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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Welche Richtung einschlagen? - Nephro oder Pädiatrie?



Schinkenk?se
06.02.2020, 14:54
Hallo alle miteinander,

ich könnte etwas Rat dringend gebrauchen. Nach abgeschlossenem 3. Stex stehe ich nun vor der Entscheidung, wohin es eigentlich gehen soll. Eigentlich wollte ich schon seit Beginn des Studiums in die Pädiatrie gehen, da ich schon immer gerne mit Kindern gearbeitet habe.

Doch wie es im Studium nun mal so läuft, hab ich v.a. in meinem PJ-Tertial in der Inneren Gefallen an der Nephrologie gefunden. In meinem Tertial in der Pädiatrie musste ich dagegen jedoch feststellen, dass die Neonatologie und der Neugeborenenbereich nicht so mein Fall sind, sondern erst Kinder >2 Jahre. Ebenso erschreckt mich die Vorstellung im Kreisssaal etwas falsch zu machen doch ziemlich und ich glaub das Hüftsono nach Graf werde ich wohl nie hinbekommen...(etwas das ziemlich an mir nagt...) Auch finde ich die Pädiatrie ehrlich gesagt nicht so interessant wie die Innere, da die Pädiatrie oft (so mein Empfinden) bei schweren Krankheiten auf genetische Erkrankungen aufbaut, bei denen man dann immer wenig tun kann. Die Diagnostik in der Inneren finde ich da wesentlich interessanter.

Ich muss zugeben, dass ich mit Kindern wesentlich lieber arbeite, als mit älteren und dementen Patienten (auch Hausbesuche in einem Seniorenheim machen mich unglaublich traurig.)

Zudem habe ich erkannt, was ich zu Beginn des Studium noch für unvorstellbar gehalten habe (da bin ich bestimmt nicht der einzige): Ich kann mir es nicht mehr so richtig vorstellen, mein ganzes Leben in der Klinik zu arbeiten und könnte mir vorstellen mich später niederzulassen (z.B. in einem Dialysezentrum). Jedoch habe ich nach meiner Famulatur in der Kinderarztpraxis erkannt, dass mir die Pädiatrie im ambulanten Bereich einfach keine Freude bereitet (U-Untersuchungen, die einen Großteil der Untersuchungen darstellen, finde ich wirklich ziemlich langweilig), weswegen ich mich dort höchst unwahrscheinlich niederlassen werde (also zum jetzigen Standpunkt). Natürlich gibt es auch die Kindernephrologie, die dann auch anstreben würde zu machen, doch diese sind ja hochspezialisiert und an die wenigen Zentren gebunden, weshalb man mit dieser Entscheidung noch mehr an die Klinik gebunden wäre.


Außerdem kann man nach Bayrischen Landesärztekammer von der Pädiatrie nichts in der Inneren anrechnen lassen, andersherum gehen aber bis zu 12 Monate. Ebenfalls spiele ich mit dem Gedanken nach dem Facharzt nach Norwegen zu gehen, was mit der Nephrologie einfacher sein sollte als mit Kindernephrologie.

Zusammenfassung:
Pro-Pädiatrie:
- Spaß an Arbeiten mit Kindern
- Kindernephro vereinigt Interessen an Gebiet und Patienten

Contra-Pädiatrie:
- Keine Niederlassung
- Wenig Interesse für Neo
- "dramatischere Folgen" bei Fehlern bzw. weniger Spielraum für Fehlertoleranz
- Kindernephro schwieriger im Ausland eine Stelle zu kriegen

Pro-Nephro:
- Interesse an Fachgebiet mit vielen Veränderungen in der Zukunft
- Möglichkeit sich Niederzulassen und einfacher ins Ausland zu gehen

Contra-Nephro:
- Arbeiten mit älteren Leuten macht mir wenig Spaß


Nun würde ich mich freuen hier einige Ratschläge und v.a. Erfahrungen zu hören, da man nach einiger Zeit Berufserfahrung doch viele Dinge anders sieht und der Wunsch sich Niederlassen ggf. noch wichtiger wird. Es bahnt sich hier ein bisschen ein Konflikt von Interesse des Fachs und Arbeitsbedingungen VS. bevorzugtes Arbeiten mit der Patientengruppe an. Was würdet ihr als wichtiger sehen (mir ist natürlich klar, dass beides wichtig ist)?
Kennt vielleicht jemand Ärzte/Ärztinnen, die sowohl den normalen Nephrologen als auch den Kindernephrologen gemacht haben (wobei ich mir das recht aufwendig vorstelle und schwierig dann in der Praxis zu kombinieren).

Vielen vielen Dank schon im Voraus für alle Antworten! :)

davo
06.02.2020, 17:02
Ich hab von Pädiatrie kaum eine Ahnung, bis auf das, was man im Studium so gesehen hat. Trotzdem geb ich hier mal meinen Senf dazu:

In der Pädiatrie gibts doch viel mehr als nur schwere genetische Erkrankungen, oder?! :-)) Vielleicht bekommt man diesen Eindruck halt in der Uniklinik... aber gerade das würde doch stark für den niedergelassenen Bereich sprechen, oder? Dort hast du die volle Breite des Fachs.

Kindernephro ist halt ein sehr kleines Fach. (Bzw. eigentlich, zumindest in Hessen, gar kein eigener Schwerpunkt.) Da gibts Stellen wahrscheinlich nur bei Maximalversorgern. Das schränkt einen stark ein in der Lebensplanung. Und bedeutet, dass man ewig ans Krankenhaus gebunden ist.

Aber Nephro, wenn du den Umgang mit alten, schwer kranken Patienten deprimierend findest, ist halt auch mehr als unpassend.

Wie wärs denn mit KJPP? Fand ich persönlich in meinem sehr kurzen Kontakt deutlich spannender und tendenziell weniger deprimierend als die Sozialpädiatrie (in der wir einen Praktikumstag im Blockpraktikum hatten). Viele der Probleme, die man dort erlebt, sind zwar, so mein Eindruck, eher mit Sozialarbeit zu lösen als mit Medizin, aber wenn du dich nicht niederlassen willst (obwohl das auch leicht möglich wäre), "Action" willst, und gerne mit Kindern arbeiten willst... eine Stelle wirst du superleicht bekommen.

Feuerblick
06.02.2020, 17:12
Wenn du Innere auf Pädiatrie anrechnen lassen kannst - wo ist das Problem, einfach mal mit Innere zu starten und dann zu sehen, wie es dir gefällt? Man muss doch nicht direkt nach dem Studium eine Entscheidung für das gesamte Leben treffen... :-nix

daCapo
06.02.2020, 23:12
Beides käme für mich nicht in Frage aus verschiedensten Gründen, vom Interesse her eher Pädiatrie; Arbeit mit Kindern grundsätzlich interessant, was ich nicht so toll fand: viele Infektionskrankheiten, sehr ängstliche Kollegen, zu unausgewogenes Geschlechterverhältnis unter Kollegen, schwierige Eltern

Nephro: Pro: Interessante Theorie, bei näherem Hinsehen, aber doch keine 100% exakte Wissenschaft um es positiv zu formulieren (meine Ansicht) Contra: Für mich nicht so tolle Praxis / Realität im Vergleich zur Theorie, das Patientengut ist extrem angeschlagen/krank. Nephro ist allgemein unbeliebter als Pädiatrie, viele offene Stellen.

Ich schließe mich Feuerblick an: Einfach mal anfangen und schauen, in beiden Fächern kann man wertvolle Erfahrungen sammeln.

anignu
07.02.2020, 01:54
unausgewogenes Geschlechterverhältnis unter Kollegen
Wo ist das Geschlechterverhältnis denn ausgeglichen? Innere? Unfallchirurgie? Gyn? Augenheilkunde?

rafiki
07.02.2020, 03:58
aber doch keine 100% exakte Wissenschaft

In welchem medizinischen Gebiet gibt es die denn?

daCapo
07.02.2020, 06:34
Wo ist das Geschlechterverhältnis denn ausgeglichen? Innere? Unfallchirurgie? Gyn? Augenheilkunde?

zu unausgeglichen, ist auch meine persönliche Meinung

daCapo
07.02.2020, 06:38
Wo ist das Geschlechterverhältnis denn ausgeglichen? Innere? Unfallchirurgie? Gyn? Augenheilkunde?

zu unausgeglichen, ist auch meine persönliche Meinung, möchte niemand angreifen


In welchem medizinischen Gebiet gibt es die denn?

Nirgends, war eine positive Formulierung um den Unterschied zwischen der Theorie und der Praxis zu beschreiben, mit dem Ziel dass sich niemand angegriffen fühlen soll, ist meine persönliche Meinung.

Schinkenk?se
08.02.2020, 16:17
Schon einmal Danke für die Antworten.

Was denkt ihr so bei dem Konflikt zwischen Interesse am Fach VS. Interesse am Patientengut?
Wo sollte man den Schwerpunkt setzen?

davo
08.02.2020, 16:26
Stell dir vor du stehst auf und geht zur Arbeit. Welche Vorstellung gefällt dir besser? Du gehst auf die Nephro-Station oder in eine Nephro-Praxis? Oder du gehst auf die Pädiatrie-Station oder in eine Kinderarzt-Praxis? So kannst du am ehesten beurteilen, was dich insgesamt glücklicher machen würde.

Schinkenk?se
08.02.2020, 17:38
Das ist eben leider mein Problem, ich kann es recht schlecht einschätzen. Im PJ bin ich lieber in die Innere/Nephro, was aber auch mit daran lag, dass dies in der Schweiz und in einem kleinen Haus war und ich eigene Patienten hatte. Dagegen fühlte ich mich in der Pädiatrie teilweise überfordert (Stichwort Hüftschall nach Graf) und die Arbeitsatmosphäre (Uniklinik), war nicht wirklich schön (natürlich war die Stimmung in der Schweiz wesentlich besser).

Feuerblick
08.02.2020, 17:46
Wie gesagt: Mach doch einfach erstmal Innere. Du musst ja nicht dabei bleiben und anrechenbar ist es ja offenbar auch. Du musst dich nicht sofort für ein Fach entscheiden...

annekii
08.02.2020, 21:04
Ich bin durch und durch Pädiaterin und war im PJ in der Inneren in der Uniklinik in der Nephro und fand es total toll. Aber als ich danach in die Kinderklinik kam, war es einfach noch besser. Meine Antworten auf die Päd-Contras:

Zu den Hüftultraschallen: Doch, das lernt man. Wenn man die Neozeit macht, muss man so viele schallen und jedes Kind hat auch noch 2 Hüften. Das wird, sicher! Ich habe es erst im 4. WB-Jahr gelernt.

Zu Neo: Meins ist das auch nicht unbedingt, aber ich habe es in einem Level 2-Haus gemacht, in dem man im Dienst alle 3 Stationen hatte, in dem die Besprechung morgens und mittags immer über alle Patienten ging, sodass man auch von diesen viel mitbekommen hat. Die Chefvisite auf der Allgemeinstation hat man auch einmal in der Woche mitgemacht. So war es keine reine Neozeit bei mir, wie es vielleicht in einem großen Haus mit Level1-Neo gewesen wäre. Vielleicht käme das in Frage? So lange ist das ja auch nicht.

Zur Niederlassung: Die Us machen für mich erst Spaß, seit ich sie selbst machen und selbst gestalten kann. Beim Zuschauen war es schnell langweilig, aber selbst machen und zu beobachten, welchen Weg das Kind einnimmt, wie man den Eltern helfen kann, den Weg zu finden. Man hat tatsächlich nicht dauernd super entwickelte Kinder ohne Auffälligkeiten. Oft findet man was und muss es den Eltern so erklären, dass sie die notwendigen Schritte mitgehen, aber auch nicht schrecklich verunsichert sind, usw. Man hat die echte Chance der Prävention, denn man hat es erstmal mit gesunden Kindern zu tun. Man hat so viel Vergleich, dass man gut erkennen kann, wo es hakt und wo es locker läuft.

Und man hat durchaus einige sehr kranke Kinder, nicht nur, aber auch mit genetischen Syndromen, aber man kann ja sehr viel tun, damit das bestmögliche rauskommt. Und das bestmögliche ist nicht ein laufendes Kind, das schreiben kann, sondern ein glückliches Kind in einer glücklichen Familie. Da ist sehr viel Sozialpädiatrie dabei. Ich liebe das, aber kann gut verstehen, wenn das einem zuviel ist. Letztens habe ich hier geschrieben, wie toll ich meinen Job finde: https://www.medi-learn.de/foren/showthread.php?65591-Treffpunkt-f%FCr-gestresste-Niedergelassene-Fach%E4rztinnen-und-Fach%E4rzte&p=2115610&viewfull=1#post2115610
Ich finde, die Niederlassung wird Jahr um Jahr schöner, weil man die Patienten immer besser kennt, weil es gemeinsame Geschichten gibt und man die familiären Zusammenhänge kennt. Und es gibt keinen Stillstand. Die Kinder wachsen, entwickeln sich oder entwickeln neue Probleme. Man kennt die Kinder völlig gesund und sieht manche sehr krank und erkennt es super, weil man auch das Kind in normal kennt. Man weiß, wann die eine Mutter anders ist als sonst und man die selbe Aussage anders nehmen muss. Man baut sich Vertrauen auf und kann darauf bauen, zusammen für das Kind.

Angst vor dem Kreißsaal: Die hat sicher jeder und die hört auch nur auf, wenn man schon viele Situationen beherrscht hat. Aber da wird man nicht reingeworfen, sondern angeleitet und da sind ja auch noch andere Leute: erfahrene Neo-Schwester, Hebamme, AnästhesistIn, Facharzt, irgendwer ist da.

Mit Kindern arbeiten: herrlich! Wir lachen so oft während des Arbeitens. Einfach weil Kinder Kinder sind.

Feuerblick
08.02.2020, 21:09
Ich fand in meiner Päd-Famulatur die Us (die ich eigentlich ab der zweiten Woche unter Aufsicht teilweise selbst machen durfte) total spannend. Einfach weil jedes Kind, selbst die fitten und gesunden, anders reagiert auf die Anforderungen. Und das Arbeiten mit Kindern habe ich in meinem Fach auch immer über alles geliebt. :-)

freak1
08.02.2020, 22:10
Ich finds immer klasse wenn einen die Pädiater anrufen (aus der Ambulanz) und man hört im Hintergrund den Kinderlärm. Dauerhaft würde es mich wahrscheinlich nerven, aber manchmal ist es schon schön im schnöden Klinikalltag.

WackenDoc
08.02.2020, 22:36
Vermutlich ist es sinnvoll Gehörschutz in der Kinderheilkunde zu nutzen. Mir hat schon das Geplärre meiner Flüchtlingskinder beim Impfen gereicht.

anignu
08.02.2020, 23:25
Dagegen fühlte ich mich in der Pädiatrie teilweise überfordert (Stichwort Hüftschall nach Graf) und die Arbeitsatmosphäre (Uniklinik), war nicht wirklich schön (natürlich war die Stimmung in der Schweiz wesentlich besser).
2 Punkte: hast du denn erwartet dass die Arbeitsathmosphäre an der Uni gut ist? Ernsthaft? Wenn du an die Uni willst, dann tu dir das an. Ansonsten such dir was ...
Und Hüftultraschall: lass mich raten, du hast keine Ahnung von Ultraschall. Und null Erfahrung. Ich hab sogar selbst schon Hüftultraschall gemacht und es ist definitiv kein schwieriger Ultraschall. Das sind Abdomensonos (auf hohem Niveau) eine ganz andere Hausnummer. Keine Sorge: Hüftsono lernst du. Definitiv. Es gibt so viele Dinge die nicht so standardisiert sind und deutlich schwieriger sind.

Und man hat durchaus einige sehr kranke Kinder, nicht nur, aber auch mit genetischen Syndromen, aber man kann ja sehr viel tun, damit das bestmögliche rauskommt. Und das bestmögliche ist nicht ein laufendes Kind, das schreiben kann, sondern ein glückliches Kind in einer glücklichen Familie. Da ist sehr viel Sozialpädiatrie dabei. Ich liebe das, aber kann gut verstehen, wenn das einem zuviel ist. Letztens habe ich hier geschrieben, wie toll ich meinen Job finde: https://www.medi-learn.de/foren/showthread.php?65591-Treffpunkt-f%FCr-gestresste-Niedergelassene-Fach%E4rztinnen-und-Fach%E4rzte&p=2115610&viewfull=1#post2115610
Ich finde, die Niederlassung wird Jahr um Jahr schöner, weil man die Patienten immer besser kennt, weil es gemeinsame Geschichten gibt und man die familiären Zusammenhänge kennt. Und es gibt keinen Stillstand. Die Kinder wachsen, entwickeln sich oder entwickeln neue Probleme. Man kennt die Kinder völlig gesund und sieht manche sehr krank und erkennt es super, weil man auch das Kind in normal kennt. Man weiß, wann die eine Mutter anders ist als sonst und man die selbe Aussage anders nehmen muss. Man baut sich Vertrauen auf und kann darauf bauen, zusammen für das Kind.
Ich glaub auch unser Kinderarzt hat Spaß an seinem Job. Das merkt man an so vielen Dingen.

WackenDoc
09.02.2020, 09:47
Ich glaube DER entscheidende Punkt ist,ob man mit Kindern "kann" (und fast noch wichtiger- deren Eltern).

Meins sind die Kleinen so gar nichts. Selbst als Notarzt lasse ich meistens den RA hinten beim Kind mitfahren, wenn die Krankheitsschwere das hergibt.

Schinkenk?se
09.02.2020, 21:39
@annekii
erstmal vielen Dank für diesen netten und ausführlichen Beitrag :)

Kennt denn jemand Wechsler von Pädiatrie in die Innere bzw. andersherum und dort Erfahrungen mitbekommen?