Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Lohnen sich angestellte Ärzte für einen MVZ-Betreiber?
ehem-user-31-01-2020-1555
22.10.2019, 19:08
Vielen Dank erstmal für die ganzen Beiträge. Das nur in geräreintensiven MVZs ein Mehrgewinn möglich ist und man hauptsächlich wegen Konkurrenz Sitze kauft, das komplette Honorar 1:1 aber gleich an den Angestellten weitergibt ist schon sehr interessant.
Habe ich nie behauptet Evil. Habe nur gesagt, dass das System an vielen Ecken sehr ineffizient arbeitet.
Da wäre z.B. noch die Verwaltung der über 200 gesetzlichen KK. Jede mit Vorstand, Palast etc... Irgendwo hab ich mal gelesen die KK selbst kosten so viel wie der gesamte ambulante Sektor. :-dance
Dass das deutsche Gesundheitssystem dadurch entscheidend überlastet wird, sind selbstverständlich Fake news
Dass es das Gesundheitssystem relevant belastet, ist sicherlich absurd, darüber brauchen wir nicht zu diskutieren.
Zu meiner Verteidigung, ich hatte Jukka666 so verstanden, dass "fake news" sich auf "Familienversicherung für die Verwandtschaft in der Türkei" bezieht.
(Hypothese: Die GKVen vernichten ein Vielfaches des Betrages, der in die Türkei fließt, mit einer sich selbst unterhaltenden "Verwaltung".)
Habe ich nie behauptet Evil. Habe nur gesagt, dass das System an vielen Ecken sehr ineffizient arbeitet.
Da wäre z.B. noch die Verwaltung der über 200 gesetzlichen KK. Jede mit Vorstand, Palast etc... Irgendwo hab ich mal gelesen die KK selbst kosten so viel wie der gesamte ambulante Sektor. :-dance
so ganz stimmt das nicht, siehe hier:
http://www.bpb.de/politik/innenpolitik/gesundheitspolitik/72616/verguetung-vertragsaerztlicher-leistungen?type=galerie&show=image&i=72617
Aber ob die verwaltungskosten mehr als 1/4 der vertragsärztlichen vergütung fair sind, darüber kann man auch schon streiten. und es sind netto-kosten. sprich keine abfindungen, keine sonderrenten, keine boni drin. Findet andere zahlen nicht, war auch schwer rauszufinden was noch fehlt als ich mal gesucht hatte.
Das macht dann 0,007% und ist damit ganz sicher eine der Hauptursachen der Misere im deutschen Gesundheitssystem...
Daß man in den 60er und 70er Jahren mit der Gießkanne GKV-Berechtigungen auf dem Balkan und weiter südlich verteilt hat, ist nur ein kleiner Aspekt (mit den 12,3 Mio/a hätte man aber z.B. vor zwei Jahren auch die 90ct Aufpreis/Dosis für den tetravalenten Impfstoff begleichen und damit mehrere 10.000 Grippeerkranke/Tote verhindern können).
Eine wesentliche Ursache für die Misere (und den m.E. unausweichlichen Kollaps der GKV) ist die Entwicklung der Mitglieder vs. Versichertenzahlen, der sog. "spread" . Selbst nach eigenen Angaben https://krankenkassen.net/gesetzliche-krankenversicherung/mitgliederzahlen-der-gesetzlichen-krankenkassen.html#anzahl-der-versicherten ist in dem relativ kurzen Zeitraum 2013-2017 die Anzahl der Beitragszahler "Mitglieder" um knapp 3 Mio gestiegen, die Anzahl der Nichteinzahler, aber Anspruchsberechtigten "Versicherte" aber um 4 Mio. Da die Gesamtkosten gedeckelt sind, liegt es auf der Hand, daß die Vergütung der einzelnen Leistungen für den Arzt zwingend abnehmen MUSS. Rechnet man ehrlicherweise in die 3 Mio "Neumitglieder" noch die 1-2 Mio rein, für die einen keineswegs kostendeckender Beitrag von ca 100 EUR/Mo durch die Kommunen entrichtet wird, schaut es noch schlechter aus. Das ganze muss man einfach ohne Schaum vor dem Mund diskutieren können.
Es wäre aber zu bemerken, daß es der GKV nicht schon seit 2015 schlechtgeht, so wurde u.a. die Einführung der Budgets durch Seehofer (S-G) 1996 und die Einführung der Beitragszahlung auf Betriebsrenten unter Schröder (R-G) 1998 mit der prekären Finanzsituation der GKV begründet (und bis heute nicht zurückgenommen). Desweiteren wird ein Bundeszuschuss von ca 15 Mrd/a gezahlt, ohne den die GKV schon längst kollabiert wäre.
Die GKV-Verwaltungskosten sind ein heißes Eisen und die "investigative" Presse hier ein Totalausfall. Rechnet man aber alleine alle AOKs zusammen mit ca 100.000 Angestellten (die franz. Securite Sociale kommt auf ca 20.000) mit meinetwegen 4000 EUR durchschn. AG-Monatsgehalt (x13 oder 14!) und dazu noch die 150 anderen Kassen, dann kommt man auf Beträge, die alleine die Kosten für alle 350.000 Ärzte in Deutschland locker übersteigen...dazu noch die Paläste in bester Innenstadtlage, während die KHs sich eher an der Periphere befinden...
Nun aber wieder zum Thema MVZ...
Kosten, die durch die Familienversicherung türkischer Mitbürger inklusive Rentnern 2016 verursacht wurden: 12,3 Mio Euro
Gesamtkosten der gesetztlichen Krankenversicherung (geschätzt) 165000 Mio Euro
Nebenkriegsschauplatz. Die 12,3 Mio ist der Betrag, der in die Türkei überwiesen wurde. Bei 11.000 Anspruchberechtigten macht das im Schnitt 1000 EUR/Kopf, das ist schon eine Menge. Ein deutscher Arzt erhält irgendwas zwischen 30-70 EUR/ Quartal von der GKV. Medikamente/Hilfsmittel dürften in der Türkei auch deutlich billiger sein. Das wahre Problem liegt aber woanders:
"da immer mehr türkische Versicherte im Alter zwischen Deutschland und der Türkei pendeln und das Abkommen aus 1964 von seiner ursprünglichen Intention her nicht auf deren Belange eingestellt ist. Alternde Migranten stellen auch für die deutsche Gesell-schaft eine Herausforderung dar."
Zitat Wiss. Dienst des Bundestages zum Deutsch-Türkischen Sozialversicherungsabkommen
Sprich, es werden die kostenfreien Leistungen eben nicht in der Türkei wahrgenommen, sondern man fliegt für seine OP, MRTs, Diabetesmedikamente extra ein. Dann gehen die Kosten via GKV-Chipkarte nämlich in der "Gesamtvergütung mit befreiender Wirkung" unter und sind nicht in den 12 Mio enthalten. Daneben stellt auch die beitragfreie Mitversicherung der Eltern (!) eine Diskriminierung der autochtonen Bevölkerung dar.
Daneben stellt auch die beitragfreie Mitversicherung der Eltern (!) eine Diskriminierung der autochtonen Bevölkerung dar.
Der Fairness halber muss man aber auch sagen, dass die Eltern dieses med. Pendeln nicht machen können, sondern nur in TR behandelt werden.
Der Fairness halber muss man aber auch sagen, dass die Eltern dieses med. Pendeln nicht machen können, sondern nur in TR behandelt werden.
Wenn alle hiesigen GKV-Mitglieder ihre Eltern kostenfrei mitversichern könnten, wäre das Problem mit Altersarmut und Doppelverbeitragung von Betriebsrenten schon mal viel geringer. Das will man aber explizit nicht. 1998 nicht, 2006 nicht und auch heute nicht...Ob in TR "Familienmitversicherte" auch hiesige Leistungen kostenfrei beanspruchen dürfen, geht aus dem oben verlinkten Dokument nicht eindeutig hervor.
Jetzt sind wir aber gaaanz weit weg von der MVZ-Diskussion.
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