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Kandra
02.02.2020, 11:54
Welche gründe bringt die krankenkasse da? Das die schwangere durchaus noch arbeitsfähig gewesen wäre?

tragezwerg
02.02.2020, 12:38
Das mit den Regressforderungen ist tatsächlich etwas, das man häufiger hört. Wundert mich aber nicht, da ich im Bekanntenkreis viele kenne, die ins BV geschickt wurden ohne tatsächlich relevanten Grund (Bürojob ohne Risiken, unkomplizierte Schwangerschaft...). Da würde ich als Krankenkasse auch irgendwann nachforschen.
Opfer dieser Problematik sind halt dann diejenigen, die ein BV bräuchten, deren Gyn sich aber weigern wegen Angst vor Regress. Ging mir in der zweiten Schwangerschaft so, rutschte dann ins Krankengeld,,was natürlich als Hauptverdiener echt kacke ist über Monate.
Unser Betriebsarzt stellt kategorisch kein BV aus, der Arbeitgeber auch nicht (obwohl er manchmal müsste, schon klar. Ändert aber nix daran dass er es nicht macht). Daher bleibt einem nix mehr außer Krankschreibung und Geldmangel.

WackenDoc
02.02.2020, 13:10
Dann kommt man brav jeden Tag zur Arbeit und verklickert jeden Tag dem AG was man alles nicht darf. Und involviert die Gewerbeaufsicht.

agouti_lilac
02.02.2020, 13:20
So wie tragezwerg ging es jetzt einer Kollegin bei Hyperemesis gravidarum letztens. Alleinverdienerin (Mann studiert noch ne Weile), Gyn. wollte kein BV ausstellen, Betriebsarzt durfte nicht (deren Vorschlag: F-Diagnose und dann länger krank schreiben lassen... :-?). Man darf auch nur 6 Wochen wegen einer SS-bedingten Erkrankung krank geschrieben werden, meinte die Gyn ... toll, dass Hyperemesis bis zur 12.-14. Woche geht. Die Kollegin kam dann auch brav in die Prämed, hat halt 10x am Tag währenddessen und während des Studentenunterrichtes gekotzt und sah aus wie wandelnde Scheisse. Genau so Leute brauchen halt ein (vorläufiges) BV.

Muss sie mal fragen, wie das gelöst wurde, da sie seit zwei Wochen nicht mehr das ist.

WackenDoc
02.02.2020, 13:33
Hyperemesis ist ein Grenzbereich. Wenn das aufgrund von Gerüchen auf der Arbeit ist, kann sowohl der Gyn, als auch der Betriebsarzt als auch der Hausarzt ein ärztliches BV aussprechen. Dann ist es keine direkte Gefährdung durch die Arbeit, bei der der AG zuständig ist, sondern eine Gesundheitsstörung die mit den Arbeitsbedingungen aber auch der SS zu tun hat.
Der Betriebsarzt wäre da grundsätzlich richtig, weil der die Arbeitsbedingungen kennt und damit auch die Gerüche.

Bei einer allgemeinen Hyperemesis, die so nichts mit der Arbeit zu tun hat, ist es eher eine Krankschreibung. Dass man nur 6 Wochen wegen einer SS-bedingten Krankheit krank geschrieben werden darf, wäre mir völlig neu.

Ein VORLÄUFIGES BV sollte es eigentlich nicht mehr geben und WAR für die Fälle gedacht, in denen eine Gefährdung vermutet wurde, diese aber noch nicht abgschließend festgestellt war. Z.B. hat mich eine Chefin angerufen, ihre MA hätte ein vorläufiges BV vom Gyn, weil sie als Reinigungskraft u.a. eine Sauna reinigen muss. Gefährdungen: Ausrutschgefahr, Hitze, und Verwendung von Chlorreinigern (die aber ein generelles Arbeitsschutzproblem darstellen). Es gab aber noch keine GB. Musste die Chefin nachholen. Ergebnis war "unverantwortbare Gefährdung". Also nächster Schritt alternativer Arbeitsplatz- gab es nicht (Kleinstunternehmen). Also wurde das vorläufige BV durch den Arzt in ein endgültiges durch den AG umgewandelt.

Muriel
02.02.2020, 15:12
Hyperemesis finde ich ehrlich gesagt auch absolut nich BV-würdig, sondern klar AU. Wenn ich so höre, wer wofür und mit welchen Begründungen so alles ins BV gegangen ist, dann verstehe ich absolut, dass es da deutlich strenger gehandhabt wird jetzt.

Salzi19
02.02.2020, 15:26
Mein gyn hat das mit bv und au auch unterschieden. Au gab's bei gesundheitlichen Problemen (kotzen, usw.), bv nur wenn der Arbeitsplatz nicht schwangerschaftstauglich umgemodelt werden konnte (bei angestellten Zahnärztinnen ist das nicht möglich). Bei mir wurde das bv vom gewerbeaufsichtsamt nochmal bestätigt.

Muriel
02.02.2020, 15:47
So ist das ja auch gedacht und sinnig.

FirebirdUSA
02.02.2020, 17:38
Nach 6 Wochen Krankschreibung frägt halt die KK nach... deswegen vermutlich die Zurückhaltung des Gyn

denkstdu
02.02.2020, 20:24
Naja länger als 6 wo wegen gleicher Sache geht halt dann ins Krankengeld und damit dann auch weniger Elterngeld nach der Schwangerschaft....

tragezwerg
02.02.2020, 20:27
Naja länger als 6 wo wegen gleicher Sache geht halt dann ins Krankengeld und damit dann auch weniger Elterngeld nach der Schwangerschaft....

Bei der Elterngeldberechnung werden die Krankengeldmonate glücklicherweise ausgeklammert.

sweety92
02.02.2020, 22:16
Hallihallo, bin jetzt auch frisch Schwanger, hocke gerade aber in meinem 24h Dienst.. Habe es gestern erst erfahren.
Theoretisch ist die Personalsituation gerade so schlecht, dass ich überlege weiter die Dienste zu machen, solange es mir gut geht. Haben andere Kolleginnen wohl auch so gemacht... was meint ihr? Wie habt ihr das gemacht? Wir haben auf Grund der Personalsituation eh etwas schlechte Stimmung aktuell, will eig. nicht, dass ich da noch mehr wegstecken muss. Andererseits sind 24h Dienste schon sehr anstrengend.. Wann habt ihr das bekannt gegeben? Was den Mutterschutz angeht würde ich auch je nach Immunstatus mit meiner Gyn reden, war ja noch gar nicht da.. Habe ja schon öfter mit VZV, EBV, HErpes und allen möglichen Tröpfcheninfektionen zu tun. OP ist bei uns übrigens eigene Entscheidung, wenn man möchte, kann man das machdn, dabei wird darauf geachtet, dass man nicht in Maskennarkosen eingeteilt wird. Z.B Tonsillotomie bei Kindern.

WackenDoc
03.02.2020, 05:05
Selber schuld wenn man meint das Mutterschutzgesetz unterlaufen zu müssen.

anignu
03.02.2020, 07:57
Ich denk mir halt immer: wenn irgendwas passiert in der Schwangerschaft und man hat sich gestresst, 24h-Dienste übernommen, die Personalsituation die eh schon mies war versucht auszugleichen usw... also wenn irgendwas passiert... macht man sich dann Vorwürfe und denkt nochmal drüber nach ob das eigene Mitschuld sein könnte? Oder sagt man sich: das war es wert. Diese 24h-Dienste zu machen war es wert das Risiko einzugehen. Das bin ich meinem Arbeitgeber schuldig, dass ich meine Schwangerschaft riskiert hab. Der Arbeitgeber gibt schließlich auch sein Leben für mich. (ok, der letzte Satz war so großer Blödsinn dass ich ihn fast wieder gelöscht hätte)

tarumo
03.02.2020, 08:22
Theoretisch ist die Personalsituation gerade so schlecht, dass ich überlege weiter die Dienste zu machen, solange es mir gut geht. .

Der Altruismus kennt keine Grenzen...für genau den Fall haben unsere Vorfahren sowohl "Schwangerschaftsvertretungen" als auch "Honorarärzte" erfunden...
Ansonsten gebe ich anignu völlig recht: wenn es Komplikationen gibt, wirst Du Dir ein Leben lang Vorwürfe machen, selbst wenn die Kausalkette nicht eindeutig ist...
Schwanger und "Landarztquote" ist dann nochmal ein anderes Thema, was in dem dortigen Strang diskutiert wurde.

tarumo
03.02.2020, 08:35
Saßen halt in einem Befundungsraum fern ab der Patientenwelt und haben Befunde geschrieben... Kann mir kein Fach vorstellen wo das einfacher gehen soll als in der Radiologie.

Wenn man sowas hat- kein Problem. Das wäre das dann von mir geschilderte Szenario. In vielen Kliniken dürfte das nicht der Fall sein. Persönliche Erfahrung sind Befundungsplätze direkt im Schaltraum vom CT und als Highlight im Patientendurchgang bzw. im CT oder -Angiovorraum, nur durch eine Sichtblende von den Patienten im Bett getrennt (Maximalversorger). Dazu kommt noch das deutsche KH-Mißmanagement. Die MTRAs sind ja aus irgendwelchen vorgeschobenen Gründen nicht in der Lage, venöse Zugänge zu legen und Vorgespräche zu führen (später, wenn man in der Praxis eine Über-TVÖD-Vergütung einstreichen will, geht es seltsamerweise dann doch) und das ganze bleibt am betreuenden Arzt (Ärztin) hängen, weswegen sich auch ein MRT-Platz nicht unbedingt realisieren läßt.
Und bei Notfällen (die anderen sind halt grad beim Essen) bleibt man natürlich einfach sitzen, um Stress und Patientenkontakt zu vermeiden?
Ich verstehe es daher voll und ganz, wenn ein Gyn oder Betriebsarzt derartiges Mißmanagement nicht noch durch den Verzicht auf ein BV goutieren will.
In den von mir erlebten Fällen wurde das BV übrigens immer vom Gyn ausgesprochen, der/die überhaupt nicht orientiert ist über die Arbeitsplatzsituation. Und sich nur auf das Gespräch verlassen muss....

sweety92
03.02.2020, 08:44
Ok danke vorab für die Rückmeldung, ich verstehe den Unmut nur nicht ganz. Ich wollte nur wissen, wie ihr das gehandhabt habt und einige Tipps bekommen. Vllt. auch wie man das am besten Regelt, ohne für viel Unmut zu sorgen! Verstehe nicht, was so schlimm ist, wenn ich meine Kollegen nicht plötzlich stehenlassen will. Ich bin selber aktuell eine der Kolleginnen, die sich seit längerem für die Umsetzung der neuen TV Regelungen einsetzt und für die Einstellung neuer Kolleginnen und Kollegen. Finde aber trotzdem, dass wir alle nur Menschen sind und auch zusehen müssen, dass es vllt. etwas "weniger schlimm" ist am Ende.
Also für konstruktiven Tipps, vllt auch die Situation "auszunutzen" gegenüber der Personalabteilung, Gespräche mit Chef und Kollegen, bin ich sehr dankbar.

tragezwerg
03.02.2020, 09:45
Ok danke vorab für die Rückmeldung, ich verstehe den Unmut nur nicht ganz. Ich wollte nur wissen, wie ihr das gehandhabt habt und einige Tipps bekommen. Vllt. auch wie man das am besten Regelt, ohne für viel Unmut zu sorgen! Verstehe nicht, was so schlimm ist, wenn ich meine Kollegen nicht plötzlich stehenlassen will. Ich bin selber aktuell eine der Kolleginnen, die sich seit längerem für die Umsetzung der neuen TV Regelungen einsetzt und für die Einstellung neuer Kolleginnen und Kollegen. Finde aber trotzdem, dass wir alle nur Menschen sind und auch zusehen müssen, dass es vllt. etwas "weniger schlimm" ist am Ende.
Also für konstruktiven Tipps, vllt auch die Situation "auszunutzen" gegenüber der Personalabteilung, Gespräche mit Chef und Kollegen, bin ich sehr dankbar.

Wenn du sicher bist, dass du dir dann später keine Vorwürfe machen wirst, kannst du natürlich alles so machen wie du willst.
Ich habe bei einer Freundin leider mitbekommen, wie schrecklich es ist wenn man ein Kind mit Fehlbildungen bekommt und die ersten Wochen der Schwangerschaft noch schön mit Röntgen und infektiösen Patienten gearbeitet hatte. Sie wollte halt auch nicht den Kollegen ihre Dienste aufladen und hat deshalb nix gesagt...aber die psychischen Folgen davon wünsche ich keinem.
Ich hatte in beiden Schwangerschaften vor erst später bescheid zu geben, habe es aber jedes mal sehr früh gesagt weil im Röntgensaal eingeteilt. Mir ging es aber ab der 7. Woche sowieso immer so abgrundtief dreckig, dass ich es nicht hätte geheim halten können.

Salzi19
03.02.2020, 10:15
Dein Kind und dessen Gesundheit geht vor!!! Es dankt dir NIEMAND, wenn du das Risiko auf dich nimmst. DU bist diejenige, die mit eventuellen Konsequenzen leben muss. Gerade in den ersten Wochen passiert in der Entwicklung des Babys so viel, da braucht es nicht noch zusätzlich schlechte Einflüsse von außen. Dafür wurde das mutterschutzgesetz eingeführt.

anignu
03.02.2020, 12:30
Ansonsten gebe ich anignu völlig recht: wenn es Komplikationen gibt, wirst Du Dir ein Leben lang Vorwürfe machen, selbst wenn die Kausalkette nicht eindeutig ist...
Dass ich das noch erleben darf ;-)


Auf der anderen Seite muss man aber auch sagen: manche müssen es auf die harte Tour lernen. Ich selbst bin auch so einer. Ich war früher immer bei den Allerersten dabei wenn es drum ging irgendwo einzuspringen, irgendwas zu tauschen, irgendwo zurückzustecken. Nachtdienst fällt plötzlich aus? Kein Problem, mach ich halt schnell zwei Schichten am Stück. Wochenenddienst nicht besetzt? Lasst mich nur kurz telefonieren um meine Wochenendtermine zu verschieben und ich mache es. Und was bekommt man dafür? Nichts. Nicht mal ein Dankeschön. Am Tag danach ist das alles vergessen. Es ist eher so dass man umso mehr angegangen wird wenn man beim nächsten Mal nicht wieder einen Dienst übernimmt. Sie hätten sich ja sowas von auf mich verlassen. Dass ich tatsächlich was ändern muss wurde mir erst klar als ich im Urlaub angerufen wurde, ich ans Telefon ging, ich einen Dienst im Urlaub nicht übernommen hab und das Gespräch sehr sehr unschön wurde. Da wurde mir klar, dass das alles zu weit geht und dass diejenigen die einfach pauschal keine Dienste übernehmen beim nächsten Mal auch nicht gefragt werden und ziemlich gut damit leben.
Anders ausgedrückt: "Du kannst sie nicht alle retten". Der Arbeitgeber stellt zu wenige Ärzte ein? Klar, versuch das zu lösen indem du dich selbst gefährdest. Ich habs schon gemacht. Diese Doppelschicht damals war definitiv nicht erlaubt und wenn ich einen Behandlungsfehler gemacht hätte... schwierig. Es ist gut gegangen, aber im Nachhinein hab ich mir schon überlegt ob ich das jemals wieder machen würde. Ich hab auch noch andere Sachen mit Diensten gemacht die noch bissl krasser sind und die ich hier nicht schreibe. In dem Wissen möglicherweise Patienten zu gefährden weil ich das irgendwann nicht mehr stemme. Ich. Nicht der Arbeitgeber. Will sagen dass grundsätzlich der Arbeitgeber für die Dienste und Besetzung zuständig ist und wenn was nicht klappt ist es primär Problem des Arbeitgebers.