in welchem Bereich geht das so einfach? Dazu kommt quasi die Jobgarantie, was ich schon sehr beruhigend finde, wenn ich mich mit Freunden vergleiche, die schnell mal von existentiellen Sorgen betroffen sind wenn der Vertrag nicht verlängert wird. Zudem verdienst du auch mit Teilzeit noch genug um damit über die Runden zu kommen, somit ist das zb auch eine Möglichkeit seine Arbeitsbelastung zu reduzieren. Ich habe selber in der Psychiatrie gearbeitet, mich dann aber letztlich für Gyn entschieden, womit ich aktuell auch glücklich bin. In der Psychiatrie war die Arbeits- und Dienstbelastung auf jeden Fall deutlich niedriger, da hab ich im Nachtdienst bis auf vielleicht ein Telefonat meistens von 12 bis 7 geschlafen. Nur das als Erfahrung von meiner Seite weil di dich für diesem Bereich ja interessierst.

LasseReinböng
18.09.2019, 20:13
Ich würde das Studium noch einmal ergreifen, rückblickend hätte ich wahrscheinlich jedoch parallel noch eine skandinavische Sprache erlernen sollen...

Medizin hat viele Vorteile und macht durchaus auch Spaß, aber die Zustände in deutschen Krankenhäusern können einem langfristig den Spaß am Beruf verderben.