Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wofür experimentelle Doktorarbeit?
Candida123
18.02.2020, 23:21
Hallo zusammen,
als Student im demnächst 2. Klinischen Semester beschäftige ich mich so langsam auch mit der Suche nach einer Doktorarbeit. Ich kann mir dabei gut vorstellen im Rahmen einer experimentellen Arbeit längere Zeit im Labor zu arbeiten. Jedoch stelle ich mir die Frage, ob sich der Zusatzaufwand gegenüber einer rein retrospektiven Doktorarbeit für meinen Berufsweg lohnt. Habilitieren will ich später sicher nicht.
Ist eine experimentelle Dissertation denn nur sinnvoll, wenn man später habilitieren und an der Uni Karriere machen will? Oder ist eine solche Doktorarbeit gegenüber einer retrospektiven Arbeit auch von Vorteil, wenn man z.B. Oberarzt an einem kommunalen Krankenhaus o.ä. werden will?
Grüße
Kommt wahrscheinlich ganz darauf an, aus welchem Grund du eine Dr. Arbeit machen möchtest. Ich kenne einige, die einfach den Titel wollen und Wissenschaft eigentlich auch nichts zu tun haben wollen. Andere trauen sich das experimentelle einfach auch nicht zu.
Wenn man aus der Arbeit aber wirklich was mitnehmen möchte im Bezug auf wissenschaftliches arbeiten, was im Studium ja eh zu kurz kommt, dann bietet es sich durchaus an, eine experimentelle Arbeit zu machen. Studienergebnisse zu verstehen und zu bewerten wird mit Sicherheit wichtig für jeden Arzt (bzw. sollte es sein).
Es gibt ja auch bei den experimentellen Arbeiten unterschiedlichen Umfang. Ein (erfahrener) Professor, erzählte mir mal, sie hätten manchmal (natürlich Ausnahmefall) sogar experimentelle Arbeiten, die man parallel zum Studium ohne Freisemester machen könnte. Von anderen hab ich gehört, dass auch nach einem Jahr im Labor noch nicht genug sinnvolle Daten gesammelt waren (ob die Arbeit dann unbedingt an einen Mediziner gehen muss ist natürlich eine andere Frage).
Ich kann mir gut vorstellen, dass die Arbeit bei entsprechenden OA Stellen durchaus von Vorteil ist. Ob sie nötig ist, wage ich nicht zu sagen. Das hängt wahrscheinlich auch stark von der Bewerbersituation in x Jahren ab.
Mr. Pink online
19.02.2020, 10:13
Kommt auch auf das Fach an später. In den meisten Fächern gibt es nach wie vor viel Grundlagenforschung. Wer später eine eigene AG leiten möchte, sollte selbst experimentell geforscht haben. Für jemanden der nicht universitär forschen möchte macht es karrieretechnisch keinen Sinn. Nach und nach gewinnt aber so oder so die translationale Forschung an Bedeutung, sodass sich viele auch im Rahmen der Habilitation von der Grundlagenforschung entfernen.
pineapple
19.02.2020, 14:53
Retrospektive sind bei uns Mangelware. Experimentelle gibt es genug. In dieser Hinsicht bleibt einem eh nicht viel Auswahl
Man kann übrigens auch experimentell außerhalb eines Labors arbeiten.
An vielen kommunalen Krankenhäusern ist man denke ich froh, wenn du überhaupt eine Doktorarbeit gemacht hast. Selbst am größten kommunalen Krankenhaus in der Umgebung meiner ehemaligen Uniklinik (Schwerpunktversorger) ist nur ungefähr die Hälfte der Oberärzte promoviert. Kann mir also nicht vorstellen, dass sich das lohnt. Aber viele machen es halt einfach aus Interesse - oder auch, weil solche Arbeiten oft einfacher zu bekommen (da häufiger) sind.
flopipop
19.02.2020, 19:09
Kann mir also nicht vorstellen, dass sich das lohnt. Aber viele machen es halt einfach aus Interesse - oder auch, weil solche Arbeiten oft einfacher zu bekommen (da häufiger) sind.
Niemand macht so etwas nur aus Interesse, sondern aus Ego - und Karrieregründen. Die Promotion erleichtert den Zugang zu OA Stellen, die Habilitation zu den CA Stellen. Die meisten wollen einfach nur den Titel - quick & dirty und dafür braucht man keine experimentelle Arbeit.
Mach doch eine Experimentelle Arbeit, wenn dir die Arbeit m Labor Interesse macht unabhängig von deine zukünftige Ziele
Ich würde keine experimentelle Arbeit mehr machen, zumindest wenn man nebenbei auch noch arbeiten muss. Ich konnte mich eigentlich weder auf die Diss noch auf die Uni in ausreichendem Maße konzentrieren.
Gerade bei experimentellen Arbeiten mit Freisemestern bekommt man doch fast immer ein Promotionsstipendium, - experimentell nebenbei ist sicher nur in seltenen Ausnahmefällen wirklich sinnvoll (kleines Projekt, wenige Methoden, und eine gesicherte finanzielle Situation), aber die meisten Profs bei uns fordern auch einfach ein Freisemester ein (und mal ganz ehrlich: ich würde auch nicht wollen, dass ein halbmotivierter, nur den Dr.Titel suchender Student, der sich überhaupt nicht mit dem Thema auskennt, meine Forschung verpfuscht)
Arrhythmie
20.02.2020, 15:20
Ich hab eine klinisch-experimentelle Studie gemacht, ohne Freisemester. Labor war nie mein Ding.
Ich hab es nicht bereut, weil die Betreuung top war und ich zeitweise auch echt Spaß hatte. Aber es war natürlich arbeitsreich ohne Ende. Allein der Ethikantrag und die Patienten zu rekrutieren, dann noch ständig alles auf den OP Plan anzupassen etc... also nur weil es klinisch ist, heißt es auch nicht dass es mega funktioniert. Ich war schon manchmal auch gut am Verzweifeln. Nach mehreren Mental Breakdowns war ich auch mal kurz davor alles hinzuschmeißen. Am Ende hat es aber doch funktioniert.
Würd ich es nochmal machen? Gute Frage. Ehrlicherweise weiß ich das nicht. Die Betreuung war super, insofern vermutlich eher ja.
Ich hab die Dr. Arbeit aber eigentlich nur angefangen weil es an meiner Uni halt irgendwie fast alle machen (LOL) und weil ich den Titel wollte, da bin ich ehrlich. Was statistisches hab ich gar nicht erst gesucht, ist hier Mangelware. Meine Dr Arbeit hat sich dann irgendwie ergeben. Und da ich relativ sicher wusste dass die Betreuung gut sein wird, ich keine Lust auf Labor sondern auf Klinik hatte, hab ich mich dazu entschlossen.
Als Alternative für Interessierte werfe ich immer gerne die Medizingeschichte bzw. -ethik in den Raum ;-) Da hat man keinen Stress mit Patienten, Versuchstieren oder Experimenten, die Betreuung ist i.d.R.sehr persönlich und andauernd und die meisten Quellen gibt es heutzutage im Internet bzw. man kann sie sich bequem nach Hause schicken lassen :-)) Und die Arbeiten mit entsprechendem Thema (zur Zeit v.a.die NS-Zeit) werden auch gerne dann in anderen Werken zitiert, man tut also durchaus sinnvolles für die Nachwelt. Bei Bewerbungen ist es bisher auch immer gut angekommen, weil es einfach mal etwas anderes ist als die bei uns Zahnis üblichen 0815-Arbeiten.
Bei uns waren solche Arbeiten äußerst anspruchsvoll. Da waren viele experimentelle Arbeiten schneller erledigt. Also ja, kann bei entsprechendem Interesse natürlich eine Überlegung wert sein, aber man sollte sich davon nicht erwarten, dass es automatisch leichter oder schneller wird dadurch.
Von "leichter" war auch nicht die Rede, nur von stressfreier ;-) ich habe für meine Arbeit insgesamt 3 Jahre gebraucht, davon aber hauptsächlich das letzte nach dem staatsexamen.
Candida123
23.02.2020, 22:09
Vielen Dank für eure bisherigen Antworten!
Wer später eine eigene AG leiten möchte, sollte selbst experimentell geforscht haben. Für jemanden der nicht universitär forschen möchte macht es karrieretechnisch keinen Sinn.
An vielen kommunalen Krankenhäusern ist man denke ich froh, wenn du überhaupt eine Doktorarbeit gemacht hast.
Genau darum geht es mir. Ich möchte wirklich nicht habilitieren und dann brauch ich wohl auch nicht universitär zu forschen. Deshalb tendiere ich momentan eher dazu, mir eine retrospektive Doktorarbeit zu suchen. Ich glaube nicht, dass sich durch eine experimentelle berufliche Vorteile für mich ergeben würden. Und eine experimentelle rein aus Interesse zu machen ist angesichts der Rahmenbedingungen glaube ich auch nicht lohnenswert.
Student89
03.03.2020, 23:11
Ich habe genug Wissen im Kopf, aber ich kann nicht alles schön auf Papier bringen. Ich muss meine Dissertation zur Korrektur in dieser Agentur unter abgeben. Ich hoffe, dass ich nächstes Jahr damit fertig werde.
Das ist falsch Aber viel Glück in der Zukunft.
retrospektiv heißt nicht, dass es einfacher oder schneller geht.
Man muss rausfinden, welcher Typ Arbeit einem eher liegt.
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