Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Weiterbildung in Teilzeit
Bonbonbon
04.01.2020, 15:24
Hallo, mein PJ neigt sich beinah dem Ende und langsam stellt sich die Frage was ich wo und wie beruflichen machen möchte und wie ich meine Rolle als Mutter mit dem Beruf vereinbaren kann.
Wie sind eure Erfahrungen mit der Weiterbildung bzw. dem Berufseinstieg in Teilzeit? Welche Modelle bieten welche Vorteile?
Welche Fächer eignen sich?
Vielen Dank für ein Paar Einblicke und Meinungen 😊
Herbstblume90
04.01.2020, 16:09
Hallo Bonbon,
ich mache meine Weiterbildung in der KJP und in unserer Abteilung gibt es ausschließlich Teilzeitkräfte.
In der pädiatrie hätte ich überall Vollzeit anfangen müssen.
Viel Erfolg bei der Suche!
Meine restliche Neurologie Zeit war in Teilzeit aufgrund der mangelhaften Organisation/Personalplanung der Abteilung echt anstrengend, weil man sich extrem gut abgrenzen musste. Mehr als meine paar Monate nach der Elternzeit hätte ich das so oder so nicht länger gemacht und mir ein anderes Haus gesucht, wenn ich nicht eh im Rahmen der Weiterbildung hätte rotieren müssen. Dort habe ich effektiv Vollzeitarbeit in 20% weniger Zeit erledigt. In der Psychiatrie ist es deutlich entspannter, da waren vielfältige Teilzeitmodelle realisierbar, sowohl in der Klinik als auch in der Praxis.
Wäre Allgemeinmedizin etwas für dich? Viele Verbundweiterbilder werben mit Teilzeitmodellen. Vielleicht wären Reha-Kliniken eine Überlegung wert (Neuro, Geriatrie), als Start in Innere/Allgemeinmedizin. Die große Karriere wirst du da nicht starten können, aber unter meinen Kollegen gehen alle Teilzeitler gnadenlos pünktlich.
Ich bin in einer orthopädischen Rehaklinik zu 80%, das ist hier gar kein Problem, fast alle arbeiten 60-80%.
Ich muss zugeben, dass ich gerade für den Anfang Teilzeit nicht so optimal finde. Da kommt man doch viel schlechter rein in die Arbeit. Außerdem verlängert sich die Facharztausbildung ewig, wenn man immer nur Teilzeit arbeitet. Kann nicht der Vater der Kinder für eine Weile reduzieren?
Rettungshase
05.01.2020, 12:41
In unserer Anästhesieabteilung (Maximalversorger) ist Weiterbildung mit unter 80% in Teilzeit unrealistisch. Das sieht dann so aus, dass man täglich voll da ist und einen Werktag pro Woche mehr frei hat als die Vollzeitkollegen; hinzu kommen die Wochenenddienste.
Ich würde empfehlen, dich mit dem Kindsvater mal zusammenzusetzen und zu überlegen, was ihr wie leisten bzw. wie ihr euch organisieren könnt.
Insbesondere der Beginn der Weiterbildungszeit ist doch sehr relevant und mit 50% TZ kommt man IMHO nicht gut rein.
Darüberhinaus wirst du die Kinder nicht ewig im Haus haben; den Beruf aber noch bis zum Rentenalter ausüben. Natürlich kann man die Fachrichtung im Verlauf immer noch switchen, aber für X Jahre eine Fachrichtung lernen und ausüben, die für einen uninteressant ist, aber hervorragende Teilzeitmodelle mit sich bringt, ist auch vielleicht nicht das Gelbe vom Ei.
Wenn du eine spezielle Klinik in Aussicht hast, kann es ggf. auch sinnvoll sein, sich mit dem dortigen Frauen- und Gleichstellungsbüro - sofern vorhanden - in Verbindung zu setzen.
Ich arbeite zwar noch nicht aber was ich von Kollegen gehört habe, die als Psychiater, Psychosomatischer arbeiten es ist entspannt in diesen Fächer zuarbeiten und man hat pünktlich Feirabend. Alternative beim Hausärzte anfragen, vielleicht kann man als Teilzeit anfangen.
WackenDoc
05.01.2020, 13:33
Die allermeisten Hausärzte werden keine Berufsanfänger gebrauchen können.
vanilleeis
05.01.2020, 17:34
Lass Dich nicht verunsichern. Ich habe bisher mein komplettes Arbeitsleben in TZ verbracht, was natürlich nicht immer einfach ist, aber mir gehen die Kinder und die Zeit mit ihnen vor. Genauso wie ich immer gesagt habe, und auch immer noch denke, dass mir die Vereinbarkeit und das Drumherum wichtiger sind als die eigentliche Fachrichtung.
Also, ambulant ist natürlich immer flexibler als stationär, allerdings ohne stationäre Erfahrung deutlich schwieriger. Aber es gibt durchaus Weiterbilder, die auch Berufsanfänger ambulant einstellen. Das musst Du für Dich entscheiden, ob das in Frage kommt. Ich habs versucht und bin noch in der Probezeit gegangen, weil wir das Backup fehlte.
Auch bei der Fachrichtung würde ich mich nicht ins Bockshorn jagen lassen, wir haben Ärztemangel. Wenn ein Chef wirklich will, findet er in jedem Fachgebiet die Möglichkeit, eine TZ-Kraft einzuteilen. Realistisch gesehen sind die Fächer, die deutlich mehr Probleme haben, ihre Stellen zu besetzen, z.B. die Psych-Fächer, teilweise auch Innere, häufiger TZ-kompatibel. Es kommt natürlich auch auf Deine örtliche Flexibilität an. Ansonsten mal in den Nischen suchen: ÖGD, Labor, Strahlentherapie.
Radiologie ist auch sehr gut in TZ zu machen.
schnix25
05.01.2020, 18:47
Radiologie geht aber als Assistent meist auch nur wenn man einzelne Tage komplett frei nimmt. Nur Vormittags klappt auf Assistentenebene in der Regel nicht. Da findet man keinen Oberarzt bis mittags zum besprechen und schon muss man länger bleiben. Zumal es auch in der Radiologie meistens keinen Arbeitsplatz gibt, wo nur vormittags und nicht mehr am Nachmittag Arbeit anfällt.
Habe schon Abteilungen gesehen wo es ging! Aber ja, einzelne Tage frei ist definitiv einfacherer als jeden Tag um 14 Uhr gehen. Aber auch das ist möglich!
Herbstblume90
05.01.2020, 19:42
Ich fand den Berufseinstieg auch ok mit 30 Stunden. Langfristig will ich runter auf 25.
Welche Fachrichtung möchtest du machen?
Bonbonbon
05.01.2020, 20:32
Danke schonmal für die zahlreichen Antworten!
Aktuell tendiere ich Richtung Innere mit der Option Allgemein Medizin.
Ansonsten kann ich mir auch Neuro oder Anästhesie vorstellen.
Ich hatte auch schonmal die Idee für Neuro mit Psychiatrie zu beginnen.
Im Prinzip kann ich mir auch vorstellen das erste halbe Jahr in Vollzeit einzusteigen und dann auf 75/80% zu reduzieren.
Klar, die Weiterbildungszeit verlängert sich, aber mir ist auch wichtig, dass ich etwas am Leben meines Kindes teilhaben kann. Ein freier Tag pro Woche ist wahrscheinlich wirklich einfacher zu realisieren als früher Feierabend zu machen.
Ich mach das PJ grad in Vollzeit, klar ist das alles was „lockerer“ und eine andere Situation, ich merke aber auch, dass ohne Großeltern o.ä. in der Nähe das Ganze schon sehr schlauchend ist und einiges zu kurz kommt.
Mein Mann grübelt noch über eine Stundenreduktion... wäre in seiner beruflichen Situation aber absolut gar kein Problem.
Nessiemoo
06.01.2020, 18:49
In der Neuro ist es schwierig. Meine Abteilung aktuell versucht zwar da einem entgegenzukommen, läuft aber eben auf dieselbe Arbeit in Hälfte der Zeit hinaus. Da ist z.B Wochenweise frei nehmen deutlich einfacher. In vorherigen Abteilung war es durch Schichtdienst relativ leicht machbar, aber die Dienste waren echt erschöpfend und der Chef nicht so entgegenkommend.
Arrhythmie
07.01.2020, 15:51
Auch ich habe ein Kind (und weitere sind auch noch irgendwann geplant) und möchte erstmal in Vollzeit, dann aber so bald wie möglich in Teilzeit arbeiten. Deshalb lese ich hier mit.
Aktuell bin ich in der Anästhesie (das Fach gefällt mir bisher auch sehr gut) und hier arbeitet fast mehr als die Hälfte der Belegschaft in TZ-Modellen. Eine kommt später, die nächste ist nur an bestimmten Tagen da, die übernächste geht früher. Das klappt gut, der Chef ist da aber auch sehr flexibel und Familienfreundlich.
Das PJ mach ich in Vollzeit und es ist bisher ganz gut machbar. Aber wie schon geschrieben wurde ist es halt auch das PJ.... Das ist schon was anderes. Auf Dauer mein restliches Leben mit einem Mann in der Chirurgie und 2 bis 3 Kindern möchte ich keine 100 % arbeiten.
Ich habe in der Anästhesie schon diverse Teilzeitmodelle gesehen. Das hängt alles nur vom Willen des Chefs und der Fähigkeit des Dienstplaners ab. An einer Klinik in Niedersachsen ging von 20-100% alles und auch Anpassungen (Hochstufung, Runter..) waren problemlos und flexibel möglich. Zudem konnte man die Arbeitszeiten an die Kitas anpassen, oder auch nur bestimmte Tage in der Woche arbeiten. An meiner jetzigen Klinik ist es nicht gerne gesehen, wird aber auch bewilligt bei manchen. Die meisten arbeiten nur an bestimmten Tagen, es gibt aber auch eine Kollegin, die stundenweise arbeitet.
Ich kenne auch durchaus Assistenten, die ihre Weiterbildung in Teilzeit anfangen.
Übrigens habe ich selbst vor Teilzeit zu arbeiten. Dafür muss man in der Weiterbildungszeit eine Erlaubnis der Kammer haben. Hat bei mir ein ganzes Jahr gedauert. Welches ich dann doch Vollzeit gearbeitet habe und mein Kind kaum noch gesehen hab. Und Vollzeit bedeutete bei mir 42,5 h plus 24h Dienst. Also würde ich mich frühzeitig kümmern und mal nachfragen, wie es in deinem Land so aussieht mit der Erlaubnis seitens der Kammer.
vanilleeis
11.01.2020, 08:33
Die „Erlaubnis“ ist mittlerweile obsolet. Es ist eine Meldung, dass Du das machst, nicht mehr. Auch wenn zb in Nordrhein das Formular immer noch „Genehmigung“ heisst. Trotzdem hat dich da jemand verarscht, nach antragseingang kannst du problemlos in TZ gehen. Ob und wann die das bearbeiten, ist deren Bier (unter der Voraussetzung, dass Kinder der Grund für TZ sind)
tragezwerg
11.01.2020, 20:41
In BaWü muss man der ÄK nur bei Antrag auf Facharztprüfung mittels Bescheinigung des Arbeitgebers nachweisen, wie lang man mit welchen % gearbeitet hat. So lange es mindestens 50% waren und in der Summe halt die jeweils für den Facharzt nötigen Jahre, ist es völlig egal ob man in Teilzeit gearbeitet hat.
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