PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Geisteswissenschaften werden abgeschafft



Seiten : 1 [2]

PEACEKEEPER
29.11.2003, 23:13
Original geschrieben von Janine
Der Chef zahlt ja auch Steuern später! Und je nach Gehalt durchaus mehr als sein Angestellter...



Tut er das wirklich? Was zahlt denn z.B. ein Herr Müller ( Mr. Müllermilch) hier an Steuern? Kassiert Subventionen, wo er nur kann , und verpisst sich dann in die Schweiz , weil er den Hals nicht vollbekommen kann. Aber seine Kinder hier auf Staatskosten ausbilden lassen.
Ein Großteil des Steueraufkommens wird nunmal von den Angestellten erwirtschaftet . Vieleicht zahlt der Chef sogar in absoluten Zahlen mehr Steuern . Nur hat der Chef den Vorteil, dass er dies oder das abschreiben kann, vieleicht sogar den ein oder anderen Euro nach Luxemburg oder in die Schweiz bringt. Alles Dinge, die der Angestellte nicht machen kann, weil ihm die Lohnsteuer sofort abgezogen wird. In relativen Zahlen ist die Steuerlast des Angestelltem mit Sicherheit höher. Jemand der mit 16 in die Lehre geht und mit 19/20 fertig ist und arbeiten geht, zahlt dann schon kräftig Steuern. Der Student ist im Schnitt mit 28 fertig. Da hat der Geselle schon 8 Jahre lang Steuern bezahlt. Wir müssen mal langsam weg von diesem Anspruchsdenken und alles am besten zum Nulltarif. Das funktioniert einfach nicht mehr, und zwar in allen Bereichen.
Wem nützten kostenlose , aber zweitklassige Unis? Letztendlich doch keinem. Die Frage der Finanzierung ist für viele dann natürlich ein Problem . Aber da müssen dann Lösungen her, wie Stipendien oder Bildungkredite, die nach dem Studium zurück gezahlt werden. In Nrw gibt es allein 100 000 Studenten. Bei 500 Euro pro Nase käme schon ein hübsches Sümmchen zusammen , mit dem man viel bewegen könnte.

Grüsse

Hellequin
30.11.2003, 10:58
Original geschrieben von PEACEKEEPER
In Nrw gibt es allein 100 000 Studenten. Bei 500 Euro pro Nase käme schon ein hübsches Sümmchen zusammen , mit dem man viel bewegen könnte.


Ja, das Arbeitsamt könnte noch mehr Geld für irgendwelche Imagekampagnen ausgeben. :-D

Ich verstehe nicht ganz, was mangelnde Steuergerechtigkeit
mit Studiengebühren zu tun hat. Vorallem bin ich gegen diese
Pauschalstudiengebühren, wie sie von allen gefordert wird, weil
das ja eindeutig wieder die Studiengänge im Sozialbereich benachteiligt. Wenn es schon sein muß, dann doch bitte Einkommensabhängig, und am realen Stundenlohn orientiert.
:-meinung

PEACEKEEPER
30.11.2003, 11:56
Die Bundesanstalt für Arbeit wird über Beiträge der Versicherten finanziert. Nur wenn mal wieder Geld fehlt muss Vater Staat mit Steuermitteln einspringen.
Natürlich hat Bildung nicht nur aber auch was mit Steuergerechtigkeit zu tun.
Das Geld , was wir für Bildung ausgeben, stammt nun mal aus dem Steuersäckel, und damit von der Allgemeinheit.
Es ist doch auch erstmal völlig nebensächlich , ob man nun Kopfpauschalen einführt, ob man sich am Einkommen orientiert, oder die Hochschulen selber über die Höhe der Gebühren entscheiden.
Das sind doch eher technische Fragen, auch was die Frage der Finanzierung angeht. Da gibt es unterschiedliche Modelle. Ein Blick auf unsere Nachbarländer genügt.
Wichtig ist erst mal die Frage , ob wir Gebühren und Wettbewerb an unseren Unis überhaupt wollen, oder ob wir so weitermachen und irgendwann nur noch drittklassige Unis haben. Ausländische Studenten, gehen doch lieber nach Amiland oder England, als nach Deutschland. Gleiches gilt für Nachwuchsforscher. Wer möchte auch hier unter diesen Bedingungen noch forschen? Gleiches gilt übrigens auch für den deutschen Nachwuchs. Jeder 7te geht mittlerweile ins Ausland. In Amiland bilden die Deutschen wieder eine sehr große Gruppe an den Unis.
Und Innovationen enstehen dann nicht mehr in Deutschland ,sondern in den USA und weden dann auch dort vermarktet. Ein Freund von mit studiert in Holland, wo es bekanntlich Studiengebühren gibt. Aber was den Studenten dafür auch geboten wird, lässt mich schon etwas neidisch werden.Motivierte Dozenten, Unterricht in Kleingruppen , interaktive , teure Lernmedien , keine maroden Gebäude usw.
Wir durften uns in unseren Praktika mit Registriertechnick aus den 70er und 80er herumschlagen.
Ich weiß es ist ein schwieriges Thema , aber die Probleme einfach aussitzen bringt nun auch nichts mehr. Das haben wir schon die letzten 30 Jahre zu genüge getan.

Grüsse

Hellequin
30.11.2003, 14:39
Original geschrieben von PEACEKEEPER
Es ist doch auch erstmal völlig nebensächlich , ob man nun Kopfpauschalen einführt, ob man sich am Einkommen orientiert, oder die Hochschulen selber über die Höhe der Gebühren entscheiden.


Das sehe ich aber nicht so, weil die Art der Studiengebühren schon mal was darüber aussagt, wie sozialverträglich das angestrebte Modell ist.

Was die Länder angeht, die ihre Universitäten über Studiengebühren finanzieren, ist z.B. Österreich wohl eher
ein Modell welches nicht so recht funktioniert und wenn man
über das angeblich tolle konzept in den USA schreibt, sollte man
sich auch nicht unbedingt an den Unis der IvyLeague orientieren.

Wo wir uns wohl einig sind, ist wohl das Strukturreformen dringend notwendig sind. Aber ich kann mich irgendwie nicht so recht daran erinnern, das die in der aktuellen politischen Debatte wirklich eine Rolle spielen. Es geht doch momentan nur darum, ob und wie tief man den Studenten in die Tasche greifen kann.
Und ich sehe nicht ein wieso ich ein schlechtes Studium finanzieren soll, wenn ich danach den Rest meines Lebens damit verbringe unser marodes Gesundheitssystem zu stützen.

Flauscheding
30.11.2003, 15:14
Original geschrieben von funny
Die optimale Lösung gibt es in dieser Frage sicherlich nicht:

500 Euro sind viel, aber wenn ich da an die US-Studiengebühren denke..................... In den USA und auch in Großbritannien zahlen viele ihre Studiengebühren noch ab, wenn sie bereits das 5. Jahr im Beruf sind. Weiß ich aus erster Hand von Freunden in Birmingham und den USA.

In den USA sind im ggs zu D Stipendien etabliert und Gang und Gebe. So werden sozialschwache Studenten aufgefangen und es wird ihnen eine gleichberechtigte Bildung ermöglicht. Darüberhinaus fließt das Geld - wie hier schon oft erwähnt - direkt in die Universitäten. Dieses Model kann man leider ( ? ) nicht 1:1 auf D umlegen, da uns derzeit die Voraussetzungen für ein solches Stipendiatswesen fehlt.
Btw, geht es in dieser Studiengebührendebatte leider weniger um die sogenannten Langzeitstundenten sondern viel mehr um die Frage, wie man Haushaltslöcher am effektivsten stopfen kann.
Wenn ich mich jetzt nicht völlig irre, gibt es bspw. in Mannheim seit 10 Jahren Studiengebühren für "Langzeitstudenten". Das Resultat sind nicht verkürzte Ausbildungszeiten sondern eine höhere Quote an Studienabbrechern, ergo sind diese From der angekündigten Studiengebühren kontraproduktiv. Ginge es Koch, Stoiber und Co. um die Verkürzung der Ausbildungszeiten ( wie sie es uns glaubhaft zu versichern versuchen ), sind Studiengebühren der völlig falsche Ansatz. Meines Erachtens nach müßte die finanzielle Unterstützung von Studenten weitreichender geregelt werden.
Positive Konditionierung oder wie man das auch immer nennen mag: BaföG für alle, Erlaß eines bestimmten Betrages sofern in der Regelstudienzeit und unter den besten x % des Jahrganges das Studium abgeschlossen wird. Aber wie will man das umsetzen ? :-???

Was ich mich noch frage: wofür gibt es ein Bildunsgministerium wenn Bildung alleine Ländersache ist?
Fragen über Fragen...

:-winky
das Ding ...

luckyblue
30.11.2003, 21:24
Studiengebühren sind auch bei Refinanzierung durch Stipendien nie wirklich sozialverträglich, da die Auslese für die Bewerber je nach materiellem Background schicksalsrelevant oder irrelevant ist. Im Ergebnis führt das nur zu größerer Benachteiligung einkommensschwacher Bevölkerungsgruppen und schränkt die Chancengleichheit bei der Berufswahl weiter ein. Und machen wir uns nichts vor - so toll ist es um die Chancengleichheit eh nicht bestellt: SPitzenpositionen werden immer noch von einem kleinen elitären Zirkel bekleidet, in dem Adelsprädikat, Vitamin B und Golf-Handikap referenzmäßig von höherer Priorität sind als akademischer Grad und Kompetenz. Ungeachtet dessen ist (Hochschul-)Bildung die einzige einigermaßen herkunftsunabhängige Währung für den gesellschaftlichen Aufstieg. Daher ist Bildung in einer Demokratie kein Privileg, sondern ein Recht, das nicht durch materielle Zugangshindernisse unterhöhlt werden sollte. Die Einführung von Studiengebühren kommt somit eigentlich der Bankrotterklärung einer demokratischen Gesellschaft gleich.

"Frag nicht immer, was dein Staat für dich tun kann, frag, was du für ihn tun kannst", lautet so ein oft zitiertes Apercu von JF KEnnedy, das Politiker vor allem dann auf der Zunge führen, wenn sie an das Selbstverantwortungsbewusstsein des Einzelnen appellieren. Das kann aber in Sachen Studium nicht ganz richtig sein. Der Staat hat auch seinen Bürgern zu dienen, nicht nur sie ihm, ansonsten hätte Zivilisation gar keine Daseinsberechtigung.

Diskussionswürdig wäre in diesem Zusammenhang mal die Frage, wie viel der Staatsapparat seinen BÜrgern kostet und wie viel er kosten sollte. Da gibt es nämlich ein eklatantes Missverhältnis. Dass Politiker mit Steuergeldern recht sorglos umgehen, ist ja bekannt. Fraglich ist, ob ihre persönlichen Bezüge nicht einfach zu hoch sind. Wenn Abgeordnete sich vor dem Talkshow-Auftritt noch schnell den aktuellen "Was-kostet-ein-Pfund-Butter?"-Preis einflüstern lassen, um ihre Bodenständigkeit unter Beweis zu stellen, dann aber Kopfpauschalen für Krankenversicherungen in Höhe von 250 Euro postulieren; oder wenn das MdB A. Lührmann, im Nebenberuf jetzt Studentin, im INterview noch mal kurz nachdenken muss, ob sie mit ihrem Monatseinkommen von ca. 6000 Euro (oder sind's 8000?) vielleicht doch über dem Budget des Durchschnittsstudenten liegt, dann besteht da m. E. schon Handlungsbedarfs. Ich sehe zumindest keinen Grund, die Bezüge von Volksvertretern an den Gehältern von Managern der Privatwirtschaft auszurichten. Präsident Putin hat z. B. nur ein Monatsgehalt von 2000 Euro - und erreicht trotzdem mehr als Veto-Umfallerin Lührmann.

cu
luckyblue