Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Dauer der Doktorarbeit
PrinzessinAmygdala
21.12.2019, 12:19
Hallo!
Ich hab mal eine Frage an euch bzgl. der Dauer von Doktorarbeiten. Ich lese immer wieder (z.B. in Büchern), dass diese 2-3 Jahre in Anspruch nehmen. Aber worauf bezieht sich das genau? Studienbegleitend? Mit Pausen? Teilzeit/Vollzeit?
Kann man auch in einem Jahr Vollzeit fertig werden?
Lg
GelbeKlamotten
21.12.2019, 13:42
Ja, man kann auch in einem jahr vollzeit mit vielen arbeiten fertig werden. Es kommt logischerweise darauf an, was genau du machst. Laborarbeiten lassen sich nicht immer beschleunigen, weil zB inkubationszeiten abgewartet werden müssen oder weil schlicht die geräte nur zu bestimmten zeiten frei sind. Dann brauchst du vielleicht mehr als 1 jahr laborzeit, vielleicht auch mehr als 3 jahre wenn es blöd läuft, wie gesagt, je nach arbeit eben.
Bei klinischen studien musst du evtl patienten rekrutieren und das kann auch eine weile dauern. Da kannst du vielleicht dann nicht jeden tag vollzeit arbeiten, weil du nur an ein oder zwei tagen pro woche überhaupt probanden findest.
Bei statistischen arbeiten ist ein jahr vermutlich am ehesten realistisch. Zumindest als Zeit von beginn der arbeit bis zur ersten schriftlichen version, die du deinem betreuer/doktorvater vorlegen kannst. Dann kann es noch ein paar monate dauern für diverse korrekturläufe (meine doktormutter hat bis zu drei monate gebraucht, um die arbeit zu lesen und korrekturwünsche zu äußern). Und dann kann noch mal ein halbes jahr für die offizielle begutachtung und die zeit bis zur mündlichen prüfung vergehen.
Nach einem jahr bereits den titel in der hand zu haben wird meistens nicht klappen. Nach einem jahr vollzeit eine „fast fertige“ schriftliche version der arbeit zu haben ist je nach thema schon realistisch.
Meine laborarbeit hat 1,5 jahre im labor und 6 jahre bis zur mündlichen prüfung gedauert.
Ich habe für meine retrospektive Studie etwa 2,5 Jahre bis zum Einreichen gebraucht. Neben einer 100% Stelle. War nicht einfach, aber wenn man sich zusammenreisst gehts schon irgendwie.
Es ist alles möglich. Dazu kann man keine allgemeine Aussage treffen. Das hängt extrem stark von der Art der Doktorarbeit, von der Notwendigkeit und Intensität der Datensammlung, von den statistischen Vorkenntnissen, von den aus den Daten resultierenden Ergebnissen, von der Qualität der Betreuung, vom Fleiß des Studenten, von vielen zufälligen Faktoren (genau dann, wenn der Student das Freisemester anfängt, hört die erfahrene Laborkraft auf - tja, dumm gelaufen...) ab.
Manche meiner Kommilitonen haben in einem einzigen Freisemester vom Anfang bis zum Ende den Großteil geschafft. Manche andere haben nach 3,5 studienbegleitenden Jahren noch immer nichts, was einer Doktorarbeit nahekommt. Mein subjektiver Eindruck ist, aber das ist jetzt rein aus dem Bauch heraus, dass der Median an meiner Uni wahrscheinlich bei ca. 2-3 studienbegleitenden Jahren liegt, in ungefähr der Hälfte der Fälle mit, in ungefähr der Hälfte der Fälle ohne zusätzlichem Freisemester.
Ich glaub, du machst dir da echt zu viele Gedanken im Moment. Anscheinend ist bei deiner Doktorarbeit ja irgendwas schiefgelaufen. Naja, ist natürlich schade, aber kommt vor. Und zwar sehr oft. Wird auf deine weitere Zukunft keinen nennenswerten Einfluss haben. Falls es doch die große Uni-Karriere sein soll, musst du halt während der Assistenzarztzeit eine neue Doktorarbeit anfangen und abschließen. Die wirklich Karriere-Affinen machen das ja oft erfolgreich so.
Manche meiner Kommilitonen haben in einem einzigen Freisemester vom Anfang bis zum Ende den Großteil geschafft. Manche andere haben nach 3,5 studienbegleitenden Jahren noch immer nichts, was einer Doktorarbeit nahekommt. Mein subjektiver Eindruck ist, aber das ist jetzt rein aus dem Bauch heraus, dass der Median an meiner Uni wahrscheinlich bei ca. 2-3 studienbegleitenden Jahren liegt, in ungefähr der Hälfte der Fälle mit, in ungefähr der Hälfte der Fälle ohne zusätzlichem Freisemester.
Bist du dir da sicher? Kurz vor Ende des Studiums hätte ich das auch gesagt. Eigentlich waren alle Freunde und Bekannten sehr weit oder zum Teil kurz vor Abgabe. Der Arbeitsbeginn wirft einen dann allerdings nochmal um unbestimmte Zeit zurück.
Arrhythmie
23.12.2019, 17:17
Ich hab nach dem Physikum begonnen (2016) und hab vor 2 Tagen abgegeben. (Bin seit November im PJ)
Musste allerdings den Ethik Antrag selber schreiben und hab noch „nebenher“ ein Kind bekommen. (Hab bestimmt was die Diss betrifft auch mind mal ein halbes Jahr Leerlauf gehabt...)
Aber alles ohne Freisemester. War eine klinische Arbeit.
Also insgesamt 3 Jahre von Beginn bis zum einreichen.
Arrhythmie
23.12.2019, 17:19
Achja - und es war hart, ja. War auch ein paar mal kurz davor alles abzubrechen.
Am Ende bin ich aber sowas von erleichtert es noch vor dem PJ/ Arbeitsbeginn fertig zu haben. Das ist einfach geil.
Bist du dir da sicher? Kurz vor Ende des Studiums hätte ich das auch gesagt. Eigentlich waren alle Freunde und Bekannten sehr weit oder zum Teil kurz vor Abgabe. Der Arbeitsbeginn wirft einen dann allerdings nochmal um unbestimmte Zeit zurück.
Du beziehst dich wahrscheinlich auf die nicht zitierte Aussage mit der Assistenzarztzeit, oder? Bei uns an der Uniklinik gab es halt die typischen Karrieretypen, die waren während meines Pflegepraktikums AA, jetzt sind sie Dr. med., OA und PD. Die haben das durchgezogen. Damit will ich natürlich nicht sagen, dass das jeder schafft. Ich würde es nicht schaffen, und das weiß ich auch ;-)
Bei der zitierten Aussage mit dem Median bin ich mir eigentlich relativ sicher, obwohl es natürlich wie gesagt keine harten Fakten sind, sondern nur aus dem Bauch heraus. Gibt unter meinen Kommilitonen echt erstaunlich viele, die jetzt tatsächlich fertig mit der Doktorarbeit sind. (Das sind oft eben die typischen Uniklinik-Typen - fokussiert, konzentriert und effizient.) Dass die meisten es nicht schaffen werden, ihre schon lange nicht fertig werden wollende Doktorarbeit während der Assistenzarztzeit fertigzukriegen, ist mir schon klar. Dazu werde wahrscheinlich auch ich gehören, so realistisch bin ich schon. Aber das wird für die meisten ja auch egal sein. Die paar Karriere-Affinen, die es bisher noch nicht geschafft haben, ihre Doktorarbeit abzuschließen, werden das dann während der Assistenzarztzeit durchziehen, so wie die oben erwähnten Karrieretypen, deren Karriereverlauf ich im Laufe meines Medizinstudiums beobachten konnte. Da bin ich eigentlich schon eher zuversichtlich.
FuchsiBuchsi
23.12.2019, 17:35
Jep, die hab ich in meinem Umfeld auch. Zwar die erste Promotion während des Studiums als Fehlgriff, aber dann zackig als AA durchgezogen und unmittelbar weiter zum PD. Die warten jetzt auf ihren APL-Prof oder haben ihn schon. Das ist der von dir beschriebene Typ :-))
Lohnt sich natürlich schon, wenn man eine Klinikkarriere plant und der PD später unabdingbar ist. Es wird auch gemunkelt, dass in Ballungszentren High-End-Privatpat. den PD oder Prof unter den Niedergelassenen vorziehen, das halte ich aber für marginal :-music
PrinzessinAmygdala
23.12.2019, 19:35
Ich glaub, du machst dir da echt zu viele Gedanken im Moment. Anscheinend ist bei deiner Doktorarbeit ja irgendwas schiefgelaufen. Naja, ist natürlich schade, aber kommt vor. Und zwar sehr oft. Wird auf deine weitere Zukunft keinen nennenswerten Einfluss haben. Falls es doch die große Uni-Karriere sein soll, musst du halt während der Assistenzarztzeit eine neue Doktorarbeit anfangen und abschließen. Die wirklich Karriere-Affinen machen das ja oft erfolgreich so.
Damit liegst du auch richtig. Ich mache mir wirklich im Moment sehr viele Gedanken (vielleicht liegt es an der besinnlichen Weihnachtszeit?!)
Ich hätte sehr gerne eine Doktorarbeit gemacht. Nur jetzt bin ich leider schon im 9. Bei uns ist es so, dass wir extra ein Freisemester im Curriculum eingebaut haben - totaler Luxus und extra ärgerlich. Dafür sind die anderen Semester dann voller. Daher beginnen die meisten auch erst ihre Doktorarbeit im Freisemester (8. oder 9., jenachdem was man zugelost bekommt). Nur wehe es geht schief. Dann hat man kaum noch zeitlichen Puffer, um etwas neues zu finden und zu beginnen. Das ist halt im Moment mein Problem. Ist halt dumm gelaufen. Ich ärgere mich auch über mich selbst und wünschte ich hätte eine bessere Wahl getroffen, etc. Aber hinterher ist man ja bekanntlich immer schlauer. Ich kenne aber tatsächlich noch andere, denen dasselbe passiert ist. Nur jeder geht halt anders damit um. Einer Freundin z.B. ist das ziemlich gleich, dass ihre Doktorarbeit nicht geklappt hat. Mich hingegen stört es total. Aber ich bin da auch ein wenig ambitionierter, auch wenn ich keinen Chefarztposten anstrebe. Nur 100% die Uniklinik ausschließen kann ich auch nicht. Vielleicht mache ich mir wirklich zu viele Gedanken und messe der DA im Studium zu viel Bedeutung bei.
Klar wird man auch Arzt ohne DA, die Frage ist nur wo (Stadt vs. Land, großes vs. kleines Haus), wie sieht es später mit einer Beförderung aus, etc. Ich werde irgendwie das Gefühl nicht los, dass ich etwas verpasse, wenn ich keine habe und mich einschränke.
Naja, wie sagt man bei mir Zuhause immer: Et kütt wie et kütt!
Ich danke euch erstmal für eure ausführlichen Antworten!
Du musst die Uniklinik ja auch überhaupt nicht ausschließen. Und schon gar nicht zu 100% :-p Aus meinem Semester haben auch Leute, die nie eine Doktorarbeit angefangen haben, Innere-Stellen an "renommierten" (ob die dann tatsächlich gut sind, ist IMHO eine ganz andere Frage, das nur am Rande) Unikliniken bekommen. Auch in Großstädten. Und mehrere Leute, auch solche mit nicht guten Noten, haben jede einzelne Innere-Stelle angeboten bekommen, für die sie ein Vorstellungsgespräch hatten. Auch hier wiederum: auch in Großstädten, auch an großen Häusern.
Also ich glaub nicht, dass du dich da entscheiden musst. Du wirst aus vielen Stellen auswählen können. Viel schwerer ist es glaub ich, dass man eine Stelle findet, die einem erträgliche Arbeitsbedingungen bietet, und bei der man im Idealfall auch noch eine vernünftige Ausbildung bekommt. Aber das hat dann ja auch wieder nichts mit der Doktorarbeit zu tun.
Ich kenn auch Leute, die ein ganzes Jahr zu 100% der Doktorarbeit gewidmet haben, und am Ende hatten sie Pech und es ist nichts draus geworden - aus Gründen, die sie überhaupt nicht selbst in der Hand hatten. Kann auch passieren. Da ist es dann noch wichtiger, sich davon nicht verunsichern zu lassen, sondern die Sache einfach abzuhaken und zu sagen, war halt so, kann ich nicht ändern. Falls man später nochmal einen neuen Versuch starten will, muss man sich dann halt sagen: neues Spiel, neues Glück.
Dass es dich stört, kann ich nachvollziehen. Ist ja irgendwie völlig normal. Aber du kannst es jetzt halt nicht mehr ändern, insofern ist es müßig, sich darüber aufzuregen. Besser positiv in die Zukunft schauen. Falls sich dann tatsächlich herausstellt, dass du unbedingt Innere-OÄ an einer Uniklinik werden willst, wird es bestimmt auch während deiner Assistenzarztzeit noch die Gelegenheit geben, das nachzuholen. Und vielleicht kommt es ohnehin ganz anders.
FuchsiBuchsi
23.12.2019, 20:41
Ich hab in der Derma der Uniklinik AÄ ohne Promotion rumspringen sehen.
Über Innere würd ich mir mal so gar keine Gedanken machen, ehrlich nicht. Wahrscheinlich wird man dich schon im PJ fragen.
Das wird man ziemlich sicher. (An meiner Uniklinik hat z.B. eine Ärztin in der Inneren angefangen, die vorher in der Anatomie tätig war...) Aber da muss man sich dann eben seeehr genau überlegen, ob man das auch wirklich will. Es fühlt sich zwar am Anfang ganz toll an, wenn man ungefragt eine Stelle angeboten bekommt, aber da darf man sich nicht beeindrucken lassen sondern muss nüchtern bleiben und vergleichen.
Ich arbeite auch ohne Promotion in der Inneren einer Uniklinik, war kein Problem. Irgendwann kommt einem da halt das Wissenschaftszeitgesetz in die Quere aber wenn man mal in der Abteilung drin ist und die einen auch behalten wollen, findet sich auch noch eine Doktorarbeit.
PrinzessinAmygdala
23.12.2019, 22:04
Danke für eure lieben Antworten. Das motiviert wieder ein bisschen.
Gut, dass jetzt Feiertage sind und ich da nicht so viel Zeit für dieses lästige Gedankenkreisen habe. Wenn man zu viel Ruhe hat, grübelt man einfach zu viel.
Bist du dir da sicher? Kurz vor Ende des Studiums hätte ich das auch gesagt. Eigentlich waren alle Freunde und Bekannten sehr weit oder zum Teil kurz vor Abgabe. Der Arbeitsbeginn wirft einen dann allerdings nochmal um unbestimmte Zeit zurück.
Das ist auch meine Meinung.
Außerdem muss man nach Einreichung nochmals bis mehrere Jahre draufpacken bis zum Abschluss.
Sonnenschein89x
02.01.2020, 11:50
Ich arbeite auch ohne Promotion in der Inneren einer Uniklinik, war kein Problem. Irgendwann kommt einem da halt das Wissenschaftszeitgesetz in die Quere aber wenn man mal in der Abteilung drin ist und die einen auch behalten wollen, findet sich auch noch eine Doktorarbeit.
Fängst du denn dann bald eine Doktorarbeit an ?
Mal schauen, fest geplant ist bisher nichts. Ich will aber langfristig weder in dieser Abteilung arbeiten noch an der Uni bleiben und habe dementsprechend auch nie Ambitionen in diese Richtung gezeigt.
Wenn du an der Uni bist kommst du halt leicht an eine Arbeit. Wenn du die Möglichkeit auf eine überschaubare retrospektive Arbeit hast würde ich die mitnehmen.
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