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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Traum vom Doktor-Titel endgültig begraben - Erfahrungen?



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milz
08.02.2020, 21:17
Treffpunkt für gescheiterte Doktorandinnen und Doktoranden.

Bei mir ist es nun soweit. Das Ding kommt nach unzähligen Jahren mangels Betreuung in die Tonne.

cicely
09.02.2020, 10:00
Hallo milz, da kann ich mich zu dir gesellen... Ich habe mir eigentlich schon vor einer ganzen Weile (Jahre...) eingestanden, dass ich in diesem Leben keinen Doktortitel mehr bekomme, konsequenterweise alles zu löschen hab ich aber (immer noch) nicht übers Herz gebracht :-blush
Aber mei, ich hatte damals zwar viel Zeit reingesteckt (Freisemester im Labor, Teil der Arbeit schon geschrieben), aber wenn ich ehrlich zu mir selbst bin dann war es mir letztendlich nicht wichtig genug um noch mehr Lebenszeit dafür zu opfern. Mangelhafte Betreuung hatte ich auch bzw. es stand kein eigentlicher Betreuer zwischen mir und Chef/Doktorvater, aber darum hätte ich denk ich kämpfen können wenn ich es drauf angelegt hätte. Wer weiß. Meine Prioritäten im Leben haben sich seitdem jedenfalls noch weiter verschoben und ich sehe für mich keinen Mehrwert der zwei Buchstaben, der es rechtfertigen würde, da nochmal einzusteigen mit allem was dran hängt.

Mr. Pink online
09.02.2020, 10:47
Gegen schlechte Betreuung ist kein Kraut gewachsen. Wenn man Jahre in eine Arbeit investiert hat, dann ist es natürlich besonders frustrierend. Zu deiner/eurer Verteidigung: ihr seid damit auf keinen Fall alleine. In meinem Bekanntenkreis haben gefühlt ein Drittel eine Dissertation angefangen und stecken bis heute in einem undefinierten Stadium zwischen "nicht abgeschlossen" und "hoffnungslos". Rückblickend hat es sich bei allen schon früh abgezeichnet gehabt, dass es nichts wird. Teils aufgrund mangelndem Engagements von Seiten der Betreuer, nicht unerheblich aber auch aufgrund mangelnden Engagements der Doktoranden. Hauptsächlich spielten geänderte Lebensumstände (Wegzug/Familie usw) eine Rolle. Ich kann nur raten früh genug die Reißleine zu ziehen. Wenn man ernsthaftes Interesse an den zwei Buchstaben hat, dann lässt sich in der Regel eine Möglichkeit finden noch eine neue Arbeit zu beginnen. Im Berufsalltag lassen sich am besten klinische Studien integrieren. Prospektive Studien sind natürlich zeitraubend und bieten wenig Flexibilität. Ansonsten kann man sich aber auch eine retrospektive klinisch/statistische Untersuchung überlegen (vermutlich die Mehrheit aller med. Doktorarbeiten). Das wäre der einzig konstruktive Vorschlag,den ich zu dem Thema bieten kann.

McLaren422
09.02.2020, 11:27
nette Runde hier :D ich reih mich hier auch ein.

elastic
09.02.2020, 17:18
Ich kann nur raten früh genug die Reißleine zu ziehen. Wenn man ernsthaftes Interesse an den zwei Buchstaben hat, dann lässt sich in der Regel eine Möglichkeit finden noch eine neue Arbeit zu beginnen. Im Berufsalltag lassen sich am besten klinische Studien integrieren. Prospektive Studien sind natürlich zeitraubend und bieten wenig Flexibilität. Ansonsten kann man sich aber auch eine retrospektive klinisch/statistische Untersuchung überlegen (vermutlich die Mehrheit aller med. Doktorarbeiten). Das wäre der einzig konstruktive Vorschlag,den ich zu dem Thema bieten kann.

Früh genug die Reißleine ziehen, weil man selbst den Allerwertesten nicht hoch bekommt bringt nichts, die nächste Arbeit wird daran genauso scheitern. Ich kann nur empfehlen die Zähne zusammen zu beißen und sich reinzuhängen, nicht aufzugeben, nicht zu früh die Leine zu ziehen. Kämpfen, nicht aufgeben.

Mr. Pink online
09.02.2020, 18:26
Früh genug die Reißleine ziehen, weil man selbst den Allerwertesten nicht hoch bekommt bringt nichts, die nächste Arbeit wird daran genauso scheitern. Ich kann nur empfehlen die Zähne zusammen zu beißen und sich reinzuhängen, nicht aufzugeben, nicht zu früh die Leine zu ziehen. Kämpfen, nicht aufgeben.

So war das natürlich nicht gemeint. Wollte keine pauschale Empfehlung abgeben :D Früh genug die Reißleine ziehen, wenn man merkt, dass es an der Betreuung scheitern wird. Zugegeben, in den meisten Fällen liegt es nicht an der Betreuung. Wenn man bereits Jahre in eine Arbeit investiert hat und sogar einen Teil der Arbeit abgefasst hat, dann würde ich auch alles daran setzen sie komplett abzuschließen. Ein neues Projekt dauert schließlich auch wieder Jahre. Ich kann nicht mal sagen, wie lange im Durchschnitt eine Arbeit dauert. Meine bspw. bis zum Abschluss 5 Jahre und damit war ich wahrscheinlich im oberen Mittelfeld der Dauer. Das heißt nach 3-4 Jahren die Flinte ins Korn zu werfen hätte keinen Sinn ergeben. Muss man von der Situation abhängig machen.

Relaxometrie
09.02.2020, 20:21
In meinem Bekanntenkreis haben gefühlt ein Drittel eine Dissertation angefangen und stecken bis heute in einem undefinierten Stadium zwischen "nicht abgeschlossen" und "hoffnungslos".

In einem solchen Stadium hilft meiner Meinung nach nur, daß man total ehrlich analysiert, wie es weitergehen kann. Heißt also: ungefähr abschätzen, wie lange es mindestens dauern wird, bis man ein abgabereifes Exemplar produziert hat und ehrlich abschätzen, welche Arbeitsschritte noch nötig sind und welche Ressourcen dafür erforderlich sind. Dann den Betreuer/ Dr.-Vater kontaktieren und einen gemeinsamen Fahrplan basteln. Und ganz wichtig: nicht glauben, daß es "morgen/ nächsten Monat/ nach dem Urlaub (wahlweise andere Ausreden einsetzen) besser wird".
Wenn man dann zu dem Schluß kommt, daß man die Arbeit nicht abschließen möchte/ kann/ wird/ darf, aber auch wirklich einen Schlußstrich ziehen.

DrSkywalker
09.02.2020, 20:39
Mit Anfang/Mitte 20 denkt man noch, der Dr- Titel sei total wichtig und erstrebenswert.

Mit Mitte 30 merkt man, dass es so viel wichtigeres gibt und man aus Ego/Unwissenheit/Gruppen"zwang" viel Zeit für zwei Buchstaben vor dem Namen geopfert hat.

Der (vorhandene) Titel ist mir mittlerweile so was von egal, einfach nur wurscht. Würde ich es heute noch mal machen? Ich denke nicht. Von da her: Schwamm drüber und auf die schönen Dinge des Lebens fokussieren!

annekii
09.02.2020, 20:45
Ich habe 3 angefangen und keine beendet. Das erste Mal 2003/2004 kam mir mein Kind dazwischen, das nicht gesund geboren wurde. Als ich hätte weitermachen können, war alles vorbei. Das zweite Mal (2005 oder 2006) ist die Betreuung sofort weggezogen und keiner wollte es übernehmen. Das dritte Mal (2013/14) hing ich fest, weil ich die Patienten nicht weiter zusammenbekommen habe und dann kam die Möglichkeit der Selbständigkeit. Die wurde wahr und die Motivation war total groß für die Praxis, aber nicht für die Promotion, also Schluss mit diesem Thema, für immer.

Lizard
09.02.2020, 20:50
Ich hatte eine zur Hälfte fertig im Studium. War nie so mein Thema , dann kam privat dazwischen. Habs dann hingeschmissen.
Später dann innerhalb der Abteilung was bekommen. Super betreut und in 2,5 Jahren durchgezogen.

WackenDoc
09.02.2020, 21:14
So komisch es sich jetzt vielleicht liest- das wird ein regelrechter Trauerprozess sein. Und es widerspricht ja auch völlig dem sonstigen Arztsein und was die anderen so von einem erwarten. ja, die beiden Buchstaben sind wohl nett, gehören halt dazu. Die Familie erwartet es irgendwie. Ja mei. Wenn es dir wichtig ist, kannst ja irgendwann immernoch mal eine anfangen. Vielleicht ergibt sich ja DAS Thema auf der Arbeit. Und wenn nicht ist ja auch nicht schlimm. Wichtiger ist es ein guter Arzt zu sein.

h3nni
10.02.2020, 13:10
Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich mich hier auch einreihen werden muss. Zwar bin ich noch im Studium, aber schon relativ am Ende. Hänge seit 1,5 Jahren in der Versprechung einer Arbeitsgruppe mit nem interessanten Thema und eigentlich guter Betreuung. Allerdings brauchen wir (laut Statistiker..., wahrscheinlich will der nur mehr Papers) für die Fallzahlplanung externe Daten aus einem Register inkl. Proben. Das zieht sich aber schon so lange, dass ich jetzt im Februar 2020 exakt dort stehe wie im Februar 2019. Hängt halt von externen Einflüssen ab, aber irgendwie sehe ich mich im Februar 2022 noch an derselben Stelle. Und dann ist das Studium schon rum und ich hab immer noch nichts. Und ob ich mir dann unbedingt ne Uni antun will zum Arbeiten, nur um den Titel zu kriegen, weiß ich auch nicht.

Mr. Pink online
10.02.2020, 13:22
Klassischer Anfängerfehler. Nicht böse nehmen, sowas weiß man leider immer erst im Nachhinein: Niemals auf ein Projekt einlassen für das externe Daten benötigt werden, die nicht schon zu Beginn der Arbeit oder zumindest in absehbarer Zeit vorliegen. Wahrscheinlich wird man mir hier jetzt x-tausend Beispiele nennen werden, weshalb ich mit meiner Aussage komplett daneben liege, aber das ist die Erfahrung die ich aus dem Studium mitgenommen habe. Du musst natürlich selber wissen und einschätzen in wie weit du diese Arbeit fortsetzen willst. Wenn man aber schon raushört, dass Uni für dich eher nicht in Frage kommt, dann such dir besser früher als später ein neues Projekt, dass du mit dem entsprechenden Engagement und vielleich noch mit bisschen aussetzten vor dem Arbeitsbeginn abschließen kannst. Solltest du dich dazu entschließen, solltest du das mit dem Betreuer aber offen kommunizieren, vielleicht veranlasst es ihn dann auch mehr Druck auf die externe Stelle ausüben. Viel Erfolg.

h3nni
10.02.2020, 14:01
Ja, ich weiß. An sich wollten wir das einfach so machen, da es schon eine Pilot-Studie gab, bis dann der Statistiker eben das Register ins Spiel gebracht hat. Und wahrscheinlich daraus ein Paper haben will. Wahrscheinlich kann man sich da drehen und wenden wie man will, alle anderen möglichen Projekte kämen nicht durch die Ethik.
Uni prinzipiell schon, ich finde Forschung auch nicht schlecht. Aber nur an ein Haus gebunden zu sein, weil man nen Titel will und nicht, weil einem das Spektrum gefällt, sehe ich nicht ein.

Atya
10.02.2020, 17:02
Bei mir ist es gensuso. Die Betreuung ist sehr schlecht. Keinen Ansprechpartner. Mein Statistik Antrag wurde nicht unterschrieben und die Kosten nicht übernommen. Viel zu viele Doktoranden bei ihm, die seit Jahren dabei noch sind.

Ich ärgere mich, dass ich die Diss bei denen angefangen habe und abbrechen möchte ich nicht

milz
10.02.2020, 18:09
Schön, dass ich nicht alleine bin. Vielleicht fange ich nochmal was neues an. Dann werde ich etwas kritischer bei der Auswahl sein. Das nervigste ist, dass man ständig drauf angesprochen wird, jahrelang, sowohl von Kollegen als auch privat (Und was macht die Diss? :-( ). Daher mein Rat: Erzählt es keinem!

h3nni
10.02.2020, 18:19
Das ist bestimmt eine gute Idee. In der Patho sind Promotionen ja doch noch gern gesehen. Aber selbst wenn es nicht klappen sollte, wäre das sicherlich kein Beinbruch.

Im Rahmen des Studiums ist es irgendwie schwer, ein Promotions-Projekt zu verheimlichen. "Willst du dann auch nen Dr-Titel?"/"Hast du ne Ahnung zu ner Arbeitsgruppe?" usw.

Feuerblick
10.02.2020, 18:38
Das mit den Nachfragen gibt sich. Sobald man mal gesagt hat, dass das Thema durch ist, fragt keiner mehr :-)

PrinzessinAmygdala
12.02.2020, 14:37
Ich kann mich hier leider auch einreihen. Hatte mich auch auf meine Diss gefreut und fand den Fachbereich total spannend. Leider habe ich mich davon zu sehr blenden lassen und mit Sicherheit auch - zum Teil durch Unwissenheit - relevante Punkte übersehen. Letztendlich bin ich mit einer Kommilitonin in einer Studie gelandet, in der wir Daten an viel zu wenig Patienten erheben sollten bedingt durch mangelnde technische und personelle Ressourcen sowie einem fragwürdigen Studienplan. Keine Fragestellung (erst nach Datenerhebung, man wüsste ja nicht was bei raus kommt), keine klare Trennung unserer Arbeitsfelder, im Vorfeld falsche Angaben zu Abläufen seitens Betreuer und Doktorvater, keine Betreuungsvereinvarung. Alles chaotisch. Wir haben es sein gelassen. Ich bedaure es sehr, dass ich mich für diese Diss entschieden habe und könnte mir noch immer in den Hintern treten, bereue es aber nicht, sie an den Nagel gehängt zu haben. Man hat leider gemerkt, dass sie mit den Doktoranden eher den Personalmangel der Studienassistenten decken wollten, als wirklich vernünftige Dissertationen rauszubringen. Immerhin hab ich aus dieser Erfahrung sehr viel gelernt und weiß mittlerweile, worauf ich alles achten muss. Aus Fehlern wird man eben doch manchmal klug. Vielleicht ergibt sich nochmal irgendwann eine Möglichkeit.

Moorhühnchen
12.02.2020, 18:15
Schön, dass ich nicht alleine bin. Vielleicht fange ich nochmal was neues an. Dann werde ich etwas kritischer bei der Auswahl sein. Das nervigste ist, dass man ständig drauf angesprochen wird, jahrelang, sowohl von Kollegen als auch privat (Und was macht die Diss? :-( ). Daher mein Rat: Erzählt es keinem!
Wann hast Du denn angefangen mit der Diss, milz?

Ich bin immer noch im Reinen mit meiner Entscheidung, meine Diss Anfang 2009 - noch vor dem Berufsstart - zu begraben.
Ich hatte ein halbes Jahr vor dem PJ ca. Ende 2006/Anfang 2007 angefangen, Thema war interessant, ich damals noch total auf Neuro fixiert, daher passte "Hypophyseninsuffizienz nach SAB" mir echt gut in den Kram.

Meine Betreuerin kam aus einem anderen Bereich als mein Doktorvater (Betreuerin Endokrino, Dr.Vater NCh) und daher war es quasi von vornherein schwierig. Sie hatte eh nie Zeit und er sowieso nicht. Als ich das Examen hinter mir hatte und nochmal voll durchstarten wollte, erfuhr ich so ganz beiläufig, dass mein Doktorvater in die Schweiz gegangen war und meine Ordner mit den Originaldaten irgendwohin "weggeräumt" worden waren.

Konnte ja auch damals keiner ahnen, dass ich schon nach 10 Wochen die Stelle in der Neuro schmeiße und in der Anästhesie anfange, wo der Titel ja eh so gut wie keinen interessiert! :-))

Habe viel Zeit gespart und vor dem Berufsstart immerhin keinen Streß mehr mit dem Müll gehabt. Also "schnelle Reißleine" war völlig okay. Die beiden anderen Versuche vor dieser Diss verbuche ich auch noch unter Lebenserfahrung.