Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ausbildung zur Akupunktur
Hallo Leute,
zu meiner Situation: Ich bin voll approbierter Arzt, habe 2 Jahre in der Klinik gearbeitet und bin dann ausgestiegen und habe mich mit einem Unternehmen selbständig gemacht. Das lief auch sehr gut und läuft auch noch, aber es erfüllt mich inhaltlich nicht. Ich habe in den letzten Jahren aufgrund einer gesundheitlichen Problematik eine Heilpraktikerin kennengelernt. Sie ist auf Akupunktur spezialisiert und es war für mich beeindruckend zu sehen, wie gut mir das geholfen hat. Das hat mein Interesse geweckt.
Jetzt bin ich kein Facharzt und habe in diesem Leben auch kein Interesse mehr, meinen Facharzt zu machen. In der Klinik zu arbeiten ist für mich eine Horrorvorstellung. Meine Idee war, mich auf TCM zu spezialisieren mit Fokus auf die Akupunktur. Ich habe da auch einen Akupunkturkurs entdeckt, der mich sehr anspricht, weil man auch ein längeres Praktikum in China absolvieren kann. Gleichzeitig scheint er ganzheitlicher orientiert zu sein als Kurse, die Ärzten angeboten werden (vielleicht ist das auch nur ein Vorurteil von mir).
Angenommen ich mache diese Ausbildung und bin dann in der Lage Akupunktur anzubieten, ist mir nicht ganz klar, was ich danach darf. Mich niederlassen und Akupunktur anbieten, dürfte ja möglich sein. Zu meinen Fragen:
- Obwohl ich mich in diesem Bereich spezialisiere, darf ich die Zusatzbezeichnung "Akupunktur" nicht führen, weil ich keinen Facharzt habe, richtig? Darf ich aber die Leistung bewerben? Und wenn ja, wie?
- Ich vermute mal, dass meine Rechnungen von der Krankenkasse nicht übernommen werden, richtig?
- Bin ich an die GOÄ gebunden?
- Kann ich diese Leistung anderen Ärzten anbieten und dürfen diese dann mit der Krankenkasse abrechnen?
Ich will einschätzen können, wie realistisch diese Idee ist. Grundsätzlich ist ja gut, wenn man sich auf eine Sache spezialisert, aber ich vermute, dass es einem schwer gemacht wird, damit erfolgreich zu sein.
Wer kann ein paar Hinweise geben?
Voraussetzungen für die Zusatzbezeichnung Akupunktur ist und bleibt der Facharzt in einem Fach der unmittelbaren Patientenversorgung. Ohne Facharzt wirst du außer im Angestelltenverhältnis keine gKV Patienten ohne KV Sitz behandeln können. Aber auch ein anderer Arzt wird diese Leistung nur mit Zusatzbezeichnung abrechnen können und keiner wird jemanden nur für Akupunktur anstellen. Das wird sich alleine nicht lohnen, weil Akupunktur jeder Hans und Franz inflationär anbietet. Dazu kommt das Akupunktur alleine in der TCM eigentlich keinen großen Stellenwert hat, wie es hier in Europa angewendet wird und nur unterstützend in Begleitung mit anderen Behandlungen Sinn macht. Als Arzt nur Akupunktur anbieten zu wollen mit zwei Jahren Berufserfahrung und das im Rahmen einer Privatpraxis wird nicht besonders einträglich sein.
WackenDoc
05.11.2019, 14:41
Mach halt noch nen HP-Schein, dann kannst anbieten was du willst ohne lästige Zusatzbezeichnungen. TCM ist eh schwer in Mode.
Aber dann kann er auch sein Studium in die Tonne treten. Als Selbständiger Heilpraktiker verdient man durchschnittlich zwischen 2000-3000€ Brutto und unterliegt den Steuer- und Sozialversicherungerungsabgaben für Selbstständige. Das ist finanziell so gar nicht attraktiv.
WackenDoc
05.11.2019, 20:17
Man muss halt ein gewisses Verkaufscharisma haben und tunlichst wenig Gewissen, damit man damit ordentlich verdient.
Ansonsten: In einer Privatpraxis darf man so ziemlich alles anbieten. Auch Akupunktur und TCM. Ohne Facharzt. Einer meiner Kollegen hatte als Jungassistent in der Inneren nebenher mit geringem Stundenumfang eine Privatpraxis für Akupunktur. Ganz ohne Zusatzbezeichnung. Man muss nur bei den Begrifflichkeiten sauber bleiben.
Da konkurrierst Du dann aber mit den „günstigen“ Heilpraktikern, den Ärzten mit der Zusatzbezeichnung und dem sonstigen Naturheilkunde/TCM Angebot in der Umgebung, weil es davon inzwischen wie Sand am Meer Angebote gibt . Ohne besonderes Alleinstellungsmerkmal oder besondere Reputation (was mit nur 2 Jahren Berufserfahrung, fehlendem Networking schwer wird) wird man da eher in der Masse untergehen. Mit einem sehr begrenzten Portfolio wird es sich dauerhaft finanziell nicht lohnen... das lohnt sich wenn maximal als nettes Zubrot...
Ich wollte den Thread noch mal aufleben lassen, da ich nun an der gleichen Stelle wie koston stehe. Für mich ist der Klinikalltag auch nicht einfach und sehr belastend (habe in der Anästhesie und in der Inneren gearbeitet) und erfüllt mich nicht mit Freude.
@koston: Hast du inzwischen eine Lösung gefunden? Sind ja nun doch einige Jahren seit deiner Frage vergangen...
Brauchst du noch Klinikzeit für den Allgemeinmediziner? Die zwei Jahre in der Praxis als geförderter WBA können beim richtigen Weiterbilder SEHR entspannt sein. Parallel den Kurs Akupunktur machen (dauert zwei Jahre, ach wie passend) und mit Niederlassung die Genehmigung für Akupunktur beantragen. Knie und Rücken kannst du über KV abrechnen, Rest privat. Allgemeinärztliche Tätigkeit kompakt halten (zur Deckung der laufenden Kosten), Rest nach Interesse. Lukrativ ist es vermutlich nicht so sehr, aber man ist nicht so stark im Hamsterrad gefangen.
Brauchst du noch Klinikzeit für den Allgemeinmediziner? Die zwei Jahre in der Praxis als geförderter WBA können beim richtigen Weiterbilder SEHR entspannt sein. Parallel den Kurs Akupunktur machen (dauert zwei Jahre, ach wie passend) und mit Niederlassung die Genehmigung für Akupunktur beantragen. Knie und Rücken kannst du über KV abrechnen, Rest privat. Allgemeinärztliche Tätigkeit kompakt halten (zur Deckung der laufenden Kosten), Rest nach Interesse. Lukrativ ist es vermutlich nicht so sehr, aber man ist nicht so stark im Hamsterrad gefangen.
Danke @Trenn für deine schnelle Antwort! Ich arbeite zur Zeit in der Inneren Medizin in der Schweiz und müsste mich mal informieren, wie es mit der Anerkennung läuft. Ich habe sieben Monate schon geschafft und mir würden nur noch fünf Monate Klinik fehlen... Für Innere.
Genau, für mich muss es gar nicht lukrativ sein, hauptsache, ich komme aus dem Hamsterrad heraus. Darf ich fragen, ob du selbst diesen Weg eingeschlagen hast?
Danke @Trenn für deine schnelle Antwort! Ich arbeite zur Zeit in der Inneren Medizin in der Schweiz und müsste mich mal informieren, wie es mit der Anerkennung läuft. Ich habe sieben Monate schon geschafft und mir würden nur noch fünf Monate Klinik fehlen... Für Innere.
Genau, für mich muss es gar nicht lukrativ sein, hauptsache, ich komme aus dem Hamsterrad heraus. Darf ich fragen, ob du selbst diesen Weg eingeschlagen hast?
Ich selbst habe nicht ganz so einen Ansatz gewählt, da mir die Schulmedizin gut gefällt und ich Akupunktur eher als zusätzliche Option bei psychosomatisch überlagerte Erkrankungen sehe. Je überzeugter du von TCM oder Naturheilverfahren bist, umso besser wird es wirken. Ich arbeite in der eigenen Praxis, mache nebenbei die Kurse für die Zusatzbezeichnung. Habe es erst nach dem FA begonnen. Es sind 360h notwendig, wovon ich etwa die Hälfte geschafft habe, es zieht sich aber über 2-3 Jahre, je nach dem wie engagiert man an den Kursen teilnimmt. Als Allgemeinmediziner hat man den Vorteil, dass man die psychosomatische Grundversorgung bereits für den FA braucht.
Ich selbst habe nicht ganz so einen Ansatz gewählt, da mir die Schulmedizin gut gefällt und ich Akupunktur eher als zusätzliche Option bei psychosomatisch überlagerte Erkrankungen sehe. Je überzeugter du von TCM oder Naturheilverfahren bist, umso besser wird es wirken. Ich arbeite in der eigenen Praxis, mache nebenbei die Kurse für die Zusatzbezeichnung. Habe es erst nach dem FA begonnen. Es sind 360h notwendig, wovon ich etwa die Hälfte geschafft habe, es zieht sich aber über 2-3 Jahre, je nach dem wie engagiert man an den Kursen teilnimmt. Als Allgemeinmediziner hat man den Vorteil, dass man die psychosomatische Grundversorgung bereits für den FA braucht.
Alles klar, vielen Dank für die Informationen!
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