Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Panik vor dem Berufsstart/ersten Nachtdienst
LisaLisa
19.09.2019, 20:02
Hallo, ich nochmal 😇
Erhoffe mir ein paar Erfahrungsberichte und evtl aufbauende Worte. Ich fange ab 1.10 zu arbeiten an und habe nun erfahren, dass ich auf der Chirurgie starte. Chirurgie liegt mir überhaupt nicht. Und ich kann mir bis dato nicht vorstellen, einen Nachtdienst in der Chirurgie zu schaffen. Ich habe irgendwie alle Medikamente (v.a. die Dosierung) wieder vergessen, weiß bei den meisten Krankheitsbildern auch nicht, wie ich diagnostisch vorgehen soll. Dazu bin ich an manchen Tagen auch noch in der chirurgischen Ambulanz eingeteilt. Ich arbeite in einem kleinen Haus und ich glaube, dass ich die einzig Anwesende auf der Station sein werde nachts.
Generell erdrückt mich das alles gerade und ich kämpfe schon seit Wochen mit Übelkeit wegen meiner Nervosität. Am liebsten würde ich wieder kündigen & etwas anderes studieren. Ich fühle mich NULL vorbereitet für den Arbeitsalltag. Klar im PJ könnte man Einblicke sammeln, aber die waren qualitativ doch sehr unterschiedlich..
Hilfe?!
med_in_1
19.09.2019, 20:19
Also sorry für den gleich folgenden Pragmatismus:
1. Wenn ich eine Berufsanfängerin einstelle, kann ich eben keinen Facharzt mit mehrjähriger Berufserfahrung erwarten
2. Viele Prozesse und Abläufe sind in Häusern arg verschieden, d.h. dass selbst „alte Hasen“ sich diese erst erarbeiten müssen (bei mir hat jeder Oberarzt eine GIB anders behandelt und nachts anders/gar nicht informiert werden wollen - kann man nicht riechen, sagt einem keiner, bekommt man eben mit)
3. Leider ist heute eine gute Einarbeitung mehr „hohle Floskel“ – sodass man dann eben damit leben muss, dass eine neue Mitarbeiterin diverse Rückfragen hat, deren Anzahl man mit einer Einarbeitung hätte reduzieren können...
Umsetzung:
Am Ende geht es doch darum: Kommt jemand mit einer GIB und du rufst sofort deine Hintergrund an, dann wird der seien Freude über die Gutschrift von Aktivzeit nachts 1 Uhr nicht sooooo doll zeigen können. Wenn du dir das aber mal anschaust, Medikamente gesichtet hast, rektal untersucht hast, den Hb parat und die Kreislaufparameter erfasst hast und dann den Hintergrund anrufst, kommt das besser an = bei jeder Situation Informationen sammeln und sortiert anrufen
Du kennt die Medikametendosierungen nicht? Nunja, die sind in der Chirurgie ja überschaubar, ein kleines Büchlein im Kittel ist doch als Gedächtnisstütze nicht unbedingt schlecht, vorher bei ner Thrombembolieprophylaxe nochmal nachgelesen zu haben, die Umsetzung von OAKs zu kennen schadet ja nicht
Generelles Vorgehen wie: Erfassen von wesentlichen Erkrankungen, relevanten Vorops, Medikation (v.a. Blutgerinnung) etc, eine körperliche Untersuchung mit subjektiver Dringlichkeitseintstufung und Laborsichtung oder – kann ich mir als Internist vorstellen – Röntgendiagnostik ist doch eine saubere Vorarbeit.
Feuerblick
19.09.2019, 20:29
Wie darf man das verstehen? Du bist Ärztin, fängst demnächst an zu arbeiten und startest in der Chirurgie, was du vorher nicht wusstest? Du musst dich doch auf irgendeine Stelle beworben haben?
Verbundweiterbildung Allgemeinmedizin, vermute ich...
LisaLisa
20.09.2019, 09:13
Danke für deine Antwort. Genau, habe mich für die Allgemeinmedizin-Ausbildung beworben und man wird den Fächern zugeteilt.
Feuerblick
20.09.2019, 09:27
Aber dann kam die Chirurgie ja nun nicht so ganz überraschend. Ich persönlich finde ja, dass Chirurgie für den Anfang ganz gut zu verkraften ist. Ich habe als Berufsanfängerin auch Chirurgie an einem kleinen Haus gemacht. Wir waren mindestens zu zweit auf Station, wobei in aller Regel morgens bei Visite geklärt wurde, was alles ansteht. Wirklich viele hochkomplizierte Patienten hatten wir nicht. Wunden beurteilen lernt man schnell, Platzbäuche erkennen auch. Medikamentös ist das sicher dankbarer als die Innere (dafür hatte ich ja nie einen Sinn). Auch in der Ambulanz war man nie alleine und konnte lernen, wie man mit Notfällen aller Art umgeht. Dienste waren bei uns für die Newbies erstmal OP-Rufdienste. Nach 6-9 Monaten und entsprechenden Ambulanz-Einsätzen hätte man dann „echte“ Nachtdienste machen müssen. Wäre auch machbar gewesen, da die wirklich komplizierten Fälle gar nicht in unser kleines Haus kamen. Insgesamt war das Arbeitsaufkommen zwar hoch, das Wasser oft ziemlich kalt - aber es war alles machbar.
Also schau dir das Ganze erstmal an und mach dich nicht verrückt. Zumal wenn die wissen, dass du nicht Chirurgin werden willst, werden die deine Einsatzgebiete auch entsprechend anpassen.
Und sieh es positiv: Die Chirurgie hast du dann bald hinter dir ;-)
][truba][
20.09.2019, 10:13
Chirurgie ist am Anfang sicher "etwas" leichter als Innere. Dort kommen zwar auch ab und an multimorbide Wracks aber im generellen sicher weniger als in der Inneren.
Ich habe nur ACH/VCH gemacht und kann daher nur in dieser Richtung was sagen, nicht in der UCH.
Bäuche sind relativ "gut" zu beurteilen. Auch wenn man natürlich nie alles erkennt, sind wirklich schlimme Bauchbefunde ziemlich eindeutig.
Bevor man den Oberarzt anruft brauch man auf jeden Fall ein Labor, ggf. ein Röntgen (Ausschluss freie Luft bei V.a. auf Perforationsgeschehen, Nachweis Koprostase bei älteren Patienten (nicht so selten wie man denkt)).
Ansonsten ist die Anamnese wichtig (bei der Appendizitis ist das typische "Erst in der Magengegend beginnend mit anschließender Verlagerung in den rechten Unterbauch" schon eher typisch und nicht so selten wie man es denken mag", hatte auch mal einen Patienten der meinte "Er sei vor 3 Wochen von seiner Frau verlassen worden und habe dann nur gesoffen. Dann bei Bauchschmerzen täglich 3 x 800mg Ibuprofen genommen" Ja, es war eine perforiertes Ulkus duodeni).
Ansonsten ist bei fehlendem Fieber, Infekzeichen (oder nicht sehr hoch), unauffälligem Röntgen und einem Patienten, der nicht von der Liege springt beim Abtasten keine Not-OP nötig. Nach einiger Zeit weiß man auch, welcher OA wann informiert werden will. Am Anfang ist man aber gut beraten sich immer zu melden. Um sich abzusichern und von den Entscheidungen der Erfahrenen zu lernen.
Medikamente brauch man nur wenige. Antibiosen und Schmerzmittel schaden nicht.
Viel Erfolg.
Für die Medikamente gibt es meist Hausstandards, die schaut man sich ab und hat sie nach ein paar Wochen drauf. Was brauchst du denn? Was gegen Blutdruck, gegen Schmerzen, gegen Übelkeit und gegen Schlafstörungen.
Die OP-Indikation wird am Ende ja sowieso vom Oberarzt gestellt, d.h. zu Anfang wirst du den eben bei jedem Befund anrufen. Nach ein paar Mal weißt du so ungefähr, wo es problemlos bis zum Folgetag Zeit hat und wo es wirklich dringend ist. Und bei den Fällen dazwischen ist es ja auch oft eine Ermessenssache und die OP-Indikation hängt nicht zuletzt von Laune und Schlafbedürfnis des OA ab...
Rettungshase
22.09.2019, 11:50
Zum groben (!) Überblich empfand ich diese Seite damals als unheimlich hilfreich: https://www.medstandards.ch/
Ggf. muss man aber schauen, wie man darauf Zugang erhält...
Medibini
22.09.2019, 14:20
Mir geht es da wie dir.
Ich habe gerade in der Inneren angefangen. Direkt in der ersten Woche Notaufnahme und ich kann leider nur sagen es war der pure Horror :-kotz Weil es natürlich nicht Pat. wie im Lehrbuch sind mit einer Erkrankung sondern natürlich multimorbide. Dazu die ganzen Abläufe die man nicht kennt. Dauernd klingelt das Telefon mit RTWs und NA die gleich kommen und ich fühl mich einfach überfordert.
Ich hoffe für dich Chirurgie wird ein bisschen entspannter weil gefühlt die Pat. da wirklich insgesamt fitter sind.
In welchem Bundesland läuft das denn so ab wie hier geschildert? Bin auch an der Verbundweiterbildung Allgemeinmeidzin Nrw interessiert. Die 18 Monate Innere stationär sind fast rum. Hatte letztens auch mal eine Ansprechperson aus der Verbundweiterbildung hier gesprochdn, der hat die Aufgabe jedoch vor erst nicht allzu langer Zsit übernommen und kannte sich deshalb nicht so super aus..
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