Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Schichtdienst mit 33 Stunden Wochenarbeitszeit, Einstiegsgehalt 9000 Brutto/Monat
roxolana
28.11.2019, 18:38
Und da der Job sehr stressig ist, gibt es alle 2 Stunden eine vorgeschriebene Pause, damit man sich danach wieder konzentrieren kann. Es geht ja schließlich um Menschenleben.
Gibt es nicht, sagt ihr? Doch! Aber doch nicht in der Medizin, wäre ja noch zu schön! Nein, es geht um Fluglotsen.
https://www.jetzt.de/job/was-verdient-eine-fluglotsin?utm_source=pocket-newtab
Die werden vermutlich auch nicht auf Arbeit verprügelt oder erstochen. Ach, wäre ich bloß Fluglotse geworden...
Ein ehemaliger Mitschüler ist nach dem Abi Fluglotse geworden, der hat auch erzählt, dass er sehr viel Geld verdiente. Allerdings glaube ich, dass er den Job nur bis 50 oder 55 machen darf.
Da ist es noch nicht einmal das Geld - die Arbeitsbedingungen machen einen teilweise neidisch...
roxolana
28.11.2019, 18:48
Ja, ich bin gerade vor Neid gestorben beim Lesen. :-)) Dienstplan 2 Monate im Voraus? Pause nach spätestens zwei Stunden? Das liest sich ja wie Schlaraffenland.
escitalopram
28.11.2019, 19:01
Immer diese nichts bedeutenden Vergleiche. Erstens weiß man nicht, ob alle Angaben stimmen. Und selbst wenn: Kaputter zirkadianer Rhymtus, Strahlenbelastung, Leben im Hotel. Klingt so toll? Ich würde nicht mein Fach tauschen wollen, selbst für die o.g. Bedingungen. Klar ist die Arbeit vor allem als AA nicht gerade immer perfekt, aber die Perspektiven, die wir haben, und das erfüllende Gefühl, dass man etwas Sinnvolles macht, lohnen sich zumindest für mich. Ich freue mich an (fast) allen Tagen, zur Arbeit zu gehen, aber vielleicht ändert sich das nach ein paar Jahren. :-wow
pashtunwali
28.11.2019, 19:03
kaputter zirkadianer rhytmus und die strahlenbelastung haben wir übrigens auch :P
Wieso leben Fluglotsen im Hotel?
Wie man insbesondere im Zusammenhang mit den Untersuchungen und Prozessen zur Flugzeugkollision von Überlingen (https://de.wikipedia.org/wiki/Flugzeugkollision_von_Überlingen) lesen konnte und, sofern man sich in entsprechenden Kreisen bewegt, auch anderweitig beispielsweise im Rahmen von berufspolitischen Auseinandersetzungen mitbekommen kann, ist auch im Bereich Flugsicherung nicht alles so einfach und kuschelig wie es auf den ersten Blick klingt. Es gibt in dem Bereich für erfahrene Fluglotsen außerordentlich nette, extrem gut bezahlte Stellen - genau wie in der Medizin auch -, aber es gibt auch in der Flugsicherung Dinge wie ungeplante Schichten übernehmen, zu halblegalen oder illegalen Aktionen gedrängt werden, und vor allem: Der Zeitraum, in dem man als Fluglotse wirklich im Schichtdienst arbeiten muß, ist sehr viel länger als für einen Arzt, der sich nach 5-6 Jahren im Krankenhaus auch in einen Bereich verabschieden kann, wo er nicht mehr nachts arbeitet, oder nur noch Rufbereitschaften macht.
Ich bin (mit ein wenig mehr Einblick als der Durchschnittsbürger) auch der Meinung, dass der Beruf des Fluglotsen insgesamt eine bessere Work-Life-Finance-Balance bietet als der Beruf des Arztes. Aber so paradiesisch wie man es sich auf den ersten Blick vorstellt, wenn man Dinge wie die hier zitierten liest, muß es nicht sein.
Außerdem sind die persönlichen Anforderungen, die man für eine Karriere als Fluglotse erfüllen muß, meiner Meinung nach um einiges höher als die Anforderungen, die man erfüllen muß, um in Deutschland Arzt zu werden. Zwar braucht man dafür kein 1er-Abi, aber die verlangten körperlichen Voraussetzungen, psychologischen Tests und die Sicherheitsüberprüfung sind nicht ohne.
escitalopram
28.11.2019, 19:08
Wieso leben Fluglotsen im Hotel?
Bei Interkontinentalflügen z.B.? Teleportieren sie sich nach Hause?
Aber gut, das mit dem zirkandianen Rhythmus stimmt. Ich mache Auge, da hält es sich zum Glück mit Diensten in Grenzen.
Aber mal ehrlich: Wenn man nicht erfüllt jeden oder zumindest an den meisten Tagen zur Arbeit geht und sein Fach einen nicht zumindest ein wenig fasziniert, warum macht man es dann? Ich bin froh und dankbar, dass ich Arzt sein darf und die Fachrichtung gefunden habe, die perfekt passt. Da ist es mir egal, wie "gut" es andere Berufsgruppen angeblich haben.
Bei Interkontinentalflügen z.B.? Teleportieren sie sich nach Hause?
Fluglotsen fliegen nicht....;-)
Und noch ein entscheidender Punkt im täglichen Leben eines Fluglotsen, den Ärzte nicht nachvollziehen können: Tägliche, hundertprozentige Überwachung von allem, was man am Arbeitsplatz tut, Mitloggen jeder einzelnen Aktion, und das gesamte Berufsleben über die konkrete Gefahr, durch Fehler oder Nicht-Bestehen einer Überprüfung dauerhaft den Job zu verlieren. Wir alle, die ein paar Jahre als Ärzte gearbeitet haben, wissen, dass wir auch mal Fehler gemacht haben, teilweise sogar ernsthafte, die akzeptiert wurden und nie unsere berufliche Existenz aufs Spiel gesetzt haben.
Vieles, was man als Arzt mal falsch gemacht hat, ist wahrscheinlich nie irgendwem aufgefallen, vielleicht nicht mal einem selbst. Das gibts als Fluglotse nicht. Da wird mindestens jeglicher Fehler, der zu einer vom Computer festgestellten Abweichung von den Regeln führt, sofort registriert und thematisiert. Zweimal eine Annäherung von Flugzeugen unterhalb einen bestimmten Mindestabstand (mit)verursacht zu haben, kann ausreichen, um aus dem Lotsendienst entfernt zu werden. Vielleicht kann man dann noch einen Verwaltungsjob innerhalb der Flugsicherung übernehmen. Aber dafür sind die meisten Leute, die Fluglotse werden wollten, nicht angetreten.
Von der Autonomie, die uns als Ärzten in vielen Dingen zugestanden wird, und von dem rechtlichen Schutz eines Arztes, wenn mal unbeabsichtigt was schiefgehen sollte, können Fluglotsen nur träumen.
John Silver
28.11.2019, 19:19
Escitalopram, Fluglotsen verhalten sich zu Flugbegleitern wie Urin zum Uran.
Nessiemoo
28.11.2019, 19:42
Naja,
Das Job ist halt auch nun mal viel monotoner. Das ist ja wie TMS Test den man jeden Tag lösen muss und fast ohne Aufstiegmöglichkeiten. Da ist z.B Visite oder Arztbriefschreiben oder körperliche Untersuchung doch mMn wesentlich einfacher und etwas was man eben auch schafft, wenn man nicht 100% fit ist.
Und da wird ein Fehler direkt viel gravierender, beim Arzt... naja, jeder von uns macht sehr viele Fehler, es gibt ein Kontrollsystem (z.B Pflege, Kurvenvisite), und naja. Ein falsches Medikament kann zwar jemanden umbringen, viel häufiger passiert da aber doch letzendlich nichts. Wir haben schon jemanden mit kleiner Subarachnoidalblutung lysiert, weil Radiologe (und der Dienstarzt) es beide übersehen haben, und dem Patienten gehts auch gut. Das ist bei Fluglotsen dann doch anders, zumindest in meiner Vorstellung.
roxolana
28.11.2019, 19:44
Dafür wird man als Arzt dann für "Fehler" wie zu viel KG oder Hausbesuche durch Regresse bestraft, was auch zur Berufsaufgabe durch Insolvenz führen kann. Und man wird durchaus rechtlich für Fehler belangt, siehe der aktuelle Fall mit dem Fetozid (wo ein Approbationsentzug für die Oberärztin im Raum steht).
Das Fluglotsenbeispiel zeigt doch einfach, dass vernünftige Arbeitsbedingungen UND eine gerechte Bezahlung in anderen Branchen möglich sind. Ich finde den Beruf des Fluglotsen und den des Arztes, was den Grad der Verantwortung betrifft, ähnlich genug, um Vergleiche ziehen zu können.
Das Problem ist einfach wenn sie nicht gut zahlen gibt es nicht genug Fluglotsen und dann fliegen die Flugzeuge nicht. Und dann verlieren große Konzerne ganz viel Geld...
roxolana
28.11.2019, 20:06
Aber es gibt doch 5000 Bewerber auf 100 Ausbildungsplätze... Selbst wenn sich ein paar weniger bewerben, sollte es dicke reichen.
Und Krankenhäuser verlieren Geld, wenn OP-Säle leer stehen, trotzdem verdienen OTAs (deren Mangel ja der häufigste Grund für leerstehende Säle ist) keine 9000 brutto.
Ne OP die nicht läuft ist ein Fliegenschiss gegen einen kommerziellen Airliner mit vielen hundert zahlenden Kunden die alle ihr Geld zurück wollen bzw. die du umbuchen musst.
Wer hat eigentlich dieses Märchen erfunden, dass Verantwortung und Gehalt in irgendeiner Weise korrelieren (sollten)?
Man braucht in der Luftfahrt einfach ganz wenige Fluglotsen um insgesamt viel Geld mit der Luftfahrt zu verdienen. Da ist das Gehalt das der Betreiber der Flugsicherung zahlt (fast) egal. Andersherum brauche ich in der Medizin viele Ärzte und noch mehr Pflegekräft - ergo das Gehalt der Ärzte und noch mehr der Pflegekräfte ist der Hauptkostentreiber.
Innerhalb der Medizin gilt das z.B. auch wieder für Chefärzte - das Gehalt eines einzelnen Chefarztes spielt in der Gesamtkalkulation eine nur geringe Rolle - entsprechend kann er leicht mehr rausholen. Fordern die Assistenzärzte hingegen mehr Geld fällt das für das Unternehmen deutlich mehr ins Gewicht.
Darum und um nichts anderes geht es... Abgesehen davon halte ich Gehaltsvergleiche mit anderen Berufsgruppen für ziemlich unergiebig, außer dass sie eure Magenulcera fördern. Ich für meinen Teil bin jedenfalls freiwillig Arzt geworden - mit allen Vor- und Nachteilen...
Aber mal ehrlich: Wenn man nicht erfüllt jeden oder zumindest an den meisten Tagen zur Arbeit geht und sein Fach einen nicht zumindest ein wenig fasziniert, warum macht man es dann? Ich bin froh und dankbar, dass ich Arzt sein darf und die Fachrichtung gefunden habe, die perfekt passt. Da ist es mir egal, wie "gut" es andere Berufsgruppen angeblich haben.
Vielleicht sollten wir aus Dankbarkeit dafür bezahlen Arzt sein zu dürfen statt Lohn zu wollen?
Arzt ist ein Job wie jeder andere, glaubst du, der Kassierer beim Aldi oder die Busfahrerin gegen jeden Tag erfüllt und dankbar zur Arbeit? Wir haben den kleinen Vorteil, dass es ein gut angesehener Job ist, der manchmal Spaß macht.
Aber Dankbarkeit darf uns echt nicht abhalten, noch mehr an unserer Situation verbessern zu wollen. Viele verantwortungsvolle Jobs haben Pausen vorgeschrieben, gesetzlich gibt es eine Höchstarbeitszeite und nur Ärzte sind cool genug im Zweifel 24h durchzuarbeiten? Und der Schichtdienst ist geradezu lächerlich bezahlt, 4€ Zuschlag für Nachtstunden, was kriegt man nochmal bei Audi am Band nachts mehr?
Gibt noch einiges zu tun. Und ich hoffe, dein Intellekt, den du ja nicht müde wirst zu betonen, hält dich davon ab, deine Kollegen, die was verbessern wollen, mit "aber wir sollten dankbar sein, dass wir überhaupt Arzt sein dürfen" zu sabotieren...
ehem-user-31-01-2020-1555
28.11.2019, 20:42
Ich habe es noch nie erlebt, dass auf gewissen Stationen keine Pause möglich ist. Selbst die Chirurgen an der Uni-Klinik machen Mittagspause. Und wer die sich nicht nimmt, ist selbst schuld. Es sei den es ist gerade wirklich ein akuter Notfall.
Chamomilla10
28.11.2019, 21:02
Ich stell mir den Job ziemlich einsam und eintönig vor. Mir würde der Kontakt mit Kollegen und Patienten dann vermutlich doch fehlen..
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