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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Probleme beim Erstellen des Dienstplans



Lava
07.11.2019, 13:57
Bei meiner neuen Stelle wurde mir die Dienstplanerei übergeholfen (freiwillig wollte ich das nicht, aber da ich neu war, hatte ich Angst, "nein" zu sagen) und jetzt habe ich ein großes Problem: im Dezember sind wir plötzlich zwei Leute weniger, da einer geht und eine andere in unsere Schwesterklinik versetzt wird, ohne dass von dort ein Ersatz kommt. Ich hatte den Dienstplan schon längst erstellt, aber damals wusste ich noch nicht, dass ein Kollege geht. Seine Dienste konnte ich problemlos verteilen, aber es bleibt die Schwierigkeit, dass wir an den meisten Tagen zu wenig Leute sind. Wir sollten immer drei Asistenten sein (einer Ambulanz, zwei für Station und OP) und das klappt nicht. Die Antwort vom Chef war, dass die Leute dann halt auf ihren Freizeitausgleich verzichten und Überstunden machen sollen. Ich glaube, wir haben zwar alle Opt-Out unterschrieen (ich jedenfalls habe das), aber irgendwie habe ich trotzdem Probleme mit dieser "Lösung". Ich mache den Dienstplan mit Clinic Planner, da kann ich genau die Soll und Ist Stunden sehen. Nach meinem jetzigen Plan sind die bei allen Leuten ausgeglichen. Wenn ich ihnen den Freizeitausgleich hier und da streiche (oder ich z.B. mehr arbeite als meine 80%), machen wir alle Überstunden... darf der Chef sowas überhaupt verlangen?

Meine Idee war jetzt, dass jeder Assistent selber entscheiden soll, ob er Überstunden machen will oder nicht. Ich selbst will keine machen und von zwei anderen Kollegen, die auch Kinder haben, weiß ich auch schon, dass die das nicht wollen. Fallen von 5 Assistenten also schonmal 3 weg. Klar ist es für uns stressig, wenn wir den ganzen Monat über allein auf Station sind (mit immerhin 40 Betten), ich noch zwei, dreimal die Woche Sprechstunde machen muss und niemand von uns in den OP kommt, weil dann gar keiner mehr da ist, aber ehrlich gesagt soll der Chef halt mal merken, dass das Ganze sein Verschulden ist, wenn er uns keine Leute ran schafft. Blöd ist auch, dass unser Chef fast nie da ist. Der ist meistens in unserem Schwesterhaus, man kann also nicht mal mit ihm reden.

Dienstplan machen ist kacke.

kartoffelbrei
08.11.2019, 16:42
Überstunden müssen vom Betriebsrat genehmigt werden. Falls du genötigt wirst, einen Dienstplan zu schreiben, der Überstunden enthält, die die Leute nicht machen wollen, könntest du den Betriebsrat bitten, den Dienstplan abzulehnen. Dann wäre dein Chef in der Pflicht, anderweitig Ersatz zu besorgen. Ich würde mich an deiner Stelle schon mal vom Betriebsrat beraten lassen, wie man am schlausten vorgeht...

Pflaume
08.11.2019, 17:38
Wobei es bei uns zeitweise eine Betriebsvereinbarung gab, die den Arbeitgeber davon befreite, Dienstpläne einzeln genehmigen zu lassen, solange bestimmte vereinbarte Grenzparameter eingehalten wurden. Dazu gehörten auch geplante Überstunden. Aber darüber könnte sich Lava beim Betriebsrat informieren.

@lava: Nur meine persönliche Sicht: Ich finde dein Ausmaß an Rücksichtnahme auf das Interesse der Arbeitnehmer, keine geplanten Überstunden zu machen, etwas überraschend, da ich dies nie in einem solchen Ausmaß erlebt habe. Als ich Dienstplaner war, gelang es mir, die (wenigen) Teilzeitkräfte weitestgehend von ungewollten geplanten Überstunden zu verschonen, aber die Vollzeitkräfte (und die Teilzeitkräfte, die ohne weiteres zur gelegentlichen Mehrarbeit bereit waren und auch keinen Ausgleich dafür wollten) mußten den Dienstplan halt abdecken.

Es ist aus meiner Sicht richtig, Überstunden zu vermeiden zu versuchen, nur habe ich Arbeitsbedingungen, in denen der Arbeitgeber auch nur bereit gewesen wäre, darüber überhaupt nachzudenken / zu reden / entsprechende Voraussetzungen zu schaffen, nie erlebt.

ehem-user-31-01-2020-1555
08.11.2019, 17:58
Es ist aus meiner Sicht richtig, Überstunden zu vermeiden zu versuchen, nur habe ich Arbeitsbedingungen, in denen der Arbeitgeber auch nur bereit gewesen wäre, darüber überhaupt nachzudenken / zu reden / entsprechende Voraussetzungen zu schaffen, nie erlebt.

Hoffe, du und die anderen habt daraus eure Konsequnzen gezogen. Oder es war zumindest möglich sie abzufeiern / auszubezahlen.

Es sind in Extremfällen bis zu 1500 Euro, die ein Arbeitnehmer seinem Arbeitgeber schenkt. Pro Monat! Frage mich echt mit welcher Arbeitsmoral man da arbeitet.

Gut, dass es auch Kliniken gibt, wo es gerecht zugeht

Pflaume
08.11.2019, 18:00
Ich rede nicht von unbezahlten Überstunden, sondern einfach von der Planung von Überstunden. Als der Arbeitgeber mit der Idee um die Ecke kam, diese geplanten Überstunden nicht mehr auszuzahlen, sondern angeblich irgendwann in der Zukunft in Freizeit auszugleichen (was nie geschehen würde), bin ich gegangen.

ehem-user-31-01-2020-1555
08.11.2019, 18:15
Ich rede nicht von unbezahlten Überstunden, sondern einfach von der Planung von Überstunden. Als der Arbeitgeber mit der Idee um die Ecke kam, diese geplanten Überstunden nicht mehr auszuzahlen, sondern angeblich irgendwann in der Zukunft in Freizeit auszugleichen (was nie geschehen würde), bin ich gegangen.

Das ist auch die einzig richtige Entscheidung!

Lava
08.11.2019, 18:50
@lava: Nur meine persönliche Sicht: Ich finde dein Ausmaß an Rücksichtnahme auf das Interesse der Arbeitnehmer, keine geplanten Überstunden zu machen, etwas überraschend,

Echt? Hm.... also wenn schon klar gewesen wäre, dass wir nur 5 Assistenten sind, als ich den Dienstplan geschrieben habe, hätte ich es vielleicht auch anders gemacht und auch den ein oder anderen Urlaub nicht so eingetragen (bei uns muss Urlaub nicht genehmigt werden vom Chef, den trag ich einfach in den Dienstplan ein). Aber ich hatte ja jetzt einen funktionierenden Dienstplan erstellt, der dadurch torpediert wird, dass plötzlich ein Kollege fehlt.

Wir haben jetzt überlegt, dass wir uns gemeinsam für eine Strategie entscheiden sollten. Und derzeit ist die Mehrheit für den legalen Dienstplan und gegen Überstunden (legal ist der eh nicht, man kommt doch ab und zu über die 56h/Woche, weil es nicht immer möglich ist, in der gleichen Woche FZA zu geben, wo man Dienste hat). Damit die Oberen und der Chef halt mal merken, dass wir seine Defizite nicht auf unserem Rücken austragen wollen.

Ich lasse den Dienstplan jetzt so. Wenn er der oberen Etwage nicht gefällt, sollen sie ihn selber ändern.

WackenDoc
08.11.2019, 18:53
Trag doch einfach den Chef für die freien Dienste ein :-wow

kartoffelbrei
08.11.2019, 19:18
Noch eine Bemerkung zu Opt Out: Das bezieht sich nur auf Bereitschaftsdienst-Stunden! Für Vollarbeit gelten weiterhin die gesetzlichen Regelungen, die sagen, dass die Arbeitszeit pro Tag im Durchschnitt acht Stunden und an einzelnen Tagen bis zu 10 Stunden (Wochenende 12 Stunden) betragen kann. Weil der Gesetzgeber von einer 6-Tage-Woche ausgeht, bedeutet das, dass man in einer Woche bis zu 60 Stunden arbeiten darf, vorausgesetzt, man landet im Mittel bei maximal 48 Stunden.
Opt Out setzt den maximalen Mittelwert herauf, diese zusätzlichen Stunden müssen aber durch Bereitschaftsdienst entstehen.

Miss_H
09.11.2019, 10:09
(legal ist der eh nicht, man kommt doch ab und zu über die 56h/Woche, weil es nicht immer möglich ist, in der gleichen Woche FZA zu geben, wo man Dienste hat).

Wieso sollte das nicht legal sein? Die Arbeitszeiten werde immer im Durchschnitt berechnet und der darf dann nicht über einer bestimmten Stundenzahl liegen.

Lava
10.11.2019, 19:33
Im Durchschnitt von was? Von einem Monat?

@kartoffelbrei: Na dann hat sich das ja eigentlich erledigt. Es gibt eine Soll-Zahl an Stunden im Monat und mehr als das darf ich also gar nicht verplanen.

morgoth
10.11.2019, 19:51
Ich habe im Kopf, dass der Durchschnitt über sechs Monate zählt.

FirebirdUSA
11.11.2019, 06:01
Soll bezieht sich nur auf reguläre Arbeit. BD kommt noch dazu.

anignu
11.11.2019, 22:12
Wieder zum Dienstplan: wir waren mal so wenige, dass es unserer Meinung nach einfach nicht geklappt hat. Also haben wir eine Überlastungsanzeige abgegeben und einen Dienstplan mit Lücken. Dann gabs erst ein Gespräch mit dem Vorstand und dann wurden die Lücken mit Honorarkräften aufgefüllt...