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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Traum vom Doktor-Titel endgültig begraben - Erfahrungen?



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Mr. Pink online
12.02.2020, 20:19
Mich würde ja schon mal interessieren wieviele Studenten eine Doktorarbeit anfangen und dann abbrechen. Aus den Medien weiß ich nur, dass ca. 60% der jungen Ärzte promoviert sind, obwohl mir das aus persönlicher Beobachtung zu niedrig vorkommt. Gegen Mitte meines Studiums wurden Betreuungsvereinbarungen die einem Vertrag ähneln gefordert, damit das Promotionsbüro eben genau hierzu Statistik führen kann. Das aber nur btw.

Nochmal alle Tips die ich geben kann, damit die Voraussetzungen denkbar gut sind:
1. Projekt sollte so gut wie etabliert sein (wenn ihr erst noch Ethikanträge etc. stellen und mit Statistikern diskutieren müsst, dann dauert es ewig. Das ist was für den Post-Doc, nicht für die Diss)
2. Unabhängigkeit von externen, noch nicht verfügbaren Daten
3. Informiert euch darüber ob der Doktorvater die nächsten Jahre plant den Job zu wechseln (ich finde das eine legitime Frage)
4. Sprecht unbedingt mit den anderen Doktoranden in der Arbeitsgruppe und v. a. auch mit ehemaligen (die sind unbefangener)
5. Schaut euch an, wieviel der Betreuer publiziert. Wenn es viel ist, dann hat er Drive und wird euch vermutlich auch pushen

PrinzessinAmygdala
12.02.2020, 23:19
Meine Betreuerin kam aus einem anderen Bereich als mein Doktorvater (Betreuerin Endokrino, Dr.Vater NCh) und daher war es quasi von vornherein schwierig.


Warum genau? Ich hatte das auch.

epeline
13.02.2020, 07:23
Ich reihe mich auch mal ein.
Zugesagt unter nicht so ganz ehrlichen Bedingungen. Man sagte uns zu, man könne das Labor zeitgleich nutzen. Nach den Vorversuchen sollte ich dann plötzlich warten, bis die andere ihre Arbeit abgeschlossen hat, was länger dauerte als erwartet. Dann ging noch der Dr Vater in Rente und sein Nachfolger hatte wenig Lust und bot keine wirkliche Unterstützung mehr. Im Gegenteil, er versetzte mich regelmäßig und hielt sich kaum an Absprachen.


Naja, dann kam das PJ und das Examen und das wars dann irgendwie. Und jetzt hab ich keine Lust mehr

PrinzessinAmygdala
13.02.2020, 09:59
Schon irgendwie traurig wie es teilweise abläuft. Ich hab auch schon von anderen Abbrechern aus meinem Jahrgang gehört. Das tut mir immer sehr leid. Mich würde es ebenfalls interessieren, wie viele eine Doktorarbeit anfangen und abbrechen. Nur oft werden die ja gar nicht erfasst, denn ohne Betreuungsvereinbarung + Formular zur Promovierendenstatistik bekommt das Promotionsbüro nix mit.

Muriel
13.02.2020, 12:25
Genau das Gegenteil bei mir. Exzellente Betreuung und das Projekt wäre fast an mir gescheitert, weil ich nach drei Jahren Labor, was verdammt viel Arbeit war aber auch mega Spaß gemacht hat einfach keine Lust mehr aufs Schreiben hatte.

Arrhythmie
13.02.2020, 13:58
Bei mir ebenfalls exzellente Betreuung. Und ich musste den Ethikantrag selber schreiben und mit Statistikern diskutieren.

Hab im 5. Semester begonnen und jetzt (ich bin im 1. Tertial PJ) eingereicht.

roxolana
13.02.2020, 14:48
Ich finde es etwas pietätlos, jemandem, der einen Thread über seine gescheiterte Doktorarbeit wegen jahrelanger mangelnder Betreuung eröffnet hat, von seiner eigenen exzellenten Betreuung zu erzählen :-oopss

Muriel
13.02.2020, 15:22
Moment, ich wollte nur darlegen, dass es nicht immer externe Faktoren sein müssen, die ein Projekt zum Scheitern bringen. Hätte mein Kollege mir nicht irgendwann die Pistole auf die Brust gesetzt, hätte ich mich wahrscheinlich nie aufgerafft.

Arrhythmie
13.02.2020, 16:00
Ich finde es etwas pietätlos, jemandem, der einen Thread über seine gescheiterte Doktorarbeit wegen jahrelanger mangelnder Betreuung eröffnet hat, von seiner eigenen exzellenten Betreuung zu erzählen :-oopss

Darum geht es gar nicht.
Das war insgesamt mehr auf die Aussage bezogen dass die Arbeit quasi zum Scheitern verurteilt ist, wenn man Ethikantrag selber schreiben und sich mit den Statistikern rumschlagen muss.
Wollte darlegen dass es trotzdem funktionieren kann. Und ich hatte etliche Mental breakdowns - einer auch hier im Forum nachzulesen. Da war ich kurz davor den ganzen Kram einfach hinzuwerfen. Mein Mann hat mich davon abgehalten, mir in den Hintern getreten und ich bin ihm heute noch dankbar dafür. Es hat mich gelehrt dass man manches einfach aussitzen muss, anderes überhaupt erstmal ausprobieren und zum dritten dass man durch manches auch einfach durch muss, wenn man eben diesen Titel will.
Ist ja auch vollkommen ok hinzuwerfen wenn es einem nicht so wichtig ist. Ich wollt ihn aber und mir war es dann ab einem gewissen Punkt eben auch zu wichtig als es einfach hinzuschmeißen. Zudem wollte Ich auch meine ganze Vorarbeit nicht in die Tonne treten und neu beginnen.

PrinzessinAmygdala
13.02.2020, 19:54
Ist ja auch vollkommen ok hinzuwerfen wenn es einem nicht so wichtig ist.

-.- ohne Worte

Arrhythmie
13.02.2020, 20:41
Ja... oder wenn man eben das Gefühl hat nicht weiterzukommen. Oder, oder, oder. Es gibt mannigfaltige Gründe.

McLaren422
13.02.2020, 21:21
also in meinem Krankenhaus, wo ich grad PJ mach, hat kaum einer einen Doktortitel. Kaum ein Assistenzart, selbst viele Oberärzte haben keinen. Sogar der leitende Oberarzt aus der Chirurgie hat keinen. Die Chefärzte haben einen, sind aber oftmals auch nicht habilitiert. Also kein Stress :D

Mr. Pink online
13.02.2020, 21:42
Man braucht keinen Titel um zu praktizieren und auch nicht um ein guter Arzt zu sein, ich denke das wissen wir alle hier. Es geht darum, eine bereits begonnene Arbeit entweder erfolgreich abzuschließen oder ggf. abzubrechen und sich ein neues Projekt zu suchen, damit man zumindest nicht das Gefühl hat "alles war umsonst". Kriterien, die für ein schnelles und möglichst unkompliziertes Gelingen einer Arbeit sprechen habe ich genannt, was keinesfalls heißt, dass eine Arbeit scheitern muss wenn diese nicht gegeben sind.

PrinzessinAmygdala
15.02.2020, 08:57
Wie habt ihr das in Bewerbungsgesprächen gemacht? Erzählt, dass ihr abgebrochen habt oder gar nicht erwähnt? Hat da jemand nachgefragt?

Mr. Pink online
15.02.2020, 09:50
Wenn du an ein städtisches Klinikum oder an eine kleine Klinik gehst interessiert sich dort keiner für deinen Doktor. An der Uniklinik interessiert die auch nur, ob du bereits in einer Arbeitsgruppe bist und in welchem Umfang du deine Forschung weiter führen wirst.

AlexDo86
15.02.2020, 14:19
Ich kann mich nun auch einreihen. Nach bereits einem gescheiterten Versuch stehe ich nun im Herbst vor dem 2.StEx um breche grade meine zweite Arbeit ab. Nachdem ein Jahr alles super gelaufen ist, darf ich jetzt quasi nochmal "von vorne" beginnen. Möglich wäre es sicher noch, das bis zum StEx durchzuziehen. Da ich mich aber mit einem Teilzeitjob (25-30 Wochenstunden) seit Studiumbeginn selbstfinanziere, fehlt mir grade tatsächlich die "Power", da jetzt nochmal richtig Gas zu geben. Die freigewordene Zeit investiere ich dann doch lieber ins Geld verdienen um die Arbeitszeit neben dem PJ minimal zu halten.
Ich hoffe, dass mir das nicht irgendwann auf die Füße fällt. Chefarzt will ich in diesem Leben nicht werden und die Uniklinik reizt mich auch nicht, da mein Forschungsinteresse marginal ist. Aber Oberarzt an einem städtischen Klinikum und dann mal in die Niederlassung sind schon Wunschziele.. Naja.. vielleicht ergibt sich ja noch was! toi toi toi!

davo
15.02.2020, 18:09
Mich würde ja schon mal interessieren wieviele Studenten eine Doktorarbeit anfangen und dann abbrechen. Aus den Medien weiß ich nur, dass ca. 60% der jungen Ärzte promoviert sind, obwohl mir das aus persönlicher Beobachtung zu niedrig vorkommt. Gegen Mitte meines Studiums wurden Betreuungsvereinbarungen die einem Vertrag ähneln gefordert, damit das Promotionsbüro eben genau hierzu Statistik führen kann.

Angefangen haben bei mir gefühlt deutlich mehr als 60%. Aber bestimmt nicht alle haben überhaupt jemals einen solchen "Vertrag" abgeschlossen. Zweitens ist der halt kaum durchsetzbar. Drittens kenne ich sehr viele, die zumindest eine Doktorarbeit abgebrochen haben. Harte Zahlen dazu kenne ich leider keine, obwohl es sehr interessant zu wissen wäre. Welcher Prozentsatz zum Studienabschluss die Doktorarbeit tatsächlich abgeschlossen hatte, weiß ich leider auch nicht. Gefühlt ca. die Hälfte, aber ob das stimmt - who knows.


Wie habt ihr das in Bewerbungsgesprächen gemacht? Erzählt, dass ihr abgebrochen habt oder gar nicht erwähnt? Hat da jemand nachgefragt?

Von sich aus würd ich gar nichts sagen. Potenziell negative Dinge spricht man immer nur dann an, wenn man danach gefragt wird :-p

Bei mir war es so, dass ich in den Bewerbungsgesprächen (1) an Unikliniken meist (aber nicht immer) nach der Doktorarbeit gefragt wurde, (2) an großen Häusern manchmal (aber in weniger als der Hälfte der Fälle) nach der Doktorarbeit gefragt wurde, und (3) an kleinen Häusern nie nach der Doktorarbeit gefragt wurde.

WackenDoc
15.02.2020, 18:30
Wenn es nicht ganz spezielle Umstände waren würde ich es nicht angeben. "Hat sich nicht ergeben" "Hatte andere Schwerpunkte" hört sich besser an als "Hab´s nicht durchgezogen".

PrinzessinAmygdala
15.02.2020, 22:55
Ich kann mich nun auch einreihen. Nach bereits einem gescheiterten Versuch stehe ich nun im Herbst vor dem 2.StEx um breche grade meine zweite Arbeit ab. Nachdem ein Jahr alles super gelaufen ist, darf ich jetzt quasi nochmal "von vorne" beginnen. Möglich wäre es sicher noch, das bis zum StEx durchzuziehen. Da ich mich aber mit einem Teilzeitjob (25-30 Wochenstunden) seit Studiumbeginn selbstfinanziere, fehlt mir grade tatsächlich die "Power", da jetzt nochmal richtig Gas zu geben. Die freigewordene Zeit investiere ich dann doch lieber ins Geld verdienen um die Arbeitszeit neben dem PJ minimal zu halten.
Ich hoffe, dass mir das nicht irgendwann auf die Füße fällt. Chefarzt will ich in diesem Leben nicht werden und die Uniklinik reizt mich auch nicht, da mein Forschungsinteresse marginal ist. Aber Oberarzt an einem städtischen Klinikum und dann mal in die Niederlassung sind schon Wunschziele.. Naja.. vielleicht ergibt sich ja noch was! toi toi toi!

Tut mir leid für dich. Was hast du denn gemacht?

Markian
16.02.2020, 17:30
Ich glaube man braucht sich nicht zu schämen, meistens liegt es doch an externen Faktoren, die das Projekt zum Scheitern bringen. Ich glaube, wenn es einem wirklich wichtig ist geht es auch neben der Arbeit. Im Endeffekt lebt es sich auch ohne Dr. Med gut.