Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Der große Coronathread
Bei Besprechungen haben wir in der Regel mindestens einen freien Sitz Abstand zwischen einander, und es trägt in der Regel jeder Masken. Außerdem wurde die Anzahl der Leute, die zu jeder Besprechung gehen, in der Regel auf das absolute Minimum reduziert. Viel schlimmer ist es bei uns in den Arztzimmern / Stationszimmern, oder in den Pausen...
tragezwerg
07.05.2020, 16:15
Bei uns ist MNS-Pflicht für alle Mitarbeiter, sobald das Klinikgelände betreten wird. Frühbesprechungen finden nicht statt bzw. nur unter Einhaltung des Abstands von mind. 1,5m.
Hier auch MNS-Pflicht auf dem Klinikgelände. Besprechungen finden nicht statt mit Ausnahme der Frühbesprechung. Die allerdings mit einem Minimum an Leuten und in einem großen Raum mit ausreichend Abstand.
In den Arztzimmern klappt das mit dem Abstand aus räumlichen Gründen oft nicht wirklich, teilweise wurde aber auch räumlich umstrukturiert damit sich nicht so viele Leute in einen Raum quetschen. Und wenn der Chef sieht, dass sich mehr Leute als nötig in einem Raum aufhalten, gibts Ärger.
Wir haben auch MNS-Pflicht im Haus und keine Besprechungen mehr. Im Stützpunkt dürfen sich theoretisch nie mehr wie 4 Personen gleichzeitig aufhalten und im Pausenraum nie mehr wie zwei. Wird mal mehr, mal weniger gut eingehalten. Ansonsten natürlich alles möglichst auf Abstand, nur Übergaben gehen einfach nicht anders, es müssen halt alle in die Kurve gucken können dabei.
Ich bin schon etwas besorgt, was die ganzen Lockerungen aktuell angeht, es geht mir tatsächlich zu schnell. Wieso man jetzt alle 3 Tagen noch was neues erlauben muss und nicht mal wenigstens eine Woche dazwischen warten kann um die Fallzahlentwicklung zu beobachten, erschließt sich mir nicht. Jetzt hab ich die Wahl, mitzumachen und mich über die Lockerungen zu freuen und das Risiko einzugehen, oder weiter vorsichtig und zu Hause zu bleiben und darauf zu warten, dass mir in der Arbeit irgendwer das Virus anschleppt -.-
Feuerblick
07.05.2020, 17:41
Veranstaltungen bis 100 Personen (mehr auch... mit Genehmigung), Restaurants offen... Da waren wir schon. Und wo führte es hin? Ich finde es total bescheuert, aus politischen Gründen jetzt alles wieder zu erlauben. Glaubt doch kein Mensch, dass das nicht in die Hose geht. Und spätestens im Herbst brennt der Baum dann wirklich und alle anderen Länder lachen uns aus.
Choranaptyxis
07.05.2020, 18:08
Das sehe ich auch kommen, aber es sind doch nur Alte und Todkranke gestorben, da muss man an die Wirtschaft denken. Hab aufgehört zu zählen, wie oft ich das gelesen oder gehört habe.
Heute in der Innenstadt vorbeigekommen, da lagen so viele auf der Wiese an einer Parkanlage, dass man denken könnte, alle wären 10 Jahre eingesperrt gewesen.
Naja, Intubation stellt einen Hochrisikoeingriff dar und ich glaube nicht FFP3 Masken gibt es genug, insofern finde ich das Screening elektiver Patienten vor Intubation als extrem sinnvoll.
Es gibt keine Evidenz dafür, dass FFP3 Masken besser als FFP2 Masken schützen. In Pandemie- bzw. Epidemiesituationen sollte man daher bei Risikoeingriffen eh die geeigneten Schutzmaßnahmen treffen (in diesem Fall also FFP2 Masken + Schutzbrille etc), unabhängig von dem Ergebnis des Rachenabstrichs, der ja gerne mal falsch negativ sein kann.
Ungezieltes Screening kann zu Verwirrung führen. Hier wurde schon mal automatisiert gescreent, da keine Symptomatik aber das Ergebnis nicht abgewartet, sondern den Eingriff schon mal durchgeführt. Ergebnis des Abstrichs: unklar. Große Aufregung beim Anästhesiepersonal mit Einschaltung von Arbeitsschutz, Quarantänemaßnahmen etc. Der Folgeabstrich nach dem Wochenende logischerweise negativ.
Bei Einhaltung der empfohlenen allgemeinem Hygienemaßnahmen is das Risiko einer Übertragung auf das Personal gering (es wird gerade eine Fallstudie zu diesem Thema aus meinem Haus auf Publikationsgüte geprüft), das Ergebnis von Abstrichen kann hingegeben eine falsche Sicherheit suggerieren.
Weiteres Beispiel einer symptomatischen Patienten: Zwei Rachenabstriche negativ, also kann sie ja nicht an COVID-19 erkrankt sein. Oh sie muss intubiert werden, dann können wir gleich mal tiefes Atemwegsmaterial sammeln. Oh, sie ist ja doch positiv, das Virus im Rachenbereich nur nicht mehr nachweisbar.
Das sehe ich auch kommen, aber es sind doch nur Alte und Todkranke gestorben, da muss man an die Wirtschaft denken. Hab aufgehört zu zählen, wie oft ich das gelesen oder gehört habe.
Heute in der Innenstadt vorbeigekommen, da lagen so viele auf der Wiese an einer Parkanlage, dass man denken könnte, alle wären 10 Jahre eingesperrt gewesen.
Du hast das vielleicht deswegen so oft gelesen und gehört, weil da auch was wahres dran ist. Man kann jetzt nicht weiter munter das wirtschaftliche Leben in einigen Branchen einstellen, um weiter "vorsichtig" zu sein. Erklär das sonst mal den Gastronomiebesitzern, Selbstständigen etc. die reihenweise pleite gehen. Und den Kindern, die keine normale Schulzeit mehr haben.
Tatsächlich ist der Weg der Bundesregierung eigentlich ganz in Ordnung, meiner Meinung nach.
Bonnerin
07.05.2020, 19:15
Oder den Leuten selber, wenn man ihnen erklären muss, dass man die Behandlung ihrer Eltern/Kinder/Geschwister nicht durchführen kann, weil die Krankenkasse sie nicht bezahlen wird. Vielleicht ist das noch akut kein Problem, aber mit steigenden Arbeitslosenzahlen sinken die Beitragszahler. Also wahlweise dann steigende Beiträge für die, die noch Jobs haben oder Leistungskürzungen für alle.
Ich will aber auch nicht erklären müssen "Tut mir leid, Eure Oma Hilde ist jetzt über die Regenbogenbrücken spaziert weil es für viele Mitmenschen einfach eine nicht mit dem Leben zu vereinbarende Zumutung gewesen wäre, noch länger ohne Yoga und Latte Macchiato in der Sonne auskommen zu müssen."
Feuerblick
07.05.2020, 20:01
Ich will aber auch nicht erklären müssen "Tut mir leid, Eure Oma Hilde ist jetzt über die Regenbogenbrücken spaziert weil es für viele Mitmenschen einfach eine nicht mit dem Leben zu vereinbarende Zumutung gewesen wäre, noch länger ohne Yoga und Latte Macchiato in der Sonne auskommen zu müssen."Eben. Erklär mal den Angehörigen, dass ihr Sohn/Tochter/Mann/Frau/Mutter/Vater/Oma/Opa gerade übern Jordan gegangen ist, weil die Wirtschaft gerettet werden musste. Ein Traum! Besonderes wichtig auch die Rettung von Großveranstaltungen. Ein Heinsberg und ein Ischgl reicht offenbar nicht, ums zu kapieren. Man hätte sich einfach Schritt für Schritt aus der Deckung wagen können. Ein Schritt, zwei Wochen warten (Inkubationszeit), nächster Schritt. Aber nee, wir wollen ja den Baum doch noch brennen sehen. Wirtschaft ist wichtiger.
Choranaptyxis
07.05.2020, 20:21
Du hast das vielleicht deswegen so oft gelesen und gehört, weil da auch was wahres dran ist. Man kann jetzt nicht weiter munter das wirtschaftliche Leben in einigen Branchen einstellen, um weiter "vorsichtig" zu sein. Erklär das sonst mal den Gastronomiebesitzern, Selbstständigen etc. die reihenweise pleite gehen. Und den Kindern, die keine normale Schulzeit mehr haben.
Tatsächlich ist der Weg der Bundesregierung eigentlich ganz in Ordnung, meiner Meinung nach.
Natürlich ist die Wirtschaft stark betroffen, und damit auch einzelne. Und ja, vlt bin ich privilegiert, dass ich einfach weiter studieren kann und noch durch den Job im Krankenhaus "besser" dastehe als vorher (zumindest finanziell).
Allerdings wären kleinere Schritte vlt auch ein Weg gewesen, und nicht die Öffnungen in diesem Ausmaß. Die "Parkwiese" sah aus wie die Liegewiese im Schwimmbad, und an der Ampel hätte ich heute mehrmals nur mit dem Schritt auf die Straße den nötigen Abstand wieder erreichen können (50cm sind halt keine 1,5m). Was sagen bringt natürlich auch nicht bei jedem was und man erntet im Zweifelsfall noch dumme Kommentare.
Nachteil: es hat uns nicht so schlimm erwischt wie andere Länder, Vorteil: es hat uns nicht so schlimm erwischt.
Einfach etwas langsamer machen und abwarten, wie es sich entwickelt wäre halt mein Wunsch gewesen. Lieber warte ich nämlich jetzt noch 2-3 Wochen länger auf den nächsten SChritt, als dass in 1-2 Monaten das ganze wieder von vorne anfängt.
Hat jmd eigentlich mal eine Quelle zu der "Atembelastung" durch Masken? Habe selbst Freunde etc, die sagen, ihnen wird ganz schwindlig mit der Maske, Rückatmung, ungesund, und frage mich dann immer, ob das Einbildung ist oder tatsächlich ein Problem? Denke mir halt immer, im Krankenhaus schaffen es ja auch alle mit MNS und FFP-Masken zu arbeiten. Gibt es dazu was?
Man muss sich trotzdem mal fragen, zu welchem Preis man wirkliches jedes Menschenleben schützen möchte. Wir haben keine unendlichen Ressourcen, also wie viel ist ein Menschenleben wert?
100.000 Euro? 1.000.000 Euro? 1.000.000.000 Euro?
Wie viel Geld können wir dafür eigentlich dafür ausgeben, um ein Menschenleben zu schützen?
Und wie viel Freiheit müssen wir dafür opfern? Und wie viel Freiheit müssen die Kinder dafür opfern?
Das sind unangenehme Fragen, die niemand weder stellen noch viel schlimmer beantworten möchte. Als Politiker muss man das aber. Als Arzt hingegen hat man die extrem einfach Position, sich auf ein moralisches Podest stellen zu können, auf dem "wir wollen alle Menschen retten" steht.
Dass aufgrund dieser Position extrem viele andere Menschen leiden, wird gerne einmal übersehen.
Davon abgesehen wird man nie Sohn/Tochter/Mann/Frau/Mutter/Vater/Oma/Opa nie vor allen möglichen (Infektions)Krankheiten schützen können.
Feuerblick
07.05.2020, 20:35
Tja... aber vor dieser vielleicht. Wie gesagt: LANGSAME Öffnungen wären sehr viel sinnvoller gewesen als alles auf einmal und in drei Wochen dann wieder Rolle rückwärts. Dass DAS der Wirtschaft guttut wage ich mal zu bezweifeln! Und wo „opfern“ wir denn bitte Freiheit? Weil wir nicht ins Cafe und Restaurant und auf Konzerte gehen können? Oder weil wir nicht bei IKEA shoppen können? Ernsthaft?
WackenDoc
07.05.2020, 20:46
Bei uns ist es ziemlich schlimm. Die Leute meinen wohl, es wäre vorbei. Im Stadtpark geht es- da fährt aber auch regelmäßig die Polizei durch und verhindert die größten Ansammlungen. Insgesamt sind die Gruppen aber etwas größer als noch vor 1-2 Wochen.
Ganz schlimm ist der sog. Grünzug- ein langgezogener Park, geht durch zwei ähmm sozial herausgeforderte Stadtteile. Ich komm da morgens durch bevor die Stadtreinigung unterwegs ist- Glasscherben, jeder mülleimer übervoll, Müll daneben, Reste von diversen Partys. Aufm Heimweg einfach nur voll, inzwischen auch mehr Leute eng beieinander, die Spielplätze voll mit Mudditreff am Rand, Hundegruppe trifft sich, die Alkoholiker treffen sich inzwischen auch wieder in Gruppen an den bekannten Pläten.
WackenDoc
07.05.2020, 20:48
Was die Masken angeht- in den meisten Fällen ist es Mimimi und psyche.
Achso- Laut dem Eiswagenmann war ich die Erste die heute mit Maske zu seinem Wagen gekommen ist. Er war auch die Tage an einem Spielplatz- kein Abstand, Rudelbildung, die Eltern auch kein Deut besser.
GelbeKlamotten
07.05.2020, 20:48
Tja... aber vor dieser vielleicht. Wie gesagt: LANGSAME Öffnungen wären sehr viel sinnvoller gewesen als alles auf einmal und in drei Wochen dann wieder Rolle rückwärts. Dass DAS der Wirtschaft guttut wage ich mal zu bezweifeln! Und wo „opfern“ wir denn bitte Freiheit? Weil wir nicht ins Cafe und Restaurant und auf Konzerte gehen können? Oder weil wir nicht bei IKEA shoppen können? Ernsthaft?
Ja, ernsthaft. Natürlich opfern wir Freiheit, wenn wir nicht mit Freunden ins Restaurant, ins Cafe, ins Kino, ins Fitnessstudio und und und können. Was is denn das für eine Frage? Für viele (inkl. mir) macht das ein großer Teil der Freiteitgestaltung aus und ein komplettes Verbot ist ein starker Einschnitt.
Jetzt kann man natürlich immer mit dem Totschlagargument „aber es geht um Menschenleben“ kommen. Aber das kann man dann bei jeder anderen Infektionskrankheit auch.
Ja, Covid19 ist gefährlicher als die alljährliche Grippe. Aber trotzdem muss man diskutieren, wo man jetzt die Grenze für Schutzmaßnahmen zieht. Auch in der „ganz normalen“ Grippezeit könnte man jedes Jahr Tote durch komplettes Social Distancing verhindern. Fährt man deswegen jetzt jedes Jahr 3 Monate lang alles runter? Nein, weil man den Nutzen gegen die Schäden abwägt. Genau wie jetzt.
Ob die Abwägung richtig ist, darüber kann man diskutieren. Ich denke der Kurs ist gut. Und ich glaube nicht, dass es einen erneuten Shutdown geben wird/muss.
WackenDoc
07.05.2020, 20:50
Es wird einen neuen Shutdown geben. Wenn wir Pech haben so richtig mit Ausgangssperre. Wir haben vielleicht 4-6 Wochen.
GelbeKlamotten
07.05.2020, 20:52
Es wird einen neuen Shutdown geben. Wenn wir Pech haben so richtig mit Ausgangssperre. Wir haben vielleicht 4-6 Wochen.
Jo und wenn wir Glück haben wirds keinen geben. Wissen tut das keiner von uns. Und solche absoluten Formulierungen machen dich nur unglaubwürdig.
WackenDoc
07.05.2020, 20:56
Es finden zur Zeit bundesweite Demonstrationen statt. Stuttgart z.B. letztes WE ca. 5000 Teilnehmer. Keiner hält sich an Abstände, kein Mundschutz. Die Teilnehmer oder auch eher die Redner reisen teilweise von Demo zu Demo.
Das Problem sind nicht (nur) die Lockerungen, sondern dass so getan wird, als ob alles vorbei ist und dass die Leute zu dumm sind um mit ihren Freiheiten verantwortungsvoll umzugehen.
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