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tarumo
19.11.2019, 12:59
Steuerhinterziehung führt u.U. zum Entzug der Approbation https://www.aerzteblatt.de/archiv/149816/Approbation-Entzug-wegen-Steuervergehen , das zeigt deutlich, wie die Prioritäten in ´schland liegen.
Daß die Betreffenden zum Zeitpunkt der Verurteilung ihre Approbation schon hatten (und der Entzug dann wohl etwas schwieriger ist als eine Nichterteilung, zumal bei einem Newbie) ist halt Glückssache. Sollte man sich aber nicht darauf verlassen.
Wenn eine Verurteilung wg. schwerer Körperverletzung bzw. fahrlässiger Tötung von Patienten nicht zur Verweigerung einer Approbation führt...dann kann man sich das ganze Gedöns nämlich sparen.

h3nni
21.11.2019, 19:09
Ist eine Verwechslung von Spritzen denn wirklich fahrlässig? Gibt ja nicht umsonst mittlerweile unterschiedliche Konnektoren für enteral und parenteral. Bzw. sollte es geben.

Gut, als PJler alle Komplikationen erkennen zu wollen, ist schon etwas großspurig, wir schimpfen ja nicht umsonst über Dienste für Assistenten in der 6. Woche...

freak1
21.11.2019, 19:14
Wenn ich mich richtig erinnere hat die entsprechende Klinik erst (direkt) nach dem Vorfall dafür gesorgt, dass die Spritzensysteme für PEG und IV nicht mehr kompatibel sind...

h3nni
21.11.2019, 19:34
Aber ist das dann nicht Organisationsverschulden o. Ä.? Kann ja ein PJler nichts dafür, dass das Klinikum nicht dem stand der Technik entsprechend ausgestattet ist.
Man kann es dem ja auch nicht ankreiden, wenn er sich mit einer alten "unsafe" Viggo sticht, dass er das ja hätte verhindern müssen?

Pflaume
21.11.2019, 19:40
Man kann es dem PJler ankreiden, wenn er den ihm unbekannten flüssigen Inhalt einer unbeschrifteten (? da bin ich mir nicht mehr ganz sicher) Spritze ohne jegliche konkrete Anweisung einem schwer kranken Kind spritzt, ganz egal, ob er das Zeug i.v. oder in die PEG oder in den Mund oder ins Ohr oder in den Po spritzt. Bei so grobem Fehlverhalten tritt die Frage, was für ein Anschluß an der Spritze war und ob es einen anderen hätte geben können, aus meiner Sicht sehr stark in den Hintergrund.

freak1
21.11.2019, 19:41
Ob es eine konkrete Anweisung gab ist doch umstritten gewesen, oder erinnere ich mich falsch? Er sagt sie sagt, im Endeffekt hat man es nicht sicher feststellen können was die Schwester gesagt hat...

h3nni
21.11.2019, 19:44
Naja, war vielleicht "Ampicillin" ohne Dosis, Verabreichungsweg usw. und vermutlich sowas wie "gib das mal dem Kind auf Bett 5". Und dann ist man ja schon weit oder die Schwester genervt und man will nicht nochmal fragen.

Pflaume
21.11.2019, 19:44
Meine Erinnerung ist eine andere, und ich bin ehrlich gesagt zu faul, die Details nochmal nachzuschauen.

Edit: Hier (www.justiz.nrw.de/nrwe/lgs/bielefeld/ag_bielefeld/j2012/10_Ds_16_Js_279_11_1009_12_Urteil_20121022.html) stehen die gerichtlich festgestellten Details.

WackenDoc
21.11.2019, 19:49
Wenn ich mich recht entsinne, hat der PJler (dem Kind) schon öfter Medikamente über den ZVK gegeben. Und dann kam es wohl zu einem fatalen Kommunikationsproblem. Die Schwester hat wohl dem PJler gesagt, dass er das Medikament geben soll und er dachte wohl dass das so wie immer für de ZVK war. War eben auch in einer Spritze und nicht gesondert gekennzeichnet.

Letztendlich ist es aber ein häufiges Problem- der eine sagt was- der andere versteht was. Und das ist nicht deckungsgleich. Bzw. irgendwo haben Informationen gefehlt, sind verloren gegangen, oder es wurde irgendwo entlang der Kommunikation irgendwas rein interpretiert, was nicht gesagt wurde.
Erleichtert wird das Problem, wenn insgesamt schlurig kommuniziert wird, man Leuten beibringt, dass sie machen und gefälligst nicht dumm fragen sollen, ein Klima der Angst, Dinge zu hinterfragen usw.

Und schon hat man die Tragödie.

tarumo
22.11.2019, 08:06
Meine Erinnerung ist eine andere, und ich bin ehrlich gesagt zu faul, die Details nochmal nachzuschauen.

Edit: Hier (www.justiz.nrw.de/nrwe/lgs/bielefeld/ag_bielefeld/j2012/10_Ds_16_Js_279_11_1009_12_Urteil_20121022.html) stehen die gerichtlich festgestellten Details.

Übrigens ein perfektes Beispiel, was diese "ist Aaaaztaufgabe" Mentalität anrichten kann. Da wird ein PJler von übermüdeten und schlechtgelaunten Pflegekräften herumgeschubst und muß Blutentnahmen, Gabe von oralen Medikamenten und i.v. Medikamenten (noch nicht mal eine Erstantibiose) erledigen, alles totaaaal ärztliche Dinge, die durchaus ohne weiteres delegierbar wären.

Hätten die betreffenden Pflegekräfte (die ja sowohl den Mediplan als auch das Baby sehr gut kannten) diese Aufgaben selbst erledigt, wäre hier viel menschliches Leid erspart geblieben. Wundert mich aber nicht wirklich in einem "christlichen" Haus.

Vermutlich haben diese Kräfte, während der Pjler den Überblick zwischen i.V. und oral verloren hat, Betten aufgeschüttelt oder sowas. Wenn man dann aber auch nur analog einer Servicekraft bezahlt wird, dann ist es auch wieder nicht recht. Sorry für den Sarkasmus.
Da es hier aber um eine freiwillige Arbeit geht und nicht um ein verpflichtendes PJ, sind wir schon ein wenig weg von der Ausgangsfrage.