PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Kurz vor 3. STEX alles hinschmeißen?



Seiten : 1 [2]

xyl15
30.12.2019, 20:38
Nein nicht hinschmeißen!


Was ist denn genau das schwierige an der Stationsarbeit?

Evtl. kann man dem in einer Rehaklinik entgehen. und die Arbeitsbelastung: 80% arbeiten.
So mache ich es (habe auch mit psychischen Dingen zu tun) und das ist perfekt für mich.

Wenn man in die Arbeit rein kommt kann man dann später ja gut anderwo hin wechseln.

Heerestorte
30.12.2019, 20:41
Anästhesie. Keine Station (außer ITS), Problem stumpf gelöst :-))

s4oksama
30.12.2019, 20:50
Aus internistischer Motivation werde ich es tunlichst unterlassen ihn in die Anästhesie zu verlieren 🤣

Spaß beiseite, er macht eher den perfektionistischen Eindruck und quält sich rum, wenn mal die Viggo nicht läuft. In der Anästhesie muss man mit dem höchst anspruchsvollen Operateuren fertig werden, wir wollen es ja nicht gleich übertreiben ;)

McLaren422
30.12.2019, 21:45
oje, das mit den zu hohen Selbstansprüchen kenn ich auch...

JumpRopeQueen
31.12.2019, 06:03
Was ist denn genau das schwierige an der Stationsarbeit?.

Warum ich die Stationsarbeit schwierig finde: viel zu viel Personal und Patienten, Arztzimmer mit 4 Arbeitsplätzen ziemlich nah zu einander (ich finde es nahezu unmöglich vernünftige Briefe zu schreiben mit so viel Lärm im Hintergrund), Überstunden, Frust wenn man als Assistenzarzt von manchen Patienten gar nicht ernst genommen wird, monotone Arbeit jeden Tag mit wenig Abwechslung. Für manche wäre das ganze wahrscheinlich das Jammern auf hohem Niveau, ich habe allerdings körperlich und psychisch damit zu kämpfen (Ischialgie, Sodbrennen und andere psychosomatischen Sachen).

Kann natürlich auch sein, dass ich mir das schwierigste Tertial zu Anfang gewählt habe und die Arbeitsbedingungen nicht überall so sind wie in der Inneren am Uniklinikum.

Bonnerin
31.12.2019, 06:39
Das Tertial abschließen, auf jeden Fall.
Und schnellstmöglich eine Studienberatung aufsuchen und sich um einen Therapieplatz kümmern. In Absprache mit beiden eventuell (!) die M3-Anmeldung kurzfristig zurückziehen um das Wintersemester 20/21 auszunutzen und sich noch als Erststudium einen Platz im Fach der Wahl sichern. Das 1. Semester in dem Studiengang so leer halten wie möglich (eventuell nur einen Kurs belegen) um im November/Dezember das Medizinstudium zu beenden. Das Medizinstudium war nicht „verschwendet“, man hat zur Not den Abschluss in der Tasche und kann was anderes machen.
Wobei aber die Therapie das Wichtigste ist. Perfektionismus kann einen überall so innerlich unter Druck setzen, dass man nicht damit klarkommt, egal, was man tut. Und mehr als ein Broterwerb ist ein Job nun wirklich nicht. Erfüllung sucht man sich echt besser im Privatleben!

@JumpeRopeQueen: Innere im Lehrkrankenhaus fand ich auch übel. Richtig schlimme Bedingungen und das Team war meh. Anästhesie als Wahlfach hat mir aber echt das PJ gerettet, tolles Team, viel gelernt, fachlich spannend. Mit dem Push gehe ich jetzt an Chirurgie ran, mal schauen, wie es wird. Hatte zwar nur einen Tag, bin aber in die Richtung eingeteilt worden, die ich wollte. Und das erste Tertial zieht sich im Vergleich zum dritten auch immer sehr. Aber ich drücke dir die Daumen.

Markian
31.12.2019, 07:14
Man darf sich halt selber nicht so wichtig nehmen. Wenn man morgens zur Arbeit geht muss man sich halt vornehmen das Beste zu geben. Mehr geht dann halt nicht. Wir machen alle große und kleine Fehler, die wir akzeptieren müssen. Mal zu Zweifeln ist menschlich. Jemandem kurz vor dem M3 zu raten abzubrechen ist aus meiner Sicht höchst unkollegial. Es gibt viele Fächer die wenig Zeit am Patienten erfordern und immer eine Lösung. Die 80% Stelle ist doch auch eine gute Idee.

davo
31.12.2019, 07:56
@JRQ:

Chirurgie an der Uniklinik wirkte auf mich auch nicht wirklich besser - nur anders schlecht :-p Vielen meiner Kommilitonen hat eigentlich nur das Wahltertial gefallen.

Wenn du überfordert bist mit der Geschäftigkeit, den vielen Leuten, usw., könnte Chirurgie aber tatsächlich besser für dich sein - dort verbringt man deutlich mehr Zeit konzentriert mit einer einzigen Tätigkeit im kleinen Team. Wieviel du als PJlerin davon mitbekommst, ist halt die andere Frage. Psychiatrie ist IMHO auch eine Option - da hat man an guten Kliniken weniger Patienten, oft ein eigenes, fixes Arztzimmer, usw. Und man kann, von den vielen Teambesprechungen abgesehen :-p, deutlich mehr Zeit alleine oder in konzentrierter Atmosphäre mit dem Patienten oder mit einer kleinen Gruppe von Menschen verbringen. Der Extremfall ist dann das Labor (oder Hygiene/Umweltmedizin, Mibi oder Patho) - aber das wäre dir dann wahrscheinlich zu monoton. Ich finde es wirklich sinnvoll, zu diesem Zweck Hospitationen zu machen. Ich hab in etlichen Fächern Hospitationen gemacht - hat sich immer ausgezahlt. So bekommt man in kurzer Zeit den Alltag als Assistenzarzt mit - oft eher als im PJ - und kann in kurzer Zeit einen ersten Einblick in mehrere Fächer bekommen.

Überstunden sind an deutschen Unikliniken oft sehr extrem, zumindest in Innere und Chirurgie. Aber es gibt ja zum Glück auch andere Kliniken, andere Fächer und andere Länder. Und dass man von manchen Patienten nicht ernst genommen wird - naja, ist halt so. Ist in jedem Job so. Wird dir auch als Oberarzt noch oft genug passieren. Das darf man einfach nicht an sich rankommen lassen. Und außerdem darf man IMHO nicht vergessen, dass sie mit dieser Einschätzung oft ja gar nicht mal so falsch liegen :-p Als Assistenzarzt ist man halt oft noch ahnungslos, und das wissen und merken aufmerksame Patienten natürlich.


Jemandem kurz vor dem M3 zu raten abzubrechen ist aus meiner Sicht höchst unkollegial.

100%ige Zustimmung!

nie
31.12.2019, 08:34
@JumpRopeQueen: du musst immer bedenken, dass dich keiner zwingt genau diesen Job in dieser Abteilung zu machen. Ich fand es zum Beispiel im Blockpraktikum fast überall nur schrecklich und konnte mir bei besten Willen nicht vorstellen dort zu arbeiten. Habe danach ziemlich an mir gezweifelt ob ich das Studium überhaupt fertig machen soll und was ich überhaupt machen will. Letzten Endes muss mir aber nur genau eine einzige Sache der Medizin gefallen, nämlich das Fach, in dem ich arbeite. Davo hat es schon angesprochen: überlege dir, was dir nicht gefällt und schaue dann, in welchen Fächer du diese Dinge nicht und nur in geringem Ausmaß hast. Und hadere nicht mit dem Studium an und für sich. Die Medizin ist sehr vielfältig und Innere Medizin (v.a. an der Uni) sicherlich kein Maßstab für die weite Welt der medizinischen Fachbereiche und der Tätigkeit eines Arztes.

Und was das nicht ernstnehmen angeht: wie davo schon sagt, kann einem das immer und überall passieren. In jedem Job wird es Leute geben, die einen nicht ernst nehmen. Da muss man drüber stehen. Mir ist es auch nach vielen Jahre bei Rettungsdienst als höchstqualifizierteste Person im Team noch passiert, dass Patienten nur zu dem 1,90 m großen Praktikanten gesprochen haben oder entsetzt gefragt haben, ob ich denn überhaupt in der Lage wäre, den Rettungswagen zu fahren :-nix

Wenn man natürlich das Gefühl hat, dass einen Patienten grundsätzlich nicht ernst nehmen, sollte man sicher sein eigenes Auftreten man hinterfragen aber Menschen, die meinen, sie könnten deinen Job besser als du oder einen schon nicht ernst nehmen weil man zu klein, zu jung, zu weiblich, nur Assistenzarzt whatever ist, wird es immer geben und da hilft drüber hinwegsehen.
Meist sind diese Patienten ohnehin schwierig und anstregend und ich bin froh, dass ich dann meine OÄ oder den Chef vorschieben kann und mich nicht selbst mit denen rumschlagen muss. Und selbst meinem Chef passiert es manchmal, dass Patiente nur seinen Vorgänger (der seit > 10 Jahren in Rente ist) sprechen wollen weil der sie ja soooo viel Jahre behandelt hat und der Rest ja keine Ahnung von ihrer Krankengeschicht hat.

milz
31.12.2019, 09:25
Wurde schon alles gesagt. Studium abschließen und Therapie machen. Alles weitere ergibt sich dann.

s4oksama
31.12.2019, 10:35
Das Tertial abschließen, auf jeden Fall.
Und schnellstmöglich eine Studienberatung aufsuchen und sich um einen Therapieplatz kümmern. In Absprache mit beiden eventuell (!) die M3-Anmeldung kurzfristig zurückziehen um das Wintersemester 20/21 auszunutzen und sich noch als Erststudium einen Platz im Fach der Wahl sichern. Das 1. Semester in dem Studiengang so leer halten wie möglich (eventuell nur einen Kurs belegen) um im November/Dezember das Medizinstudium zu beenden. Das Medizinstudium war nicht „verschwendet“, man hat zur Not den Abschluss in der Tasche und kann was anderes machen.
Wobei aber die Therapie das Wichtigste ist. Perfektionismus kann einen überall so innerlich unter Druck setzen, dass man nicht damit klarkommt, egal, was man tut. Und mehr als ein Broterwerb ist ein Job nun wirklich nicht. Erfüllung sucht man sich echt besser im Privatleben!


Ne, warum sollte er die Prüfung verschieben, dann schiebt er das Zeug nur vor sich hin. Zumal das letzte Examen ja nicht so extrem schwierig ist (in den meisten Fällen)...

Aber muss dir zustimmen Bonnerin, Perfektionismus kann in jedem Beruf den Arbeitnehmer in den Wahnsinn treiben. Vielleicht findet er doch irgendwo einen Job im medizinischen Bereich, mit dem er leben kann.

davo
31.12.2019, 10:44
Ne, warum sollte er die Prüfung verschieben, dann schiebt er das Zeug nur vor sich hin. Zumal das letzte Examen ja nicht so extrem schwierig ist (in den meisten Fällen)...

Hat Bonnerin ja geschrieben warum. Um ggfs. noch in einem anderen Studiengang einen Studienplatz ohne Zweitstudienquote zu bekommen.

Halte ich zwar auch für keine besonders gute Idee, aber in manchen speziellen Situationen könnte sich das schon auszahlen. Schadet also nicht, diese Möglichkeit zumindest im Hinterkopf zu behalten.

WackenDoc
31.12.2019, 10:53
Wenn es nur die Stationsarbeit ist, er aber ausreichend für die Prüfung lernen kann- dann durchziehen und danach Therapie.
wenn das ganze so ausgeprägt ist, dass er mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit in der Prüfung blockiert, dann zumindest das Tertial beenden, Prüfung um ein Semester verschieben und zwischenzeitlich Therapie machen.
Danach kann er immernoch schauen, was er macht. Weiss ja nicht, was er lieber gemacht hätte.

Arbeitsmedizin ist ein sehr schönes Fach, wenn man die richtige Weiterbildungsstelle findet. Je nach Ärztekammer 2 Jahre Innere/allgemeinmedizin, "Fach der unmittelbaren Patientenversorgung" ist eher noch selten. Die 2 Jahre kann man in irgendeiner Rehaklinik mit passender Weiterbildung machen oder auch in einer Praxis. Früher war das ein klassisches Seiteneinsteigerfach für etwas ältere Kollegen, inzwischen entscheiden sich auch Jüngere mit gerade einmal 2 Jahren Innere dafür. Ein weiterer Vorteil- ein nicht so glatter Lebenslauf ist eher positiv. In dem Fach ist Lebenserfahrung gefragt.

JumpRopeQueen
02.01.2020, 19:45
Vielen Dank für eure zahlreichen und hilfreichen Beiträge :-) das gibt mir sehr viel Mut das PJ durchzuziehen.

Wann würdet ihr empfehlen Hospitationen zu machen? Noch während des PJ oder in der kurzen Zeit vorm 3. Stex oder danach? Würde ein Tag für jeweils eine interessierende Abteilung reichen?

davo
02.01.2020, 20:01
Ich hab die meisten schon vor dem PJ gemacht. Im PJ v.a. Vorstellungsgespräche. Ich würde dir aber definitiv empfehlen, eher das PJ als die Zeit nach dem PJ zu nutzen. Nach dem PJ willst du dich einfach mal erholen. Und/oder aufs M3 vorbereiten :-p Oder dir einen Job suchen. Das wird dann alles schon knapp IMHO.

Die Fehltage werden schnell knapp - hie und da die Feiertage etwas verlängern, dann vielleicht noch zwei Wochen mehr Lernzeit fürs PJ, dann vielleicht noch eine Woche Urlaub, etwas Krankenstand und ein paar Vorstellungsgespräche - schon sind fünf der sechs Wochen verbraucht. Da empfiehlt es sich also, sehr sorgfältig zu planen.

Ich würde zwei (oder drei) Tage für eine kurze Hospitation empfehlen. Einer ist IMHO zu wenig.

escitalopram
05.01.2020, 13:48
Ich würde definitiv erst nach dem M3 hospitieren. Da hat man den ganzen Stress hinter sich und einen klaren Kopf. Vor dem PJ finde ich absolut übertrieben, schließlich würde man wenn überhaupt erst in über einem Jahr anfangen zu arbeiten. Während des PJ - vielleicht im letzten Tertial, wenn überhaupt.
Und dann, mal ehrlich: Ihr seid im PJ und bekommt so gut wie kein Geld. Ich würde keine Fehltage aufopfern. Wenn es sein muss, morgens hingehen, nach einer Stunde zur Toilette rennen, sagen, dass man sich übergeben hat und ab nach Hause bzw. zur Hospitation. Oder wenn ihr verständnisvolle Betreuer habt, mit denen ehrlich sprechen. Mir würde niemals einfallen, einem PJ'ler in einer solchen Situation nicht zu helfen... Man muss nicht päpstlicher als der Papst sein, wenn es wirklich um ein paar wenige Ausnahmen geht. Arbeiten werdet ihr später mehr als genug!